Frühlingserwachen auf Haus Opherdicke: Oskar Kurt Döbrich – das Leben als große Wanderung

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Als „Haus der Moderne“ über­re­gional bekannter Aus­stel­lungsort, mit neuem Land­schafts­garten und Wegen ins Land­schafts­schutz­ge­biet auch attrak­tives Aus­flugs­ziel: das Haus Opher­dicke. (Foto: Simone Melenk)

Das wird ein Wochen­ende! Früh­lings­er­wa­chen auch auf Haus Opher­dicke: Zwei­stellig soll die Tem­pe­ratur am Sonntag werden, hun­derte Besu­cher müssen einmal nicht in der Scheune frieren und spüren ent­spannt dem „Leben als große Wan­de­rung“ des Künst­lers Oskar Kurt Döb­rich nach. Viel­leicht spa­zieren sie noch durch den neu gestal­teten Land­schafts­garten mit alter Obst­wiese, wo Win­ter­glocken­apfel, Stern­re­nette und Wil­liams Christ schon knopsen. Dann wäre ein Stück Kuchen ver­lockend.

Ganzheitliches Erlebnis

Die Maß­nahmen im histo­ri­schen Her­ren­sitz, bar­rie­re­freier Umbau und Neu­ge­stal­tung der Aus­stel­lungs­räume (Lindner + Lohse Archi­tekten), neue Wege rund um das Denkmal mit Anschluss­stellen in große Natur­schutz­ge­biete wie den ehe­ma­ligen Trup­pen­übungs­platz Holzwickede/​Hengsen, ein neuer heller Hof und nicht zuletzt das neue Kultur-Café über dem Was­ser­graben bieten jetzt „ein ganz­heit­li­ches Erlebnis“, sagt Thomas Heng­sten­berg, Kul­tur­chef beim Kreis Unna. Seit 2010 „ein Quan­ten­sprung“ und eine neue Auf­ent­halts­qua­lität, die revier­weit Beach­tung findet. Besu­cher kommen nicht nur aus der unmit­tel­baren Nach­bar­schaft Dort­mund und dem Kreis Unna, Haus Opher­dicke hat Stamm­gäste aus dem ganzen Ruhr­ge­biet, dem Sauer­land, aus dem Raum Mün­ster.

Reproduktion, Oskar Kurt Döbrich

Stillleben mit Büchern, Gou­ache auf Papier, 1935, von Oskar Kurt Döb­rich. (Repro: Kreis Unna)

Reproduktion, Oskar Kurt Döbrich

Mann mit karierter Jacke, Aqua­rell auf Papier, 1928, von Oskar Kurt Döb­rich. (Repro: Kreis Unna)

Ten­denz: weiter stei­gend. Denn bis 2017 emp­fiehlt sich Opher­dicke bald als ein­zige kreis­ei­gene Kunst­adresse. Schloss Cap­pen­berg wird ab Sep­tember auf­wändig umge­baut, bleibt aber – das als wich­tige Nach­richt – auch künftig Aus­stel­lungsort. Nach langen Ver­hand­lungen haben Kreis und Schloss­herr den Miet­ver­trag ver­län­gert.

Kunst, Kultur und Gar­ten­zimmer, mit diesem Drei­klang punktet Opher­dicke, das kon­se­quent als „Haus der Moderne“ immer wieder Kunst-Über­ra­schungen und Ent­deckungen prä­sen­tiert. Mei­stens aus­ge­graben von Thomas Heng­sten­berg, der zufällig auf Bilder stößt, „eine Kunst­spur erschnüf­felt“, dran bleibt und bisher Ver­bor­genes oder schon Ver­ges­senes ans Licht bringt.

120 Arbeiten sind zu sehen

So wie den west­fä­li­schen Zeichner, Gra­fiker und Maler Oskar Kurt Döb­rich (1911−1970), in Loth­ringen geboren, aber Zeit seines Lebens mit Mün­ster ver­bunden. Über drei Bilder der Neuen Sach­lich­keit in einer frü­heren Aus­stel­lung stieß Heng­sten­berg auf diese außer­ge­wöhn­liche Bega­bung, auf Oskar Kurt Döb­rich, der schon als Gym­na­siast die „beste Schü­ler­zeich­nung“ ablie­ferte, später an der Kunst­aka­demie Berlin stu­dierte.

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Letzte Hand­griffe: Thomas Heng­sten­berg, Leiter Fach­be­reich Kultur beim Kreis Unna. (Foto: Simone Melenk)

120 Arbeiten von ihm sind ab Sonntag in Opher­dicke zu sehen. So viel­seitig, so expe­ri­men­tier­freudig der Künstler und Kunst­lehrer Döb­rich, so unter­schied­lich seine Bilder, die sein Leben mit allen dra­ma­ti­schen Brü­chen und zwei Welt­kriegen als große Wan­de­rung durch unbe­re­chen­bare Zeiten nach­zeichnen. In allen Stilen hat sich der Freund von Otto Pankok und Conrad Felix­müller pro­biert. Zu sehen sind Natur­bilder mit alt­mei­ster­li­cher Hand­schrift, puri­sti­sche Stillleben, feine Feder­zeich­nungen, mal frech, mal sur­real, ja selbst ein Hitler in Leder­hosen als Kari­katur. Döb­rich konnte Kubismus, liebte Lin­ol­schnitte, und seine Por­träts mit Blei­stift und Tusche zeigen das außer­ge­wöhn­liche Talent des Zeich­ners.

Aus­schließ­lich pri­vate Leih­gaben hängen in Opher­dicke. Die mei­sten Bilder steu­erte Döb­richs Tochter Dagmar Köhler bei.

  • Termin: Aus­stel­lung „Oskar Kurt Döb­rich – sein Leben als große Wan­de­rung“: Ab Sonntag und bis zum Som­mer­an­fang erlebbar.

INFO

Oskar Kurt Döb­rich, Das Leben als große Wan­de­rung: bis 28. Juni auf Haus Opher­dicke, Dorf­straße 29, Holzwickede. Öff­nungs­zeiten Di-So 10.30 bis 17.30 Uhr. Öffent­liche Füh­rungen So 11.30 und 14.30 Uhr. Muse­ums­päd­ago­gi­sches Begleit­pro­gramm für Schulen: „Stillleben – Der Zauber des Ein­fa­chen“, „Stadt­an­sichten – gra­fisch umge­setzt“, 21. April bis 13. Mai, jeweils Di-Fr. 9.30−12 Uhr. Info unter www.kulturkreis-unna.de

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