Blick aus dem Fahrstuhlschacht in das lichtdurchflutete künftige Foyer des Rathauses. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Baustellenbesuch: Abnahme des Rohbaus ein Meilenstein auf dem Weg zum neuen Rat- und Bürgerhaus

Das Ende und die technische Abnahme des Rohbaus stellt einen Meilenstein beim Bau des neuen Rat- und Bürgerhauses dar. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Das Ende und die technische Abnahme des Rohbaus stellt einen Meilenstein beim Bau des neuen Rat- und Bürgerhauses dar. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Von der Öffentlichkeit gänzlich unbemerkt markiert der morgige Tag (12. August) doch so etwas wie einen Meilenstein beim Bau des neuen Rat- und Bürgerhauses: Es ist der Termin der technischen Abnahme des Rohbaus. Anlass genug für einen Besuch des Emscherblogs auf der Baustelle mit Stefan Thiel vom Fachbereich Technische Dienste.

Unser Rundgang beginnt im alten Teil des Rathauses, in dem noch immer eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, obwohl große Bautrocknungsgeräte dagegen wochenlang angearbeitet haben. „In der vorigen Bauphase ist viel Wasser verarbeitet worden“, nennt Stefan Thiel den Grund.

Eingang altes Rathaus wird farblich angepasst

Gleich links vom Haupteingang, dort, wo zuletzt die Telefonzentrale und Poststelle untergebracht waren, entsteht das künftig Trauzimmer in historischem Ambiente.

Auf der gegenüberliegenden rechten Seite des Flures fällt der Blick durch den Durchbruch bereits in den neuen Anbau. Was nicht sofort auffällt, ist der Höhenunterschied zwischen beiden Ebenen: „Wir befinden uns hier im alten Rathaus im Erdgeschoss“, erläutert Thiel. „Im neuen Anbau handelt es sich bereits um das erste Obergeschoss.“

Der sieben Tonnen schwere Tresor, der sich im Erdgeschoss des alten Rathauses befand, ist „in einer Riesenaktion“ bereits abtransportiert worden. Den einzigen Farbtupfer im historischen Teil setzt die Decke im Eingangsbereich. „Farblich ist der Eingangsbereich nicht so attraktiv“, findet Stefan Thiel. „Die Farben entsprechen auch nicht dem ursprünglichen Zustand. Eine Restoratorin ist beauftragt, eine Farbuntersuchung zu machen. Damit wir den originalen Zustand wieder herstellen können.“

Die Kosten dafür und noch für einige andere Arbeiten im Bürgerkeller hofft die Verwaltung aus Denkmalfördermittel finanzieren zu können. Ein Antrag ist gestellt, aber noch nicht entschieden, so Stefan Thiel.

Etliche Kilometer Netzwerkkabel

Die alten Holzverkleidungen an den Wänden im alten Rathaus werden übrigens nicht wieder hergestellt. „Die waren auch nicht bauzeitgemäß“, zitiert Thiel die Denkmalpflegerin. „Hier im Inneren hat sie uns relativ große Freiheiten gelassen.“ Dennoch versuchen die Bauherren, historisch Prägnantes zu erhalten, wo es möglich ist: den Treppenaufgang, Teile der Fassade, die Wappen im Hausflur und einiges mehr.  

Bevor wir den neuen Anbau betreten, geht’s zunächst über den aus Schutzgründen komplett eingeschalten Treppenaufgang in den ersten Stock des historischen Rathauses. Dort, wo früher der Sitzungsaal war, sind bereits großzügige neue Räume für den Verwaltungsvorstand abgeteilt worden. Hier entsteht die neue Vorstandsetage mit den Büros der Bürgermeisterin, des Ersten Beigeordneten und ihren Vorzimmerdamen.  

Auch wenn der Rohbau erst jetzt abgenommen wird, hat der Innenausbau längst schon in allen Bereichen begonnen. Auffälligstes sichtbares Indiz dafür sind die etliche Kilometer langen Netzwerkkabel und anderen Leitungen, die in den meisten Räumen schon verlegt und gezogen sind.

Im Bereich des alten Bürgermeisterzimmer klafft nun der Durchbruch in den neuen Anbau. Auch eine kleine Teeküche soll in diesem Bereich noch untergebracht werden.

