Kein Zurück mehr möglich: Rat beschließt Neubau des Rat- und Bürgerhauses

So soll das Bürgerforum im neuen Rat- und Bürgerhaus aussehen. (Foto: RENDERBAR für Bez+Kock Architekten) (Foto: RENDERBAR für Bez+Kock Architekten)
So soll das Bür­ger­forum im neuen Rat- und Bür­ger­haus aus­sehen. (Foto: RENDERBAR für Bez+Kock Archi­tekten)

Jetzt gibt es kein Zurück mehr: Gegen die Stimmen der CDU hat der Gemein­derat am Diens­tag­abend mit großer Mehr­heit den Bau des neuen Rat- und Bür­ger­hauses beschlossen. Gleich­zeitig wurde das Gesamt­budget auf 19,5 Mio. Euro fest­ge­legt. 

In der vor­an­ge­gan­genen Sit­zung des Pla­nungs- und Bau­aus­schusses hatte Archi­tekt Thor­sten Kock vom Stutt­garter Büro Bez & Kock in Anwe­sen­heit aller Rats­mit­glieder die bis­he­rige Pla­nung erläu­tert und der desi­gnierte Käm­merer Chri­stian Grimm die Finan­zie­rung des größten Bau­vor­ha­bens in der Geschichte Holzwickedes erläu­tert. Danach dürfen sich die Mit­ar­beiter und alle Bürger der Gemeinde auf modernes, bar­rie­re­freies und bür­ger­freund­li­ches neues Gebäude freuen, das zu 60 Pro­zent vom Land geför­dert wird. Der Eigen­an­teil der Gemeinde beträgt rd. 8,5 Mio. Euro.

Was das neue Rat- und Bür­ger­haus dann tat­säch­lich kosten wird, wissen wir erst am Ende.“ 

Archi­tekt Thor­sten Kock 

Archi­tekt Thor­sten Kock betonte aller­dings: Mit dem gest­rigen Beschluss wurde zwar fest­ge­legt, was gebaut wird, welche Funk­tionen das neue Rat- und Bür­ger­haus haben wird und was es vor­aus­sicht­lich kostet. „Was das neue Rat- und Bür­ger­haus dann tat­säch­lich kosten wird, wissen wir erst am Ende.“ Denn das hänge letzt­lich davon ab, wie sich der Bau­preis­index ent­wickeln wird. Aller­dings gibt es einen „Puffer“ von rd. 1,3 Mio. Euro, um Kosten­stei­ge­rungen abzu­fangen. Außerdem gibt es auch in der Bau­phase noch in gewissem Umfang Mög­lich­keiten, den Rot­stift anzu­setzen.

Die Planung

Diese im Rat präsentierte Zeichnung die aktuelle Ansicht des Neubaus dar.  (Foto: RENDERBAR für Bez+Kock Architekten)
Diese im Rat prä­sen­tierte Zeich­nung die aktu­elle Ansicht des Neu­baus dar. (Foto: RENDERBAR für Bez+Kock Archi­tekten)

Schon jetzt haben die Ver­ant­wort­li­chen aus Kosten­gründen die ursprüng­liche Pla­nung um 870 m2 Brutto-Geschoss­fläche auf noch 5 503 m2 redu­ziert. Zum Ver­gleich: Die Brutto-Geschoss­fläche aller aktu­ellen Ver­wal­tungs­ge­bäude beträgt 3 994 m² (altes Rat­haus = 1 944 m2)

Durch den neuen Anbau des Rat- und Bür­ger­hauses ent­steht ein Karree, dessen Mitte beson­ders wichtig ist, wie der Archi­tekt betont: „Es ent­steht kein Neben­ein­ander, son­dern ein Mit­ein­ander. Dem Altbau wird Refe­renz erwiesen, was schon in der Ein­gangs­halle wahr­zu­nehmen sein wird.“ Der alte Rats­keller wird zu einem Bür­ger­keller. 75 Pro­zent des Kar­rees ent­fallen auf den Neubau, 25 Pro­zent auf den Altbau. Wichtig aus Sicht des Archi­tekten: Das histo­ri­sche Rat­haus wird seinen Ein­gang nicht ver­lieren. Viel­mehr bleibt dieser als „Hoch­zeits­ein­gang“ erhalten, da über ihn das Trau­zimmer erreichbar bleiben wird.

In der eben­erdigen Ein­gangs­halle des neuen Anbaus wird es einen zen­tralen Info­point geben und der Bür­ger­ser­vice erste Anlauf­stelle sein. Der Bür­ger­saal wird die gleiche Gewich­tung erfahren wie die Dienst­be­reiche. Die zum Markt­platz geöff­nete Gastro­nomie mit Gast­raum und Theke erhält einen Durch­gang zum Bür­ger­forum.

Bürgerforum und Bürgersaal

Im 1. Ober­ge­schoss wird der obere Bereich des Bür­ger­saals über eine Treppe aus dem Forum erreichbar sein. Die ring­förmig ange­ord­neten Ver­wal­tungs­räume sind mit­ein­ander ver­bunden. Dazu findet sich die Küche und Neben­räume der Gastro­nomie in dieser Etage.

Das 2. Ober­ge­schoss wird ein reines Ver­wal­tungs­ge­schoss mit ring­förmig ange­ord­neten Räumen. Außerdem ist die Ent­lüf­tungs­technik für die Gastro­nomie dort unter­ge­bracht.

