Wenn es um Verkehrsprobleme geht, weiß Frank Lausmann als Anwohner der Nordstraße wovon er spricht. Auch als hauptamtlicher Bürgermeister würde er sich für eine gerechtere Verteilung der Verkehre einsetzen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Frank Lausmann will mit seiner politischen Erfahrung punkten und Probleme anpacken statt sie auszusitzen

Wenn es um Verkehrsprobleme geht, weiß Frank Lausmann als Anwohner der Nordstraße wovon er spricht.  Auch als hauptamtlicher Bürgermeister würde er sich für eine gerechtere Verteilung der Verkehre einsetzen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Wenn es um Ver­kehrs­pro­bleme geht, weiß Frank Laus­mann als Anwohner der Nord­straße wovon er spricht. Auch als haupt­amt­li­cher Bür­ger­mei­ster würde er sich für eine gerech­tere Ver­tei­lung der Ver­kehre ein­setzen. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Die Kom­mu­nal­wahl findet am 13. Sep­tember statt. Gewählt wird an diesem Termin nicht nur ein neuer Gemein­derat, son­dern auch eine neue Bür­ger­mei­sterin oder ein neuer Bür­ger­mei­ster für die Gemeinde Holzwickede. Der Emscher­blog hat mit allen vier Bewer­bern Inter­views geführt, die an dieser Stelle ver­öf­fent­licht werden. Lesen Sie heute als letztes dieser Inter­views das Gespräch mit Frank Laus­mann (CDU).

Zur Person: Frank Laus­mann (49 J.) ist ver­hei­ratet und hat zwei Kinder. Der haupt­be­ruf­liche Indu­strie­kauf­mann ist lang­jäh­g­riger Vor­sit­zender der Orts­union und noch län­gerer Mit­glied der CDU-Frak­tion im Gemein­derat. Im Jahr 2009 kan­di­dierte Laus­mann schon einmal für das haupt­amt­liche Bür­ger­mei­steramt und unterlag gegen Jenz Rother. Aktuell ist Laus­mann stell­ver­tre­tender Bür­ger­mei­ster Holzwickedes und Vor­sit­zender des Ver­kehrs­aus­schusses der Gemeinde.

Emscher­blog: Herr Laus­mann, die CDU hatte bei der letzten Bür­ger­mei­ster­wahl keinen eigenen Kan­di­daten gestellt und dafür auch einige Kritik ein­stecken müssen. Wer hat Sie denn dieses Mal gezwungen zu kan­di­dieren?

Laus­mann: Nie­mand. Aber wir haben in der CDU unsere Ein­stel­lung zu dieser Wahl geän­dert. Wir haben lange vor­aus­ge­setzt, dass ein Bür­ger­mei­ster­kan­didat auch ein Ver­wal­tungs­fach­mann sein muss. Das hätten wir bei der letzten Wahl gerne in Ver­bin­dung mit den anderen Par­teien auch durch­ge­setzt. Doch die SPD hatte sich vor der Wahl 2014 schon sehr schnell auf ihren Kan­di­daten Michael Klim­ziak fest­ge­legt, wes­halb wir dann ver­sucht hatten, einen gemein­samen Kan­di­daten mit den anderen Par­teien zusammen zu finden. Leider ließ sich da keine Mehr­heit finden, weil der Bür­ger­block sehr gerne Ulrike Drossel auf­stellen wollte. Da wir sehr darauf kon­zen­triert waren, einen Ver­wal­tungs­fach­mann zu finden, was beide nicht waren, haben wir dann keinen eigenen Kan­di­daten auf­ge­stellt. Mitt­ler­weile sehen wir das in der CDU anders. Ein Bür­ger­mei­ster muss in erster Linie Visionen ent­wickeln, muss Men­schen zusam­men­bringen und Pro­zesse mode­rieren. Das ist auch etwas, was wir momentan ver­missen und wo ich gerne anders her­an­gehen würde. Ich würde pro­ak­tiver han­deln, über­haupt aktiver vor­gehen. Ich würde nicht abwarten, was pas­siert, son­dern auch Dinge beschleu­nigen. Das ist ein ganz wich­tiges Thema für mich.

Emscher­blog: Darauf würde ich gerne später noch zurück­kommen. Mich würde zunächst aber inter­es­sieren, was Ihre ganz per­sön­li­chen Gründe sind, nun doch für dieses Spit­zenamt zu kan­di­dieren?

Laus­mann: Meine beiden ein­zigen Hob­bies sind meine Familie und die Kom­mu­nal­po­litik. Ich bin kein Sportler und auch so durchs Leben gekommen. Mein Ding ist die Kom­mu­nal­po­litik. Ich hätte bei der Jungen Union damals viel­leicht auch noch einen anderen Weg ein­schlagen können. Jemand der noch ein paar Jahre jünger ist und mit dem ich damals gemeinsam aktiv war, ist Ina Schar­ren­bach. Sie ist mitt­ler­weile Mini­sterin in NRW. Wir haben immer noch sehr guten Kon­takt. Landes- oder Bun­des­po­litik war aber nie mein Ding. Ich war immer eher der Lokal­ma­tador. Ich wollte dort, wo ich wohne, etwas bewegen. Das habe ich auch geschafft. Ich bin jetzt seit 1999 im Rat und seit 2004 auch stell­ver­tre­tender Bür­ger­mei­ster. Dazu habe ich einen Beruf in Dort­mund. Ich bin kauf­män­ni­scher Ange­stellter in der Ener­gie­wirt­schaft und fühle mich sehr wohl bei meinem Arbeit­geber. Beides, Politik und Beruf, konnte ich immer gut ver­ein­baren. Des­halb hatte ich auch nie den Drang, unbe­dingt als haupt­amt­li­cher Bür­ger­mei­ster zu kan­di­dieren.