Lichtdurchflutetes Foyer

Blick aus dem Fahrstuhlschacht in das lichtdurchflutete künftige Foyer des Rathauses. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Blick aus dem Fahrstuhlschacht in das lichtdurchflutete künftige Foyer des Rathauses. Ganz rechts im Bild: Die Fassade des alten Rathauses. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Genau hier gegenüber verläuft auch der noch leere Aufzugsschacht, aus dem sich ein wunderbarer Blick in das noch unfertige Foyer des neuen Rat- und Bürgerhauses bietet.

„Von hier kann man auch die aufwendige Dachkonstruktion sehr gut erkennen“, deutet Stefan Thiel nach oben. „Die Oberlichter sind schon drin und man bekommt ein gutes Gefühl dafür, wieviel Licht hier in das Foyer fällt.“ Dabei sind die Decken noch gar nicht mit weißem Gipskarton verkleidet. „Das wird den hellen Eindruck noch einmal deutlich verstärken“, ist Thiel sicher.

Die Durchgänge erlauben es, dass das gesamte Rathaus später über alle Ebenen frei zugänglich sein wird. Das sei ganz bewusst so angelegt, meint Thiel. „Bis auf den Bürgerkeller, den alten Ratskeller, wird alles frei zugänglich sein. Aber auch der Bürgerkeller wird für Vereine und Bürger bei Bedarf und nach Anmeldung freigegeben, er ist nur nicht dauerhaft zugänglich.“

Der Durchgangsbereich im neuen Anbau wird später noch große Glasflügel bekommen. Wie es überhaupt zum Konzept des neuen Rat- und Bürgerhauses gehört, keine blickdichten Räume, sondern möglichst viel Transparenz und Offenheit zu demonstrieren. „Deshalb werden die Holztüren der Büros auch große Glaselemente bekommen“, so Thiel.

Technisch anspruchsvoller Anschluss des Anbaus

Der Anschluss zwischen dem neuen Rat- und Bürgerhaus und dem historischen Gebäude war der technisch anspruchsvollste Teil des Neubaus, bestätigt Stefan Thiel. „Der Neubau durfte sich nicht einen Millimeter setzten. Deshalb haben wir ja auch die sehr aufwendige Gründung mit 80 Bohrpfählen bis auf das Felsgestein vornehmen müssen. Da darf überhaupt kein Spiel zwischen dem alten Bau und dem Anbau sein. Das machte die Sache auch sehr kostenintensiv.“

In allen Räumen des neuen Rathauses wird eine Fußbodenheizung verlegt. Viele Räume können deshalb derzeit von Besuchern nicht betreten werden, da die Dämmung und Heizleitungen noch offen auf dem Boden liegen. Apropos Heizung: Geheizt wird im neuen Rathaus mit dem Energieträger Erdgas. Auf dem Dach wird aber auch eine Photovoltaikanlage installiert, die kostengünstigen und umweltfreundlichen Solarstrom erzeugt. „Energetisch liegen wir sogar noch unter den Vorgaben, die die Energieschutzverordnung vorschreibt“, versichert Stefan Thiel.

Beim Blick von der oberen Etage ins Foyer erläutert er: „Alle Öffnungen, die man dort auf der gegenüber legenden Seite sieht, sind Besprechungsräume.  Die untersten vier großen Öffnungen sind das künftige Bürgerbüro. Dort gibt es vier offene Arbeitsplätze. Bürger, die das Foyer betreten, werden aber erst zu einem Info-Point geführt, der nach dem Eingang in Laufrichtung rechts eingerichtet wird.

Rechts neben dem späteren Haupteingang des neuen Rat- und Bürgerhauses wird die Brasserie, das Rathaus-Café, eingerichtet. Ebenerdig gibt es nur einen Raum mit Tresen. Die Küche, in der die Speisen zubereitet werden, und die Wirtschafträume befinden sich in der Etage darüber. Die Planer sehen darin kein Problem, wie Stefan Thiel sagt. „Das Essen wir in der Küche oben zubereitet und über einen Lastenaufzug nach unten gereicht. Da muss keiner vom Service Treppen steigen.“

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Pächtersuche für Brasserie noch offen

In der Brasserie befindet sich links ein Zugang zum Foyer und Haupteingang, wo sich in unmittelbarer Nähe auch die öffentlichen Toiletten und der Personenaufzug befinden.

