Unermüdlicher Abfallsammler: Seit zwei Jahren schon sammelt Fritz Eckey (86 Jahre) in der Gemeinde den achtlos weggeworfenen Müll anderer Leute auf. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Die wahren Helden des Alltags sind fast unsichtbar: Fritz Eckey sorgt mit 86 Jahren für saubere Gemeinde

Unermüdlicher Abfallsammler: Seit zwei Jahren schon sammelt  Fritz Eckey (86 Jahre) in der Gemeinde den achtlos weggeworfenen Müll anderer Leute auf.  (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Unermüdlicher Abfallsammler: Seit zwei Jahren schon sammelt Fritz Eckey (86 Jahre) einmal in der Woche den achtlos weggeworfenen Müll anderer Leute auf. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Es gibt stille Helden des Alltags wie Monika und Klaus Pfauter und beinahe unsichtbare wie Fritz Eckey, der in wenigen Tagen 86 Jahre alt wird. Seit zwei Jahren geht der Senior einmal wöchentlich durch die Gemeinde, um mit den Pfauters ehrenamtlich Abfälle aufzusammeln. Anders als diese ist Fritz Eckey bisher jeder Anerkennung erfolgreich aus dem Weg gegangen:

„Ich bin nicht gerne in der ersten Reihe und bleibe lieber im Hintergrund“, sagt der Senior bescheiden. Statt einer Anerkennung und Ehrung wünscht er sich etwas anderes: „Ich möchte gerne 112 Jahre alt werden und drei Tage vor meinem Tod noch einmal sammeln gehen.“ Sprach’s und lächelt verschmitzt.

Fit genug scheint Fritz Eckey dafür. Jeden Samstag trifft er sich mit Monika und Klaus Pfauter, die ebenfalls schon 77 und 84 Jahre alt sind, vor deren Garage an der Berliner Allee, um mit Greifzange und Bollerwagen auf Sammeltour zu gehen. Es sei denn, samstags findet eine Veranstaltung wie die Senioren Messe statt. Dann verlegt das Senioren-Trio die Sammlung auf Montag, wie in dieser Woche. „Jeden Mittwoch wandern wir dann zum Spaß“, erzählt Fritz Eckey.

Zwei „Säufermeilen“ in der Gemeinde

Am Sammeltag trifft sich Fritz Eckey (Mitte) mit Monika und Klaus Pfauter vor deren Garage an der Berliner Allee. Danach zieht das Senioren-Trio mit Greifzange und Bollerwagen los - jeder auf einer anderen Route im Ortskern. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Am Sammeltag trifft sich Fritz Eckey (Mitte) mit Monika und Klaus Pfauter vor deren Garage an der Berliner Allee. Danach schwärmt das Senioren-Trio mit Greifzange und Bollerwagen aus – jeder auf einer anderen Route. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Bei ihren Sammlungen teilt sich das Trio auf. Jeder geht seine eigene Route. Fritz Eckey sucht normalerweise die Berliner Allee, Friedhofstraße und die komplette Montanhydraulikstraße ab. Letztere nennen sie intern nur „die Säufermeile“, wie Eckey lachend erklärt.  „Da sammle ich immer so um die 70 Bier- und Schnapsflaschen auf, die meisten davon sind kleine Jägermeister-Flaschen.“ Wohlgemerkt: Diese Ausbeute sammelt der Senior nicht etwa über Monate am Straßenrand bis zum Tunnel an der Massener Straße auf, sondern von einer Woche auf die andere. „Momentan stehen die Brennnesseln sehr hoch. Wenn die im Herbst welken, dann finde ich da auch Hunderte von Schnapsflaschen“, so Fritz Eckey. „Ich habe die Strecke auch schon mal mit Schulkindern abgesammelt und anschließend alle Flaschen auf dem Markt aufgereiht, weil mir das sonst keiner glauben würde.“ 

„Ich möchte gerne 112 Jahre alt werden und drei Tage vor meinem Tod noch einmal sammeln gehen.“

– Fritz Eckey (86 J.)

Neben der Montanhydraulikstraße gibt es noch eine zweite „Säufermeile“: die Schäferkampstraße zwischen Sölder Straße und dem Weinhaus Siegel. Auch da liegen regelmäßige mehrere Dutzend Wodkaflaschen herum.

