Anbau Feuerwehrgerätehaus läuft aus dem Ruder: Schon über eine Mio. Euro Kosten

Das Baufeld für den Anbau am Feuerwehrgerätehaus ist in zwischen verdichtet. Doch die Baumaßnahme läuft zeitlich und kostenmäßig aus dem Ruder. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Das Bau­feld für den Anbau am Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus ist in zwi­schen ver­dichtet. Doch die Bau­maß­nahme läuft zeit­lich und kosten­mäßig aus dem Ruder. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Eigent­lich hatten die Frei­wil­lige Feu­er­wehr der Gemeinde ihr 125-jäh­riges Bestehen schon in diesem Früh­jahr am Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus an der Bahn­hof­straße feiern wollen. Doch daraus wurde nichts, weil sich der geplante Erwei­te­rungsbau ver­zö­gerte. Nun sieht es so aus, als ob die Feu­er­wehr auch näch­stes Jahr im Sommer ihr Jubi­läum feiern kann: Das Bau­vor­haben ver­zö­gert sich weiter. Vor allem aber laufen die Kosten aus dem Ruder: Statt der ange­peilten rd. 750.000 Euro Gesamt­ko­sten sollen sich die Kosten allein für den Erwei­te­rungsbau schon weit über eine Mil­lionen Euro belaufen.

Auf Nach­frage mauern der zustän­dige Fach­be­reichs­leiter Uwe Nett­len­busch: „Zu den aktu­ellen Kosten sage ich nichts, da die Politik noch nicht infor­miert ist.“ Dabei sind alle Auf­träge längst ver­geben.

Verwaltung lehnt Information zu Kosten ab

Dabei sind sich alle Frak­tionen grund­sätz­lich über die Not­wen­dig­keit der Erwei­te­rung und Moder­ni­sie­rung des Feu­er­wehr­stand­ortes an der Bahn­hof­straße einig: Es gibt keinen ordent­li­chen Schwarz-Weiß-Bereich im Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus Mitte. Die Dienst­klei­dung und Aus­rü­stung der Feu­er­wehr­leute hängt an der Rück­wand direkt im Aus­puff­mief der Feu­er­wehrahr­zeuge. Der Atem­schutz­keller genügt nicht den gesetz­li­chen Vor­schriften und für die Frauen im Löschzug 1 fehlen noch immer Kame­ra­dinnen im Löschzug gibt, fehlen noch immer getrennte Sani­tär­an­lagen. Um nur die gröb­sten Mängel zu nennen. Damit der in die Jahre gekom­mene Standort des Lösch­zuges 1 wieder modernen Stan­dards genügt, stellten die Frak­tionen nach ihren Haus­halts­be­ra­tungen im Herbst rd. 750.000 Euro bereit.

Bodenaustausch im Baufeld

Wich­tig­ster Bau­stein dafür ist der geplante Anbau im hin­teren Bereich des Feu­er­wehr­ge­rä­te­hauses, mit dem längst begonnen werden sollte: Erst ver­zö­gerte sich der dafür erfor­der­liche Abriss der ehe­ma­ligen Flücht­lings­un­ter­künfte. Dann stellte sich bei Pro­be­boh­rungen für das nötige Boden­gut­achten im Mai heraus, dass der quell­fä­hige Boden für einen Anbau unge­eignet ist. Prompt musste der quell­fä­hige Boden auf dem Bau­feld bis zu einer Tiefe von etwa 1,80 m aus­ge­kof­fert und mit einem Ersatz­boden auf­ge­füllt werden.

Wie der im Fach­be­reich Bauen für Hochbau zustän­dige Andreas Schröder dazu mit­teilt, ist das Bau­feld inzwi­schen mit nor­malem Schotter, der anschlie­ßend ver­dichtet wurde, auf­ge­füllt. „Auch die Druck­prü­fung ist erfolgt, so dass wir im Prinzip los­legen könnten.“ Aller­dings sei da eine wei­tere Schwie­rig­keit auf­ge­taucht, räumt Andreas Schröder ein: „Momentan herrscht Hoch­kon­junktur auf dem Bau und es ist trotz der langen Vor­lauf­zeit, die wir haben, äußerst schwierig ver­nünf­tige und wirt­schaft­liche Ange­bote zu bekommen. Letzt­end­lich haben wir aber den Auf­trag aber aus­ge­schrieben und ein Unter­nehmen gefunden. Diese Firma hat uns dann aber mit­ge­teilt, dass sie vor Mitte Oktober nicht mit den Arbeiten beginnen kann.“ 

