Der friedliche Eindruck täuscht: Seit die Gemeinde im Krämersweg Parkbuchten abmarkiert hat, herrscht dort ein regelrechter Krieg unter Nachbarn mit mutwilligen Zerstörungen an Autos und Mobbing. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Im Krämersweg tobt der Parkkrieg: Bürgerantrag entzweit Nachbarschaft

Der friedliche Eindruck täuscht:  Seit die Gemeinde im Krämersweg Parkbuchten abmarkiert hat, herrscht dort ein regelrechter Krieg unter Nachbarn mit mutwilligen Zerstörungen an Autos und Mobbing.  (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Der fried­liche Ein­druck täuscht: Seit die Gemeinde im Krä­mersweg Park­buchten abmar­kiert hat, herrscht dort ein regel­rechter Krieg unter Nach­barn mit mut­wil­ligen Zer­stö­rungen an Autos und Mob­bing. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Manchmal ist gut gemeint das Gegen­teil von gut. Das muss gerade eine junge Mutter aus dem Krä­mersweg leid­voll erfahren, die eigent­lich nur errei­chen wollte, dass in ihrer Straße etwas lang­samer gefahren wird und darum im November vorigen Jahres wie 73 wei­tere Nach­barn einen Bür­ger­an­trag gestellt hatte. Die Gemeinde mar­kierte dar­aufhin ver­setzte Park­buchten im Krä­mersweg ab und wies außer­halb ein­ge­schränkte Hal­te­ver­bote aus. Seitdem „herrscht Krieg hier oben“, so die ver­zwei­felte Mutter: Anwohner berichten von zer­kratzten und mit Kot beschmierten Autos, abge­bro­chenen Schei­ben­wi­schern und die junge Mutter wird als mut­maß­liche Ver­ur­sa­cherin des ganzen Ärgers durch­ge­mobbt, „weil alle denken, dass ich die Ver­kehrs­be­ru­hi­gung bean­tragt habe“, schil­derte die junge Mutter im Ver­kehrs­aus­schuss am Mitt­woch­abend (11.3.).

Zur Erin­ne­rung: Die von der Gemeinde vor­ge­nom­menen Mar­kie­rungen der Park­buchten stellen einen Kom­pro­miss dar. Denn eigent­lich hatten sich die 73 Unter­zeichner sei­ner­zeit gewünscht, dass aus dem Krä­mersweg, wo Tempo 30 gilt, eine rich­tige ver­kehrs­be­ru­higte Zone mit Auf­pfla­ste­rungen und Fahr­bahn­ein­bauten wird. Denn nur so, da sind sich alle Experten einig, könnte nach­haltig erreicht werden, dass Ver­kehrs­teil­nehmer langsam fahren. Der Haken: An den Kosten für solche Umbauten würden die Anlieger nach dem Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz (KAG) betei­ligt. Das wollten die Unter­zeichner dann doch nicht.

Als Kom­pro­miss schlug Holzwickedes Bei­geord­neter den Anwohner vor, auf dem Krä­mersweg ver­setzt Park­buchten abzu­mar­kieren und außer­halb dieser aus­ge­wie­senen Stell­plätze ein­ge­schränkte Hal­te­ver­bote aus­zu­weisen. „Richtig gut wird es wohl nicht“, ahnte Bernd Kasischke schon damals. „Dazu ist der Park­druck in diesem Gebiet ein­fach zu groß.“ Aus­drück­lich sollten die Abmar­kie­rungen darum zunächst nur pro­vi­so­risch und ver­suchs­weise erfolgen. Etwa auf­tau­chende Pro­bleme wollte die Ver­wal­tung vor einer end­gül­tigen Rege­lung im Gespräch mit den Anwoh­nern vor Ort regeln, ver­sprach der Bei­geord­nete.

Sachstandsbericht im Verkehrsausschuss

Im Ver­kehrs­aus­schuss gestern Abend stand nun der Sach­stands­be­richt der Ver­wal­tung auf der Tages­ord­nung. Doch bevor es dazu kam, berich­teten die junge Mutter und einige wei­tere Anwohner über die „schlimmen Zustände“, „mut­wil­lige Zer­stö­rungen“ an Autos und die „Eska­la­tion“ eines regel­rechten „Park­krieges“, der im Krä­mersweg und den angren­zenden Straßen Rosen‑, Lili­enweg und Sten­nert aus­ge­bro­chen ist. Ein­hel­liger Tenor der Anwohner: Die Mar­kie­rungen müssen wieder weg. Sie bringen nichts, weil nach wie vor zu schnell gefahren wird und sie die ganze Park­si­tua­tion nur dra­ma­tisch ver­schlim­mert haben.

