Denkmalwerte Bruchsteinhäuser belasten Kirchengemeinde in Opherdicke weiter

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Unge­wis­se Zukunft: Die bei­den alten Bruch­stein­häu­ser Dorf­stra­ße 39 und 41 prä­gen das Orts­bild von Opher­dicke. (Foto: Peter Grä­ber)

Für den Umbau des alten Pfarr­hau­ses in Opher­dicke sam­melt die katho­li­sche Kir­chen­ge­mein­de St. Ste­pha­nus Spen­den und wer­den Christ­baum­ku­geln ver­kauft. In direk­ter Nach­bar­schaft ste­hen die alte Schu­le und das alte Pfarr­heim der Kir­chen­ge­mein­de, die vor zwei Jah­ren zum Preis von nur einem Euro ver­kauft wur­den. Ein Mak­ler will bei­de Gebäu­de jetzt für den fast 70.000-fachen Preis wei­ter­ver­kau­fen.

Der Umbau des alten Pfarr­hau­ses der katho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de St. Ste­pha­nus, in dem zuletzt Pastor Josef Eick­hoff wohn­te, schrei­tet plan­mä­ßig vor­an. Zwar ruhen zum Jah­res­wech­sel die mit fast 600.000 Euro ver­an­schlag­ten Umbau­maß­nah­men zu einem moder­nen Gemein­de­haus mit groß­zü­gi­ger Woh­nung im Ober­ge­schoss. Doch kön­nen die Bau­maß­nah­men vor­aus­sicht­lich wie geplant im August 2015 abge­schlos­sen wer­den.

Jahrelanger Streit um Erhalt der Häuser Dorfstraße 39 und 41

Weni­ger Glück hat die katho­li­sche Kir­chen­ge­mein­de dage­gen mit den bei­den denk­mal­ge­schütz­ten Bruch­stein­häu­sern neben­an an der Dorf­stra­ße 39 und 41. Die bei­den Gebäu­de, die das Orts­bild von Opher­dicke prä­gen, und in denen frü­her das Pfarr­heim und eine Schu­le unter­ge­bracht waren, füh­ren ein Dasein im Schat­ten der Kir­che und haben der klei­nen Kir­chen­ge­mein­de schon viel Ärger ein­ge­bracht. Und obwohl sich bei­de Gebäu­de seit zwei Jah­ren gar nicht in ihrem Besitz befin­den, bela­sten sie die Kir­chen­ge­mein­de noch immer wie ein unan­ge­neh­mer Klotz am Bein.

Um den Erhalt der bei­den alten Gebäu­de an der Dorf­stra­ße 39 und 41 in Opher­dicke hat­te es einen jah­re­lan­gen Streit gege­ben. Nach­dem die Kir­chen­ge­mein­de die Gebäu­de zunächst jah­re­lang ver­kom­men ließ, woll­te der Pfarr­ge­mein­de­rat sie schließ­lich abrei­ßen las­sen: Der Erhalt der Gebäu­de sei der Kir­chen­ge­mein­de wirt­schaft­lich nicht zumut­bar. Doch dage­gen leg­ten die Denk­mal­schüt­zer ihr Veto ein. Schließ­lich kam es sogar zu einer juri­sti­schen  Aus­ein­an­der­set­zung. Die Ver­wal­tungs­rich­ter folg­ten der Argu­men­ta­ti­on der Kir­chen­ge­mein­de nicht und bestä­tig­ten die Denk­mal­schüt­zer. Der Erhalt der Gebäu­de sei der Kir­chen­ge­mein­de durch­aus zumut­bar. Wenn schon die rei­che katho­li­sche Kir­che kein Denk­mal erhal­ten kann, so die Urteils­be­grün­dung im Kern, wem soll­te es dann über­haupt noch zumut­bar sein, Denk­mal­wer­tes zu erhal­ten?

