Die Bahnunterführung an der Nordstraße soll nach dem Willen der Grünen im kommenden Jahr endlich weiter aufgehübscht werden. Rd. 500 000 Euro stehen dafür im Haushalt bereit. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Holzwickeder Grünen: Kleckern beim Sparen, klotzen bei der Umwelt

Die Bahnunterführung an der Nordstraße soll nach dem Willen der Grünen im kommenden Jahr endlich weiter aufgehübscht werden. Rd. 500 000 Euro stehen dafür im Haushalt bereit.  (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Die Bahn­un­ter­füh­rung an der Nord­straße soll nach dem Willen der Grünen im kom­menden Jahr end­lich weiter auf­ge­hübscht werden. Rd. 500 000 Euro stehen dafür im Haus­halt bereit. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute lei­sten“ – unter diesem Motto beschäf­tigten sich die Holzwickeder Grünen in ihren Klau­sur­be­ra­tungen am ver­gan­genen Samstag (9.11.) mit dem Haus­halt 2020 der Gemeinde. „Wenn man die Zukunft ins Visier nimmt und nach vorne schaut, ist es gut, wenn man Visionen und Ziele hat“, stellt ihr Frak­ti­ons­vor­sit­zender Fried­helm Klemp fest. „Wir möchten, dass unsere Gemeinde nach­haltig, zukunfts­fähig, bunt, sozial ver­ant­wor­tungs­be­wusst, viel­fältig aktiv und lebens­wert bleibt, obwohl die Finanz­lage defi­zitär vor­her­ge­sagt wird.“

Energie und Umwelt

Vor diesem Hin­ter­grund wollen die Grünen bean­tragen, die Gemein­de­werke um einen Geschäfts­be­reich zu erwei­tern. Dies sei not­wendig zur eigenen Ener­gie­er­zeu­gung mit Pho­to­vol­ta­ik­an­lagen. Alle Grund­schul­ge­bäude sollen, ähn­lich wie schon auf dem Schul­zen­trum, mit sol­chen Anlagen zur Gewin­nung von Son­n­energie aus­ge­rü­stet werden. Dies sei ren­tier­lich, was über­prüft werden müsse, ein Bei­trag zum Kli­ma­schutz und die Grund­schulen könnten auch in päd­ago­gi­scher Hin­sicht davon pro­fi­tieren. Auch auf dem neuen Rat- und Bür­ger­haus for­dern die Grünen eine Pho­to­vol­ta­ik­an­lage. Als wei­tere Schritte in diese Rich­tung for­dern die Grünen begrünte Dächer auf Gemeinde- und Fir­men­ge­bäuden sowie eine E‑Bike-Sta­tion in Opher­dicke mit Pho­to­vol­ta­ik­an­lage.

Verkehr

Die Grünen fordern einen Radweg entlang der Schäferkampstraße von der Unterführung bis zur Sölder Straße. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Die Grünen for­dern einen Radweg ent­lang der Schä­fer­kamp­straße von der Unter­füh­rung bis zur Sölder Straße. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Ganz kon­kret for­dern die Grünen im näch­sten Jahr den Bau eines Rad­weges ent­lang der Schä­fer­kamp­straße von Bahn­un­ter­füh­rung bis zur Sölder Straße. „Dieser Radweg ist auch mit Blick auf die zusätz­li­chen ver­kehre durch den Wohn­park Emscher­quelle not­wendig“, betont Fried­helm Klemp. „Außerdem würde die Maß­nahme öffent­lich geför­dert.“

Außerdem for­dern die Grünen einen Fuß­gän­ger­überweg (Zebra­streifen) auf der Haupt­straße zwi­schen Opher­dicker Straße und Mas­sener Straße. Gefähr­lich sei auch die Zufahrt Aldi/​Rewe an der Steh­fen­straße. „Auch da muss drin­gend etwas pas­sieren, um diesen Gefah­ren­be­reich zu ent­schärfen.“

Unbe­dingt ange­gangen werden muss im näch­sten Jahr, so die Grünen, auch die wei­tere Umge­stal­tung der Unter­füh­rung Nord­straße: Die linke Seite (Rich­tung Norden) der Unter­füh­rung müsse end­lich eben­falls abge­böscht und auf­ge­hübscht werden, so Klemp. „Dafür sind rd. 500 000 Euro im Haus­halt vor­ge­sehen. Nur muss die Maß­nahme auch end­lich umge­setzt werden.“

Stellenplan

Bis zu 60 Pro­zent öffent­lich geför­dert würde auch die Stelle eines Kli­ma­schutz­ma­na­gers. Die Grünen hakten die Ein­rich­tung einer sol­chen Stell im kom­menden Jahr für drin­gend geboten, da die aktu­elle Umwelt­be­auf­tragte der Gemeinde,Tanja Flor­mann, auf eigenen Wunsch nur noch auf einer halben Stelle tätig ist.