Die Anzahl der Stell­plätze hat sich aber gar nicht ver­än­dert.“

- Frank Schwal­bach

Nach dem Bericht der Ver­wal­tung stellt sich die Situa­tion aller­dings etwas anders dar, wie Frank Schwal­bach erläu­terte, der mit Michael Arnold von der Stra­ßen­ver­kehrs­be­hörde des Kreises die Maß­nahme begleitet hat und auch vor Ort war. Die Ver­wal­tung habe vor Beginn der Abmar­kie­rungen die unmit­telbar betrof­fenen 30 Anwohner ange­schrieben und auch über die ört­liche Presse infor­miert. Dar­aufhin sind bis heute acht Rück­mel­dungen gekommen, dass zu wenig Park­plätze aus­ge­wiesen worden sind. „Die Anzahl der Stell­plätze hat sich aber gar nicht ver­än­dert“, betont Frank Schwal­bach. Es gebe nach dem Abmar­kieren genauso viele Park­plätze wie vorher, näm­lich 15. Diese legalen Stell­plätze ent­spre­chen mit 5,5 m Länge und 2 m Breite auch den gesetz­li­chen Vor­schriften.

In der Zeit vom 21. bis 26. Februar wurde auch eine kon­ti­nu­ier­liche Tem­po­mes­sung durch­ge­führt. Der Ver­gleich mit einer Mes­sung, die vor einem Jahr an selber Stelle durch­ge­führt wurde, zeigt: Im Ver­gleich zu dieser ersten Mes­sung ist die durch­schnitt­liche Geschwin­dig­keit der gemes­senen Ver­kehrs­teil­nehmer von 37,8 km/​h auf 29,8 km/​h gesunken. Gemessen wurden in diesem Zeit­raum 1.209 Fahr­zeuge, wovon ledig­lich 20 schneller als 38 km/​h gefahren sind. Genau diese „Aus­reißer“ sind es aber auch, die nicht mit einer bloßen Beschil­de­rung und Pik­to­grammen ein­zu­bremsen sind.

Versetztes Parken senkt Geschwindigkeit

Auf­grund dieser Daten geht die Ver­wal­tung von einem Erfolg der Maß­nahme aus: Das alter­nie­rende Parken habe zu der gewünschten Tem­po­re­du­zie­rung im Krä­mersweg geführt. Dabei sind die Pik­to­gramme „30“ noch gar nicht auf die Fahr­bahn auf­ge­bracht und auch die ein­ge­schränkten Hal­te­ver­bote noch gar nicht end­gültig aus­ge­schil­dert.

Die Anwohner monierten dagegen, dass an der fal­schen Stelle im Krä­mersweg gemessen worden sei. Außerdem habe es bis heute noch nicht den ver­spro­chenen Orts­termin gegeben.

Bür­ger­block-Spre­cher Frank Nie­haus plä­dierte den­noch dafür, zunächst die Pik­to­gramme ein­schließ­lich der end­gül­tigen Abmar­kie­rungen auf­zu­bringen, um sich dann im näch­sten Ver­kehrs­aus­schuss ein abschlie­ßendes Urteil über die Maß­nahme zu bilden.

SPD-Spre­cher Jonas Beck­mann erin­nerte daran, dass die Mar­kie­rungen zunächst nur als Ver­such gedacht waren, um den Anwoh­nern ent­ge­gen­zu­kommen. „Wenn die Bürger jetzt völlig unzu­frieden sind mit den Maß­nahmen und deut­lich erklären, dass sie nur Unruhe gestiftet und anson­sten nichts gebracht haben, sollte die Ver­wal­tung noch nicht weiter tägig werden. Außerdem sollten wir einen Orts­termin durch­führen.“ Ähn­lich sahen es auch die übrigen Frak­tionen. Der Ver­kehrs­aus­schuss nahm des­halb den Bericht der Ver­wal­tung ohne wei­teren Beschluss nur zur Kenntnis und wird sich vor einer wei­teren Ent­schei­dung zu einem Orts­termin im Krä­mersweg treffen.

Krämersweg


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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