Aydaco AG diskutiert Frage: „Was geht mich Europa an?“

Eileen O' Sulivan und Felix Hake, hier mit Lehrer Gebhard Brömmel (l.) gaben heute auf Einladung der Aydaco AG Antworten zur Frage "Was geht mich Europa an?". (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Eileen O' Sulivan und Felix Hake, hier mit Lehrer Gebhard Brömmel (l.) gaben heute auf Einladung der Aydaco AG  Antworten zur Frage "Was geht mich Europa an?". (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Eileen O‘ Sulivan und Felix Hake, hier mit Lehrer Gebhard Brömmel (l.) gaben heute auf Einladung der Aydaco AG Antworten zur Frage „Was geht mich Europa an?“. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

„Was geht mich Europa an?“ – unter dieser Fragestellung hatte die von Zuhrah Roshan-Appel geleitete Aydaco AG heute (1. April) eine Veranstaltung für alle Q2-Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums organisiert. Als Gastreferenten traten dabei Eileen O‘ Sulivan und Felix Hake, beide 23 Jahre alt und Studenten der Politikwissenschaften, auf.

Eileen O’Sulivan kandidiert bei den Europawahlen am 26. Mai auf Platz 4 der pro-europäische Bürgerbewegung und Kleinpartei VOLT für das EU-Parlament. Der Holzwickeder Felix Hake hat selbst das CSG besucht und studiert heute in Paris. Als Präsident des Deutsch-Französischen Jugendausschusses (DFJA) ist er genau wie die in Deutschland aufgewachsene und in Frankfurt lebende irische Staatsbürgerin Eileen O‘ Sulivan bekennender Europa-Fan.

Klare Antwort von Eileen O‘ Sulivan und Felix Hake

Eileen O’Sulivan verzichtete ganz bewusst darauf,  für die eigene Bewegung zu werben. Vielmehr erklärte die 23-Jährige mit deutlichen Worten, warum sie dazu gekommen ist, sich politisch für Europa zu engagieren: „Die Alt-Politiker verstehen einfach unsere Sprache nicht und tun auch nichts für die junge Generation“, findet die 23-Jährige. „Ich sah, dass niemand etwas für mich tut. Deshalb hatte ich das Gefühl, selbst etwas tun zu müssen.“  

Wobei Eileen O’Sulivan in ihrem Appell an die Schüler heute bewusst offen ließ, für wen oder was sie sich engagieren sollen –  solange es nur keine rechtspopulistische oder anti-europäische Politik oder Partei ist. „Hauptsache ihr werdet überhaupt aktiv für eure Interessen und geht am 26. Mai zur Wahl.“  Als negative Beispiele, was passiert, wenn sich die jüngeren Generationen nicht genügend einbringen, nannte die 23-Jährige das Brexit-Votum, das vermutlich bei einer höheren Beteiligung jüngerer Wahlberechtigter anders ausgefallen wäre sowie die gerade erst beschlossene Urheberrechtsreform mit ihren negativen Folgen für die Freiheit im Internet. Beide Entscheidungen seien über die Köpfe der jüngeren Wähler hinweg entschieden worden. „Wenn ihr Euch nicht genügend einmischt, dürft ihr Euch nicht wundern, wenn so etwas dabei herauskommt.“  

Felix Hake hat keine politische Agenda wie seine junge Kollegin. „Ich beschäftige mich im Rahmen meines Studiums der Europawissenschaften mit dem Thema.“  Wie seine junge Kollegin appellierte auch Felix Hake an die wahlberechtigten Jugendlichen,  „unbedingt zur Wahl am 26. Mai zu gehen“, um das gemeinsame Europa zu stärken. Was Hake, neben vielen weiteren Vorzügen, an einem geeinten Europa schätzt: „Wenn ich heute Abend in Dortmund in den Thalys steige, um über Brüssel nach Paris zurück zu fahren,  geht das über drei Grenzen und durch drei Hauptstädte mit verschiedenen Sprachen ohne jede Kontrolle.“ Was von vielen heute als selbstverständlich hingenommen wird, war vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen. „Ich finde auch, es hat sich bewährt, die Dinge gemeinsam zu lösen, anstatt einzeln und davon abhängig, welchen Pass jemand hat.“

Gegen Rechtspopulisten und Anti-Europäer


Europa ist genial und geil! Auch wenn längst nicht alles perfekt ist und noch eine Menge zu tun ist, lohnt es sich, dafür zu werben.“

Felix Hake

Keine Frage, Felix Hake findet: „Europa ist genial und geil! Auch wenn längst nicht alles perfekt ist und noch eine Menge zu tun ist, lohnt es sich, dafür zu werben.“