Aber ich habe auch erkannt, was hier in der Gemeinde in den ver­gan­genen Jahren falsch gelaufen ist. Ich stelle Defi­zite fest und habe kon­krete Anhalts­punkte, wo ich auch die aktu­elle Amts­in­ha­berin in ihrer Arbeit kri­ti­siere. Wenn man aber etwas besser machen will, muss man letzt­lich auch bereit sein, die Gesamt­ver­ant­wor­tung zu über­nehmen. Die möchte ich mit dieser Kan­di­datur über­nehmen. Wir haben uns damit inner­halb der CDU recht lange Zeit gelassen. Es stand auch vorher gar nicht fest, dass ich es mache, denn es gab auch noch andere Bewerber. Es stand nur fest: Es macht einer von uns aus Holzwickede und kein Aus­wär­tiger. Jemand, der auch lange in der Frak­tion ist und die Abläufe kennt und natür­lich auch Spaß an der Auf­gabe hätte. Ich habe gesagt: Ich habe einen tollen Job in Dort­mund und kann ganz beru­higt und gelassen die Kan­di­datur angehen. Wenn ich es nicht werde, würde ich selbst­ver­ständ­lich auch wei­terhin gerne mit­ar­beiten. Ich war ja auch schon einmal Kan­didat, doch jetzt ver­suche ich es noch einmal. Dafür musste man mich nicht zwingen oder lange über­reden. Ich würde mich unheim­lich gerne in diesem Amt für meine Gemeinde ein­setzen.

Emscher­blog: Nun haben Sie tat­säch­lich keine Ver­wal­tungs­er­fah­rung. Ist das kein Nach­teil in diesem Amt, in dem Sie ja auch Ver­wal­tungs­chef wären?

Laus­mann: Ich sage es mal so: Es ist zunächst ja sehr erfreu­lich, dass es ein so buntes Bewer­ber­feld in Holzwickede gibt. Aber es ist nie­mand mit Erfah­rung in einer Kom­mu­nal­ver­wal­tung dar­unter. Inso­fern muss ich da gar keine Kon­kur­renz fürchten. Natür­lich wäre Ver­wal­tungs­er­fah­rung nicht schäd­lich in diesem Amt, aber sie ist keine Vor­aus­set­zung. Das habe ich auch im Laufe der Jahre lernen müssen. Vor­aus­set­zung und viel wich­tiger ist, dass man guten Kon­takt zu den Bür­gern hat oder einen Draht zu ihnen bekommt und Pro­zesse beschleu­nigt. Das habe ich im Übrigen auch vom ehe­ma­ligen Bür­ger­mei­ster Jenz Rother gelernt, wie wichtig die Ver­net­zung im Ort ist, zu den Ver­eins­vor­sit­zenden und zu den Men­schen über­haupt. Wenn man, wie ich, seit 1990 poli­tisch aktiv ist und bei jedem Jah­res­emp­fang, Kanin­chen­zucht- und Ten­nis­ver­einen gewesen sind, dann kennen einen die Leute. Als stell­ver­tre­tender Bür­ger­mei­ster besuche ich ja auch die Jubi­lare. Dieses Jahr geht das leider nicht wegen Corona. Aber ich komme bei sol­chen Besu­chen viel herum, da höre ich viel. Ein kleines Bei­spiel: Dass die Zebra­streifen an der Ham­burger Allee vor ein paar Jahren ange­legt wurden, geht auf einen sol­chen Geburts­tags­be­such zurück. Dabei hatten mir Senioren geklagt, dass sie immer große Pro­bleme haben, wenn sie von der Ber­liner Allee in Rich­tung Edeka an der Kirch­straße wollen. Das haben wir anschlie­ßend auf­ge­griffen und den Überweg mit den Zebra­streifen umge­setzt. Das meine ich mit „Draht zu den Men­schen“ haben. Der ist wich­tiger als Ver­wal­tungs­er­fah­rung.

Ich schätze Ulrike Drossel wirk­lich sehr. Sie ist eine sehr sym­pa­thi­sche Frau. Aber ich habe den Ein­druck, dass viele Dinge weg­ge­lä­chelt werden. Das bin ich nicht bereit, zu akzep­tieren.“

-Frank Laus­mann

Emscher­blog: Was würden Sie denn als Ihre größten Stärken bezeichnen, die Sie für das Amt des Bür­ger­mei­sters qua­li­fi­zieren?

Laus­mann: Ich kann sehr gut zuhören. Ich ver­suche auch, mich in andere hin­ein­zu­ver­setzen und mich argu­men­tativ mit ihnen aus­ein­an­der­zu­setzen. Ich möchte mich immer inhalt­lich und sach­lich aus­ein­an­der­setzen und das von der per­sön­li­chen Ebene trennen. Das bringt einen viel weiter. Außerdem habe ich viel Erfah­rung in der Kom­mu­nal­po­litik. Immerhin bin ich schon seit 30 Jahren in der Kom­mu­nal­po­litik tätig, von daher sind mir natür­lich auch die Ver­wal­tungs­ab­läufe bestens bekannt. Der eine hat viel­leicht fünf Jahre an der Ver­wal­tungs­aka­demie stu­diert, der andere hat sie aber inner­halb seiner 30jährigen Tätig­keit erfahren. Ich weiß, wie Ver­wal­tung tickt. Da müssen sie Moti­vator sein, jemand Kom­pe­tenten an ihrer Seite haben. Den haben wir in Holzwickede mit dem Bei­geord­neten Bernd Kasischke. Ein toller Mann, der fach­kom­pe­tent, auch zugäng­lich ist und der auch etwas ver­än­dern will. Ich denke schon, dass mich das alles zusam­men­ge­nommen für das Amt qua­li­fi­ziert. Was ich momentan sehr ver­misse ist, dass es an Mode­ra­tion im Bür­ger­mei­steramt fehlt. Ich schätze Ulrike Drossel wirk­lich sehr. Sie ist eine sehr sym­pa­thi­sche Frau. Aber ich habe den Ein­druck, dass viele Dinge weg­ge­lä­chelt werden. Das bin ich nicht bereit, zu akzep­tieren. Ich habe das im Übrigen auch immer deut­lich gemacht in den Sit­zungen. So ein Kor­rektiv ist im Rat auch einmal nötig. 

Emscher­blog:  Nachdem wir so aus­giebig über Ihre Stärken gespro­chen haben, liegt es natür­lich nahe, auch Ihre Schwä­chen anzu­spre­chen. Welche sind das denn?

