Holzwickederin meldet handfesten Streit über Notruf: Polizei hat keine Zeit

Eine junge Frau meldet eine handfeste Auseinandersetzung der Polizei. Doch am Samstagabend stand für einen Einsatz bin Holzwickede kein Streifenwagen zur Verfügung. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Eine junge Frau meldet eine hand­feste Aus­ein­an­der­set­zung der Polizei. Doch am Sams­tag­abend stand für einen Ein­satz bin Holzwickede kein Strei­fen­wagen zur Ver­fü­gung. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Eigent­lich hat die 20-jäh­rige Holzwicke­derin alles richtig und genauso gemacht, wie es die Polizei emp­fiehlt, wenn man Zeuge einer Gewalttat wird: Sie hat nur beob­achtet, sich nicht selbst in Gefahr gebracht und nicht ein­ge­griffen, son­dern die Polizei unter 110 ange­rufen, als sie am Sams­tag­abend mit­er­leben musste, wie ein Mann zwei Kinder gegen ihren Willen in sein Auto zerrte und dann eine Frau schlug, die den Kin­dern helfen wollte. Doch was dann pas­siert, ist Wasser auf die Mühlen vieler Holzwickeder, die sich von der Polizei im Stich gelassen fühlen: „Keine Zeit. Wir haben viel zu tun“, wim­melt der Beamte die fas­sungs­lose Holzwicke­derin ab.

Sams­tag­abend, 7. April, kurz vor 20 Uhr: Die 20-jäh­rige J.G., deren Namen wir hier auf ihren Wunsch nicht nennen, hört laute Schreie auf der Vogt­straße, ganz in der Nähe der Poli­zei­wache an der Opher­dicker Straße, die um diese Zeit unbe­setzt ist. „Da waren zwei Männer auf der Straße, einer davon mit freiem Ober­körper, die sich erst anschrien und dann auf­ein­ander los gingen. Wenig später kam dann eine Frau dazu, die auch her­um­schrie und dann irgend­wann zu weinen anfing.“ Worum es genau ging, konnte G. nicht ver­stehen, weil der Streit in einer fremden Sprache, ver­mut­lich pol­nisch, aus­ge­tragen wurde.

Hin- und her­ge­rissen ver­ließ G. ihren Beob­ach­tungs­platz am Fen­ster und ging dann doch wieder nach­schauen, weil der laut­starke Streit auf der Straße nicht auf­hörte. „Nor­ma­ler­weise bin ich nicht neu­gierig, aber ich wollte schon sehen, ob die Frau viel­leicht Hilfe benö­tigt“, meint G. „Jetzt hatte einer der beiden Männer zwei Kinder in seinem Auto, doch die Frau wollte das nicht. Der Mann mit freiem Ober­körper schlug die Frau dar­aufhin und der andere Mann ging dazwi­schen.“

Frau geschlagen – Kinder ins Auto gezerrt

Erst als G. sah, wie die Frau geschlagen wurde, rief sie die Polizei unter 110 an. „Das geht doch nicht, dass eine Frau ein­fach so geschlagen wird“, findet die 20-Jäh­rige. Dem Beamten der Kreis­po­lizei in Unna schil­derte G., dass sie einen hef­tigen Streit beob­achte, bei dem eine Frau geschlagen und zwei Kinder gegen ihren Willen in einem Auto fest­ge­halten werden. Dieser erste Anruf erfolgte Punkt 20.02 Uhr.

In der Zwi­schen­zeit wurde heftig weiter dis­ku­tiert auf der Voigt­straße vor ihrem Fen­ster und irgend­wann habe die Frau dann Kin­der­sitze geholt, so G. weiter. Doch die Kinder wollten raus aus dem Auto und schrien nach ihrer Mama. Eine knappe Stunde lang wogte die laute Aus­ein­an­der­set­zung hin und her.

Sicher­heits­halber notierte sich die 20-jäh­rige Zeugin auch das Kenn­zei­chen des Pkw, in dem die Kinder fest­ge­halten wurden, für die Polizei.

Um 20.43 Uhr, der Streit wogte immer noch, mel­dete sich die 20-Jäh­rige dann ein zweites Mal bei der Polizei in Unna an. „Da hat mir der Beamten dann gesagt, dass sich die Frau nicht selbst gemeldet hätte bei der Polizei. Darum würde man keinen Strei­fen­wagen schicken. Es sei Sams­tag­abend und gerade viel zu tun. Da habe man für diese Sache keine Zeit“, berichtet die Holzwicke­derin noch immer fas­sungslos. „Muss sich ein Opfer jetzt erst selbst melden, bevor die Polizei end­lich kommt?“, fragt G. sar­ka­stisch. „Eine Frau, die gerade ver­prü­gelt wird, hat doch sicher etwas anderes im Sinn, als die Polizei zu rufen.“

Anschlag in Münster bindet Polizeikräfte

Poli­zei­spre­cher Thomas Röwe­kamp bestä­tigte den Sach­ver­halt heute (10. April) im Wesent­li­chen. Nach Rück­sprache mit dem Beamten aus der Lei­stelle, der am Sams­tag­abend Dienst hatte, erklärte der Spre­cher: „Beim ersten Anruf der Anru­ferin wurde uns ein Streit von drei Per­sonen gemeldet. Unter ihnen sei auch eine Frau, die schon einmal geschlagen worden sei“, so Thomas Röwe­kamp. „Wir hatten aller­dings gerade keine Strei­fen­wagen frei. Des­halb konnten wir keinen Wagen schicken.“

Als die Anru­ferin sich dann ein zweites Mal mel­dete, sei der zuvor von ihr gemel­dete Streit jedoch schon beendet gewesen. „Der dienst­ha­bende Beamte hat dann mit der Anru­ferin gespro­chen und ver­sucht, sie zu beru­higen, in dem er ihr erklärte, dass sich außer ihr sonst nie­mand in dieser Sache bei uns gemeldet habe.“

Unter nor­malen Umständen wäre ein Strei­fen­wagen nach Holzwickede geschickt worden, räumt Thomas Röwe­kamp ein. „Aber am Sams­tag­abend war hier sehr viel los bei uns, auch wegen des Anschlags in Mün­ster. So ist es wirk­lich etwas unglück­lich gelaufen.“

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