Ein Pächter fürs Café ist entgegen anders lautender Gerüchte noch nicht gefunden. „Das Auswahlverfahren läuft und ist noch völlig offen“, betont Thiel. „Es bieten sich noch alle Möglichkeiten für Interessierte, sich mit einem Konzept und als Person vorzustellen. Die Entscheidung wird letztlich ein politisches Gremium treffen.“  Wunschvorstellung der Verwaltungsspitze sei es lediglich, dass in der Brasserie möglichst ein Frühstück, ein kleiner Mittagstisch und abends eine kleine Karte mit Bier und Weinen angeboten werden.

Die behindertengerechten Toilettenanlagen im Haupteingangsbereich werden auch außerhalb der öffentlichen Dienstzeiten zugänglich und durch einen Windfang geschützt sein, erklärt Thiel. Der Zugang zum Foyer wird dagegen außerhalb der Dienststunden abgeschlossen. Auf der Rückseite des neuen Rathauses wird es eine weitere Toilettenanlage geben, die ebenfalls ständig zugänglich sein soll.

Multifunktionaler Bürgersaal

Gleich nach dem Haupteingang am Marktplatz geht es rechts in den wirklich imposanten großen Bürgersaal, der allerdings noch völlig unbestuhlt und nicht eingerichtet ist. Später wird der Saal durch eine verschiebbare Trennwand geteilt werden können, so dass Fraktionssitzungen und andere Veranstaltungen auch zeitgleich stattfinden können. In der zur Straße gelegenen Front befinden sich riesige Fenster, die noch holzverkleidet und verglast werden. Die Galerie im ersten Stock ist frei zugänglich, so dass Sitzungen und Veranstaltungen von der geneigten Öffentlichkeit verfolgt werden können. Auch eine mobile Bühne und die entsprechende Medientechnik sind noch vorgesehen. Ein Multifunktionsraum in dieser Größe, in der von der Gemeinde organisierte Veranstaltungen stattfinden können, ist ein echtes Novum. Denn einen solchen Raum gibt es bislang in Holzwickede nicht.

Großer Olivenbaum für das Foyer

Als kleines Highlight wird mitten im lichtdurchfluteten Foyer nebenan ein lebender Baum, ein Bucidia, gepflanzt. „Das ist ein immergrüner Olivenbaum, der keine Früchte trägt und in solchen Innenräumen gedeihen kann“, erläutert Stefan Thiel. Bis zu sieben Meterhoch kann ein Bucidia werden.

Spötter unken schon, dass angesichts der aktuellen Kostensteigerungen auf dem Bau aus dem strammen Baum leicht noch ein Bonsai werden könnte.

Womit wir bei den Kosten des neuen Rat- und Bürgerhauses wären. Tatsächlich sind inzwischen die meisten Gewerke schon vergeben und das Budget mit dem Kostendeckel von 20 Mio. Euro ist noch immer nicht gesprengt. Allerdings ist mittlerweile auch der letzte finanzielle Puffer aufgebraucht. Werden die zuletzt beantragten Denkmalfördermittel nicht bewilligt und muss die Gemeinde dafür in die eigene Kasse greifen, würde die 20-Mio.-Euro-Schallmauer wohl durchbrochen, wie Bürgermeisterin Ulrike Drossel schon angedeutet hat.

Neuausschreibung und Kostendeckel unter Druck

Wie eng der Finanzplan inzwischen ist, räumt auch Thiel ein: „Da müssen wir gar nicht herumdrucksen. Von den steigenden Materialpreisen sind wir natürlich auch betroffen. Gerade jetzt erst musste unsere erste Ausschreibung für die Schreinerarbeiten wegen Unwirtschaftlichkeit wieder aufgehoben werden. Was bei der neuen Ausschreibung herauskommt, wissen wir noch gar nicht.“ Doch wenn man sieht, dass der Preis selbst für einfache Dachlatten in diesen Tagen mal eben um 300 bis 400 Prozent gestiegen ist, ahnt man, was da auf die Gemeinde zukommen könnte. Immerhin: Es ist die letzte größere Ausschreibung für dieses Bauprojekt.

Aber auch so ist das Kostensparen während der Bauphase und das ständige Prüfen von Einsparmöglichkeiten, „ein Dauerthema, das uns von Anfang an begleitet“, räumt Stefan Thiel ein. In der ersten Sparrunde wurde an der Quantität gespart und etwa die Unterkellerung und Tiefgarage gestrichen. „Jetzt geht es beim Sparen nicht mehr um Quantität, sondern um Qualität bei der Ausstattung. Der gestalterisch schönste Entwurf ist nicht immer der preiswerteste“, beschreibt Thiel eine der Konfliktlinien zwischen Kostencontrolling auf der einen und den Architekten auf der anderen Seite. „Doch beim Bürger wird nicht gespart“, versichert er.