Laus­mann: Das müssen die anderen beur­teilen. Wenn ich einmal einen Beschluss gefasst habe, dann ziehe ich den auch durch. Viele müssen da immer noch einmal dar­über nach­denken oder hadern…

Emscher­blog: Das könnte man auch bera­tungs­re­si­stent nennen…

Laus­mann: Nein, das bin ich nicht. Aber es ist schon so, dass ich oft fest­ge­legt bin, wenn ich von etwas über­zeugt bin. Aber ich bilde mich auch weiter und ver­suche, neue Erkennt­nisse ein­zu­be­ziehen. Viel­leicht nennen ich ein­fach mal ein Bei­spiel: die Beru­hi­gung des Ver­kehrs in der Mozart­straße. Da hat die SPD in einem Pro­zess gemeinsam mit den Bür­gern ver­sucht, Wege zur Ver­kehrs­be­ru­hi­gung auf­zu­zeigen. Aus meiner Sicht war der vor­ge­schla­gene Weg dazu aber nicht hilf­reich und keine Lösung gewesen. Mir geht es dabei nicht darum, das Enga­ge­ment der anderen schlecht zu machen, son­dern ich kämpfe für eine andere Lösung. Das legen mir manche dann als hart­näckig, der eine oder andere viel­leicht auch als bera­tungs­re­si­stent aus. Damit muss ich leben, aber ich meine: Mein Argu­ment ist immer noch das Bes­sere.

Emscher­blog: Kommen wir darauf zurück, was Sie ein­gangs schon ange­spro­chen haben: Wo sehen Sie die größten Defi­zite der Gemeinde Holzwickede?

Laus­mann: ich würde das gerne anders for­mu­lieren und sagen: Wo ist die größte Her­aus­for­de­rung? Da sage ich: Wir haben eine lebens- und lie­bens­werte Gemeinde, in der wir alle gerne leben. Dieser Lebens­stan­dard und diese Lebens­qua­lität müssen wir uns unbe­dingt erhalten. Da klingt jetzt natür­lich wie: „,Fünf Euro fürs Phra­sen­schwein“. Aber die Frage ist doch tat­säch­lich: Wie können wir das schaffen? Für alle Genera­tionen hier am Ort, für die Bestands­bürger, wir müssen uns aber auch für Neu­bürger öffnen im Wett­be­werb mit anderen Kom­munen. Um unsere Lebens­qua­lität zu erhalten, müssen wir unsere gute Infra­struktur erhalten, die Schulen, die Gebäude, Geschäfte und Straßen. Das alles müssen wir best­mög­lich gestalten. Das ist die Auf­gabe. Die Gemeinde muss einen guten Ein­druck hin­ter­lassen, aber den hin­ter­lässt sie in ihrem Erschei­nungs­bild oft nicht. Das Bild lässt oft zu wün­schen übrig. Wir müssen aber unsere Attrak­ti­vität erhalten, damit sich wei­terhin Bürger ansie­deln in Holzwickede und auch Unter­nehmen. Das ist ein wei­teres ganz wich­tiges Thema: Was machen wir, wenn der Eco Port voll ist? Der ist jetzt voll und wir sind dabei das Rausinger Feld zu ent­wickeln. Da wird es noch einige Ver­hand­lungen geben müssen mit den Eigen­tü­mern. Aber das kann nicht der Rat beschließen, da können auch nicht die Rats­mit­glieder zu den Eigen­tü­mern fahren. Das wäre so eine Auf­gabe, die ich als Bür­ger­mei­ster über­nehmen würde. Ich würde ins Auto steigen oder mich aufs Fahrrad setzen und den Eigen­tümer besu­chen und anspre­chen: „Du hast da ein Grund­stück, was wir für die Gemeinde brau­chen. Können wir uns da nicht irgendwie einigen?“ So etwas hat der Alt-Bür­ger­mei­ster Jenz Rother gemacht. Dafür habe ich ihn immer geschätzt. Aber das ver­misse ich heute und das würde ich künftig gerne wieder tun.

Ich bin auch nie­mand, der bei sol­chen Dingen gerne mit dem Telefon oder Com­puter arbeitet. Ich nutze das zwar, aber bevor ich eine E‑Mail schreibe, nehme ich lieber in Holzwickede per­sön­lich Kon­takt auf. Diese direkte Kom­mu­ni­ka­tion ist viel besser, als alles nur noch digital zu regeln. Ich bin kein Tech­nik­ver­wei­gerer, aber ich glaube ein­fach, dass es besser ist, wenn man sich bei einem Gespräch in die Augen schauen kann. Bei einer Video- oder Tele­fon­kon­fe­renz pas­siert es ja oft, dass jemand etwas sagt und es herrscht Stille bei den Per­sonen im Hin­ter­grund. In per­sön­li­cher Runde können Sie sich die Men­schen auch ansehen, die nichts sagen und sehen, wie sie reagieren, auf das, was gesagt wurde und wie es ankommt. Das fällt bei einer digi­talen Kom­mu­ni­ka­tion alles weg und das ist schade. Des­halb suche ich immer das per­sön­liche Gespräch. Für mich ist es auch ein ganz großes Defizit in diesem Wahl­kampf in der Coro­na­zeit, dass der per­sön­liche Kon­takt nicht mög­lich ist. Ich hätte mir in diesem Wahl­kampf viele Dinge ganz anders vor­ge­stellt. Ich wäre gerne viel stärker auf die Men­schen zuge­gangen im per­sön­li­chen Gespräch. Aber es geht nicht anders und wir halten natür­lich auch die Abstands­re­geln ein und haben auch keine Ver­samm­lungen gemacht. Nur habe ich dadurch, als jemand, der sehr stark auf per­sön­liche Gespräche setzt, natür­lich ein Defizit gegen­über jemanden, der viel­leicht den ganzen Tag vor dem Com­puter sitzt und sich mit Face­book beschäf­tigt. Der hat es da bestimmt ein­fa­cher. Trotzdem: Wir haben ein super Team bei der Jungen Union, da sind alle sehr tech­ni­kaffin. Die jungen Leute haben mir als Bür­ger­mei­ster­kan­didat eine Seite bei Face­book ein­ge­richtet, die sie auch befüllen. Aber nicht mit kom­men­tie­renden Bei­trägen, da wird nur rein sach­lich infor­miert.

