Heimatstube würdigt berühmtesten Sohn Opherdickes: Ausstellung zu Pater Beda

Bernhard Vickermann erläutert die alten Familienbilder in der Pater-Beda-Ausstellung in der Heimatstube. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Bern­hard Vicker­mann erläu­tert die alten Fami­li­en­bil­der in der Pater-Beda-Aus­stel­lung in der Hei­mat­stu­be. (Foto: P. Grä­ber — Emscherblog.de)

Am 16. August 2015 ver­starb der wohl berühm­te­ste Sohn Opher­dickes: Linus Vicker­mann, bes­ser bekannt unter dem Namen Paster Beda.  Anläss­lich sei­nes zwei­ten Todes­ta­ges, der sich über­mor­gen zum zwei­ten Mal jährt, fin­det am kom­men­den Sonn­tag (20. August) eine Mes­se für Pater Beda in der St. Ste­pha­nus­kir­che statt. Anschlie­ßend wird in der Hei­mat­stu­be eine Son­der­aus­stel­lung zum Leben und Wir­ken Pater Beda eröff­net.  

Erstkommunion 1942 in Ophedrdicke: die Brüder Linus (l.) und Bernhard (r.). (privat)

Erst­kom­mu­ni­on 1942 in Opher­dicke: die Brü­der Linus (l.) und Bern­hard (r.). (pri­vat)

Wie sehr Pater Beda mit Opher­dicke und der St. Ste­phen­aus­kir­che ver­bun­den ist, wird deut­lich, wenn sein Bru­der Bern­hard Vicker­mann über die Fami­li­en­ge­schich­te erzählt. Bern­hard Vicker­mann ist mit sei­nen heu­te 84 Jah­ren der älte­sten der ins­ge­samt sie­ben Geschwi­ster (sechs Jungs und ein Mäd­chen), von denen zwei inzwi­schen ver­stor­ben sind. „Auf­ge­wach­sen sind wir auf dem elter­li­chen Bau­ern­hof in Osten­dorf“, erzählt Bern­hard Vicker­mann, der selbst Land­wirt ist. „Es war ein klei­ner Pacht­be­trieb., den mein Vater 1932 über­nahm. Heu­te gibt es den Hof nicht mehr. Er war an der Müh­len­stra­ße, dort wo heu­te der Hof Rol­le ist.“

Im Hau­se Vicker­mann führ­te die Mut­ter das Regi­ment, wie sich Sohn Bern­hard noch leb­haft erin­nert. „Sie hat­te die Büchs‘ an, wie der west­fä­li­sche Bau­er sagt“. Hei­lig­abend 1934 wur­de sein Bru­der Linus gebo­ren. Mit der St. Ste­pha­nus­kir­che, in der am Sonn­tag die Mes­se für ihn gele­sen wird, war Pater Beda zeit­le­bens in beson­de­rer Wei­se ver­bun­den: Hier wur­de der klei­ne Linus getauft (31. Dezem­ber 1934), hier erhielt der sei­ne Erst­kom­mu­ni­on (12. April 1942), hier wur­de er gefirmt (23. Novem­ber 1946) und  hier fand nach der Rück­kehr Bedas aus Bra­si­li­en auch die Hei­mat­pri­miz statt (26. Mai 1963).

Hier in der St. Ste­pha­nus­ge­mein­de war Linus auch als Mess­die­ner aktiv und hat den Dom, den Pfarr­brief, an die Fami­lie Regen­bo­gen ver­teilt.“ 

Bern­hard Vicker­mann, Bru­der von Pater Beda

Hier in der St. Ste­pha­nus­ge­mein­de war Linus auch als Mess­die­ner aktiv und hat den Dom, den Pfarr­brief, an die Fami­lie Regen­bo­gen ver­teilt“, schmun­zelt sein Bru­der Bern­hard. „Der dama­li­ge Pastor Hein­rich Koch war sein Men­tor. Der hat ihn rich­tig bear­bei­tet.“  Doch Pater zu wer­den, bedeu­te­te damals wie heu­te: Abschied von der Fami­lie.

Noch war es aller­dings nicht soweit. 1951 lief die Hof­pacht aus und die bei­den Brü­der über­sie­del­ten mit der gan­zen Fami­lie nach Apricke, wo die Eltern in der Nähe von Hemer einen Bau­ern­hof pach­te­ten. Hier in Apricke wur­de Linus Mit­glied der katho­li­schen Jugend in Hüping­sen. Bereits 1952 über­nahm er die Lei­tung der katho­li­schen Pfarr­ju­gend. Auf dem Hof Vicker­mann orga­ni­sier­te die Fami­lie von 1968 bis 1976 gro­ße Jugend­la­ger mit Hun­der­ten Kin­dern aus ganz West­fa­len und sogar Nie­der­sach­sen.

1956 Aufnahme in den Franziskanerorden

Pater Beda (2. Reihe Mitte) mit Eltern und Geschwistern 1956 vor dem, Eintritt in das Noviziat. (Foto: privat)

Pater Beda (2. Rei­he Mit­te) mit Eltern und Geschwi­stern 1956 vor dem, Ein­tritt in das Novi­zi­at. (Foto: pri­vat)

