Kita-Standortsuche entpuppt immer mehr als handfester Skandal

Kinder, Kindergarten, Kinderbetreuung, Kita(Foto: , S.v.Gehren / pixelio.de)
Die Suche nach einem pas­senden Kin­der­garten-Standort in der Gemein­de­mitte gerät immer mehr zum hand­fe­sten Skandal. 

Die Suche nach einem Kita-Standort in der Gemeinde ent­puppt sich immer mehr als hand­fe­ster Skandal. Als sol­cher ist zu bezeichnen, was sich da heute im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss abge­spielt hat. Es ist zum Fremd­schämen. Wer nicht Augen- und Ohren­zeuge war, würde es kaum glauben wollen:

Seit nun­mehr einem Jahr ist die Fläche auf dem Fest­platz nicht nur im Gespräch, son­dern heiß dis­ku­tiert. Die Befür­worter dieses Stand­ortes, allen voran die Bür­ger­mei­sterin, ihr Bei­geord­neter Bernd Kasischke und natür­lich CDU- und Bür­ger­block-Poli­tiker ver­treten diesen Standort vehe­ment und wecken damit Hoff­nungen bei den Eltern, die seit fast drei Jahren auf Betreu­ungs­plätze für ihre Kinder warten – und dann stellt sich heraus, dass die Kita gar nicht auf dieser Fläche gebaut werden könnte, weil sie viel zu klein ist.

Abge­sehen von allen anderen Aspekten, die gegen diesen Standort spre­chen, wäre ein Neubau auf diesem Standort nur mög­lich, wenn die Kita weiter in den Fest­platz hinein gebaut würde. Genau das wollen die Schützen aber nicht und legten des­halb ihr Veto ein.

Bevor es jemand ver­gisst: Der Bür­ger­schüt­zen­verein hat nach dem Abriss von Haus Duden­roth von der Gemeinde ver­trag­lich zuge­si­chert bekommen, dass er seine Schüt­zen­feste auf dem Fest­platz durch­führen darf. An diesem Ver­trag, genauer: Fest­set­zungs­be­schluss ist juri­stisch nicht zu rüt­teln. Das haben die Schützen gerade erst prüfen lassen. Es geht hier also nicht um die Frage, ob das Schüt­zen­fest noch so groß wie früher gefeiert wird oder die Kirmes viel­leicht über­flüssig ist. Ver­trag ist Ver­trag.

Inkompetenz oder Täuschung

Dass die Fläche auf dem Fest­platz zu klein ist, ist aber nur ein Aspekt des Skan­dals. Der andere: Man kann es drehen und wenden, wie man will. Die Ver­wal­tungs­spitze um Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel, ihr Bei­geord­neter Bernd Kasischke und schon deut­lich zurück­hal­tender der Leiter der Tech­ni­schen Dienste, Uwe Nett­len­busch, haben sich mona­te­lang gebets­müh­len­artig nicht nur für den Fest­platz als Standort stark gemacht, son­dern ebenso kate­go­risch behauptet, dass im Emscher­park kein anderer Standort für die Kita zeitnah zu rea­li­sieren sei.

Das lässt jetzt nur zwei Mög­lich­keiten offen: Ent­weder die Ver­wal­tungs­spitze ist absolut inkom­pe­tent. Oder sie hat ganz bewusst die Politik getäuscht und hin­ters Licht geführt. Auch wenn es die Sym­pa­thi­santen der Bür­ger­mei­sterin nicht gerne hören wollen: Als Ver­wal­tungs­chefin ist Ulrike Drossel nun einmal die Ver­ant­wort­liche für dieses Desa­ster und müsste daraus die Kon­se­quenzen ziehen.

Denn die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Ver­wal­tung und Politik hat spä­te­stens heute schweren Schaden genommen. Wie man je wieder ver­trau­ens­voll mit­ein­ander umgehen will, ist zur Stunde noch gar nicht absehbar. Dass die zur Mode­ra­tion bisher unfä­hige Bür­ger­mei­sterin dieses Kunst­stück noch voll­bringen kann, wäre zu wün­schen, ist aber kaum anzu­nehmen. In der Sit­zung heute war bezeich­nen­der­weise weder von Ulrike Drossel noch von ihrem Bei­geord­neten Bernd Kasischke auch nur ein ein­ziges Wort zu ver­nehmen.

Anwohner als „kinderfeindlich“ diffamiert

Ein Bebauungsplan, zwei Meinungen: Wilfried Brinkmann und Reinhard Gerlings (v.l.) diskutieren über die Lage des Baukörpers der Kita - ohne Ergebnis. (Foto: P. Gräber - Enmscherblog.de)
Wil­fried Brink­mann und Rein­hard Ger­lings (v.l.) dis­ku­tieren über die Lage des Bau­kör­pers der Kita beim Orts­termin des Histo­ri­schen Ver­eins im Emscher­park . (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Doch der Skandal hat noch wei­tere Aspekte: Bei­spiels­weise den, dass die Gegner des Fest­platz-Stand­ortes und ins­be­son­dere die Anwohner über Wochen und Monate als „kin­der­feind­lich“ und „ego­istisch“ beschimpft und dif­fa­miert worden sind. Am Ende des Tages stellt sich jetzt heraus, dass sie weit­ge­hend richtig mit ihren Ein­sprü­chen lagen. Im Grunde haben die pro­te­stie­renden Anwohner wie Rein­hard Ger­lings genau die Arbeit getan, die eigent­lich die Ver­wal­tung hätte lei­sten müssen. Was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass der alter­na­tive Vor­schlag der SPD jetzt bei­nahe genau dem ent­spricht, was Rein­hard Ger­lings schon beim ersten Orts­termin des Histo­ri­schen Ver­eins im Emscher­park vor­ge­schlagen hatte.

Schließ­lich bekleckerten sich auch die Mit­glieder von CDU und Bür­ger­block heute im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss vor den Augen (leider viel zu weniger) Eltern nicht gerade mit Ruhm: Die Frak­tionen hatten sich ja schon am Vortag bei einem letzten Abstim­mungs­ge­spräch nicht einigen können und also schon gewusst, was heute in der Sit­zung auf sie zukommen würde. Obwohl also keine Über­ra­schung mehr für sie war, dass der Fest­platz als Standort aus­scheidet (weil zu klein) und die Kita zeitnah und ohne grö­ßere Ver­lu­sten an Bäumen im Park gebaut werden könnte, zeigte sich die Mit­glieder von CDU und Bür­ger­block absolut stur und votierten zunächst für ihren eigenen Fest­platz-Antrag und anschlie­ßend gegen auch nur die Dis­kus­sion über den alter­na­tiven Standort im Emscher­park.

Man muss ja nicht gleich für einen Standort im Emscher­park stimmen, wenn man den nicht gut findet. Aber nach fast drei Jahren beschä­mender Stand­ort­suche und vielen Wen­dungen hätte man sich zumin­dest ent­halten können.

Immerhin wurde so für alle Anwe­senden deut­lich, wer im Inter­esse der Kinder seine eigenen zurück­zu­stellen bereit ist und wer auf Teufel komm raus seine eigene Posi­tion durch­setzen will.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.