Und dem kann sich auch Eileen O‘ Sulivan anschließen, die eher spontan zu ihrer Kandidatur fürs EU-Parlament kam, wie sie erläutert:  „Ich habe einfach keine Kraft gesehen, die genügend gegen die AfD und die übrigen Rechtspopulisten schwimmt – auch bei der lauwarmen SPD und CDU/CSU nicht. Wenn aber niemand da ist, der es richtig macht und den ich unterstützen kann, dann muss ich es selbst tun. Was soll ich sonst in vielleicht 60 Jahren meinen Enkeln sagen, wenn die mich fragen, was ich getan habe, damals als Europa auseinandergeflogen ist?“

Schon einmal haben sich die Menschen nicht genug gewehrt haben gegen Diktatoren und Rechtspopulisten, mahnt O‘ Sulivan. „Von alleine gehen die auch heute nicht wieder weg.“

Dringender Appell zur Wahl am 26. Mai

Die Europawahl ist die einzige Möglichkeit, direkt mitzureden über das EU-Parlament, etwa bei der Frage der Uploadfilter im Internet. „Wer am 26. Mai nicht  wählen geht, darf sich hinterher auch nicht beschweren“, findet Felix Hake. Das EU-Parlament sei keineswegs unwichtig, wie behauptet wird. „Das EU-Parlament ist wichtig, weil es Entscheidungen verhindern kann, die einem nicht gefallen.“

„Es ist auch nicht selbstverständlich, wählen zu dürfen“, erinnert Eileen O’Sulivan. Sie kann überhaupt nicht verstehen, dass bei  der letzten Europawahl nur weniger als 25 Prozent aller unter 30-Jährigen gewählt haben: „Darum geht bitte alle wählen am 26. Mai, auch wenn ihr eine kleine Partei wählen wollt. In Deutschland gibt es schon ab ein Prozent einen Platz im EU-Parlament, also ist keine Stimme verschenkt.“

„Bei einer so geringen Wahlbeteiligung erscheint mir das EU-Parlament aber nicht sehr demokratisch“, findet ein Schüler und erntet Zustimmung bei den beiden Referenten. Allerdings: „Das Wahlsystem und auch das Parlament sind schon demokratisch“, meint Felix Hake. „Wir sollten es nur besser nutzen. Ein Argument mehr, wählen zu gehen.“

Eileen O’ Sulivan kann sich aber durchaus vorstellen, auch die Infrastruktur noch basisdemokratischer zu gestalten. Die Abschaffung der Roaming-Gebühren etwa gehe auf ein Bürgerbegehren mit einer Million Unterstützern zurück. „Daraufhin musste sich das EU-Parlament damit beschäftigen.“

Kritik an Demo-Verbot der Schulleitung

Den Appell älterer Generationen, dass sich die junge Generation in die Politik einmischen soll, findet ein anderer Schüler „scheinheilig“:  „Es heißt immer, dass es wichtig ist, dass die Jugend sich einmischt. Aber am Ende hört dann doch niemand auf uns Jugendliche, weil wir angeblich keine Ahnung haben.“

Oder nur die Schule schwänzen wollen: „Ich verstehe nicht,  warum wir nicht zu den aktuellen Protestkundgebungen gehen dürfen und uns dafür Fehlstunden angedroht werden“, spricht ein Schüler ganz konkret das von der Schulleitung des CSG ausgesprochene Demonstrationsverbot an.

„Wenn es euch wichtig ist, macht euch euch politisch aktiv!“

Eileen O‘ Sulivan

An diesem Punkt wurde die Veranstaltung heute beinahe subversiv:  „Es ist das Allerwichtigste, sich für etwas politisch zu engagieren. Dann müsste ihr auch die Konsequenzen tragen“, glaubt Eileen O‘ Sulivan. „Auch wenn mich Eure Lehrer dafür hassen werden, sage ich euch: Wenn ihr richtig viele seid, gibt’s auch keine Fehlstunden.“

Den erklärenden Hinweis von Lehrer Gebhard Brömmel, dass die Schule rein rechtlich kein schulfrei für Demonstrationen geben dürfe, bezeichneten die Referenten als „ein Paradebeispiel“ dafür, wie Jugendliche daran gehindert werden, ihre Interessen zu vertreten und etwas in ihrem Sinne zu verändern: „Sch… aufs Schwänzen. Wenn es euch wichtig ist, macht euch politisch aktiv“, appellierten sie an die Schüler.  

Aydaco, Europawahl


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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