1954 ver­ließ Linus Vicker­mann das Eltern­haus, um in Neuss auf dem erz­bi­schöf­li­chen Gym­na­si­um „Col­le­gi­um Maria­num“ sei­ne Hoch­schul­rei­fe zu erlan­gen. 1956 war dann ein ent­schei­den­des Jahr: Im August stand Linus Vicker­mann vor der Klo­ster­pfor­te in Bar­del und bat um Auf­nah­me in den Fran­zis­ka­ner­or­den. Er wur­de ein Jahr zur Pro­be auf­ge­nom­men (Fra­ter) und erhielt den Namen Beda. Sein Namens­pa­tron war ein iri­scher Bene­dik­ti­ner­mönch aus dem 9. Jahr­hun­dert. „Sein Wunsch­na­me war eigent­lich Anto­ni­us, doch der war schon besetzt“, ver­rät sein Bru­der Bern­hard. „Doch etwas Bes­se­res als die­ser ein­präg­sa­me  Name Beda hät­te ihm gar nicht pas­sie­ren kön­nen, wie sich zeig­te.“

Bereits ein Jahr nach sei­nem erfolg­rei­chen Novi­zi­at wur­de Fra­ter Beda dann nach Olin­da im Nord­osten Bra­si­li­ens ent­sandt. Nach einem zwei­jäh­ri­gen Phi­lo­so­phie­stu­di­um, das jeder Theo­lo­gie­stu­dent zu absol­vie­ren hat, erfolg­te der Wech­sel zum Klo­ster Sal­va­dor und eigent­li­chen Theo­lo­gie­stu­di­um.

Bei den Men­schen im Nord­osten Bra­si­li­ens ist Pater Beda unver­ges­sen. Sie hal­ten sein Andenken in Ehren. (Foto: pri­vat)

Am 22. Juli 1962 hat­te Beda dann vom Kar­di­nal von Sal­va­dor zum Prie­ster geweiht:  Aus dem Fra­ter Beda end­lich sein lan­ge ersehn­tes Ziel erreicht: An die­sem Tag wur­de er vom Kar­di­nal Sal­va­dors, Kar­di­nal Da Sil­va, zum Prie­ster geweiht: Aus Fra­ter Beda wur­de war damit Pater Beda gewor­den und er konn­te mit gro­ßer Freu­de und Hin­ga­be sei­ne Arbeit mit den Ärm­sten der Armen auf­neh­men. Doch die Freu­de währ­te nur kurz. Nach nur einem Jahr wur­de er nach Deutsch­land ins Klo­ster Bar­del ver­setzt.

Doch in die­sem einen Jahr sei­nes Auf­ent­hal­tes in Bra­si­li­en wirk­te Pater Beda so nach­hal­tig, dass die Men­schen im Nord­osten Bra­si­li­ens noch immer von dem pro­fi­tie­ren, was er damals anleg­te und vol­ler Ehr­furcht und Dank­bar­keit von ihm spre­chen.

Am 22. Mai 1963 kehr­te Pater Beda nach Deutsch­land zurück. Ihn nach Deutsch­land zurück­ge­holt zu haben, sei „eine der schwer­sten Ent­schei­dun­gen sei­nes Lebens gewe­sen“, bekann­te der Pro­vin­zi­al der Fran­zis­ka­ner, Pater Sera­fin, spä­ter ein­mal mit Trä­nen in den Augen.

Nach nur einem Jahr nach Deutschland zurückversetzt

Zwar wur­de Pater Beda nie wie­der nach Bra­si­li­en ver­setzt, Doch war er in der Fol­ge­zeit regel­mä­ßig zu Auf­ent­hal­te in sein gelieb­tes Bra­si­li­en zurück­ge­kehrt. Die Men­schen in Reci­fe und im Nord­osten Bra­si­li­ens hal­ten sein Andenken in Ehren. „Dort ist er immer noch eine Kult­fi­gur“, weiß auch Wil­fried Brink­mann vom Hel­fer­kreis Bedas von sei­nen Auf­ent­hal­ten in Bra­si­li­en. Wie sehr die Men­schen Pater

Pater Beda im Alter von 75 Jahren. (Foto: privat)

Pater Beda im Alter von 75 Jah­ren. (Foto: pri­vat)

Beda in Bra­si­li­en ver­eh­ren zeigt auch die Tat­sa­che, dass sie ihm gera­de ein Muse­um bau­en auf der „Insel der Ver­damm­ten“. Das ist eine klei­ne Insel vor Reci­fe, wo die Ärm­sten der Armen frü­her noch in Pfahl­bau­ten leb­ten“, berich­tet Brink­mann. „Dank Pater Beda ist dort inzwi­schen eine Sied­lung mit etwa 40 oder 50 mas­si­ven Häu­sern ent­stan­den.“

Zurück in Deutsch­land begann Pater Beda im Novem­ber 1963 mit den Sam­mel­ak­tio­nen in Apricke und den umlie­gen­den Dör­fern. Im Febru­ar 1984 wur­de schließ­lich der Akti­ons­kreis Pater Beda als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein gegrün­det.

Zu Mes­se für Pater Beda und zum Tag der offe­nen Tür in der Hei­mat­stu­be anläss­lich der Aus­stel­lung für Beda wer­den neben Bern­hard Vicker­mann auch Udo Lohoff und Bern­ward Wig­ger, der Geschäfts­füh­rer und Vor­sit­zen­de des Akti­ons­krei­ses Pater Beda, teil­neh­men.

Für die Vor­sit­zen­de des Histo­ri­schen Ver­eins, Moni­ka Blen­ne­mann, und Bern­hard Vicker­mann scheint mit der Aus­stel­lung des viel­leicht berühm­te­sten Soh­nes Opher­dickes in der Hei­mat­stu­be zusam­men­ge­wach­sen zu sein, was schon immer zusam­men­ge­hör­te. „Ich bin glück­lich und sehr dank­bar dafür, dass wir gemein­sam mit dem Histo­ri­schen Ver­ein und dem Akti­ons­kreis die­se Aus­stel­lung hier in Opher­dicke orga­ni­sie­ren konn­ten“, sagt Bern­hard Vicker­mann.

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visage

Dipl.-Journalist

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