Feuerwehr muss Jubiläumsfest auch nächstes Jahr verschieben

Als Kon­se­quenz daraus muss die Feu­er­wehr auch ihre geplanten Jubi­lä­ums­fest­lich­keiten im kom­menden Jahr ver­schieben. „Wir haben das auch mit der Feu­er­wehr bespro­chen. Die Feu­er­wehr war da sehr, sehr ent­ge­gen­kom­mend und hat ihren eigenen Zeit­plan noch einmal ange­passt“, sagt Andreas Schröder. „Mit Blick auf die Wirt­schaft­lich­keit haben wir uns jetzt darauf geeignet, den Bau­be­ginn für den 14. Oktober zu ter­mi­nieren. Auf diesen Termin sind jetzt auch alle Bau­zeit­pläne ange­passt worden.“ Die eigene Bau­ver­wal­tung der Gemeinde, der beauf­tragte Archi­tekt und die betei­ligten anderen Firmen hoffen nun, dass dieser Termin auch ein­ge­hakten werden kann und die Bau­maß­nahme end­lich beginnen kann, so Schröder weiter.

Auf die Bau­zeit und damit Fer­tig­stel­lung will sich Andreas Schröder noch nicht fest­legen: „Das hängt davon ab, was wir für einen Winter bekommen. Wir wollen aber im August näch­sten Jahres fertig werden und den Erwei­te­rungsbau dann nach den Ferien an die Feu­er­wehr über­geben.“

Nach der bis­he­rigen Ent­wick­lung sei klar, so Andreas Schröder auf Nach­frage, dass die ver­an­schlagten rd. 750.000 Euro Kosten nicht aus­rei­chen werden. Zu den näheren Kosten der Maß­nahme, für die es keine öffent­li­chen Zuschüsse gibt, ver­wies Andreas Schröder an seinen Fach­be­reichs­leiter.

Uwe Nett­len­busch will sich zu den tat­säch­li­chen Kosten des Erwei­te­rungs­baus nicht äußern, die inzwi­schen bei weit über eine Mil­lion Euro liegen sollen, wie ver­lautet. „Zunächst möchte ich die Politik nach der Som­mer­pause infor­mieren.“

Kommentar

Die Ver­ant­wort­li­chen im Rat­haus haben offen­sicht­lich nichts gelernt aus der Ver­gan­gen­heit: Da wird krampf­haft ver­sucht, die Kosten der Erwei­te­rung des Feu­er­wehr­ge­rä­te­hauses an der Bahn­hof­straße zu ver­heim­li­chen. Was sowieso nicht funk­tio­nieren wird. Denn spä­te­stens nach Fer­tig­stel­lung werden die echten Zahlen im Haus­halt öffent­lich.

Dass Fach­be­reichs­leiter Uwe Nett­len­busch „zuerst die Politik infor­mieren“ will, bevor er die Kosten der Bau­maß­nahme bezif­fern will, ist – freund­lich aus­ge­drückt – eine Schutz­be­haup­tung.

Denn die Politik weiß längst Bescheid. Schließ­lich sind die nötigen Auf­träge in der letzten Sit­zung des Pla­nungs- und Bau­aus­schusses vor den Ferien ver­geben worden. Oder ist die Ver­wal­tung etwa eigen­mächtig über die Köpfe der Politik hinweg noch wei­tere Ver­pflich­tungen ein­ge­gangen, von denen die Man­dats­träger noch gar nichts wissen?

Unab­hängig davon hat der Gesetz­geber es nicht in das Belieben einer Verwaltung/​Behörde gestellt, wann sie dar­über Aus­kunft geben muss, wie teuer eine Bau­maß­nahme wird, die von den Steu­er­zah­lern in einer Kom­mune bezahlt werden muss. Nicht umsonst ist diese Infor­ma­ti­ons­pflicht gesetz­lich vor­ge­schrieben.

Denn was dabei her­aus­kommt, wenn eine Ver­wal­tung nach eigenem Belieben infor­miert und ohne öffent­liche Kon­trolle Bau­pro­jekte rea­li­siert, haben die Bürger dieser Gemeinde schon mehr­fach erlebt: Zuletzt beim Bau des neuen Rat- und Bür­ger­hauses, das noch vor dem ersten Spa­ten­stich mehr als doppel so teuer geworden ist wie geplant.

Und nicht zu ver­gessen beim Bau der Caro­li­ne­brücke. Diese Bau­maß­nahme ist am Ende sogar mehr als dreimal so teuer geworden ist, wie ange­kün­digt. Warum und wieso hat am Ende nicht mal mehr den Bund der Steu­er­zahler inter­es­siert. 

von Peter Gräber

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