Eine zusätz­liche Stelle for­dern die Grünen auch für die Tech­ni­schen Dienste der Gemeinde: Die Tief­bau­ab­tei­lung sei unter­be­setzt. Viele Maß­nahmen aus dem Abwas­ser­be­sei­ti­gungs- und Ent­wäs­se­rungs­kon­zept, Kanalbau oder auch der Stra­ßen­sa­nie­rung (Stich­wort: Eagle Eye) könnten des­halb nicht bear­beitet werden.

Flüchtlingsunterkünfte und AWO-Kiga

Die neuen Flüchtlingsunterkünfte an der Bahnhofstraße 11 und 11a weisen erhebliche Baumängel auf. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Trotz Bau­mängel: Die Unter­brin­gungs­ka­pa­zi­täten der Flücht­lings­un­ter­künfte an der Bahn­hof­straße 11 und 11a sollen nach dem Willen der Grünen unbe­dingt erhakten bleiben. . (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Wie berichtet ist die Zukunft der Flücht­lings­un­ter­künfte an der Bahn­hof­straße offen: Der­zeit kann etwa die Hälfte der Unter­künfte wegen erheb­li­cher Bau­mängel nicht genutzt werden. „Wir plä­dieren aber drin­gend dafür, die Kapa­zi­täten der Unter­künfte zu erhalten“, so Klemp. „Wir sollten auf keinen Fall Kapa­zi­täten abbauen, schon weil wir vor­be­reitet sein müssen, sollten wieder mehr Flücht­linge auf­ge­nommen werden müssen.“

Unbe­dingt erhalten werden sollte nach Ansicht der Grünen auch das alte Gebäude des AWO-Kin­der­gar­tens in Opher­dicke, zu dem immerhin noch fast 300 m2 Grund­stück im vor­deren Bereich an der Dorf­straße gehören. „Wir können uns dort sehr gut einen Sozi­al­k­auf­laden zur Ver­bes­se­rung der Nah­ver­sor­gung vor­stellen, in dem auch Men­schen mit Han­dycap beschäf­tigt werden könnten“, meint Fried­helm Klemp. „Aber auch die Hei­mat­stube sucht noch ein neues Zuhause.“

Carolinebrücke „Fass ohne Boden“

(Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Die Sanie­rungs­ko­syten können immer noch nicht genau bezif­fert werden, kri­ti­sieren die Grünen: „Die Caro­li­ne­brücke ist das befürch­tete finan­zi­elle Fass ohne Boden“. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Kritik äußern die Grünen daran, dass die Ver­wal­tung die genauen Sanie­rungs­ko­sten für die Caro­li­ne­brücke noch immer nicht bezif­fern kann. „Wir wissen noch immer nicht, was eine gründ­liche Sanie­rung der Brücke ein­schließ­lich der Fahr­stühle kosten soll. Für uns ist die Brücke ein Fass ohne Boden und eine unend­liche Geschichte“, schimpft der Frak­ti­ons­chef der Grünen. „Genau davor hatten wir immer gewarnt.“

Ein klares Ja kommt von den Grünen zum Sport­forum, das von HSC und TGH gemeinsam ange­strebt wird. „Dieses Sport­zen­trum zur sport­lich prä­ven­tiven Ent­wick­lung ist zukunfts­wei­send“, glaubt Fried­helm Klemp – und kostet die Gemeinde nur das Grund­stück, das sie zur Ver­fü­gung stellen müsste. Doch die Stand­ort­frage ist der Knack­punkt: Den vom HSC und TGH favo­ri­sierten Wunsch-Standort am Aachener Weg würden die Grünen wohl nicht mit­tragen. „Über den Standort müssen wir drin­gend noch reden“, so Klemp.

Einen kon­kreten Spar­vor­schlag machen die Grünen auch, wenn auch nur einen ganz kleinen: Die Aus­schuss­vor­sit­zenden sollten auf die beschlos­sene pau­schale monat­liche Erhö­hung der Auf­wands­ent­schä­di­gung ver­zichten. Statt­dessen sollen die Aus­schuss­vor­sit­zenden die Auf­wands­ent­schä­di­gung nur pro Sit­zung erhalten, for­dern die Grünen. Bis­lang ver­zichten nur die Man­dats­träger des Bür­ger­blocks frei­willig auf diese zusätz­liche Auf­wands­ent­schä­di­gung.

Die Grünen, Haushaltsklausur


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Kommentare (4)

  • Rad­wege dienen im Grunde nur der Beschleu­ni­gung des Kraft­ver­kehrs. Den Fehler der letzten Jahr­zehnte, überall Rad­we­gel­chen hin­zu­pfla­stern, wo es nur geht, sollte man nicht mehr machen. Viel­mehr ver­misse ich hier die von den Grünen selbst ange­spro­chenen Visionen, sprich: den Stra­ßen­raum neu auf­zu­teilen.