Das Dach­ge­schoss ist „die wesent­liche Ein­griffs­fläche in den Altbau“, so Thor­sten Kock. Vor allem wegen des Brand­schutzes im Altbau sei das pro­ble­ma­tisch. „Noch ist gar nicht absehbar, was dort alles für Maß­nahmen nötig sein werden. Des­halb können wir auch die Kosten noch gar nicht abschätzen.“

Was die Mate­ria­lien angeht, wird der Neubau dunkler aus­fallen, als auf den bisher bekannt gewor­denen Ent­würfen: Die Farbe wird auf das dunkle Grau des alten Rat­hauses abge­stimmt. Die Platten des Markt­platzes werden in das Bür­ger­forum des Anbaus fort­ge­setzt. Fen­ster und Fas­sa­den­ele­mente sollen in einem etwas wär­meren Farbton akzen­tuert werden.

Die Decke im Bür­ger­saal wird glatt und rein Weiß gehalten und einen Mas­siv­holz­boden erhalten.

So wird der in schlichtem Weiß und helles Holz gehaltene künftige Bürgersaal aussehen. (Foto:  RENDERBAR für Bez+Kock Architekten)
So wird der in schlichtem Weiß und helles Holz gehal­tene künf­tige Bür­ger­saal aus­sehen. (Foto: RENDERBAR für Bez+Kock Archi­tekten)

Die Finanzierung

Der für die Finanz­pla­nung zustän­dige Chri­stian Grimm legte neben der Kosten­kal­ku­la­tion, über die wir am ver­gan­genen Freitag bereits berich­teten, auch eine Kosten-Nutzen-Ver­gleich zwi­schen dem Ist-Zustand (3 994 m2 Geschoss­fläche) dem Soll-Zustand nach dem Neubau (5 503 m2) vor. Danach belaufen sich die Betriebs­ko­sten für alle Ver­wal­tungs­ge­bäude der­zeit 239 903 Euro im Jahr sowie mit dem Rat- und Bür­ger­haus künftig auf ins­ge­samt 248 519 Euro im Jahr – bei aller­dings deut­lich mehr Dienst­räumen, einem Bür­ger­saal und Bür­ger­forum. Noch deut­li­cher: Im neuen Rat- und Bür­ger­haus betragen die Betriebs­ko­sten 45 Euro/​m2 und aktuell 60 Euro/​m2. „Das neue Rat- und Bür­ger­haus ist also ein­deutig wirt­schaft­li­cher“, kon­sta­tiert Chri­stian Grimm.

Rechnet man die För­der­mittel und etwaige Erträge heraus, beläuft sich die Bela­stung für den kom­mu­nalen Haus­halt durch den Eigen­an­teil für das neue Rat- und Bür­ger­haus in den kom­menden Jahren auf 359 324 Euro im Jahr und liegt damit „nur“ um rd. 70 000 Euro über der aktu­ellen jähr­li­chen Bela­stung, bei deut­lich mehr Platz, Qua­lität und Effi­zienz.

CDU lehnt Neubau ab 

Die östliche Ansicht des Anbaus mit den großen Fenstern zum Bürgersaal. (Foto: RENDERBAR für Bez+Kock Architekten)
Die öst­liche Ansicht des Anbaus mit den großen Fen­stern zum Bür­ger­saal. (Foto: RENDERBAR für Bez+Kock Archi­tekten)

Wäh­rend alle anderen Frak­tionen der Pla­nung und Finan­zie­rung des neuen Rat- und Bür­ger­hauses zustimmten, lehnten die CDU das Pro­jekt ab. „Wir sehen unsere Befürch­tungen bestä­tigt: Schon bevor wir über­haupt mit dem Bau begonnen haben, sind die Kosten seit Juni von 19,5 Mio. Euro auf 19,7 Mio. Euro gestiegen. Dafür kann die Ver­wal­tung zwar nichts, aber das Risiko ist uns trotz För­de­rung ein­fach zu groß“, so Frank Mar­kowski. „In der Nach­bar­stadt Dort­mund konnten gerade erst die Auf­träge für die Reinoldi-Schule nach der Aus­schrei­bung nur nach einer Kosten­stei­ge­rung von fast 50 Pro­zent ver­geben werden.“ Die CDU sei nicht gegen den Rat­haus-Neubau. „Wir hätten uns nur eine etwas klei­nere Pla­nung, auch behin­der­ten­ge­recht und mit einer bedarfs­ge­rechten Unter­brin­gung der Ver­wal­tung gewünscht. Diese Chance ist leider nicht genutzt worden.“

Die übrigen Frak­tionen ver­wiesen auf die Mög­lich­keit der För­de­rung und den gün­stigen Zins­satz – eine ein­ma­lige Chance, ein modernes und bedarfs­ge­rechtes Rat- und Bür­ger­haus für künf­tige Genera­tionen zu errichten. Die dezen­trale Unter­brin­gung der ein­zelnen Ver­wal­tungs­be­reiche sei inef­fektiv und gewähr­leiste bei den Bür­ger­dien­sten nicht einmal mini­male Anfor­de­rungen an die Dis­kre­tion.

FDP-Spre­cher Jochen Hake wies ins­be­son­dere den von der CDU erweckten Ein­druck zurück, die Befür­worter des Neu­baus würden ver­ant­wor­tungslos mit Steu­er­gel­dern umgehen und eine Mehr­heit der Bürger lehne den Neubau des­halb wie die CDU ab. „Dem ist ganz und gar nicht so“, meinte Jochen Hake in Rich­tung der CDU. „Es gibt sehr viele Bürger, die der Mei­nung der Mehr­heits­frak­tion hier im Rat sind. Sie ver­treten mit ihrer ängst­li­chen Hal­tung also kei­nes­wegs alle Bürger. Wann, wenn nicht jetzt, wollen Sie dann über­haupt noch öffent­liche Bau­vor­haben angehen?“

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