Die Gemeinde muss einen guten Ein­druck hin­ter­lassen, aber den hin­ter­lässt sie in ihrem Erschei­nungs­bild oft nicht. Das Bild lässt oft zu wün­schen übrig.“

- Frank Laus­mann

Emscher­blog: Abge­sehen vom Wahl­kampf haben Sie aber die ganze Legis­la­tur­pe­riode über genug Zeit gehabt, um auf Fehl­ent­wick­lungen und Defi­zite hin­zu­weisen, etwa in der Woh­nungs- und Wirt­schafts­po­litik oder Stecken­pferd, der Ver­kehrs­po­litik. Kon­kret gefragt: Was wären denn da Ihre Prio­ri­täten als Bür­ger­mei­ster?

Laus­mann: Als erstes würde ich die Maß­nahmen, die begonnen und ange­dacht wurden, auch abschließen. Weil jetzt nicht die Zeit für groß­ar­tige neue Leucht­turm­pro­jekte ist. Wir sollten die Dinge, die wir schon lange auf dem Schirm haben, erst abschließen. Dazu gehört selbst­ver­ständ­lich auch der Rat­hausbau, den wir zwar nicht mit­tragen, der aber beschlossen ist. Des­halb muss er, selbst­ver­ständ­lich inner­halb des Kosten­rah­mens, auch abge­schlossen werden. Auch die Umset­zung der Ost­um­ge­hung gehört dazu, wo ich als Bür­ger­mei­ster auch sehr viel mehr Druck machen und auch mit den Eigen­tü­mern reden würde. Ich würde auch nach­fragen, warum das Ver­wal­tungs­ge­richt so lange braucht. Mit anderen Worten: Ich würde nicht ein­fach nur abwarten. Aber auch der Tun­nel­durch­stich an der Steh­fen­straße ist ganz wichtig. Wenn wir den Fuß­gän­ger­tunnel von der Steh­fen­straße zum Bahnhof bauen und so die Erreich­bar­keit ver­bes­sern, würde das auch dazu bei­tragen, dass die Bahn viel öfters genutzt wird und das Auto stehen bleibt. Was noch ganz wichtig ist: Wir haben vor einigen Jahren eine Abbö­schung der Unter­füh­rung im süd­li­chen Bereich gemacht. Das hat wirk­lich viel gebracht. Die Unter­füh­rung ist offener, sau­berer und attrak­tiver geworden. Das müssen wir auch auf der Nord­seite machen. Das gehört für mich dazu, um Holzwickede attrak­tiver zu machen. Wer Holzwickede nicht kennt und zum ersten Mal durch den Ort fährt, dem fällt die Unter­füh­rung als sehr schäbig auf. Das habe ich schon oft von Aus­wär­tigen so gehört. Das würde als Visi­ten­karte und für das Image der Gemeinde also sehr viel helfen.

Emscher­blog: Bei Pro­jekten wie dem Durch­stich kann die Gemeinde nicht allein ent­scheiden. Da sind wir auf die Bahn, das Land oder den Bund ange­wiesen. In unserer eigenen Ver­ant­wor­tung liegt dagegen die Woh­nungs­po­litik…

Laus­mann: Lassen Sie mich das noch zum Durch­stich sagen: Solche Pro­jekte, bei denen wir auf För­der­mittel ange­wiesen sind, können wir tat­säch­lich nicht allein rea­li­sieren. Gerade bei sol­chen Pro­jekten kommt es darauf an, dass man gute Ver­bin­dungen hat. Da hat jemand, der einer Volks­partei ange­hört, so wie ich, viel­leicht einen kleinen Vor­teil gegen­über jemanden, der einer Wäh­ler­ge­mein­schaft ange­hört, die weder auf Landes- noch Bun­des­ebene ver­treten ist. Weil die Kon­takte da sind, da kann man dann auch mal bei einer Bau­mi­ni­sterin anrufen und nach­fragen, warum wir bei­spiels­weise die bean­tragten ISEK-För­der­mittel nicht bekommen.

Emscher­blog: Da Sie es schon mal anspre­chen: Warum haben wir die denn nicht bekommen?

Laus­mann: Weil alle För­der­mittel für das neue Rat­haus drauf­ge­gangen sind. 

Emscher­blog: Für diese Erkenntnis hätte man nicht unbe­dingt die Bau­mi­ni­sterin fragen müssen…

Laus­mann: Ja, aber ich will damit sagen: Es ist besser ein­fach einmal an der rich­tigen Stelle nach­zu­fragen oder auch etwas mehr Waden­beißer-Men­ta­lität an den Tag zu legen, anstatt nur zu sagen: „Was sollen wir denn machen, wenn die För­der­mittel nicht kommen. Es ist so beschlossen und wir können es nicht ändern.“ So etwas ist nicht mein Ding. Ich will wirk­lich zupacken und etwas bewegen. Darin sähe ich meine Auf­gabe als Bür­ger­mei­ster.

Emscher­blog: Das hört sich nun doch nicht so ver­söhn­lich an, agieren Sie eher pola­ri­sie­rend?

Laus­mann: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich habe schon die Gemeinde im Blick. Am Ende müsste ich ja auch bei den Par­teien werben, um eine Mehr­heit zu bekommen. Das ist ja auch das Schöne hier in Holzwickede, dass keine Partei hier die abso­lute Mehr­heit hat. Ich bin kein Freund von abso­luten Mehr­heiten. Man muss sich immer abspre­chen mit den anderen, das ist wichtig. Aber ich halte auch nichts davon, wenn man sich als Bür­ger­mei­ster immer nur auf eine neu­trale Rolle beschränkt. Natür­lich muss ich aus­führen, was der Rat beschließt, aber ich sollte doch zumin­dest eine Mei­nung dazu haben. Auch das ver­misse ich momentan. Das merke ich bei allen Dis­kus­sionen in den Sit­zungen, egal, worum es geht. Da hält sich die Bür­ger­mei­sterin stark zurück und am Ende heißt es dann: „Na gut, dann machen wir es so.“ Da würde ich mich schon stärker ein­mi­schen und auch werben für Dinge, die ich gut finde. Ich muss das leider noch mal sagen: Der Alt-Bür­ger­mei­ster Rother war da anders. Leider sage ich nur des­wegen, weil er ja zur SPD gehört (lacht). Aber ich wäre ihm da schon ähn­li­cher. 