    • Hallo Herr Kar­sten,
      ich finde Bür­ger­dialog immer super und erlebe es täg­lich, wenn ich mit meinem Rad in Holzwickede unter­wegs bin . Auch kon­struk­tive Kritik ist immer ein Gewinn. Wir haben ringsum Holzwickede inter­es­sante Rad­wege, Emscherweg, Ruhr­radweg oder Sese­ke­radweg. Leider gibt es in unserer Gemeinde sehr wenig aus­ge­wie­sene Rad­wege. Das möchten wir im Sinne einer Ver­kehrs­wende sehr gerne ändern. Den Begriff Stra­ßen­raum neu auf­teilen, kann ich leider nicht ein­ordnen. Viel­leicht können wir uns dies­be­züg­lich mal aus­tau­schen.
      Ich wün­sche ihnen ein schönes Wochen­ende und mit freund­li­chen Grüße
      Fried­helm Klemp

      • Hallo Herr Klemp,

        zunächst einmal zur Klar­stel­lung: Seseke, Ruhrtal und Emscher sind in erster Linie tou­ri­sti­sche Rad­wege. Ich möchte sie nicht schlecht­reden, aber sie haben über­wie­gend weniger etwas mit dem All­tags­rad­ver­kehr zu tun, zumin­dest nicht solange sie nicht ver­nünftig an die Zen­tren der anlie­genden Städte/​Stadtteilzentren ange­bunden sind.

        Aber um ehr­lich zu sein, habe ich bereits resi­gniert. Selbst solche banale Dinge wie die Anbrin­gung ein­fa­cher Ver­kehrs­zei­chen schafft man nicht, es ist ermü­dent und fru­strie­rend, wie wenig an den Rad­ver­kehr gedacht wird.
        Bei­spiel: die Lands­kroner ist bekannt­lich der­zeit gesperrt. So fahre ich der Römer­straße fol­gend aus Westen kom­mend über die Well­straße und möchte links in die Reu­ter­straße abbiegen. Darf ich aber nicht, weil das Zusatz­zei­chen „Rad­ver­kehr frei“ unter dem VZ „nur gera­deaus oder rechts“ fehlt, obwohl die Ein­bahn­straße für den Rad­ver­kehr in Gegen­rich­tung geöffnet ist.
        Anderes Bei­spiel: lange Zeit gab es auf der Fried­rich-Ebert-Straße (Tempo 30-Zone) eine Geh­weg­be­nut­zungs­pflicht für Rad­fahrer. Abge­sehen davon, dass dieser Gehweg nicht den erfor­der­li­chen Maßen für einen gemein­samen Geh- und Radweg ent­spricht, sind Rad­weg­be­nut­zungs­pflichten in Tempo 30-Zonen laut Ver­wal­tungs­vor­schriften zur StVO nicht erlaubt. Genauer gesagt anders herum.
        Oder: Es gab eine link­sei­tige Benut­zungs­pflicht auf der Haupt­straße in Rich­tung Süden ab Mas­sener Straße. Das war richtig blöd, weil Rad­fahrer hier im Kreu­zungs­be­reich auf die linke Seite wech­seln mussten, um dann nach der Auto­bahn­brücke aber­mals die Stra­ßen­weite wech­seln zu müssen – und das an einer unüber­sicht­li­chen, leicht kur­vigen Straße, auf der der Kraft­ver­kehr oft zu schnell unter­wegs ist. Auf Nach­frage an Herrn Arnold im Kreis­haus kam heraus, dass die Anord­nung zur Umschil­de­rung schon längst her­aus­ge­geben wurde, die städ­ti­schen Betriebe dieser aber nie nach­ge­kommen sind.

        Wenn schon in solch kleinen Dingen nicht an den Rad­ver­kehr gedacht wird, wie soll es da visionär für ganze Städte aus­sehen?

        • Hallo Herr Kar­sten.….… ,
          wie ich erkenne sind sie ein aktiver Rad­fahrer, wie ich auch. Ich kann fest­stellen, dass ihre Beob­ach­tungen und Emp­finden voll mit meinen über­ein­stimmen. Von uns ein vor­ge­schla­genes Rad­we­ge­netz auch zu Ver­bin­dungen zu außer­ört­li­chen Rad­wegen, ist weit ent­fernt. Auch der vom Bür­ger­block vor­ge­schla­gene Schutz­streifen ist viel zu gefähr­lich. Viel­leicht sollten wir uns mal aus­tau­schen. Ich wün­sche Ihnen all­zeit eine gute Fahrt.
          Mit freund­li­chen Grüßen Fried­helm Klemp

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