Holzwickeder mobbt Ex-Partnerin in sozialen Medien: Zehn Monate Haft zur Bewährung

Drei­ein­halb Jahre unter­hielt der 50-jäh­rige Holzwickeder L. zu der halb so alten S. eine zunächst nur sexu­elle Bezie­hung. Doch rasch zog die 25-Jäh­rige dann 2015 in seine Woh­nung ein und L. finan­zierte ihr bereit­willig den Lebens­un­ter­halt bis hin zum Auto­kauf. Als die Bezie­hung der beiden dann im August vorigen Jahres in die Brüche ging, weil S. einen neuen Partner fand, begann der Holzwickeder seine Ex-Freundin zu ter­ro­ri­sieren und sie syste­ma­tisch in ihrem sozialen Umfeld schlecht zu machen. Dafür wurde er heute (3. Sep­tember) vor dem Amts­ge­richt Unna wegen Nach­stel­lung und Ver­let­zung des höchst­per­sön­li­chen Lebens­be­reichs in zwei Fällen zu einer Frei­heits­strafe von zehn Monaten ver­ur­teilt.

Die Haft­strafe wurde für drei Jahre zur Bewäh­rung aus­ge­setzt. Als wei­tere Auf­lage erhält L. erhält eine Bewäh­rungs­hilfe und muss 200 Sozi­al­stunden ablei­sten. Außerdem wurde ihm jede wei­tere Kon­takt­auf­nahme zu seiner Ex-Part­nerin ver­boten.

Fake-Profile, gefälschte Fotos und Anrufe

Im Sommer 2018 hatte L. nach eigener Aus­sage mit­be­kommen, dass sich seine halb so alte Part­nerin heim­lich mit einem jün­geren anderen Mann trifft. Zu diesem Zeit­punkt hatte L. ihr gerade ein Auto gekauft und sich natür­lich getäuscht gefühlt, wie die Anklage fest­stellte. Der Staats­an­walt zeigte sich in seinem Plä­doyer über­zeugt, dass L. danach die relativ junge, noch uner­fah­rene S. bei jeder sich bie­tenden Gele­gen­heit zu dis­kre­di­tieren ver­suchte und dabei „massiv in ihr per­sön­li­ches Umfeld ein­wirkte“.

Als Händler auf einer Inter­net­platt­form kannte sich der Ange­klagte mit sozialen Medien gut aus. Er legte ver­schie­dene Fake-Pro­file an, postete gefälschte und auch echte, sehr intime Fotos seiner Ex-Part­nerin, nahm Kon­takt zu ihrem Freun­des­kreis auf, aber auch zu ihrem neuen Partner, ihrer Mutter und Ver­wandten, teilte mit ihnen öffent­lich ver­trau­lichste Infor­ma­tionen aus seiner Bezie­hung mit, etwa über eine Ver­ge­wal­ti­gung, eine Abtrei­bung und psy­chi­sche The­ra­pien von S., hin­ter­ließ unge­fragt Voice­mails und machte auch in etli­chen Tele­fon­an­rufen seine Ex-Part­nerin schlecht, wo es nur ging: „Alles angeb­lich immer nur aus Sorge um sie“, so der Staats­an­walt.

Ex-Partnerin übersiedelt nach Österreich

Seiner 25-jäh­rigen Ex-Part­nerin setzte das alles derart zu, dass sie Schlaf­stö­rungen, Übel­keit und Angst­zu­ständen bekam, die Schule kurz vor dem Fachabi abbrach und nach Öster­reich zu ihrem neuen Partner über­sie­delte. 

Vor diesem Hin­ter­grund for­derte der Ankla­ge­ver­treter eine Frei­heits­strafe von zehn Monaten ohne Bewäh­rung für den Ange­klagten. Gegen L. spricht nicht nur sein feh­lendes Geständnis, so der Staats­an­walt, son­dern auch „sein Nacht­at­ver­halten“. So habe L. selbst nach der Anzeige gegen ihn noch Kon­takt zur Tante des neuen Part­ners von S. auf­ge­nommen, um seine Ex-Freundin dort weiter schlecht zu machen. Schließ­lich ist L. ein Straf­täter, der sechs­fach vor­be­straft ist wegen Betrugs.

L. der sich ohne Rechts­bei­stand selbst ver­tei­digte, ver­suchte das Gericht in der Ver­hand­lung heute durchaus rede­ge­wandt und nicht unge­schickt, aber auch sehr aus­schwei­fend und lang­atmig davon zu über­zeugen, dass er nicht Täter, son­dern Opfer ist. Seine Ex-Part­nerin sei eine noto­ri­sche Lüg­nerin, die sich bereits unter fal­schen Vor­aus­set­zungen bei ihm ein­ge­schli­chen und, wie er heute wisse, nur aus­ge­nutzt habe. So wie ihn habe sie auch schon ihren vor­he­rigen Partner der Nach­stel­lung beschul­digt.

Angeklagter sieht sich als Opfer

Nie­mand sonst hätte ein Motiv gehabt, so etwas zu tun“

Richter Jörn Granseuer

Ihm als Motiv Eifer­sucht zu unter­stellen, sei absurd: Er sei mit S. auf einem Swinger-Portal regi­striert gewesen und sie hätten Part­ner­tausch betrieben. „Außerdem habe ich die Bezie­hung beendet. Sie wollte doch danach unbe­dingt zu mir zurück.“ Es gebe auch keine Beweise, dass er die Fake-Pro­file ange­legt und die Foto ver­schickt habe. „Das könnte wirk­lich jeder gewesen sein, auch der Staats­an­walt oder Sie, Herr Richter.“ L. bean­tragt den Antrag des Staats­an­waltes abzu­lehnen und for­derte einen Frei­spruch für sich.

Nach knapp fünf­stün­diger Ver­hand­lung, in der neben der Ex-Part­nerin S., auch ihre Mutter, ihr neuer Partner sowie eine Freundin und ein Freund als Zeugen ver­nommen wurden, zeigte sich Richter Jörn Granseuer in seiner Urteils­be­grün­dung über­zeugt, dass die Ex-Part­nerin glaub­würdig im Zeu­gen­stand war. S. habe frei­mütig ein­ge­räumt, in ihrer Bezie­hung mit L. auch gelogen zu haben. Im Zeu­gen­stand habe sie jedoch nicht gelogen, so der Richter. Dass die Fake-Pro­file und Nach­richten im Netz von L. stammen, stand für ihn außer Frage. „Nie­mand sonst hätte ein Motiv gehabt, so etwas zu tun“, so der Richter zum Ange­klagten. „Sie haben dagegen aus gekränkter Eitel­keit gehan­delt.“ Da L. kein Geständnis abge­legt habe und mehr­fach vor­be­straft ist, kam nur noch eine Frei­heits­strafe für ihn in Frage. Zur Bewäh­rung wurde die zehn­mo­na­tige Haft aus­ge­setzt, weil L. immerhin nicht ein­schlägig vor­be­straft war.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräftig. L. kün­digte an, in die Beru­fung zu gehen.

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