Auf der Haupt- und Nordstraße hat die Gemeinde nichts zu melden

Der Verkehrsausschuss fordert ein generelles Fahrverbot für Lkw auf der Nordstraße. (Foto: Peter Gräber)

Im Ver­kehrs­aus­schuss wur­de heu­te noch ein­mal deut­lich: Lkw-Fahr­ver­bo­te oder Tem­po­be­gren­zun­gen für die Nord- und Haupt­stra­ße fal­len nicht in die Zustän­dig­keit der Gemein­de, die nur auf den Bau der Ost­um­ge­hung hof­fen kann.  (Foto: Peter Grä­ber)

Ein Lkw-Fahr­ver­bot und abschnitts­wei­se Geschwin­dig­keits­be­gren­zun­gen beschäf­ti­gen den Ver­kehrs­aus­schuss in Holzwicke­de schon seit mehr als 20 Jah­ren.  So stell­te etwa der dama­li­ge stell­ver­tre­ten­de Bür­ger­mei­ster der CDU, Gert Lohoff,  am 22. Juni 1995 den  Antrag, auf der Haupt­stra­ße (L 677( ein Durch­fahr­ver­bot für Lkw zu erlas­sen. Als dies nicht mög­lich war, wur­de schließ­lich der Bau der Ost­um­ge­hend (L 677n) beschlos­sen.

Heu­te (17. Juni), fast auf den Tag genau 20 Jah­re spä­ter, stan­den das Lkw.-Verbot und die Tem­po­be­gren­zun­gen auf der L 677 wie­der ein­mal auf der Tages­ord­nung eines Ver­kehrs­aus­schus­ses.  Das beweist zwei Din­ge: 1. Ist die Poli­tik in Holzwicke­de in die­ser Fra­ge in zwei Jahr­zehn­ten kei­nen Mil­li­me­ter wei­ter­ge­kom­men. 2. Ist die Situa­ti­on für die Bür­ger von Holzwicke­de noch immer unbe­frie­di­gend.

Vor 20 Jahren bereits Fahrverbot für Lkw abgelehnt

Günter Sparbrod, Leiter Fachbereich Straßenverkehr. (Foto: Kreis Unna)

Gün­ter Spar­brod, Lei­ter Fach­be­reich Stra­ßen­ver­kehr. (Foto: Kreis Unna)

Eine Lösung hat denn auch nie­mand im Ver­kehrs­aus­schuss heu­te erwar­tet. Viel­mehr ging es in der Sit­zung heu­te dar­um, so der Aus­schuss­vor­sit­zen­de Frank Laus­mann (CDU), noch ein­mal abzu­klop­fen, ob sich an der bekann­ten Situa­ti­on etwas geän­dert hat in all den Jah­ren. Wobei die bekann­te Situa­ti­on ist:  Bei der Haupt- bzw. Nord­stra­ße han­delt es sich um eine Land­stra­ße (L 677) und Haupt­ver­kehrs­stra­ße, auf der die Gemein­de, salopp gesagt, nichts zu mel­den hat.  Erst wenn die Ost­um­ge­hung rea­li­siert wor­den ist, besteht die Mög­lich­keit für die Gemein­de, die Haupt- und Nord­stra­ße umwid­men zu las­sen und anschlie­ßend dann Lkw-Ver­bo­te und Tem­po 30 zu erlas­sen.

Die­sen Sach­ver­halt hat das Stra­ßen­ver­kehrs­amt des Krei­ses Unna der Gemein­de mit allen Fak­ten erneut auch schrift­lich und in aller Aus­führ­lich­keit begrün­det.  Zu der Sit­zung des Ver­kehrs­aus­schus­ses rei­ste neben Harald Mei­bert, dem zustän­di­gen Mit­ar­bei­ter im Kreis­haus, auch der Lei­ter des Stra­ßen­ver­kehrs­am­tes, Gün­ter Spar­brod, an, um neben den nack­ten Fak­ten auch  eini­ge teils unan­ge­neh­me Wahr­hei­ten mit­zu­tei­len.

Stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­chen Anord­nun­gen für die L 677 fal­len nicht in die Pla­nungs­ho­heit der Gemein­de Holzwicke­de.“

Gün­ter Spar­brod, Lei­ter Stra­ßen­ver­kehrs­amt Kreis Unna

So sind Anträ­ge zur Sper­rung von Stra­ßen­ver­kehr, ins­be­son­de­re Schwer­last­ver­kehr, oder Tem­po­be­gren­zun­gen, All­tags­ge­schäft beim Kreis Unna. „Ziel sol­cher Anträ­ge sind immer die Sicher­heit zu erhö­hen oder den Lärm zu ver­rin­gern“, so Gün­ter Spar­brod. Ver­glei­che mit ande­ren Kom­mu­nen sei­en hier nicht hilf­reich, weil immer die kon­kre­te Situa­ti­on beur­teilt wer­den muss. Schließ­lich: „Stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­che Anord­nun­gen für die L 677, fal­len nicht in die Pla­nungs­ho­heit der Gemein­de“, erklärt Gün­ter Spar­brod.

