Baby als Grund für Unfallflucht: Gutachten kann 19-Jährigen teuer zu stehen kommen

Das könn­te noch sehr unan­ge­nehm und teu­er für den 19-jäh­ri­gen Schü­ler aus Holzwicke­der wer­den, der sich heu­te (7. Juni) wegen uner­laub­ten Ent­fer­nens vom Unfall­ort vor dem Amts­ge­richt Unna wie­der­fand.

Der Grund: Im März die­ses Jah­res hat­te er gegen 17.40 Uhr nach einem kur­zen Bröt­chenkauf beim Bäcker auf der Nord­stra­ße mit sei­nem Pkw Maz­da zurück­ge­setzt und dabei einen hin­ter ihm ein­par­ken­den Ford Fie­sta ange­fah­ren. Der ent­stan­de­ne Scha­den am Fahr­zeug beträgt rund 1.000 Euro. Trotz­dem setz­te der 19-Jäh­ri­ge sei­ne Fahrt unbe­ein­druckt fort. Sein Pech: Das von ihm beschä­dig­te Fahr­zeug wur­de von einem Poli­zi­sten in Zivil gesteu­ert, der sich den Ford Fie­sta von einem Kol­le­gen gelie­hen hat­te.

Auf Nach­fra­ge von Rich­te­rin Bir­git Viel­ha­ber-Kart­haus gab der Ange­klag­te an, dass er am Tat­tag mit sei­nem weni­ge Mona­ten alten Nef­fen im Auto unter­wegs war, der in sei­nem Auto im Kin­der­sitz schlief, als er kurz beim Bäcker war. „Als ich dann wie­der ins Auto stieg, ist mein Nef­fe wach gewor­den und hat gebro­chen.  Da wuss­te ich nicht, was ich tun soll­te und woll­te nur schnell zu mei­ner Schwe­ster zurück.“ So der 19-Jäh­ri­ge. „Ich habe zurück­ge­setzt und bin dann zügig weg­ge­fah­ren ohne anzu­hal­ten oder aus­zu­stei­gen. Von einem Zusam­men­stoß mit einem ande­ren Auto habe ich gar nichts bemerkt.“

Als ich dann wie­der ins Auto stieg, ist mein Nef­fe wach gewor­den und hat gebro­chen.  Da wuss­te ich nicht, was ich tun soll­te und woll­te nur schnell zu mei­ner Schwe­ster zurück.“

Begrün­dung des Ange­klag­ten, war­um er sich vom Unfall­ort ent­fern­te

Der Poli­zei­be­am­te in Zivil, der im hin­te­ren Auto saß, schil­der­te den Vor­fall aller­dings etwas anders: Er habe mit sei­nem Ford Fie­sta auf dem Park­strei­fen vor der Volks­bank in der Nord­stra­ße hin­ter dem Ange­klag­ten ein­ge­parkt, als er plötz­lich des­sen Rück­fahr­leuch­ten gese­hen habe. „Ich habe noch gehupt, aber er hat trotz­dem wei­ter zurück­ge­setzt“, so der Zeu­ge. „Ich war völ­lig ver­blüfft.“ Er sei dann aus­ge­stie­gen, doch der Ange­klag­te sei mit hohen Tem­po davon gefah­ren, obwohl eigent­lich nur Tem­po 30 erlaubt waren. „Ich bin dann wie­der ins Auto und hin­ter ihm her­ge­fah­ren“, sag­te der Poli­zei­be­am­te aus. „Ich war schon 60 bis 70 km/h schnell, hat­te aber kei­ne Chan­ce, hin­ter­her zu kom­men. Da habe ich es auf­ge­ge­ben, bin zurück und habe die Poli­zei geru­fen.“ Auf Nach­fra­ge der Rich­te­rin zeig­te sich der Zeu­ge über­zeugt: „Der Zusam­men­stoß war deut­lich zu spü­ren. Dass hat der Fah­rer vor­ne 100-pro­zen­tig gemerkt.“

Gutachten vermutlich teurer als der Sachschaden

Nach die­ser Aus­sa­ge mach­te die Rich­te­rin den Ange­klag­ten ein­dring­lich dar­auf auf­merk­sam, wel­che Fol­gen es haben könn­te, wenn er wei­ter behaup­te, dass er von dem Unfall nichts bemerkt habe. „Es spricht schon eine Men­ge dafür, dass Sie etwas bemerkt haben. Wir kön­nen auch ein Gut­ach­ten in Auf­trag geben. Ein Sach­ver­stän­di­ger kann zuver­läs­sig her­aus­fin­den, ob Sie den Unfall bemerkt haben. Aber so ein Gut­ach­ten ist teu­er. Wol­len Sie das wirk­lich?“

Es spricht schon eine Men­ge dafür, dass Sie etwas bemerkt haben. Wir kön­nen auch ein Gut­ach­ten in Auf­trag geben. Ein Sach­ver­stän­di­ger kann zuver­läs­sig her­aus­fin­den, ob Sie den Unfall bemerkt haben. Aber so ein Gut­ach­ten ist teu­er. Wol­len Sie das wirk­lich?“

Rich­te­rin Bir­git Viel­ha­ber-Kart­haus zum Ange­klag­ten

Doch der 19-jäh­ri­ge Ange­klag­te blieb dabei: Er habe nichts vom Unfall bemerkt. Dar­auf warn­te die Rich­te­rin den jun­gen Ange­klag­ten, der ohne Rechts­bei­stand erschie­nen war, erneut:. „Wir könn­ten auch wei­te­re Fotos vom Sach­scha­den anfor­dern und uns näher anse­hen, wie lan­ge Sie genau zu schnell gefah­ren sind. Dann ist mög­li­cher­wei­se ihr Füh­rer­schein für 15 Mona­te weg. Den müss­ten Sie dann neu machen, aber vor­her erst Ihre Zuver­läs­sig­keit nach­wei­sen. Sie sind intel­li­gent genug, zu wis­sen, was das bedeu­tet.“

Offen­sicht­lich nicht, denn der Ange­klag­te besann sich noch immer nicht. Rich­te­rin Bir­git Viel­ha­ber-Kart­haus reich­te es dar­auf­hin. Sie ver­tag­te das Urteil und gab besag­tes Gut­ach­ten in Auf­trag, mit dem zwei­fels­frei geklärt wird, ob der Unfall vom Ange­klag­ten bemerkt wor­den sein muss. „Viel­leicht geht das Gut­ach­ten ja gut für Sie aus“, ver­ab­schie­de­te die Rich­ter den Ange­klag­ten. „Wenn nicht, legen Sie schon mal Geld zur Sei­te. Denn das Gut­ach­ten ist sicher teu­rer als 1.000 Euro.“

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visage

Dipl.-Journalist

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