Zäune sind keine Lösung, meinen die Teilnehmer des Arbeitskreises "Kinder und Jugend". Der überparteiliche Arbeitskreis aus jungen Menschen arbeitet an einem Konzept zu Jugendtreffs und der Vandalismusproblematik in der Gemeinde: vorübergehende Absperrmaßnahme am Schulzentrum. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Arbeitskreis „Kinder und Jugend“ erarbeitet Konzept zu Jugendtreffs und Vandalismusproblem

Zäune sind keine Lösung, meinen die Teilnehmer des Arbeitskreises "Kinder und Jugend". Der überparteiliche Arbeitskreis aus jungen Menschen arbeitet an einem Konzept zu Jugendtreffs und der Vandalismusproblematik in der Gemeinde: vorübergehende Absperrmaßnahme am Schulzentrum.  (Foto: P. Gräber – Emscherblog)
Soll keine Dauereinrichtung werden: die Umzäunung des Schulzentrums zur Verhinderung von Vandalismus. Stattdessen will die Verwaltung ein Konzept erarbeiten, wie der Problematik anders begegnet werden kann. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

In den zurückliegenden Wochen und Monaten hat es viele Diskussionen um Aufenthaltsorte von Kindern und Jugendlichen gegeben. Erinnert sei hier nur an den Vandalismus auf dem Schulhof und der anschließenden Ankündigung der Verwaltung, das Schulzentrum nach der Schule absperren zu wollen. Auf Anregung der SPD im Jugendausschuss hat sich nun schon zum zweiten Mal ein überparteilicher Arbeitskreis „Kinder und Jugend“ unter Federführung von Frederik Bald getroffen, Vorstandsmitglied des Ortsjugendrings, der als sachkundiger Bürger auch der SPD-Fraktion angehört.

Ein erstes Treffen der Initiative mit gut 20 Teilnehmern und anschließende Sondierungsgespräche hat es in den zurückliegenden Wochen bereits gegeben, wie Bald erklärt. „Aufgrund der Corona-Lage und den Schulferien gestalten sich Präsenztreffen in größeren Gruppen aktuell aber noch schwierig. Viel Kommunikation läuft auf dem digitalen Weg. Dennoch konnten zwei erste kleinere Präsenztermine möglich gemacht werden.“ An dem jüngsten Treffen am Dienstagabend (17.8.) in der Rausinger Halle nahmen etwa ein Dutzend zumeist junge Menschen aus unterschiedlichen Parteien ebenso wie parteilose teil.

Ziel und Forderung: junge Menschen einbinden

„Für den Austausch in einer solchen Arbeitsgruppe ist es wichtig, dass keine parteipolitischen Interessen im Vordergrund stehen und eine überparteiliche Diskussion stattfindet“, betont Frederik Bald. Erklärtes Ziel der Arbeitsgruppe sei es, neben Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch Nachwuchspolitiker sowie junge Menschen aus allen politischen Parteien in die Arbeit einzubinden. Aber auch auf bestehende Strukturen der Jugendeinrichtungen, wie beispielsweise den Treffpunkt Villa oder den Ortsjugendring, soll zurückgegriffen werden.

Was nun die Diskussion um die Aufenthaltsorte von Jugendlichen angeht, so erinnert Fredrik Bald daran, dass der neue Kinder- und Jugendförderplan diesbezüglich einen Schwerpunkt auf Plätze und Treffpunkte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene „ohne pädagogische Aufsicht“ setzt. Gerade junge Menschen bräuchten einen Ort im öffentlichen Raum, um sich im Nachmittags- oder Abendbereich zu treffen. Durch die sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie seien diese Bedürfnisse noch einmal verstärkt worden.

