Eine Seniorin aus der Schubertstraße möchte alle Holzwickeder warnen: Sie hat gestern morgen täuschend echte Anrufe von falschen Polizisten bekommen. (Symbolfoto: Polizei NRW)

Hellwache Holzwickeder Seniorin lässt falsche Polizisten am Telefon abblitzen

Eine Seniorin aus der Schubertstraße  möchte alle Holzwickeder warnen: Sie hat gestern morgen täuschend echte Anrufe von falschen Polizisten bekommen. (Symbolfoto: Polizei NRW)
Eine Seniorin aus der Schubertstraße möchte alle Holzwickeder warnen: Sie hat gestern morgen täuschend echte Anrufe von falschen Polizisten bekommen. (Symbolfoto: Polizei NRW)

Immer mehr besorgte Bürgerinnen und Bürger haben sich seit gestern bei der Polizei gemeldet: Allein aus dem Raum Dortmund wurden 40 Fälle gemeldet, in denen sich Betrüger als falsche Polizisten ausgaben. Auch die Seniorin S. aus der Schubertstraße in Holzwickede wurde gestern Morgen (24.3.) von Betrügern aus dem Bett geklingelt. S., die ihren Namen nicht genannt wissen will, möchte dennoch ihre Geschichte erzählen, um andere zu warnen:

„Es war noch sehr früh, als mich eine Frau anrief, die sich als Claudia Feist von der Polizei vorstellte“, berichtet S. „Diese angebliche Polizeibeamtin erzählte mir, dass sie mich warnen wolle, weil in der Schubertstraße ein älteres Ehepaar überfallen worden sei.“ Geschickt habe die angebliche Polizistin das Gespräch auf das Thema Wertsachen, Geld oder Schmuck gebracht, die es auch im Hause S. gebe könne und die von Diebstahl bedroht sein könnten.

Seniorin kein Einzelfall

Um kein Misstrauen zu erwecken, kündigte die falsche Polizistin den Anruf eines weiteren Kollegen an. „Tatsächlich hat es dann kurz darauf einen weiteren Anruf von einem angeblichen Kollegen gegeben, der sich als Jörg Kellermann vorstellte“, berichtet die Holzwickederin weiter.  Auch in dem zweiten Anruf war von Dingen wie einem Wertpapierdepot die Rede oder einer Geldkassette oder Goldbarren, die möglichst nicht sichtbar in der Wohnungen herumliegen sollten.  „Die Information wollte er dann ans einen Vorgesetzten weitergeben“, erinnert sich die Seniorin. Beide Anrufer waren sehr eloquent und haben einwandfreies Deutsch gesprochen mit einem leichten ostdeutschen Dialekt.“

„Die Anrufer waren sehr überzeugend und man hätte wirklich für echte Polizisten halten können.“  

Holzwickeder Seniorin S.

Als die Holzwickederin misstrauisch nachfragte, wie sie denn sicher sein könne, dass die Anrufer wirklich von der Polizei sind, habe dieser geantwortet: „Ganz einfach: Rufen Sie doch 110 an.“ Als die Holzwickederin daraufhin auflegte, um die 110 zu wählen, klingelte das Telefon erneut: „Es war wieder der Anrufer mit unterdrückter Nummer“, so die Seniorin. „Er erklärte mir, dass ich nicht extra wieder anrufen müsste, ich würde durchgestellt zu seinem Vorgesetzten.“  Damit war für die Senioren klar: „Nein, so etwas gibt es nicht.“ 

S. legte auf und rief die echte Polizei an. „Dort sagte man mir, dass sich schon mehrere Bürger gemeldet hätten, die ebenfalls solche Anrufe von falschen Polizisten bekommen haben. Deshalb finde ich es wichtig, dass andere gewarnt werden. Ich bin bestimmt nicht die einzige, die in Holzwickede solche Anrufe bekommen hat. Die Anrufer waren sehr überzeugend und man hätte wirklich für echte Polizisten halten können.“  

