Akt der Verzweiflung: Ausschuss beantragt generelles Lkw-Verbot auf Nord- und Hauptstraße

Der Kreis hat im August des Jahres fast 14.000 Fahrzeuge pro Tag auf der Nordstraße gezählt. Jetzt fordert der Verkehrsausschuss ein generelles Fahrverbot für Lkw. (Foto: Peter Gräber)

Der Kreis hat im August des Jah­res fast 14.000 Fahr­zeu­ge pro Tag auf der Nord­stra­ße gezählt. Jetzt for­dert der Ver­kehrs­aus­schuss ein gene­rel­les Fahr­ver­bot für Lkw. (Foto: Peter Grä­ber)

Der Ver­kehrs­aus­schuss hat sich in sei­ner Sit­zung am Mitt­woch (22.1.) ein­stim­mig für ein gene­rel­les Fahr­ver­bot für Lkw auf der Nord- und Haupt­stra­ße (L 677) zwi­schen der Auto­bahn­auf­fahrt und der Mas­se­ner Stra­ße aus­ge­spro­chen. Die Kreis­ver­wal­tung wur­de beauf­tragt, einen ent­spre­chen­den Antrag bei der Bezirks­re­gie­rung bzw. dem Lan­des­amt Stra­ßen NRW zu stellen.Der Haken: Der Antrag hat kei­ne Aus­sicht auf Erfolg.

Er wur­de von SPD-Spre­cher Die­ter Lin­ke gestellt, um die Dis­kus­si­on im Ver­kehrs­aus­schuss gestern zu die­sem The­ma abzu­wür­gen. Ein­stim­mig ange­nom­men wur­de der Antrag, weil sich kein Aus­schuss­mit­glied nach­sa­gen las­sen woll­te, an den Zustän­den auf der Nord- und Haupt­stra­ße nichts ändern zu wol­len. „Wir ver­spre­chen uns kei­nen Erfolg davon“, gab Aus­schuss­vor­sit­zen­der Frank Laus­mann (CDU) offen zu.

Gene­rel­les Lkw-Ver­bot gilt auch für Möbel­wa­gen, Bus und Müll­ab­fuhr

Dabei soll­ten die leid­ge­prüf­ten Anwoh­ner froh sein, wenn der Antrag abge­lehnt wird. Denn ein gene­rel­les Lkw-Fahr­ver­bot wür­de bedeu­ten, dass auch kein Möbel­wa­gen, kein Bus, ja nicht ein­mal die Müll­ab­fuhr mehr die Nord- und Haupt­stra­ße befah­ren dürf­te. Dies hat­ten zuvor Micha­el Arnold und Tho­mas Brötz­mann vom Kreis Unna  (Ver­kehrs­si­che­rung) deut­lich gemacht. Zwar kön­ne man ein gene­rel­les Fahr­ver­bot für Anlie­ger teil­wei­se auf­he­ben. Doch sei­en Fahr­ver­bo­te dann erfah­rungs­ge­mäß so gut wie gar nicht mehr durch­zu­set­zen und wir­kungs­los.

Ange­sto­ßen hat­te die neu­er­li­che Dis­kus­si­on die FDP mit ihrem Antrag zu einem Lkw-Fahr­ver­bot und Tem­po 30 auf der L 677. Bei­des war zwar schon im vor­her­ge­hen­den Ver­kehrs­aus­schuss mit Hin­weis auf Ver­kehrs­mes­sun­gen des Krei­ses Unna und ein geplan­tes Ver­kehrs­kon­zept abge­lehnt wor­den. Doch lagen dem Beschluss fal­sche Daten zugrun­de.  Der Ver­tre­ter des Krei­ses Unna, Micha­el Arnold,  räum­te gestern ein, dass tat­säch­lich eini­ge Daten ver­wech­selt wur­den und nann­te die in zwei nach­träg­li­chen Mes­sun­gen erho­be­nen kor­rek­ten Daten.

