Albtraum-Baustelle auf Sölder Straße ist bald Geschichte

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Noch sind die Anwohner skeptisch: Doch die Pannen-Baustelle in der Sölder Straße soll Ende nächster Woche Geschichte sein. (Foto: Peter Gräber)

Gute Nachrichten für die gebeutelten Anwohner und alle mitbetroffenen Holzwickeder:  Die Pannen-Baustelle am Ende der Sölder Straße auf der Grenze zu Dortmund wird Ende nächste Woche Geschichte sein. Das bestätigte heute Stefan Petersmann, Leiter der zuständigen Wasserversorgung.

Einige Holzwickeder spotten bereits, dass der neue Großflughafen in Berlin wohl früher eröffnen, als die Baustelle in der Sölder Straße beendet sein wird. In besonderer Weise betroffen sind natürlich die Anwohner der Baustelle, die an das Ende der Baustelle erst glauben wollen, wenn es tatsächlich soweit ist.

„Als unmittelbar Betroffener  möchte ich auch in Abrede stellen, dass sich die Anwohner an die nunmehr seit mehr als vier Monaten dauernde Baustelle gewöhnt haben, so wie es der Tagespresse zu entnehmen war“, meldet sich jetzt Thomas Wolter, Ratsmitglied des Unabhängigen Bürgerblocks zu Wort. „Die täglichen Beeinträchtigungen durch Lärm, Schmutz und unzulängliche Bauarbeiten erzeugen vielmehr Unmut über diese Baumaßnahme.“

Lärm, Schmutz und Pannen sorgen für großen Unmut

Thomas Wolter erinnert noch einmal an die Pannen und Probleme der Baustelle: Bereits zu Beginn der Bauarbeiten sei festgestellt worden, dass Versorgungsleitungen nicht in den Bauunterlagen eingezeichnet waren. Dann sei durch einen Rohrbruch (wobei sich die Frage nach der Ursache oder dem Verursacher stellt) die Baustelle überflutet worden und mehrere Wochen zum Stillstand gekommen.

Fakt ist, dass der Gemeindeverwaltung bekannt gewesen sein dürfte, dass der Straßenzug  von einem erhöhten Grundwasserspiegel betroffen ist. Trotz dieser Tatsache hat man die Baumaßnahme blauäugig fortgesetzt.“

Thomas Wolter, Anwohner und Ratsmitglied (Bürgerblock)

„Fakt ist, dass der Gemeindeverwaltung bekannt gewesen sein dürfte, dass der Straßenzug  von einem erhöhten Grundwasserspiegel betroffen ist“, kritisiert Thomas Wolter. „Trotz dieser Tatsache hat man die Baumaßnahme blauäugig fortgesetzt.  Eine viel zu späte Grundwasserabsenkung hat sicher nicht zu einer beschleunigten Fortsetzung der Baumaßnahme beigetragen hat.“  Eine weitere Tatsache sei, dass das mit der Planung beauftragte Ingenieurbüro erst nach mehreren Monaten eine hoffentlich optimale Lösung gefunden habe. Und schließlich wurde am vergangenen Donnerstag bei unsachgemäßen Baggerarbeiten eine Gasleitung beschädigt, so  dass die Anwohner inzwischen nicht mehr an das prognostizierte Bauende glauben.

Nach all den Pleiten und Pannen fragt sich das Ratsmitglied Thomas Wolter auch: „Wieviel Mehrkosten sind entstanden und wer kommt dafür auf?“

Zumindest in dieser Hinsicht kann Stefan Petersmann, Leiter der zuständigen Wasserversorgung, die Bürger beruhigen: „Genau lässt sich das im Moment zwar noch nicht sagen, aber die Kosten werden sicher nicht explodieren.“  Für die Baustelle seien 60.000 Euro Kosten veranschlagt worden. „Diesen Betrag werden wir sicher nicht halten können“, räumt Petersmann ein. Denn wegen der Probleme beim Bau des neuen Schachtes in der Sölder Straße habe ein Statiker und ein zweites Bodengutachten zusätzlich angefordert  werden müssen und auch die Ingenieurleistungen haben sich verdoppelt. „Ich schätze die Mehrkosten auf etwa 15.000 Euro. Das war es dann aber auch schon.“

Geschätzte Mehrkosten von rund 15.000 Euro

Die Kosten seien seine geringste Sorge bei der Baustelle gewesen, gibt der Leiter der Wasserversorgung zu.  Stefan Petersmann hat „absolut Verständnis für die Anwohner“, die er auch insgesamt „viermal angeschrieben“ hat, um über die Problematik der Baustelle zu informieren. Doch inzwischen sind der Schacht endlich angelegt, alle Wasseranschlüsse dran und zwar ohne neuen Rohrbruch und auch die Wasserproben schon gezogen. „Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist der Schachtdeckel“, bestätigt Petersmann. Und auch ganz am Ende bleibt sich die Pannen-Baustelle noch treu. Der Deckel hätte eigentlich schon heute gelegt werden sollen. Doch der Hersteller konnte den Deckel nicht pünktlich liefern. Voraussichtlich kommt er nun morgen an. Wenn der Deckel gelegt ist, sollen bis spätestens Ende nächster Woche dann auch alle Wiederherstellungsarbeiten erledigt sein.

Als das Gutachten vorlag, haben wir ganz schnell gemerkt, dass die Sache mindestens zwei Hausnummern zu groß für uns ist. Deshalb haben wir einen externen Bodengutachter und ein Ingenieurbüro mit ins Boot geholt“

Stefan Petersmann, Leiter der Wasserversorgung der Gemeinde Holzwickede

Auch für Stefan Petersmann geht damit ein Albtraum zu Ende: „Wir wissen ja selbst, dass da Einiges schief gelaufen ist bei dieser Baustelle. Jeder kennt das doch: Wenn eine Sache mal nicht richtig läuft, dann geht plötzlich immer mehr schief.“  Bereits im März 2014 habe die Wasserversorgung mit den Vorplanungen der Baustelle begonnen. Im April 2014 habe er dann das erste Bodengutachten in Auftrag gegeben. „Als das Gutachten vorlag, haben wir ganz schnell gemerkt, dass die Sache mindestens zwei Hausnummern zu groß für uns ist. Deshalb haben wir einen externen Bodengutachter und ein Ingenieurbüro mit ins Boot geholt“, sagt Petersmann.

Im März 2015 wurde dann mit den Bauarbeiten für den neuen Schacht beginnen. Durch einen Rohrbruch sei daraufhin der Boden ganz schwammig und „verstört“ worden, wie es in einem eilends in Auftrag  gegebenen weiteren Bodengutachten hieß. Zusätzlich musste ein Statiker hinzugezogen werden. Schließlich gelang es, den Grundwasserspiegel abzusenken und den Schacht zu bauen. Dieser ruht nun auf mehreren Säulen, die mit einer Länge von 7 Metern auf Felsboden verankert sind. Das war sozusagen die letzte Patrone im Lauf der Experten. Zwischenzeitlich war sogar mal die Rede davon, dass die ganze Baustelle aufgegeben werden muss.

Baustelle, Wasserversorgung


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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