Referierten beim IHK-Wirtschaftsgespräch, v.l.: Christoph Kösters (Geschäftsführer Porsche Zentrum), Wulf-Christian Ehrich (stv. IHK-Hauptgeschäftsführer), Gero Brandenburg (Regionalberater IHK), Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Michael Sprenger (Geschäftsführer Hülpert-Gruppe), Wirtschaftsförderer Stefan Thiel, Reiner Harting (HSCV-Aufsichtsrat), Bernd Wenge (Sparkasse Unna-Kamen) (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

IHK-Wirtschaftsgespräch mit praller Palette lokaler Themen

Referierten beim IHK-Wirtschaftsgespräch, v.l.: Christoph Kösters (Geschäftsführer Porsche Zentrum), Wulf-Christian Ehrich (stv. IHK-Hauptgeschäftsführer), Gero Brandenburg (Regionalberater IHK), Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Michael Sprenger (Geschäftsführer Hülpert-Gruppe), Wirtschaftsförderer Stefan Thiel, Reiner Harting (HSCV-Aufsichtsrat), Bernd Wenge (Sparkasse Unna-Kamen) (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Referierten beim IHK-Wirtschaftsgespräch, v.l.: Christoph Kösters (Geschäftsführer Porsche Zentrum), Wulf-Christian Ehrich (stv. IHK-Hauptgeschäftsführer), Gero Brandenburg (Regionalberater IHK), Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Michael Sprenger (Geschäftsführer Hülpert-Gruppe), Wirtschaftsförderer Stefan Thiel, Reiner Harting (HSC-Aufsichtsrat), Bernd Wenge (Sparkasse Unna-Kamen) (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Zum diesjährigen Wirtschaftsgespräch der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund (IHK) konnte Regionalbetreuer Gero Brandenburg  rund 60 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in den Opherdicker Schloßstuben begrüßen. Nach der Begrüßung gingen Bürgermeisterin Ulrike Drossel und Wirtschaftsförderer Stefan Thiel auf die aktuellen Entwicklungen in der Enschergemeinde ein.

In dem Pressegespräch vorab hatte die Bürgermeisterin die paradoxe wirtschaftliche Situation beschrieben, in der sich die Gemeinde befindet: Einerseits hat die Gemeinde mit über 17 Mio. Euro so hohe Gewerbesteuereinnahmen wie noch nie. Andererseits „werden wir vermutlich keinen ausgeglichen Haushalt mehr vorlegen können“, befürchtet die Bürgermeisterin. Denn wegen der guten Steuereinnahmen wird es auch keine Schlüsselzuweisungen mehr vom Land geben. „Noch vor zwei Wochen war unsere Welt in Ordnung“, so Ulrike Drossel. „Doch dann haben wir die Eckdaten des Kreises Unna bekommen.“ Danach soll die Kreisumlage ordentlich steigen. Allein die Sozialleistungen sind um drei Mio. Euro gestiegen. „Bei einem Haushaltsvolumen von rund 48 Mio. Euro müssen wir rund 20.5 Mio. Euro an den Kreis abführen“, verdeutlicht Ulrike Drossel das Problem. „Dadurch kommen wir in eine schwierige Lage und können unseren Haushalt voraussichtlich nicht mehr ausgleichen.“

Gemeinde droht wieder Haushaltsdefizit

Trotzdem investiere die Gemeinde viel Geld in die Sanierung ihrer Straßen, auch an den Schulen gebe es hohen Investitionsbedarf: „Wir bekommen vier Jahre lang 190.000 Euro Förderung im Jahr vom Land für unsere Grundschulen. Allein die Sanierung der ersten Schule hat aber schon 1,5 Mio. Euro gekostet“, so die Bürgermeisterin weiter. „Die Sanierung der beiden übrigen Schulen ist aber auch noch vorgesehen.“  Außerdem habe die Gemeinde allein dieses Jahr 2,5 Mio. Euro in die Digitalisierung ihrer Schulen investiert.