„Die Leute glauben immer, dass wir unsere Rente aufbessern, wenn sie uns beim Sammeln sehen“, meint Monika Pfauter. Doch wenn sie dann hören, dass es kein Geld für das Sammeln gibt, lässt das Interesse merklich nach. Oder sie finden plötzlich -zig Ausreden, warum sie nicht auch sammeln können.

Eine Dame habe sie allerdings auch schon einmal darauf hingewiesen: „Sie wissen schon, dass es Diebstahl ist, wenn Sie Pfandflaschen mitnehmen!“ Über solche Bemerkungen kann Monika Pfauter nur den Kopf schütteln. „Ich gebe oft Pfandflaschen oder -dosen an eine Frau weiter, die ich kenne und die Pfandflaschen sammelt.“

86-Jähriger will weiter aktiv bleiben

Der 86-Jährige weiß inzwischen genau, an welchen Stellen er fündig wird und besonders viele Abfälle liegt. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Armut ist es auch nicht, die Fritz Eckey und seine beiden Mitstreiter zum Müllsammeln motiviert. Es ist vielmehr der Wunsch, im Alter aktiv zu bleiben und die eigene Gemeinde sauber zu halten.

In seinem ersten Berufsleben war Fritz Eckey selbstständiger Schuhmachermeister mit eigenem Geschäft in Königsborn. „Als dann immer mehr italienische Billigschuhe auf den Markt kamen, ging es mit dem Geschäft abwärts“, erzählt der Rentner. „Anfang der 70er Jahre habe ich es dann aufgegeben und noch einmal eine Ausbildung gemacht. Da bin ich examinierter Krankenpfleger geworden.“

Gemeinsam mit seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau hat Fritz Eckey auch 20 Jahre lang eine Pension in Winterberg betrieben. „Unser kleines Hotel“, haben die beiden es liebevoll genannt. „Es war zu klein für Personal und zu groß für uns, als wir älter wurden“, meint Eckey. „Deshalb haben wir es verkauft.“

Seit 16 Jahren wohnt Fritz Eckey nun schon in Holzwickede, wo auch seine Tochter Ulla, fünf Enkelkinder und Urenkel  leben. Eine weitere Tochter wohnt am Bodensee, sein Sohn lebt in Berlin. Zu keinem der beiden würde er ziehen. „Da wäre mir doch alles völlig fremd. Hier kenne ich dagegen alle Leute. Nein, aus Holzwickede will ich nicht mehr weg“, betont der 86-Jährige.

Von seiner Familie wird der Senior liebevoll umsorgt. „Ich kann aber auch nicht erwarten, dass die Kinder jeden Tag vor meiner Tür stehen.“ Das will der 86-Jährige auch nicht. Ein Grund mehr für ihn, aktiv zu bleiben. „Ich gehe jede Woche mindestens dreimal 10.000 Schritte, nach Opherdicke hoch zum Schloss, von dort nach Billmerich und durch den Wald. Das ist besser als zu Hause vor dem Fernseher zu hocken“, versichert er.

Respektloses Verhalten von Jugendlichen

Auch seine Sammeltouren halten Eckey aktiv. „Sie glauben nicht, was wir dabei schon alles gefunden haben: jede Menge Schlüssel, Portemonnaies, Tüten voller Lebensmittel oder auch noch eingeschweißte Menus von Essen auf Rädern.“  

Solange es geht, will Fritz Eckey weiter seine Abfalltouren machen. Ob er überhaupt schon einmal ans Aufhören gedacht hat?  „Nein, nur einmal war es fast soweit. Da sind ein paar Jugendliche langsam im Auto an mir vorbeigefahren, haben die Scheibe heruntergedreht und ihren Müll aus dem Fenster geworfen und gerufen: ,Hier Opa, damit Du ´was zum Aufsammeln hast!‘“, meint Fritz Eckey. „Das hat mich schon so deprimiert, dass ich einen Moment ans Aufhören gedacht habe“, räumt er ein. „Aber wir bauen uns auch gegenseitig wieder auf und gehen nach dem Sammeln gemütlich in die Eisdiele oder ins Café.“

Abfall, Fritz Eckey


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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