Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund. (Foto IHK)

IHK zu Dortmund fordert Nachbesserung: Wirtschaft kommt beim Regionalplan zu kurz

Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund. (Foto IHK)
Stefan Schreiber, Haupt­ge­schäfts­führer der Indu­strie- und Han­dels­kammer (IHK) zu Dort­mund. (Foto IHK)

Beim Ent­wurf des Regio­nal­plans Ruhr kommen die Bedürf­nisse der Wirt­schaft zu kurz. Des­halb for­dern die Indu­strie- und Han­dels­kam­mern im Ruhr­ge­biet zusammen mit den Hand­werks­kam­mern, dass der Regio­nal­ver­band Ruhr (RVR) nach­bes­sert. Dabei geht es vor allem um das knappe Gut an Gewer­be­flä­chen. Es fehlen ins­ge­samt rund 800 Hektar.

Für die wirt­schaft­liche Ent­wick­lung der Metro­pole Ruhr ist das Angebot an Wirt­schafts­flä­chen ein ent­schei­dender Faktor. Gewerbe- und Indu­strie­ge­biete sind Job­mo­toren für die Region und damit Bau­stein für die Siche­rung der Daseins­vor­sorge“, betont Stefan Schreiber, Haupt­ge­schäfts­führer der Indu­strie- und Han­dels­kammer (IHK) zu Dort­mund. Nach Auf­fas­sung der Ruhr-IHKs und Hand­werks­kam­mern berück­sich­tigt dies der künf­tige Regio­nal­plan nicht in aus­rei­chendem Maße. „Der Ent­wurf ent­hält zudem keine Aus­sage dar­über, wie und mit wel­chen Ver­fahren die erheb­liche Lücke zwi­schen den ermit­telten Bedarfen und den tat­säch­lich fest­ge­legten Flä­chen geschlossen werden kann“, sagt Car­sten Harder, Haupt­ge­schäfts­führer der Hand­werks­kammer (HWK) Dort­mund.

Flächenmangel belastet Wirtschaft schon jetzt

Der RVR hat nach langer Bear­bei­tungs­zeit den Ent­wurf offen­ge­legt. Der Plan regelt, wo und wie viele Gewerbe‑, Wohn- und Frei­flä­chen Städte und Gemeinden in den näch­sten 20 Jahren zukünftig aus­weisen dürfen.

Die gewerb­li­chen Flä­chen­be­darfe werden auf Basis der in der Ver­gan­gen­heit in Anspruch genom­menen Flä­chen für die Zukunft, also für die näch­sten 20 Jahre, hoch­ge­rechnet. Danach müssen in der Region Ruhr rund 2.800 Hektar Wirt­schafts­flä­chen aus­ge­wiesen werden. Im neuen Regio­nal­plan werden dagegen nur rund 2.000 Hektar für die Wirt­schaft ein­ge­plant, also 25 Pro­zent weniger als benö­tigt. Einige Städte – gerade die im Kern des Ruhr­ge­biets – können oft­mals schon heute keine Flä­chen mehr anbieten.

Gewerbe- und Industriegebiete sind Jobmotoren

Die Gewerbe- und Indu­strie­ge­biete sind Job­mo­toren für die Region. In diesen Gebieten arbeiten 43 Pro­zent aller sozi­al­ver­si­che­rungs­pflichtig Beschäf­tigten in der Region Ruhr. Die Ent­wick­lung im Zeit­raum von 2012 bis 2016 zeigt, wie wichtig Gewerbe- und Indu­strie­ge­biete auch für neue Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse sind: Dem­nach ent­fielen von rund 105.000 neuen Beschäf­tigten rund 50.000 – das ent­spricht 47 Pro­zent – allein auf bestehende Gewerbe- und Indu­strie­ge­biete.

Nach den Ergeb­nissen des Jah­res­be­richts 2018 des gewerb­li­chen Flä­chen­ma­nage­ments Ruhr (Her­aus­geber ist die Busi­ness Metro­pole Ruhr GmbH) standen in der Region Ruhr zum Jah­res­ende 2017 noch rund 1.980 Hektar netto pla­ne­risch gesi­cherter Gewerbe- und Indu­strie­flä­chen zur Ver­fü­gung. Das sind rund 740 Hektar weniger als im Jahr 2012.

Par­allel dazu ist der Anteil von Flä­chen­po­ten­zialen mit Nut­zungs­re­strik­tionen weiter ange­stiegen und liegt mit nun gut 52 Pro­zent rund zehn Pro­zent über dem Ver­gleichs­wert von 2012. Daraus folgt, dass die im Ent­wurf des Regio­nal­plans Ruhr aus­ge­wie­senen Gewerbe- und Indu­strie­flä­chen von vorn­herein zu einem erheb­li­chen Teil mit Nut­zungs­re­strik­tionen bela­stet sind. Sie können des­halb nur mit erheb­li­chen finan­zi­ellen und pla­ne­ri­schen Anstren­gungen ver­fügbar gemacht werden.

Alle Verkehrsträger gleichrangig behandeln

Der zuneh­mende Mangel tat­säch­lich ver­füg­barer Flä­chen bremst die posi­tive Beschäf­ti­gungs­ent­wick­lung. Zudem ver­schärft der Regio­nal­ver­band Ruhr die Situa­tion an vielen Stellen dadurch noch, dass heute aus­ge­wie­sene Wirt­schafts­flä­chen ein­fach aus dem Plan gestri­chen und zum Frei­raum erklärt wurden. „Unter­nehmen, die an diesen Stand­orten ange­sie­delt sind, sind in ihrer wei­teren Ent­wick­lung ein­ge­schränkt. Das kann unter­neh­me­ri­sche Exi­stenzen und damit Arbeits­plätze bedrohen und die Abwan­de­rung von Betrieben beför­dern“, warnt IHK-Haupt­ge­schäfts­führer Stefan Schreiber.

Ähn­lich sieht es HWK-Haupt­ge­schäfts­führer Car­sten Harder: „Wir brau­chen eine lei­stungs­fä­hige Infra­struktur, um die logi­sti­schen Anfor­de­rungen des Hand­werks zu erfüllen sowie die indi­vi­du­elle Mobi­lität der Mit­ar­beiter und Kunden zu sichern. Für den Neu- und Ausbau der Ver­kehrs­wege müsse es wei­terhin mög­lich sein, Frei­raum in Anspruch zu nehmen.“ Zudem müssten alle Ver­kehrs­träger grund­sätz­lich gleich­rangig behan­delt werden. „Nur so bleibt die Region Ruhr im Wett­be­werb der Regionen auch zukünftig kon­kur­renz­fähig und attraktiv.“

Diese und andere Aspekte des künf­tigen Regio­nal­planes haben die Indu­strie- und Han­dels­kam­mern sowie die Hand­werks­kam­mern in der Region Ruhr zum Anlass genommen, um im Rahmen einer gemeinsam for­mu­lierten Stel­lung­nahme an den RVR Nach­bes­se­rungen zu for­dern. Kern­punkt der For­de­rungen ist es, den Belangen der Wirt­schaft ein genauso hohes Gewicht bei­zu­messen wie dem Frei­raum- und Natur­schutz.

IHK

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