Noch vor zwei Wochen war unsere Welt in Ordnung.“

Ulrike Drossel

Erfreuliche Nachricht vermeldete die Bürgermeisterin vom Bau des neuen Rat- und Bürgerhauses:  „Hier haben wir die zweite Submission vor wenigen Tagen abgeschlossen. Sechs Firmen haben sich gemeldet, deren Angebote gerade geprüft werden“, bestätigt Ulrike Drossel: „Hier rechnen wir mit einer leichten bis mittleren Preissteigerung. Wir wollen aber noch in diesem Jahr den ersten Spatenstich machen.“  Schließlich stellte die Bürgermeisterin auch weitere aktuelle Projekte der Gemeinde vor: die neue Radstation am Bahnhof, den geplanten Anschluss der Gemeindemitte durch einen neuen Radweg und natürlich die Neuerungen im Kulturprogramm.

Wirtschaftsförderer Stefan Thiel stellte anschließend in der Versammlung den Sachstand bei der Vermarktung des Eco Port und die Planungen zur Schaffung neuer Gewerbeflächen vor. Ab er auch über die Probleme bei der ÖPNV-Anbindung des Eco Ports durch den Shuttlebus und den Breitbandausbau ging er ein.

IHK: Wirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen

Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, berichtete bei dem Wirtschaftsgespräch über aktuelle Themen aus der IHK-Arbeit. Kritisch bewertete er die Vorschläge, die der Beteiligungsprozess der Ruhrkonferenz hervorgebracht hat. Von den 75 Projektideen zielten nur wenige auf die Stärkung des Wirtschaftsstandortes ab. „Wir hatten 40 Projekte eingereicht, von denen nur sehr wenige berücksichtigt wurden“, so Wulf-Christian Ehrich. „Wir hätten uns stärkere Impulse und eine klare Gesamtstrategie gewünscht. Unsere Wirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen“, machte Ehrich deutlich. Gleiches gelte auch für die CO2-Beptreisung.

Unsere Wirtschaft braucht Flächen, um wachsen zu können.“

Wulf-Christian Ehrich

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK ging auch auf die Ergebnisse der „Kohlekommission“ ein. Hier sei auch der Kreis Unna betroffen. Durch die Schließung von vier Steinkohlekraftwerken könnten hier mittelfristig bis zu 1.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Deshalb sei es notwendig, dass die vom Bund zugesagten finanziellen Hilfen nicht nur den rheinischen Braunkohlerevieren zukommt. Zugleich müsse aber auch bei den Planungen für die Nachnutzung der der riesigen Areale das große Potenzial als Industrie- und Gewerbeflächen beachtet werden. „Unsere Wirtschaft braucht Flächen, um wachsen zu können“, betonte Ehrich und kritisierte die Verzögerungen beim Regionalplan. „Unsere Unternehmen brauchen endlich Planungssicherheit für ihre Investitionsabsichten. Diese Zeitverzögerung hemmt die wirtschaftliche Entwicklung in unserer Region und dem gesamten Ruhrgebiet.“

Recht zufrieden äußerte sich Ehrich über die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Unna und in Holzwickede. 2018 konnte die IHK 5.149 Ausbildungsverträge notieren.  Dieses gute Niveau des Vorjahres habe man bereits jetzt erreicht. „Wir sind zuversichtlich es in den kommenden Monaten sogar noch leicht steigern zu könne.“ Und dies, obwohl die Zahl der Schulabgänger rückläufig ist.

HSC lässt „Gesundheitsmatrix“ erstellen für Sportforum

Die Themen Gesundheit, Sport und Bewegung standen im Fokus eines Vortrages von Reiner Harting, Sparklassendirektor a.D und Mitglied des Aufsichtsrates des Holzwickeder SC. Hartings Worten zu Folge steht für Holzwickede mit zwei Projekten des Vereins „ganz Großes“ im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung an: Hier sei der HSC im Kreis Unna bereits unangefochtener „Marktführer“ mit 2.200 aktiven Gesundheitssportler, darunter 700 Mitglieder. Für diese Zielgruppe werden Räumlichkeiten benötigt, die der HSC gemeinsam mit der TG schaffen will. Das geplante Forum für Bewegung und Gesundheit soll zahlreiche Angebote für Prävention und Gesundheitskompetenz bieten und schätzungsweise 3,5 Mio. Euro kosten. Realisiert werden soll es nach Vorbild des TV Jahn -Rheine und ohne finanzielle Hilfe der Gemeinde in Anspruch zu nehmen.