Keine „besondere Gefahrenlage“ auf der L 677

Die Gemein­de kann daher nicht ein­fach ein Ver­bots­schild an der Haupt- oder Nord­stra­ße auf­stel­len las­sen, selbst wenn sie es woll­te. An Beschrän­kun­gen auf Haupt­ver­kehrs­stra­ßen mit min­de­stens regio­na­ler Bedeu­tung, wie es Land­stra­ßen nun mal sind, hat der Gesetz­ge­ber recht hohe Anfor­de­run­gen gestellt. So sind die­se nur bei einer „beson­de­ren Gefah­ren­la­ge“  oder eine „außer­or­dent­li­chen Ver­kehrs­si­tua­ti­on“ mög­lich. „Bei­des ist in Holzwicke­de auf der L 677 aller­dings nicht gege­ben“, betont Gün­ter Spar­brod.  Dar­um las­se sich die Pro­ble­ma­tik in Holzwicke­de  auch nicht mit dem Stra­ßen­ver­kehrs­recht lösen. Anwoh­ner mögen die Situa­ti­on mög­li­cher­wei­se anders sehen, aber das Stra­ßen­ver­kehrs­amt sei an die Fak­ten und das Gesetz gebun­den.

Gründe für die Ablehnung

Die Grün­de, war­um Lkw-Ver­bo­te oder wei­te­re Tem­po­be­gren­zun­gen auf der L 677 abge­lehnt wer­den müs­sen, sind:

  • Die L 677 (Haupt-und Nord­stra­ße) ist eine Land­stra­ße mit min­de­stens über­re­gio­na­ler Bedeu­tung.
  • Die gemes­se­nen Bela­stun­gen durch den Ver­kehr auf der L 677 lie­gen „abso­lut und auch pro­zen­tu­al an der unter­sten Gren­ze“. So wur­den bei der amt­li­chen Zäh­lung 2010 auf der Haupt­stra­ße werk­tags 10.443 Kfz/24 Std gezählt, davon 259 Schwer­last­ver­kehr-Fahr­zeu­ge. Auf der Nord­stra­ße wur­den 13.659 Kfz/24 Std. gezählt, davon 504 Schwer­last­ver­kehr-Fahr­zeu­ge. Ein Drit­tel des Schwer­last­ver­kehrs waren dabei gar kei­ne Lkw, son­dern Bus­ver­kehr.
  • Der Kreis und auch die Poli­zei lie­gen kei­ne Erkennt­nis­se dafür vor, dass es eine beson­de­re Gefah­ren­la­ge oder eine Viel­zahl von Unfäl­len auf der L 677 gebe.
  • Die berech­ne­ten Lärm­emis­sio­nen lie­gen unter den Grenz­wer­ten von 70 bzw. 72 dB(A) tags und 60 bzw. 62 dB (A) nachts.

Einige Maßnahmen wurden erfolgreich durchgeführt

Trotz­dem habe es in der Ver­gan­gen­heit bereits mehr­fach beschrän­ken­de Maß­nah­men für die Haupt- und Nord­stra­ße gege­ben wie Weg­wei­sun­gen in das Gewer­be­ge­biet, Beschil­de­run­gen, die Lkw von der Nord­stra­ße weg­füh­ren, Nacht­fahr­ver­bo­te für Lkw über 7,5 t Gesamt­ge­wicht, Teil­nah­me an einem Lkw-Navi-Pilot­pro­jekt. „Die­se Maß­nah­men haben nach­weis­lich auch schon Wir­kung gezeigt“,  erklärt Gün­ter Spar­brod. „Sie mögen nicht immer befrie­di­gend sein, aber so ist die Rechts­la­ge.“

Eine Chan­ce, recht­lich gegen die Ableh­nung vor­zu­ge­hen, hat die Gemein­de nach Ein­schät­zung der Kreis­ver­wal­tung und auch der eige­nen Ver­wal­tung wohl nicht: Denn die Pla­nungs­ho­heit oder das Recht auf Selbst­ver­wal­tung der Gemein­de wer­de durch die Ableh­nung von Beschrän­kun­gen für die L 677 gar nicht berührt. Immer­hin soll inzwi­schen auch ein ein­zel­ner Anlie­ger gegen die Ableh­nung eines von ihm bean­trag­ten Lkw-Fahr­ver­bo­tes recht­li­che Schrit­te ein­ge­lei­tet haben, wie es im Ver­kehrs­aus­schuss hieß.

Nach Rechts­la­ge haben die Anwoh­nern im Nor­den der Gemein­de aller­dings nur eine ein­zi­ge Chan­ce auf Ver­kehrs­be­ru­hi­gung: den Bau der Ost­um­ge­hung (L 677n).

Print Friendly, PDF & Email
visage

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.