In einem selbstgefertigten Video aus seiner Praxis widerspricht der Holzwickeder Hausarzt Dr. Udo Pappert der Aussage der Gesundheitspolitiker: "Wir sind nicht gut vorbereitet auf Corona." (Screenshot)

Coronavirus: Videokritik von Holzwickeder Hausarzt an Gesundheitspolitik geht viral

In einem selbstgefertigten Video aus seiner Praxis widerspricht der Holzwickeder Hausarzt Dr. Udo Pappert der Aussage der Gesundheitspolitiker: "Wir sind nicht gut vorbereitet auf Corona." (Screenshot)
In einem selbst­ge­fer­tigten Video aus seiner Praxis wider­spricht der Holzwickeder Haus­arzt Dr. Udo Pap­pert der Aus­sage der Gesund­heits­po­li­tiker: „Wir sind nicht gut vor­be­reitet auf Corona.“ (Screen­shot)

Der Holzwickeder Arzt Dr. Udo Pap­pert hat sich mit einem selbst­ge­fer­tigten Video zum Thema Coro­na­virus zu Wort gemeldet und darin das Gesund­heits­mi­ni­ste­rium und das Robert-Koch-Institut kri­ti­siert. Womit der Holzwickeder Medi­ziner nicht gerechnet hatte: Das eigent­lich privat gepo­stete Video geht seit gestern auf den ein­schlä­gigen Inter­net­platt­formen viral. Nach eigenen Angaben Pap­perts, der selbst gar nicht bei Face­book prä­sent ist, wurde sein Video allein dort bis heute Mittag (27. Februar) schon 76.000 Mal ange­sehen. Auch der WDR wurde inzwi­schen auf­merksam auf den Holzwickeder Arzt und mel­dete sich zum Inter­view in seiner der Praxis am Markt an.

Ich bin selbst über­rascht über diese große Reso­nanz“, räumt Udo Pap­pert ein. „Denn eigent­lich habe ich das Video nur an etwa 20 enge Freunde oder gute Bekannte geschickt. Doch einer von denen muss es dann weiter gepo­stet haben.“ In seinem Video erklärt Dr. Pap­pert mit sach­li­chen, aber klaren Worten: Der „tolle Herr Spahn“, sowie der Leiter des Robert-Koch-Insti­tutes hätten diese Woche sich „vor die Presse gestellt“ und erklärt, Deutsch­land sei gut vor­be­reitet auf das Coro­na­virus. „Nun, das sehe ich ganz anders“, wider­spricht Udo Pap­pert.

Keine Desinfektionsmittel und Mundschütze

Um anschlie­ßend in dem Video seine eigenen Erfah­rungen zu schil­dern: „Wir haben heute als Praxis mit täg­lich über 100 Pati­enten ver­sucht, Hän­de­des­in­fek­ti­ons­mittel und Mund­schütze für die Pati­enten zu besorgen. Es ist nicht mög­lich.“ Anschlie­ßend geht der Medi­ziner ins Detail: „Wir haben bei acht Groß­lie­fe­ranten ange­rufen. Keiner ist in der Lage, uns Hän­de­des­in­fek­ti­ons­mittel zur Ver­fü­gung zu stellen, geschweige denn Mund­schütze.“ Die Haus­ärzte sollen laut Bun­des­ge­sund­heits­mi­ni­ste­rium auch mit Schutz­klei­dung aus­ge­rü­stet werden: „Auch die ist nicht vor­handen“, kri­ti­siert Dr. Pap­pert und stellt fest. „Wir sind leider nicht gut auf Corona vor­be­reitet.“ 

Wir sind leider nicht gut auf Corona vor­be­reitet.“

- Dr. Udo Pap­pert

Er selbst habe gerade erst ver­sucht, in meh­reren Tele­fo­naten beim Bun­des­ge­sund­heits­mi­ni­ste­rium, beim Bun­des­in­stitut für Arz­nei­mittel und Medi­zin­pro­dukte und ‑sicher­heit sowie beim Gesund­heitsamt anzu­rufen. „Sie errei­chen hier keinen kom­pe­tenten Gesprächs­partner.“ Als Folge dieser Zustände erklärt der Holzwickeder Haus­arzt: „Wenn wir keine Des­in­fek­ti­ons­mittel bekommen und uns nicht schützen können, werde ich meine Praxis schließen.“

Gegen­über dem Emscher­blog prä­zi­sierte Dr. Pap­pert heute seine Kritik: „Wir hatten bis gestern noch nie Pro­blem bei der Bestel­lung von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln oder Mund­schützen Hygie­ne­ar­tikel. Doch plötz­lich sind diese Artikel nicht mehr lie­ferbar oder im Preis vier­fach über­höht. Ich habe gestern drei bis vier Stunden bei den ver­schie­denen Gesund­heits­be­hörden in der War­te­schleife gewartet und nichts erreicht.“

Praxisschließung angedroht

Mit seiner Kritik möchte Dr. Pap­pert auch nicht falsch ver­standen werden: „Ich denke schon, dass wir gut auf­ge­stellt sind gegen Corona. Das gilt viel­leicht für die großen Kli­niken. Aber wir Haus­ärzte, zu denen die Men­schen doch zual­ler­erst kommen, sind nicht gut aus­ge­stattet. Das muss ich als Arzt beklagen. Dabei hat es mit der Ver­brei­tung des Coro­na­virus noch gar nicht richtig ange­fangen. Es ist für mich absolut unver­ständ­lich, warum für uns in den Arzt­praxen solche ein­fa­chen Stan­dard­mittel nicht ver­fügbar sind.“

Etwas hat das viral gegan­gene Video von Udo Pap­pert immerhin erreicht: „Inzwi­schen haben sich auch einige Firmen bei mir gemeldet, die noch Rest­be­stände an Des­in­fek­ti­ons­mit­teln und Mund­schütze im Keller hatten.“ Die Pati­enten des Holzwickeder Haus­arztes müssen sich also keine Sorgen machen, dass er seine Ankün­di­gung wahr macht und die Praxis tat­säch­lich schließt, wie Dr. Pap­pert ver­si­chert. „Wie ich gehört habe, soll ein Kol­lege in Dort­mund seine Praxis aber tat­säch­lich schon geschlossen haben.“

  • Das Video von Dr. Pap­pert finden Sie hier

Corona, Dr. pappert


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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