Emscher­blog: Bleiben wir mal der Bau­mi­ni­sterin, zu deren Res­sort auch der Woh­nungsbau gehört. Sehen Sie da noch wei­tere Ent­wick­lungs­mög­lich­keiten oder ‑bedarf für die Gemeinde? 

Laus­mann: Wir haben ja in der Ver­gan­gen­heit neuen Wohn­raum geschaffen, etwa an der Neuen Caro­line und jetzt im Wohn­park Emscher­quelle. Das war gar nicht so ein­fach. Viele haben das abge­lehnt mit dem Hin­weis darauf, dass es viel mehr Ver­kehr gibt. Wir haben gesagt, dass wir Wohn­be­bauung brau­chen, um die Infra­struktur zu erhalten. Die ver­kehr­liche Situa­tion müssen wir dann aber lösen. Es gibt ja auch nicht nur diese großen Neu­bau­ge­biete, son­dern auch klei­nere Bau­ge­biet in Hengsen, am Krummen Weg oder im Norden. Wir müssen wei­terhin Flä­chen bereit­stellen, auch für grö­ßere Bau­ge­biete, daneben aber auch auf Hin­ter­land­be­bauung achten. Da müssen wir ein­fach genau schauen, wo noch Häuser gebaut werden können. Es wäre schön, wenn wir da viele Mög­lich­keiten und Flä­chen hätten, doch so breit sind wir da leider nicht auf­ge­stellt. Die Nach­frage ist viel größer als das Angebot.

Emscher­blog: Es kann sich aber nicht jeder ein eigenes Haus lei­sten. Viele Men­schen möchten oder müssen zur Miete wohnen. Braucht Holzwickede nicht auch mehr bezahl­bare Miet­woh­nungen?

Laus­mann: Selbst­ver­ständ­lich, aber die ent­stehen ja auch im Wohn­park Emscher­quelle. Da wird es zwei große Gebäude aus­schließ­lich mit Miet­woh­nungen geben. Es gibt den Bau­verein, der auch ein Pro­jekt plant. Ob das unbe­dingt in der vor­ge­stellten Grö­ßen­ord­nung statt­finden muss, sei mal dahin­ge­stellt. Da bin ich eigent­lich kein Fan von. Ich möchte das lieber mit den Men­schen zusammen machen, die da jetzt noch ihre Gärten haben. Es kann nicht sein, dass da etwas am Reiß­brett geplant wird und die bis­he­rigen Mieter sehen müssen, wo sie bleiben mit ihren Gärten, weil die nicht in ihrem Miet­ver­trag stehen. Das müsste man also schon mit den betrof­fenen Mie­tern abstimmen. Aber grund­sätz­lich sind solche Pro­jekte mög­lich, nur muss man auch mal mit den Men­schen spre­chen, die für solche Pla­nungen ver­ant­wort­lich sind, also mit den Bau­trä­gern und Grund­stücks­ei­gen­tü­mern. Ich muss immer wieder darauf zurück­kommen: Die Haupt­auf­gabe eines Bür­ger­mei­sters ist es, Men­schen zusam­men­zu­bringen. Er muss Ideen und Visionen ent­wickeln und dann die rich­tigen Men­schen zusam­men­bringen. Wenn da jemand sagt, ich würde ja gerne, aber mir fehlt das Geld… dann muss da jemand von der Volks­bank oder Spar­kasse dabei sitzen und alle müssen gemeinsam über­legen, wie man so ein Vor­haben finan­zieren kann.

Die Haupt­auf­gabe eines Bür­ger­mei­sters ist es, Men­schen zusam­men­zu­bringen. Er muss Ideen und Visionen ent­wickeln und dann die rich­tigen Men­schen zusam­men­bringen.“

-Frank Laus­mann

Emscher­blog: Wir reden über Ihre Prio­ri­täten als mög­li­cher neuer Bür­ger­mei­ster und Sie haben noch mit keinem Wort Ihr Stecken­pferd, die Ver­kehrs­po­litik, erwähnt…

Laus­mann: Da haben wir doch schon aus­führ­lich drüber gespro­chen…

Emscher­blog: Aber die Lösung der Ver­kehrs­pro­bleme kann ja nicht nur in der Ost­um­ge­hung bestehen.

Laus­mann: Nein, aber sie ist eine große Lösung für ganz, ganz viele Pro­bleme, zum Bei­spiel die gerechte Ver­kehrs­ver­tei­lung in der Gemeinde. Die Ost­um­ge­hung löst Vieles aus. Durch sie können wir den Lkw-Durch­gangs­ver­kehr kom­plett raus­holen aus der Gemein­de­mitte und bekommen Mög­lich­keiten der Umge­stal­tung in der Gemein­de­mitte. Wir könnten dann bei­spiels­weise auch ganz anders im Mozart­park vor­gehen, wo die Lkw durch­fahren. Da hat dann gar kein Lkw mehr etwas zu suchen und ich kann das ganz anders kon­trol­lieren als heute. Das wäre mir schon wichtig. Nur muss ich dazu den Ver­kehr erst einmal an Holzwickede vor­bei­führen. Wie wichtig das ist, sieht doch jeder, der sich einmal mor­gens oder nach­mit­tags die Nord­straße anschaut. Die ist kom­plett voll. Die Ost­um­ge­hung würde schon viel dazu bei­tragen, den Ver­kehr um die Gemeinde her­um­zu­führen. Ehr­lich gesagt sind wir doch in der Kom­mu­nal­po­litik alle­samt nur Laien. Wir infor­mieren uns zwar und haben auch Mei­nungen, aber die­je­nigen, die solche Umge­hungs­straße planen, sind keine Laien und wissen genau, was sie machen und wie man Ver­kehre an Ort­schaften vor­bei­führt.

