Die Anwohner des Hofes Dudenroth befüchten, dass sich mit der Azufstellung einer Ruhebank mit Tisch an dieser Stelle nur alte Probleme wieder deutlich verschärfen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Bewohner von Hof Dudenroth in Aufregung: Neue Sitzgruppe verschärft nur alte Probleme

Sprechen sich deutlich gegen das Aufstellen einer Sitzgruppe an diesem Standort aus: Dieter Lügger, Jasmin Rössig mit ihrer Tochter, Silvia Nagel, Jörg Schwarzer (von li.) und die übrigen Bewohner von Hof Dudenroth. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Der Antrag der Fraktion Die Partei, einen alten Treffpunkt der Holzwickeder Jugend südlich der Dudenrothschule mit einer Sitzgruppe und Mülleimern aufzuwerten, hat die Bewohner des nahegelegenen Hof Dudenroth in helle Aufregung versetzt. Sie fürchten, dass sich die traditionellen Probleme, die sie mit jungen Leute an deren Rückzugsort an der Emscher haben, wieder deutlich verschärfen werden, wenn dort nun auch noch eine Sitzgruppe aufgestellt werden sollte.

Insgesamt elf Familien wohnen allein auf dem alten Hof Dudenroth. Die Bewohner haben sich dort recht idyllisch und naturnah eingerichtet. Direkt an ihrem Grundstück verläuft ein Fußweg, der hinter der Dudenrothschule beginnt und an der Emscher entlang bis zur Hauptstraße führt. Ein paar Meter weiter hinter der Wegebiegung am Hof Dudenroth steht ein riesiger alter Baum direkt an der Emscher. An diesem Baum haben sich schon Generationen Holzwickeder Jugendlicher getroffen.

Probleme mit Randalierern früher viel schlimmer

Nachdem der Emscherblog über den Antrag der Partei berichtete, baten die Anwohner vom Hof Dudenroth um ein Gespräch vor Ort, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. „Wir wollen diese Sitzgruppe auf gar keinen Fall“, macht Silvia Nagel im Namen der Hofbewohner deutlich. Gemeinsam mit Sabine Mark, Jörg Schwarzer, Jasmin Rössig und Dieter Lügger berichtet die Anwohnerin von ihren Problemen mit den Jugend-Cliquen, die eine lange Tradition haben.  

„Die jungen Leute treffen sich da vor allem in der wärmeren Jahreszeit, weil der Ort so schön versteckt ist und sie unbeaufsichtigt sind“, weiß Jasmin Rössig. „Ich habe ja selbst meine halbe Kindheit dort verbracht. Da werden richtige Parties gefeiert mit Musik aus dem Ghettoblaster.“ Abgesehen von dem Lärm bleiben Glasscherben, zerdepperte Flaschen und Abfälle liegen – und landen auch in der Emscher. „Sie glauben gar nicht, wieviel Plastikmüll wir hier aus der Emscher holen.“

Grundsätzlich gebe es das Problem immer noch. „Aber früher war das hier alles noch viel schlimmer“, erklären die Hofbewohner übereinstimmend. „Bis vor einigen Jahren gab es hier noch einen Bolzplatz und dort in im Gebüsch steht auch noch eine alte Ruhebank“, berichtet Jörg Schwarzer. „Da sind hier auch schon mal 20 Jugendliche mit einem Einkaufswagen voll Bierkästen quer über unseren Hof gelaufen. Da fuhren die Jugendlichen auch noch mit ihren Mopeds überall herum. Da hatten wir fast wöchentlich die Polizei hier. Darum hat die Gemeinde ja dann auch reagiert.“

Ohne Bolzplatz und Ruhebank verbesserte sich Situation

Eine, die sich nie scheut, mit den Jugendlichen anzulegen, ist Silvia Nagel. „Ich bin hier schon mit Dreck beworfen, beschimpft und auch bedroht worden“, berichtet sie.  „Was meinen Sie, warum ich jetzt so einen Hals habe. Wir möchten so etwas einfach nicht mehr haben, dass es jetzt wieder los geht hier.“  Einmal hätten Jugendliche sogar alte Matratzen mitgebracht, um darauf zu schlafen. „Dann haben sie die angezündet. Es gab meterhohe Flammen und der ganze Hof hier war verqualmt“, berichtet Silvia Nagel. Ein anderes Mal sei ein Zaun, den die Gemeinde aufgestellt hatte, nach nur zwei Tagen samt Verbotsschild wieder umgeworfen worden. Als die Jugendlichen schließlich eine alte Holzhütte in unmittelbarer Nähe des Hofes abfackelten, war endgültig Schluss.