„Jugendliche suchen sich solche Treffpunkte eigenständig“, weiß Frederik Bald. Die zurückliegenden Monate haben jedoch gezeigt, dass es genau damit einige Probleme zu geben scheint. Immer wieder fühlen sich Anwohner beispielsweise am Marktplatz, im Emscherpark, am Festplatz oder am Hof Dudenroth durch Lautstärke oder Vermüllung gestört. „Diese Störungen müssen wir ernst nehmen“, fordert Bald. „Auf der anderen Seite müssen wir aber auch die Bedürfnisse junger Menschen in den Blick nehmen.“ Leider sei es aber ganz egal, wo sich Jugendliche träfen, überall werden sie „verscheucht“ – zuletzt durch die Umzäunung des Schulzentrum an der Opherdicker Straße. „Dabei ist es keineswegs so, dass es immer und überall, wo sich junge Leute treffen, Lärm, Müll oder sogar Vandalismus gibt“, erinnert das Vorstandsmitglied des Ortsjugendrings.

Interessenausgleich suchen

Den Lösungsvorschlag der Gemeindeverwaltung, das Schulzentrum zu umzäunen, lehnt der Arbeitskreis aus den genannten Gründen ab. „Gleichzeitig sehen wir aber auch den Vandalismus, auf den die Verwaltung aufmerksam gemacht hat“, räumt Bald ein und fordert. „Mit dieser Problematik muss verantwortungsbewusst umgegangen und ein Lösungsvorschlag erarbeitet werden.“

Daran will der Arbeitskreis weiter arbeiten. „Es muss eine Lösung geben, um sowohl die Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner als auch die der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen und diesen gerecht zu werden“, so Frederik Bald. „Zusätzlich müssen wir darauf hinarbeiten, der Entwicklung von stetig steigenden Fällen von Vandalismus, Sachbeschädigung und Gewalt nach dem Schulbetrieb vor allem am Schulzentrum entgegenzuwirken.“

Schwerpunktmäßig wurde im Arbeitskreis bisher an einer Bewertung von Örtlichkeiten gearbeitet, an denen sich Kinder und Jugendliche in Holzwickede im Nachmitttags- oder Abendbereich aufhalten. Auch über Verbesserungen und Alternativen wurde gesprochen. „Dabei wurde schon jetzt deutlich, dass es eigentlich keinen perfekten Ort für einen Jugendtreff in der Gemeindemitte gibt“, meint Bald. Neben einzelnen kleineren Verbesserungsvorschlägen kam aus dem Arbeitskreis aber auch ein konkreter Vorschlag für die Etablierung eines weiteren Treffpunkts für Kinder und Jugendliche:

Jugendtreff an Lünschermannsweg / Quellenstraße

„An der Einmündung Lünschermannsweg / Quellenstraße steht ein verriegelter Schacht, welcher schon jetzt vereinzelt als inoffizieller Treffpunkt von jungen Menschen genutzt wird. Leider ist dieser Ort in den zurückliegenden Jahren immer weiter zugewuchert. Hier könnte mit einfachen Mitteln, wie der Aufstellung von Sitzgelegenheiten oder zusätzlicher Beleuchtung, ein schöner Treffpunkt geschaffen werden, der zum einen noch recht zentral, aber auch ohne unmittelbare Wohnbebauung für Aufenthaltsqualität vor allem bei jungen Menschen sorgt.“

Daneben wurde auch die Vandalismusproblematik am Schulzentrum diskutiert und mit vielen kleineren Ideen und Maßnahmen an einem Konzept zur Reduzierung von Vandalismus gearbeitet, berichtet Bald. „Dieser Konzeptentwurf soll in den kommenden Wochen noch weiter ausgearbeitet und dann vorgestellt werden.“

Ohne vorgreifen zu wollen, verrät Frederik Bald schon einmal, dass das Konzept auf drei Ebenen ansetzt. Die Stichworte dazu sind Prävention (z.B. Kinder- und Jugendarbeit, Schulen, Eltern, Ortsjugendring), Intervention (z.B. Ordnungsamt, Polizei, Hausverwaltungen) und Kommunikation (regelmäßiger Austausch, Netzwerke). Es soll eine Kampagne ins Leben gerufen werden, die auf allen drei Ebenen ansetzt. „Ganz entscheidend ist aber bei dem Konzept, dass immer auch die Kinder und Jugendlichen eingebunden werden“, so Frederik Bald.

Weitere Interessenten der Arbeitsgruppe sind herzlich willkommen. Treffpunkt und Zeit des nächsten Treffens werden noch rechtzeitig öffentlich bekanntgegeben.


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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