Geldstrafe für 57-Jährigen nach Streit bei Bäcker Grobe: Landgericht hebt Urteil auf

600 Euro Strafe wegen Belei­di­gung sollte der 57-jährige Holzwicked­er nach einem Urteil Amts­gericht­es Unna zahlen, weil er an einem, heißen Som­mertag, dem 29. Juni vorigen Jahres, in Begleitung sein­er Enke­lin und seines Schäfer­hun­des in der Bäck­erei Grobe an der Nord­straße  mit eini­gen Senioren in Stre­it ger­at­en war. Im Ver­lauf der ver­balen Auseinan­der­set­zung soll er schließlich einen 76-Jähri­gen Holzwicked­er als “Piss­er” beze­ich­net haben. Das bestre­it­et der Verurteilte jedoch vehe­ment: Er will lediglich “Ver­piss Dich endlich” gesagt haben.

Anlass für den Stre­it war der Ver­such eines noch um einige Jährchen älteren Her­rn, der den vor der Bäck­erei ange­bun­de­nen Schäfer­hund des 57-Jähri­gen unbe­d­ingt stre­icheln wollte. Weil er ver­hin­dern wollte, dass der alte Herr gebis­sen wird, zog der Hal­ter den unein­sichti­gen Senior von seinem Hund weg. Daraufhin mis­cht­en sich der 76-Jährige Zeuge und seine gle­ichal­trige Ehe­frau ein — und der Stre­it eskalierte.

Pisser” oder “Verpiss Dich endlich” — das war die Frage

An der Geld­strafe in Höhe von 600 Euro, zu der er vom Amts­gericht verurteilt wurde, hat­te der Holzwicked­er Hun­de­hal­ter offen­bar schw­er zu knack­en und legte Beru­fung. Schließlich fühlte sich der Hun­de­hal­ter ganz und gar unschuldig, wie er heute (24.3.) vor dem Landgericht Dort­mund beteuerte, wo seine Beru­fungsver­hand­lung stat­tfand.

Aber selb­st, wenn der Tatvor­wurf  tat­säch­lich stim­men sollte, hielte ich eine Geld­strafe nicht für angemessen. Man muss auch nicht wegen jed­er Sache sofort zu Gericht laufen.”

Der Richter beim Landgericht in sein­er Urteils­be­grün­dung

Daran, dass der Richter und auch der Ober­staat­san­walt erfahrene Hun­de­hal­ter sind, mag es allein nicht gele­gen haben, dass das Urteil des Amts­gericht­es heute aufge­hoben und das Ver­fahren gegen den Holzwicked­er eingestellt wurde. Wie der Richter deut­lich machte, hätte das Ver­fahren bess­er schon vor dem Amts­gericht in Unna eingestellt wer­den müssen: Denn bei Stre­it­igkeit­en dieser Art sei die Beweis­lage prak­tisch nie ganz ein­deutig. Und auch die Zeu­gen haben, sofern sie Beteiligte sind, ihre jew­eils eigene Wahrnehmung von dem Geschehen. Darum wurde auf die Vernehmung des Ehep­aares in der Ver­hand­lung heute auch verzichtet.  “Sie wür­den doch nur aus­sagen, was sie in der ersten Ver­hand­lung auch schon gesagt haben — und das aus ehrlich­er Überzeu­gung”, glaubt der Richter.

Was soll also dabei her­auskom­men?”  Erfahrungs­gemäß müsse man davon aus­ge­hen, dass nicht ein Beteiligter allein zur Eskala­tion beiträgt, son­dern ein Wort das andere gegeben hat, so dass von ein­er Art wech­sel­seit­i­gen Belei­di­gung auszuge­hen sei. “Aber selb­st, wenn der Tatvor­wurf  tat­säch­lich stim­men sollte, hielte ich eine Geld­strafe nicht für angemessen”, so der Vor­sitzende Richter. “Man muss auch nicht wegen jed­er Sache sofort zu Gericht laufen.” Darum sei die Ein­stel­lung des Ver­fahrens für gerecht­fer­tigt. Mit den Kosten für seinen Recht­san­walt, die der 57-Jährige Holzwicked­er zu tra­gen habe, sei er schon genug bestraft.

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Dipl.-Journalist

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