Emscher­blog: Die Gegner der Ost­um­ge­hung argu­men­tieren dagegen, dass mehr Straßen nur noch mehr Ver­kehr pro­du­zieren. Des­halb kann es keine Lösung sein, mehr Straßen zu bauen. Nötig sei viel­mehr eine Ver­kehrs­wende.

Laus­mann: Das ist inso­weit richtig, dass wir ver­stärkt auf öffent­li­chen Nah­ver­kehr setzen müssen und weniger auf Indi­vi­du­al­ver­kehr. Trotzdem sollten wir den Indi­vi­du­al­ver­kehr nicht stig­ma­ti­sieren und zum Feind­bild erklären. Da bin ich ein großer Gegner, denn viele Men­schen haben gar nicht die Mög­lich­keit, anders zur Arbeit zu kommen. Die sind auf das eigene Auto ange­wiesen, weil sie zum Bei­spiel auf dem Dorf wohnen. Des­halb löse ich das Pro­blem nicht, wenn ich den Indi­vi­du­al­ver­kehr ver­teufle oder das Auto­fahren teurer mache oder bekämpfe. Ich möchte die Alter­na­tiven för­dern. Wenn wir uns dafür ein­setzen, dass der öffent­liche Nah­ver­kehr mehr genutzt wird, dann müssen wir den ÖPNV attrak­tiver machen. Beim Umsteigen setzen wir aber ganz klar auf Frei­wil­lig­keit und nicht auf Zwangs­maß­nahmen. Des­halb lehnen wir auch Park­ge­bühren in Holzwickede ab. Park­ge­bühren wird es mit der CDU in Holzwickede nicht geben.

Emscher­blog: Das ist ja mal eine klare Aus­sage.

Laus­mann: Ja, abschlie­ßend noch eines zum Thema Parken. Hier an der Nord­straße und auch woan­ders im Norden der Gemeinde sind sehr viele öffent­liche Park­plätze von Fahr­zeuge mit aus­wär­tigen Kenn­zei­chen besetzt. Da können Sie davon aus­gehen, dass es sich nicht um Besu­cher der Anwohner oder Nach­barn han­delt, son­dern Dau­er­parker des Flug­ha­fens. Es sind öffent­liche Park­plätze und die aus­wär­tigen Ver­kehrs­teil­nehmer dürfen dort auch stehen eine gewisse Zeit. Aber es macht keinen Sinn, wenn Flug­ha­fen­parker dort wochen­lang stehen und dann nur ein Knöll­chen von zehn oder 15 Euro bekommen. Da amü­sieren sich die Betrof­fenen doch nur drüber. Des­halb sind wir von der CDU für ein kon­se­quen­teres Vor­gehen gegen diese Flug­ha­fen­parker bis hin zum Abschleppen. Damit sich das her­um­spricht und die Park­plätze von den Besu­chern der Anwohner auch genutzt werden können. Früher hieß es bei uns immer, dass wir nicht den Platz haben, um abge­schleppte Fahr­zeuge abzu­stellen. Das war viel­leicht auch nur ein vor­ge­scho­benes Argu­ment, um nicht abschleppen zu müssen. Aber man kann auch Fahr­zeuge abschleppen, die nicht ver­kehrs­be­hin­dernd parken. Es wurden ja auch schon von der Gemeinde gemacht. Wenn man erkennen kann, dass wirk­lich keine Park­plätze mehr vor­handen sind, dann kann man auch Fahr­zeuge abschleppen lassen, die kor­rekt in einer Park­lücke stehen, aber die Park­zeit über­schritten haben. Das ist ein Thema, was für die Bürger hier im Norden sehr bewegt. Des­halb erwarte ich auch vom Ord­nungsamt, dass alles ver­sucht wird, was im recht­liche Rahmen mög­lich ist, um das Pro­blem der Flug­ha­fen­parker zu lösen. Wenn wir es nicht durch abschleppen schaffen können, dann wenig­stens durch Knöll­chen. Und zwar so, dass es nicht ein Knöll­chen für vier Wochen gibt, son­dern meh­rere. Das bringt dann mehr und hätte viel­leicht auch zur Folge, dass mehr Per­sonal ein­ge­stellt wird. Dazu wäre ich als Bür­ger­mei­ster bereit.

Emscher­blog: Apropos, wie sehen Sie die die Gemein­de­ver­wal­tung sonst so auf­ge­stellt?

Laus­mann: Unsere Ver­wal­tung sehe ich grund­sätz­lich gut auf­ge­stellt. Aus­nahms­weise muss ich da auch einmal ein Lob aus­spre­chen. Nach dem Weg­gang von Jenz Rother ist ja ein großes Defizit an Fach­kom­pe­tenz ent­standen. Nicht nur, dass der Bür­ger­mei­ster nach vielen Jahren weg war, auch der lang­jäh­rige Bau­amts­leiter und der lang­jäh­rige Bei­geord­nete sind inner­halb kür­ze­ster Zeit ver­storben. Das konnte Ulrike Drossel in so kurzer Zeit gar nicht auf­fangen, das ging ein­fach nicht. Das hätte nie­mand geschafft. Da muss ich sagen: Sie hat diese Situa­tion wirk­lich gut gemei­stert, Respekt. Mit den neuen Leuten, die wir dann bekommen haben, Herrn Nett­len­busch und Herrn Kasischke, haben wir ganz gute Leute bekommen. Nur was man immer wieder merkt: Sie sind nicht orts­fest. Das waren eben die Vor­teile, die wir früher hatten und ist auch ein Vor­teil von mir. Ich bin im Alter von fünf Jahren nach Holzwickede gekommen, meine Eltern hatten früher hier im Norden viele Jahre eine Metz­gerei an der Ecke und ich kenne des­halb hier in der Gemeinde auch alles. Aber auch die beiden Nach­folger in der Ver­wal­tung haben sich inzwi­schen eta­bliert und sehr gut ein­ge­ar­beitet. Mitt­ler­weile wissen sie auch, wo die mei­sten Straßen sind. Nur hat es eben eine Zeit gedauert. Mir ginge es des­halb auch als Ver­wal­tungs­chef eher darum, die Fäden zusam­men­zu­führen. Es kann nicht sein, dass etwas beschlossen wird – und dann heißt es: Wir warten mal ab. Ein nega­tives Bei­spiel ist da der Kin­der­garten. Dass eine Stand­ort­suche so lange dauert, kann ein­fach nicht sein. Es fing damit an, dass es hieß: Wir haben 15 oder 16 Stand­orte über­prüft und es gibt keine geeig­neten Flä­chen. Das war die offi­zi­elle Hal­tung der Ver­wal­tungs­spitze. So eine Aus­sage hätte es mit mir als Bür­ger­mei­ster nicht gegeben. Darauf können Sie sich ver­lassen. Ich hätte auch noch andere Eigen­tümer gefragt, ob es nicht doch eine Lösung gibt. Doch das schafft man natür­lich nicht, wenn man Anfragen nur per Post oder E‑Mail ver­schickt, da muss man auch mal per­sön­lich auf die Men­schen zugehen.