Vor diesem Hintergrund ist auch eine Kooperation des HSC mit Professor Bellinghausen und dem Hochschulcampus Unna zu sehen. Ziel ist es eine „Gesundheitsmatrix für Holzwickede“ zu erstellen: Schulen, Kitas, Firmen, letztlich alle Holzwickeder sollen abgefragt und ihre Bedürfnisse in diesem Bereich erfasst werden. „Ein ähnliches Projekt hat Professor Bellinghausen  auch schon erfolgreich für Papenburg erstellt“, erläuterte Harting. „Er ist ausgezeichnet vernetzt. Er kann auch selbst Sponsoren einbringen und kennt Förderprogramme, von denen wir noch nie etwas gehört haben.“ Davon wolle der HSC mit der Zusammenarbeit profitieren. Eigentlich hätte Professor das Projekt bereits heute persönlich vorstellen wollen. Aufgrund eines Trauerfalles musste die Einladung kurzfristig verschoben werden und soll nun im Frühjahr nachgeholt werden.  

Sparkassen-Stiftung „Gutes tun“ für Holzwickede

Für die Sparkasse Unna-Kamen stellte Bernd Wenge die neue Stiftung „Gutes tun“ für Kamen, Holzwickede und Fröndenberg vor. Angesprochen werden sollen damit Bürger, die Geld für einen guten Zweck in ihrer Heimatgemeinde stiften oder spenden wollen.  Privatpersonen können ab einer Summe von 250 Euro Stifter werden, Unternehmen ab 1.000 Euro. Die Sparkasse wird  das Grundkapital in Höhe von 100.000 Euro einbringen. Gefördert werden können etwa Wissenschaft, Kultur, Sport, Tierschutz, soziale oder sportliche Aktivitäten.  Das Dach der Stiftung besteht aus einem Vorstand und dem kontrollierenden Kuratorium, unterstützt von einem regionalen Beirat Holzwickede, der beratende Funktion hat.

„Destination Porsche“ wird Marke neu zelebrieren

So soll die bundesweit erstmals umgesetzte „Destination Porsche“ im Holzwickeder Eco Port direkt gegenüber dem Flughafen aussehen. (Foto: Porsche-Zentrum Dortmund)

Schließlich stellten Michael Sprenger, Geschäftsführer der Hülpert, und Christoph Kösters, Geschäftsführer des Porsche-Zentrums, das aktuelle Bauvorhaben im Eco Port vor. Bis Ende 2020 soll dort in direkter Nähe zum Flughafen Dortmund für rund 16 Mio. Euro das hochmoderne Porsche-Zentrum mit 80 Arbeitsplätzen entstehen. Seit 2011 ist die Unternehmensgruppe von 400 auf 1.000 Mitarbeiter gewachsen.

Wie Christoph Kösters erläuterte wird die neue Corporate Architecture „Destination Porsche“ nach dem Prototyp  im kalifornischen Palm Springs erstmalig in Deutschland in Holzwickede umgesetzt. In der „Destination Porsche“ gehe es darum, „Porsche weiter als Marke zu zelebrieren und zu zeigen, dass wir trotzdem ökologisch unterwegs sind“, so Christoph Kösters.

„Für uns ist es eines der größten Projekte in der über 100-jährigen Firmengeschichte“, erläuterte Michael Sprenger. „Das Investment ist ein Bekenntnis zur Region, in der wir fest verwurzelt sind.“

IHK-Wirtschaftsgipfel


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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