Zeitlich liegt das Bauprojekt gut im Plan, auch wenn die Ausschreibung für die Schreiner jetzt noch einmal erfolgen muss. „Wenn alles glatt geht, ist der Umzug für März/April nächsten Jahres vorgesehen“, bestätigt Thiel.

Die im Eco Port untergebrachten Verwaltungsmitarbeiter werden wohl als erste einziehen, gleich danach die Mitarbeiter aus dem Bürgerbüro an der Allee 4 und den Technischen Diensten an der Allee 10. Was mit den dann leergezogenen beiden Immobilien passiert, ist derzeit noch offen. Die Politik hat die Verwaltung beauftragt, Vorschläge für eine Nachfolgenutzung oder einen Verkauf zu erarbeiten.

Rat- und Bürgerhaus, Rundgang


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (2)

  • Da kann man ja gespannt sein wie der Betonkoloss später wirkt. Mit der Aussage des Herrn Tiel wurde ja schon der Weg zur überschreitung der 20 Milo. geäußert. Fußbodenheizung hört sich sehr nobel an , aber als Bürger frag ich mich eher ob ich mich im Hochsommer im Gebäude bewegen kann oder ob man aus dem Schwitzen nicht mehr rauskommt. Die fehlende Tiefgarage ist für uns Anwohner ein schlechter Scherz. Aktuell ohne die Mitarbeiter der Verwaltung findet man mittags schlecht und freitagsfrüh überhaupt keinen Parkplatz. Wie soll das später werden, wenn 60 oder mehr Mitarbeiter hier parken. Oder parken die Mitarbeiter bei Regen am Edeka oder Netto Parkplatz, damit es dort auch eng wird. Hier wird der Service am Bürger ganz klein geschrieben. Apropos Service. Hat das Bürgerbüro dann auch mittwochs wieder geöffnet. Aktuell ist es schon sehr merkwürdig, dass jeden Tag Mitarbeiter im Bürgerbüro sitzen aber der Mittwoch geschlossen ist. Das ist glaub ich auch einmalig im Kreisgebiet. Aber Holzwickede kann sich alles leisten.
    Danke liebe Politik das es immer weniger Parklätze in der Gemeindemitte gibt. Danke für die komischen Kästen auf dem Platz von Louviers. Bei der Bauzeit kann man diese bestimmt nächstes Jahr immernoch eingezäunt bewundern. Da hätte man das Geld komplett auf zwei Jahre planen können.

  • Eines ist mal klar….würde die Privatwirtschaft bauen, währen die Gärtner schon mit Rasenmähen beschäftigt. Letzte Woche hab ich mir verwundert die Augen gerieben, da waren tatsächlich doch mal mehr als eine Hand voll Handwerker am Arbeiten !
    Und wenn man die Bilder vom Rohbau sieht….das ist alles was in den Jahren geschafft wurde ? Letzte Woche waren meine Eltern zu Besuch. Als sie tags darauf wieder fuhren wurden beide sehr traurig. Mein Vater meinte, gern hätten sie das fertige Gebäude noch zu lebzeiten gesehen aber daraus wird wohl nix mehr.
    Daraufhin entschloss ich mich diesen Kommentar zu schreiben, denn der einzige der meine Eltern traurig machen darf bin ich und nicht fremde Leute, welche die Bodenhaftung verloren haben !
    Nur mal so, in Leipzig wurde jetzt ein komplettes Halbleiterwerk vom Spatenstich bis zur vollen Inbetriebnahme in 2 Jahren gebaut.
    In Italien( ja Italien) ein Staudamm komplett in 4 Jahren !!
    Und wegen der Parkplätze, da machen sie sich mal keine Sorgen.
    Der Platz vor dem Rathaus ( der eigentlich für die Bürger sein sollte) ist eh schon ein reiner Parkplatz geworden. Und da der Mensch sich an alles gewöhnt, wird es wohl auch später so bleiben. Nur das dann Parkautomaten aufgestellt werden. Von irgendwas müssen ja später die Gärtner bezahlt werden…!
    ps: Kann sein das Rechtschreibfehler eingebaut sind…aber das ist mir grad völlig egal !!

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