„Ich bin hier schon mit Dreck beworfen, beschimpft und auch bedroht worden. Was meinen Sie, warum ich jetzt so einen Hals habe.“

– Silvia Nagel (Hofbewohnerin)

„Wir konnten bei der Gemeinde durchsetzen, dass hier alles verwildern und überwuchern darf“, so Silvia Nagel. Seitdem gebe es zwar immer noch einige Probleme, aber längst nicht mehr so wie früher. Doch wenn nun wieder eine Sitzgruppe aufgestellt würde, fürchten die Anwohner, kehren wieder die alten Zustände ein. „Da bin ich mir sicher. Wir wissen genau, wovon wir sprechen“, versichert Silvia Nagel. 

Abgesehen von dem Ärger, den die Hofbewohner heraufziehen sehen, haben sie noch ein anderes wichtiges Argument gegen einen Sitzgruppe und einen offiziellen Jugendtreff: „Hier ist doch das letzte verbliebene Stück Natur in der Gemeindemitte entstanden“, sagt Silvia Nagel. Hier gebe es inzwischen wieder eine Schleiereule, Fledermäuse, Spechte, einen Dompfaff, Eichhörnchen, Steinbienen und viele andere Insekten. Und in der Emscher könnten wieder Fische und Molche beobachtet werden.  „Das wollen wir unbedingt schützen.“

Letzte „grüne Oase“ im Ortskern schützen

Dass den Pfad an der Emscher an ihrem Hof vorbei „viele nette Leute nutzen, ist gar kein Problem“, meint Sabine Mark. „Da ergeben sich mitunter auch tolle Kontakte. Nur mit den Jugendlichen, das wird nicht funktionieren“, ist sie sicher. „Wenn erst die Sitzgruppe steht, wird das wieder noch mehr ein Treffpunkt. Dabei hatte sich das alles etwas beruhigt. Natürlich kann man nicht alle Jugendlichen über einen Kamm scheren. Viele von ihnen sind auch freundlich und hilfsbereit. Aber das sind nicht die, die sich hier bei uns hinsetzen.“

Von den negativen Folgen seien auch nicht nur der Hof Dudenroth, sondern die Bewohner der Gärten und Häuser an der Dudenrother- und Hauptstraße ebenso betroffen.  

Die Idee, Jugendlichen einen unbeobachteten Raum zu geben, wo sie sich treffen können, finden wir super“, versichert Sabine Mark. „Da gibt es sicher viele Standorte für eine solche Bank in der Gemeinde, wo sie niemanden stören. Doch man muss dafür nicht die letzte grüne Oase hier in der Gemeindemitte zerstören. Die wollen wir erhalten und schützen“, betonen Sabine Mark und Silvia Nagel auch im Namen der übrigen Hofbewohner.    

Hof Dudenroth, Sitzgruppe


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (9)

  • Ich kann mich den Bedenken der Anwohnerschaft nur anschließen. Es ist meine regelmäßige Laufstrecke. Hier gilt es Natur und Lebensqualität zu schützen.
    Vielleicht eine ökologische Aufwertung , den geringen Lauf der Emscher zu stauen, um ein zusätzliches Biotop zu schaffen.
    Auch sind wir gefordert, qualitative Plätze für Jugendliche zu schaffen, aber nicht dort.

  • Danke Herr Klemp, das sie unsere Bedenken verstehen. Die Idee mit dem Biotop finde ich sehr gut. So könnte man noch ein Stück mehr die Natur zurück holen.

  • Ich verstehe alle Einwände und kann sie auch nachvollziehen. Aber wo sollen denn die heutigen Teenys noch ihre Freizeit verbringen? Jeder ist dafür ihnen Platz zu schaffen. Solange er nicht im Umfeld ist. Howi ist tot für Teenys. Tot absut tot. Man. Muss schon Raum schaffen. Und wenn immer gesagt wird „hier nicht“ dann zeigt doch bitte alternativen auf.

    • Hallo Nadine, es gebe weit aus bessere Orte wie auch Herr Klemp sagt. Also Ideen hätten wir da schon zb den Festplatz der ja auch eig nur 1 mal richtig im Jahr genutzt wird könnte mit sitzgruppen aufgewertet werden oder halt Monthan mit dem Bolzplatz.

  • Guten Morgen Frau Nadine,
    erstmal fände ich es wichtig Jugendliche miteinzubeziehen, einen geeigneten Platz zu finden. Z.B. am Bolzplatz Montan Hydraulik Str.. auch mit einer Sitzgruppe und Papierkorb. Und der Bolzplatz bietet auch noch Möglichkeiten aktiv zu sein.

  • Noch kurz, vielleicht könnte man den Treffpunkt für Jugendliche am Bolzplatz mit mehreren Sitzgruppen und Fitnessgeräten noch optimieren und mit einer Hecke abgrenzen.

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