Betrügerische Anrufe kommen „wellenartig“

Auf Nachfrage des Emscherblogs bestätigte Christian Stein: „Die Dame aus Holzwickede hat sich genau richtig verhalten“, lobt der Sprecher der Kreispolizei Unna. „Was die Seniorin erlebt hat, ist ganz typisch. Solche betrügerischen Anrufe kommen meistens aus Callcentern, die im Ausland sitzen, häufig in der Türkei. Von dort aus werden ganze Gebiete systematisch abtelefoniert. Deshalb kommen solche kriminellen Anrufe immer phasenweise und wellenartig. Manchmal passiert tagelang nichts und dann werden uns zehn bis zwölf solcher Anrufe an einem Tag gemeldet.“

Die kriminellen Betrüger recherchieren teilweise vorher gründlich im Internet, etwa auch die Namen von echten Polzisten.  „Die Betrüger kennen keine Hemmungen“, so der Polizeisprecher, „Die beiden Namen, unter denen sich die falschen Polizisten bei der Seniorin in Holzwickede gestern vorgestellt haben, gibt es allerdings bei der Polizei in ganz NRW nicht. Das haben wir geprüft.“  

Wichtige Informationen der Polizei

Die Polizei informiert in diesem Zusammenhang:

  • Wichtig: Die Polizei wird Sie nie anrufen und nach Wertsachen fragen! Sie wird Sie zudem nie – wie es häufig bei dieser Masche geschieht – unter der Rufnummer 110 anrufen!
  •  Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre finanziellen/persönlichen Verhältnisse.
  • Es gibt vier Fragen, die Sie sich bei verdächtigen Anrufen stellen können. Beantworten Sie nur eine mit „Ja“, ist Skepsis angebracht und Sie sollten auflegen: Werden Sie am Telefon nach Geld gefragt? Oder nach Wertsachen? Werden Sie zur Verschwiegenheit aufgefordert? Sollen Sie mit der 110 verbunden werden?
  • Allgemein gilt: Übergeben Sie Ihr Geld niemals an unbekannte Personen!
  • Sind Sie unsicher, ob „echte“ Polizeibeamte vor Ihnen stehen oder anrufen, ziehen Sie Nachbarn oder Angehörige hinzu oder besser: Rufen Sie die Polizei unter 110 an. Die Kollegen der Leitstelle können herausfinden, ob an Ihrer Anschrift Ermittlungen laufen.
  • Wichtig: Lassen Sie sich von dem Anrufer nicht mit der 110 oder angeblichen Kollegen verbinden, drücken Sie nicht die Rückruftaste! Legen Sie auf und wählen Sie selbst die 110.
  • Auch ein Anruf bei der Vermittlung der Polizei, ob dort ein „Herr XY“ arbeitet, reicht nicht. Fragen Sie über den Notruf konkret nach einem Einsatz bzw. Ermittlungen an Ihrer Adresse.
  • Wenden Sie sich auf jeden Fall an die Polizei, wenn Sie einen verdächtigen Anruf erhalten haben – egal, ob Sie den Betrug erkannt und aufgelegt haben oder schlimmstenfalls Opfer geworden sind. Häufig sind ältere Menschen die Zielscheibe von Trickbetrügern.
  • Deshalb ist der Polizei besonders wichtig: Informieren Sie Seniorinnen und Senioren in Ihrem Umfeld und sprechen Sie über die Maschen der Betrüger.

Die „jüngere Generation“ kann Verwandte oder Bekannte auch mit praktischen Maßnahmen unterstützen. Helfen kann zum Beispiel das Löschen des Telefonbucheintrags. Oft suchen die Täter noch immer über Vornamen nach potenziell älteren Menschen. Auch gute Nachbarn können Gold wert sein: Tauschen Sie Erreichbarkeiten mit älteren Nachbarn aus, halten Sie Kontakt, seien Sie aufmerksam.

Die Polizei berät und informiert auch im Internet ausführlich zum Thema Betrugsmaschen.

Falsche Polizisten


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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