Emscher­blog: Kommen wir mal zu Ihrem Lieb­lings­thema, der Finanz­si­tua­tion der Gemeinde. Ihnen ist ja häu­figer vor­ge­halten worden, dass sie so etwas wie der oberste Spar­mei­ster der Gemeinde sind. Würde es denn mit Ihnen und der CDU über­haupt noch Inve­sti­tionen in naher Zukunft geben?

Laus­mann: Ja, selbst­ver­ständ­lich. Wir brau­chen doch Inve­sti­tionen, die sind ja das Spar­buch der Gemeinde. Wir brau­chen Inve­sti­tionen – aber an der rich­tigen Stelle, bei­spiels­weise für Kinder, Bil­dung und Schulen. Unsere Schulen müssen best­mög­lich und digital aus­ge­stattet sein. Wir brau­chen aber auch gute Straßen und ein her­vor­ra­gendes Stra­ßen­netz sowie gute und dichte Kanäle. Die Kana­li­sa­tion ist ja ein Bereich, den man zunächst so gar nicht wahr­nimmt und der nicht so populär ist, aber Kanäle sind Grund­be­stand­teil dafür, dass unser Leben funk­tio­niert. Ich bin für Inve­sti­tionen in Bereiche, von denen auch jeder Bürger etwas hat. Spar­mei­ster sind wir dann, wenn wir erkennen, dass man über seine Ver­hält­nisse lebt oder sich für die teu­erste Lösung und nicht für die preis­wer­teste ent­scheidet.

Emscher­blog: Nur noch einmal zur Erin­ne­rung: Die CDU ist die ein­zige Frak­tion, die das neue Rat und Bür­ger­haus abge­lehnt hat aus Kosten­gründen.

Laus­mann: Richtig, wir haben den Pla­nungs­pro­zess ja von Anfang an begleitet. Das Pro­jekt fing mit acht Mil­lionen Euro an, wobei da viele Kosten noch gar nicht ein­ge­rechnet waren. Mit allen Bau- und Pla­nungs­ko­sten, der Umset­zung der Büros usw. lagen wird dann bei rund 14 bis 15 Mil­lionen Euro. Damit hatten wir dann aber auch unsere Grenze erreicht, wo wir vorher gesagt hatten: Wenn wir diesen Betrag über­schreiten, dann müssen wir die Gesamt­pla­nung noch einmal ver­än­dern. Dann kam, was kommen musste. In der Schluss­rech­nung der finalen Pla­nung lagen wir letzt­end­lich bei 19,5 Mil­lionen Euro. Da haben wir dann gesagt, dass dies defi­nitiv eine Nummer zu groß für unsere Gemeinde ist. Wir hätten gerne den Pla­nungs­pro­zess nochmal akti­viert. Doch da haben uns die anderen Par­teien gesagt, das geht nicht. Das wollten wir so nicht akzep­tieren, doch die anderen haben uns über­stimmt. Uns wurde ja später Popu­lismus vor­ge­worfen. Wir hatten aber auch kon­krete Ein­spar­mög­lich­keiten vor­ge­schlagen. Das Pro­jekt, was da jetzt gebaut wird, ist ja durchaus schön. Wir sagen ja auch nicht, dass es furchtbar aus­sieht. Nur ist es eine Nummer zu groß für Holzwickede. Brau­chen wir denn wirk­lich so ein Rat­haus in der Gemeinde? Wir sind hier ein Grund­zen­trum mit 17.500 Ein­woh­nern, wir sind kein Mit­tel­zen­trum oder eine Kreis­stadt. Wir brau­chen kein Rat­haus in dieser Grö­ßen­ord­nung.

Wir hätten lieber ein Rat­haus gebaut, das etwas kleiner gewesen wäre und doch seinen Zweck erfüllt. Wir hatten zum Bei­spiel auch hin­ter­fragt, ob das neue Gebäude unbe­dingt direkt mit dem alten Rat­haus ange­bunden sein muss. Denn diese direkte Anbin­dung ist etwas, was das ganze Pro­jekt so teuer gemacht hat. Oder: Brau­chen wir über­haupt noch so viele Büro­räume vor dem Hin­ter­grund der fort­schrei­tenden Digi­ta­li­sie­rung der Büro­ar­beit? Das ist ein Aspekt, der in der ganzen Pla­nung über­haupt nicht beleuchtet wurde und wo ganz kon­kretes und auch nach­voll­zieh­bares Ein­spar­po­ten­zial da war. Das hat man nicht genutzt. Die anderen haben uns über­stimmt. Wir freuen uns heute aber dar­über, dass wir dieses Kor­rektiv gewesen sind. Im Übrigen waren wir von der CDU das auch bei den Flücht­lings­un­ter­künften an der Bahn­hof­straße. Da waren wir die­je­nigen, die nicht sofort gesagt haben, abreißen und neu bauen. Ich habe nichts gegen Neu­bauten. Nur wenn ich mir Zuhause eine neue Gar­ten­laube baue und die geht nach zwei Jahren schon kaputt, dann ver­suche ich doch zunächst einmal den in Regress zu nehmen, der mir die Laube gebaut hat und reiße sie nicht sofort ab. Es sei denn, ich hätte Geld in Über­fluss. Des­halb steht meine Aus­sage: Ich möchte auch in der Politik so mit dem Geld umgehen, wie ich mit meinem eigenen Geld umgehe.