Verkauf an Investor zum Preis von einem Euro

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Die Rück­sei­te der bei­den Gebäu­de Dorf­stra­ße 39 und 41: Das frü­he­re Pfarr­heim (r.) wird noch von der Ste­pha­nus-Gemein­de genutzt. Links dane­ben die ehe­ma­li­ge Schu­le. (Foto: Peter Grä­ber)

Nach die­sem Urteil woll­te die Kir­chen­ge­mein­de St. Ste­pha­nus ihre bei­den unge­lieb­ten Gebäu­de  an die welt­li­che Gemein­de sogar ver­schen­ken – doch die lehn­te ab. Vor zwei Jah­ren dann schien es so, als kön­ne das Pro­blem im Inter­es­se aller Betei­lig­ten gelöst wer­den: Ein Inve­stor aus Frön­den­berg erwarb bei­de Gebäu­de zu einem sym­bo­li­schen Kauf­preis von einem Euro, um nach einer Kern­sa­nie­rung dar­in betreu­tes Woh­nen für Senio­ren anzu­bie­ten. Nach jah­re­lan­gem Rin­gen um den Erhalt der Gebäu­de war die Opher­dicker Kir­chen­ge­mein­de end­lich die bei­den Häu­ser los.

Doch das eigent­li­che Pro­blem exi­stiert wei­ter: Denn unglück­li­cher­wei­se ist der Inve­stor inzwi­schen ver­stor­ben und die Häu­ser Dorf­stra­ße 39 und 41 ste­hen aus sei­nem Nach­lass wie­der zum Ver­kauf.  Nach­dem der Nach­lass­ver­wal­ter zunächst für die Immo­bi­li­en, die für ein Euro erwor­ben wur­den, eine sechs­stel­li­ge Ver­kaufs­sum­me erzie­len woll­te, sind die Vor­stel­lun­gen inzwi­schen beschei­de­ner gewor­den. Der­zeit wer­den die bei­den schö­nen Bruch­stein­häu­ser für immer­hin noch 69.500 Euro zum Ver­kauf ange­bo­ten.

Kirchengemeinde hat Schutzklausel im Grundbuch abgesichert

Pfar­rer Bern­hard Mid­de­la­nis ist skep­tisch, was den Wei­ter­ver­kauf zu die­sem Preis angeht. Er weiß natür­lich auch, dass  mit dem Ver­kauf der bei­den Gebäu­de vor zwei Jah­ren das Pro­blem für die Kir­chen­ge­mein­de nicht erle­digt ist. „Wir haben mit dem Mak­ler gespro­chen. Er ist recht zuver­sicht­lich, dass die Gebäu­de ver­kauft wer­den kön­nen“, meint der Pfar­rer zweck­op­ti­mi­stisch.

Wenn nicht, dürf­te sich das lang­sa­me Ster­ben der bei­den alten Häu­ser aller­dings noch über vie­le Jah­re hin­zie­hen. Denn wie Bern­hard Mid­de­la­nis bestä­tigt, hat die Kir­chen­ge­mein­de zwar ein ver­trag­lich abge­si­cher­tes Vor­kaufs­recht für die Häu­ser. Doch was nie­man­den wun­dern dürf­te nach der Vor­ge­schich­te, meint er auch:  „Unser Vor­kaufs­recht wer­den wir nicht wahr­neh­men.“  Immer­hin: Über das Grund­buch abge­si­chert  hat die katho­li­sche Kir­chen­ge­mein­de St. Ste­pha­nus, dass in oder mit den bei­den Gebäu­den nichts pas­sie­ren darf, was „dem Cha­rak­ter oder der Wür­de des kirch­li­chen Ortes wider­spricht“, ver­si­chert Mid­de­la­nis. Der pro­fa­ne Abriss der bei­den schö­nen Bruch­stein­ge­bäu­de fällt wohl lei­der nicht unter die­se Schutz­klau­sel.

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visage

Dipl.-Journalist

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