Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Andreas Heidemann (r.), übergibt das fast 150 Jahre alte Protokollbuch im Gemeindearchiv an Silke Becker. Im Hintergrund Fachbereichsleiter Matthias Aufermann (li.) und Peter Stunak. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Gemeindearchiv personell weiter aufgestockt: Zahl der Anfragen von außen nimmt zu

Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Andreas Heidemann (r.),  übergibt das fast 150 Jahre alte Protokollbuch im Gemeindearchiv an Silke Becker. Im Hintergrund Fachbereichsleiter Matthias Aufermann (li.) und Peter Stunak. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Andreas Heidemann (r.), übergibt das fast 150 Jahre alte Protokollbuch im Gemeindearchiv an Silke Becker. Im Hintergrund Fachbereichsleiter Matthias Aufermann (li.) und Peter Stunak. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Seit Anfang Juni ist Peter Stunak schon im Dienst als zusätzlicher Mitarbeiter im Gemeindearchiv. Heute wurde er offiziell vorgestellt anlässlich der Übergabe eines historischen Protokollbuches der Gemeindevertretung Opherdicke durch den Vorsitzenden des Historischen Vereins, Andreas Heidemann in der Gemeindebibliothek.

Peter Stunak unterstützt Silke Becker, die bereits im Gemeindearchiv tätig ist. Nach kurzer Einarbeitungszeit bearbeitet er inzwischen die unterschiedlichen Nutzeranfragen zur Familien- und Heimatforschung und unterstützt Silke Becker bei der Erfassung der Altakten mit der Archivsoftware AUGIAS.  Bislang sind die Altakten der Gemeinde für einen Zeitraum von 1843 bis 1966 nur in einem sogenannten Findbuch per Schreibmaschineneintrag erfasst. „Mit AUGIAS werden die Akten jetzt zunächst digital erfasst“, erläutert Silke Becker. „Das ist die Voraussetzung für die weitere Digitalisierung unseres Archivs.“

Peter Stunak neuer Mitarbeiter

Die letzten etwa 50 Jahre seit 1966 sind leider gar nicht oder nur sehr lückenhaft erfasst worden und deshalb archivtechnisch ein „schwarzes Loch“. „Leider ist das Gemeindearchiv in dieser Zeit leider etwas vernachlässig worden“, räumt der zuständige Fachbereichsleiter Matthias Aufermann ein. Spätestens mit der Einstellung von Silke Becker im Jahr 2017 wurde allerdings damit begonnen, das Archiv systematisch aufzuarbeiten. „Leider haben wir völlig unterschätzt, wieviel Arbeit das ist“, so Aufermann weiter. Mit der Einstellung von Peter Stunak habe man nun auf diesen Umstand reagiert.

Anfrage zu gefallenem U-Boot-Fahrer aus Holzwickede

Tatsächlich gehen immer mehr Anfragen im Gemeindearchiv ein, nicht nur von privater Seite, auch von Anwaltskanzleien zur Erbenermittlung, Universitäten und Ahnenforschern. Insbesondere nach Übernahme der Standesamtsregister haben diese Anfragen zugenommen.  „Erst heute ist wieder eine Anfrage eingegangen zu einem Holzwickeder, der vermutlich als Matrose auf einem U-Boot gefahren ist, das 1917 versenkt worden ist“, berichtet Silke Becker. „Derartige Anfragen“, ergänzt Matthias Aufermann, „können natürlich nicht sofort beantwortet werden. Meistens dauern die Recherchen ein paar Tage oder auch Wochen, bis dann eine Antwort möglich ist.“  Wer im Gemeindearchiv anfragt, sollte also schon etwas Geduld mitbringen und seine Anfrage oder Terminwünsche möglichst per E-Mail unter archiv@holzwickede.de an das Gemeindearchiv richten.

Einen historisch wertvollen Fund für das Gemeindearchiv brachte Andreas Heidemann heute vorbei: das Protokollbuch der Gemeindevertretung Opherdicke für die Jahre 1875 bis 1895. „Diese Protokolle galten lange als verschollen“, erklärt der Heimatforscher. Selbst der Unnaer Stadtarchivar Willy Timm kannte diesen heimatkundlichen „Schatz“ nicht und hat deshalb in der von ihm veröffentlichten „Geschichte der Gemeinde Holzwickede“ noch darauf hingewiesen, dass „die Protokolle der Opherdicker Gemeindevertretung (…) erst seit 1958 erhalten“ sind.

150 Jahre altes Protokollbuch aus Opherdicke überlassen

Dass es die fast 100 Jahre älteren Protokolle gibt, wusste Andreas Heidemann zwar. Denn er hatte seiner Vorgängerin im Amt, Annegret Externbrink, erfahren, dass ihr verstorbener Mann begonnen hatte die im Original im A3-Format vorliegenden alten Protokolle einzuscannen und in ein DIN A4-Format umzuwandeln. „Doch wo das originale Protokollbuch war, wusste auch Annegret Externbrink nicht mehr. Angeblich sei es wieder an die Gemeinde zurückgegeben worden“, so Andreas Heidemann.  Umso überraschter war der Vorsitzende des Historischen Vereins als er bei Arbeiten im Archiv des Historischen Vereins plötzlich das fast 150 Jahre alte Protokollbuch in den Händen hielt. „Da war es für mich eigentlich keine Frage, dass dieses Buch hier ins Gemeindearchiv gehört“, so Heidemann heute bei der Übergabe.

Etwas leichter dürfte ihm diese Entscheidung auch gefallen sein, weil die eingescannten Protokolle aus dem Buch, bis auf die ersten 20 Seiten, schon etwas länger und nunmehr auch vollständig auf der Internetseite des Historischen Vereins unter diesem Link einsehbar sind.

Auch die Gemeinde plant langfristig alle Akten des Gemeindearchivs online zu stellen. Doch bis es soweit ist, dürfte es noch eine Weile dauern. 

Kooperation mit Historischen Verein

Unterdessen haben die Gemeinde und der Historische Verein eine engere Zusammenarbeit verabredet. Sowohl Andreas Heidemann wie auch Matthias Aufermann und die beiden Mitarbeiter im Archiv erhoffen sich davon langfristig Synergieeffekte. „Wir merken seit einige Jahren, dass sich die Qualität des Gemeindearchivs ständig verbessert“, bestätigt Heidemann. „Dabei helfen wir natürlich gerne im Rahmen unserer Möglichkeiten. Umgekehrt nutzen wir natürlich gerne die historischen Unterlagen des Gemeindearchivs, beispielsweise die Urkunden, um die Lokalgeschichte weiter erforschen zu können.“

Update 27.8., 17.25 Uhr: : Andreas Heidemann vom Historischen Verein hat darauf hingewiesen, dass es zwei digitalisierte Versionen der alten Gemeindeprotokolle gibt: Eine ältere s/w Fassung, der die ersten Seiten fehlen und die neueste, farbige und vollständige Fassung. Diese ist unter der im vorstehenden Bericht enthaltenen Link auf der Homepage des Historischen Vereins einsehbar.

Gemeindearchiv, Historischer Verein


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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