Flug unter Namen der Ex-Freundin gebucht: Sieben Monate Gefängnis

Gegen einen 29 Jahre alten Holzwickeder wurde heute wegen Com­pu­ter­be­trugs und Fah­rens ohne Fahr­erlaubnis vor dem Amts­ge­richt Unna ver­han­delt. Die Anklage warf dem Holzwickeder vor, am 14. Sep­tember vorigen Jahres unter dem Namen seiner ehe­ma­ligen Lebens­ge­fährtin im Internet einen Flug bei Euro­wings gebucht zu haben. Als seine ex-Part­nerin eine Mah­nung für den 1.300 Euro teuren Flug erhielt, zeigte sie den 29-Jäh­rigen an. Der Ange­klagte wurde außerdem zweimal, am 30. Juli vorigen Jahres sowie am 7. Januar dieses Jahres in Dort­mund am Steuer eines Pkw erwischt, obwohl er nicht mehr in Besitz einer gül­tigen Fahr­erlaubnis war.

Mit diesen Ankla­ge­vor­würfen kon­fron­tiert, tischte der Ange­klagte heute eine nebu­löse Geschichte auf: Er habe zunächst in Absprache mit seiner Ex-Part­nerin ver­sucht, einen Urlaub für sich und seine neue Freundin auf Raten­zah­lung zu buchen. Als ihm dies nicht gelang, habe er dann den Flug für sich und seine Freundin gebucht – aller­dings ohne seine Ex-Part­nerin noch einmal aus­drück­lich darauf hin­zu­weisen.

Computerbetrug und Fahren ohne Führerschein

Warum er den Flug nicht unter seinem eigenen Namen gebucht habe, erklärte der 29-Jäh­rige: „Das war nicht mög­lich, weil ich so schlechte Schufa-Ein­träge habe.“ Den Code für die Ein­lö­sung der Tickets hat der Ange­klagte danach bekommen, so dass er den Flug mit seiner Freundin antreten konnte. Die Rech­nung für den Flug will er aller­dings nicht bekommen haben. Dass seine Ex-Lebens­ge­fährtin ihn sofort anzeigte, ohne ihn vorher darauf anzu­spre­chen, hat ihn über­rascht: „So genau war das alles nicht mit ihr abge­spro­chen“, räumte er ein und spielte den Über­raschten: „Doch damit, dass sie so reagiert, habe ich nicht gerechnet.“ Die 1.300 Euro hat er aller­dings bis heute nicht gezahlt. „Ich bin davon aus­ge­gangen, dass sie mir die Rech­nung wei­ter­leitet. Aber die Rech­nung habe ich bis heute nicht bekommen.“

Die beiden Fahrten, auf denen er am Steuer eines Autos ohne Fahr­erlaubnis erwischt wurde, erklärte der Holzwickeder mit beruf­li­chen Zwängen: „Ich habe zwei Arbeits­stellen.“

Zu allem Über­fluss steht der Ange­klagte auch noch immer unter einer Bewäh­rungs­strafe von einem Jahr und acht Monaten, wozu er wegen eines Eigen­tums­de­liktes und fahr­läs­siger Gefähr­dung des Stra­ßen­ver­kehrs ver­ur­teilt worden war. „Sind Ihnen diese Kon­se­quenzen gar nicht klar gewesen?“, wollte Richter Jörn Grans­euer des­halb von ihm wissen. „Dar­über habe ich gar nicht nach­ge­dacht“, so die Ant­wort des Ange­klagten. „Ich wollte ein­fach nur zur Arbeit.“

Gleich vier neue Straften unter Bewährung

Der Staats­an­walt sah die Anklage in allen Punkten bestä­tigt. Eine Bewäh­rungs­strafe kam für ihn nicht mehr in Frage, da der 29-Jäh­rige vor­be­straft und Bewäh­rungs­ver­sager ist und offenbar keine Lehren aus dem vor­an­ge­gan­genen Urteil gezogen hat. Des­halb for­derte der Staats­an­walt nun­mehr eine Gesamt­strafe von sieben Monaten Haft ohne Bewäh­rung.

Dieser For­de­rung schloss sich anschlie­ßend auch der Ver­tei­diger des Ange­klagten an.

Das Urteil von Richter Grans­euer lau­tete wenig über­ra­schend dann auch auf sieben Monate Gefängnis sowie eine ein­jäh­rige Sperre für die Erlan­gung einer neuen Fahr­erlaubnis. Die Ein­las­sungen des Ange­klagten wer­tete der Richter als voll­stän­diges Geständnis, wie der Richter in seiner Urteils­be­grün­dung erläu­terte. Auch wenn sie wenig glaub­würdig sind. „Wer den Code für die Tickets bekommt, der bekommt die Rech­nung“, so der Richter. „Die Daten von Ihrer Ex-Lebens­ge­fährtin hätten Sie auch nicht ver­wenden dürfen“, klärte er den 29-Jäh­rigen auf. Zusammen mit den beiden Auto­fahrten ohne Fahr­erlaubnis „waren das schon vier Straf­taten unter lau­fender Bewäh­rung“.

Er könne nicht glauben, so der Richter weiter, dass der Ange­klagte daraus Lehren gezogen habe. Es sei auch„kein gang­barer Weg“, ohne Fahr­erlaubnis zwi­schen zwei Arbeits­stellen zu pen­deln, „um so seinen Lebens­un­ter­halt zu bestreiten“.

Computerbetrug


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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