Wir sind hier ein Grund­zen­trum mit 17.500 Ein­woh­nern, wir sind kein Mit­tel­zen­trum oder eine Kreis­stadt. Wir brau­chen kein Rat­haus in dieser Grö­ßen­ord­nung.“

-Frank Laus­mann

Emscher­blog: Nochmal ganz kon­kret gefragt: Wir müssen das teure Rat­haus bezahlen, durch die Corona-Pan­demie steigen die Aus­gaben dra­ma­tisch bei gleich­zeitig deut­lich weniger Gewer­be­steu­er­ein­nahmen, sehen Sie da über­haupt noch Hand­lungs­spiel­raum für die Gemeinde und wenn ja, wo?

Laus­mann:  Ich sehe noch einen rie­sigen Hand­lungs­spiel­raum, aber nur für Pro­jekte, die wir auch wirk­lich brau­chen. Wir pro­fi­tieren ja von unserem Gewer­be­ge­biet mit rie­sigen Gewer­be­steu­er­ein­nahmen. Die Krise wird uns sicher nicht so hart treffen, wie andere Städte. Davon bin ich fest über­zeugt. Es gibt außerdem Hilfen aus dem Kon­junk­tur­paket von Bund und Land, die sich die Hälfte der Gewer­be­steu­er­aus­fälle teilen. Der Bund über­nimmt außerdem 75 Pro­zent der Kosten für die Unter­künfte, was aber Groß­städte noch viel stärker betrifft als uns. Das alles darf uns aber nicht ver­an­lassen, mit Spen­dier­hosen her­um­zu­laufen. Nochmal: Wenn es um Kinder und Schulen oder auch die Schöne Flöte geht, dann muss etwas gemacht werden. Die Schöne Flöte ist auch ein Teil unserer Iden­tität in Holzwickede. Wenn da jetzt ein Becken kaputt ist, muss selbst­ver­ständ­lich etwas getan werden. Aber es müssen natür­lich auch Preise vorher ver­gli­chen werden. Dabei müssen nicht unbe­dingt nach der bil­lig­sten Lösung suchen, aber nach der preis­wer­te­sten. Ich will da nicht falsch ver­standen wissen. Ich bin jemand, der eher bestehende Struk­turen erhält und erwei­tert, bevor ich ganz neue Dinge schaffe. In der Jugend­ar­beit zum Bei­spiel, wo es sicher noch viel Poten­zial gibt, muss ich zunächst schauen, wer über­haupt Jugend­ar­beit macht in Holzwickede. Das sind die evan­ge­li­sche und die katho­li­sche Kirche, das ist der Kreis Unna mit der Villa. Wie sind die auf­ge­stellt? Wie können wir die unter­stützen? Das ist mir wich­tiger, als ganz neue Struk­turen ein­zu­führen. Dann lieber die bewährten Ein­rich­tungen und Ehren­amtler fragen und för­dern. Das ist mein Ansatz. Oder auch die Spiel­plätze, von denen es viele und ganz tolle in Holzwickede gibt. Sind die alle in Ord­nung? Gibt es da Mängel oder könnte ich die noch erwei­tern? Es war ja auch mal ein großes Sprung­kissen, so eine Art Tram­polin, im Gespräch. Das finde ich gut. Das sind Dinge für Kinder und Fami­lien, damit sich die in Holzwickede wohl­fühlen.

Emscher­blog: Last but not least: Worauf dürfen sich die Holzwickeder denn noch freuen, sollten Sie Bür­ger­mei­ster werden: Dass die Sperr­müll­ge­bühr abge­schafft wird, die Sie schon seit Jahren bei jeder Gele­gen­heit the­ma­ti­sieren?

Laus­mann (lacht): Ich glaube, dass sie jemanden an ihrer Seite haben, der ver­sucht, ver­ant­wor­tungs­voll mit ihrem Geld umzu­gehen, so dass wir auch wei­terhin eine attrak­tive Gemeinde haben. Holzwickede erhalten, wie es ist, aber mit Weit­blick und Augenmaß auch wei­ter­ent­wickeln. Kon­krete Wahl­ver­spre­chen wird es nicht geben, die werde ich nicht machen können. Ich würde mich freuen, wenn ich die Orts­um­ge­hung umsetzen könnte, ein Thema, für das ich schon lange kämpfe …

Emscher­blog: Aber ist das nicht inzwi­schen ein Selbst­läufer?

Laus­mann: Eigent­lich ja. Ich gehe auch davon aus, dass sie gebaut wird. Selbst der Anwalt der Kläger hat seinen Man­danten ja gesagt, dass der Bau der Ost­um­ge­hung nicht mehr ver­hin­dert werden kann und es bei ihren Klagen nur um eine auf­schie­bende Wir­kung geht. Ich möchte nur ver­hin­dern, dass der Anschluss am Oel­pfad gebaut wird und der hier im Norden abge­bunden wird, die Ost­um­ge­hung aber noch nicht fertig ist und der ganze Ver­kehr dann über die Mon­tan­hy­drau­lik­straße direkt nach Holzwickede geschickt wird. Dafür würde ich mich als Bür­ger­mei­ster ein­setzen. Ich hoffe, dass es ein Gesamt­paket zwi­schen diesen drei Sachen gibt. Darum ist uns auch der Ausbau der Mon­tan­hy­drau­lik­straße so wichtig, wo ja eigent­lich kein Mensch wohnt. Denn wir wollen den Ver­kehr dar­über in den Ort führen als Bypass und aus­drück­lich nicht über die Goethe‑, Opher­dicker- oder Steh­fen­straße. Was die Bürger von Holzwickede außerdem auch noch von mir erwarten dürfen: Einen Bür­ger­mei­ster, der Pro­bleme anpackt und ver­sucht, sie zu lösen und sie nicht aus­sitzt.

CDU, Frank Lausmann


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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