Fast 14 000 Fahr­zeu­ge täg­lich auf der Nord­stra­ße

Danach wur­den vom 20. bis 26. August 2014 auf der L 677 in Höhe Ein­mün­dung Fried­rich­stra­ße ins­ge­samt 68 577 Fahr­zeu­ge gemes­sen. Die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit lag bei 40 km/h und „war damit eben­falls unauf­fäl­lig“, so Micha­el Arnold. Die Gesamt­zahl pro Tag lag bei 13 000 Fahr­zeu­gen. „Kei­ne Spit­zen­be­la­stung, aber doch schon recht ordent­lich“, befand Arnold.

Bei einer zwei­ten Mes­sung vom 27. August bis 4. Sep­tem­ber 2014 wur­de vor dem Haus Nord­stra­ße 53 gemes­sen. Hier waren es 13 800 Fahr­zeu­ge am Tag – ins­ge­samt 105.000 Fahr­zeu­ge in dem recht lan­gen Mess­zeit­raum. Hier lag das Durch­schnitts­tem­po mit 47,6 km/h etwas höher. Als Spit­zen­wert wur­de z99 km/h gemes­sen. „Das könn­te aller­dings auch ein Ret­tungs­wa­gen gewe­sen sein“, gab der Kreis­ver­tre­ter zu beden­ken.

Fak­tisch haben wir ja schon ein Fahr­ver­bot für Lkw auf der Nord­stra­ße in Rich­tung Flug­ha­fen“

Micha­el Arnold (Ver­kehrs­si­che­rung beim Kreis Unna)

Bemer­kens­wer­ter als die unauf­fäl­li­gen Tem­po­mes­sun­gen sind aller­dings die­se Zah­len: In sie­ben Tagen wur­den 2.770 Lkw auf der Nord­stra­ße in Fahrt­rich­tung Flug­ha­fen gezählt, in umge­kehr­ter Rich­tung waren es nur 1.500 Lkw.  „Wie kann das sein?“, frag­te der Kreis­ver­tre­ter in die Run­de. „Denn fak­tisch haben wir ja schon ein Fahr­ver­bot für Lkw auf der Nord­stra­ße in Rich­tung Flug­ha­fen.“ Schließ­lich dür­fen Lkw von der Steh­fen­stra­ße nicht auf die Nord­stra­ße Rich­tung Flug­ha­fen abbie­gen. Folg­lich bie­gen vie­le „Brum­mis“ ver­bots­wid­rig auf die Nord­stra­ße ein.  Auch Marie-Lui­se Wehlack (FDP) bekräf­tig­te die­sen Ein­druck aus eige­ner Anschau­ung. Sie berich­te­te von Lkw, die regel­mä­ßig aus den Wie­der­holt-Wer­ken trotz Ver­bots über die Rausin­ger- und Nord­stra­ße abfah­ren. For­de­run­gen, dass abzu­stel­len, schei­nen aber nicht so ein­fach rea­li­sier­bar zu sein.

Lkw-Fahr­ver­bo­te wer­den nicht beach­tet

So wun­der­te sich auch Aus­schuss­vor­sit­zen­der Frank Laus­mann (CDU), dass eigent­lich alle not­wen­di­gen Fahr­ver­bo­te und Ein­schrän­kun­gen für Lkw auf der Nord­stra­ße schon im Jahr 2004 erfolgt sind. „Nur lei­der hält sich kei­ner dar­an ohne aus­rei­chen­de Kon­trol­len.“ Dass Ver­bo­te allein nichts bewir­ken, mach­te Micha­el Arnold am Bei­spiel des Fahr­ver­bo­tes für Lkw deut­lich, das ab 22 Uhr auf der B 1/A 44  gilt. An der Auf­fahrt Flug­ha­fen Holzwicke­de wur­den in einer Nacht wäh­rend der Herbst­fe­ri­en im Okto­ber 104 (!) Lkw gezählt, die alle das Fahr­ver­bot igno­riert hat­ten.

Wir krie­gen hier nie eine Lösung hin, solan­ge sich Men­schen nicht an Regeln hal­ten“, schwan­te Man­fred Maty­sik (SPD). Vor allem aber nüt­zen Ver­bo­te nichts, wenn es an den Kon­trol­len fehlt, waren sich alle einig. Micha­el Arnold mach­te dem Aus­schuss aller­dings wenig Hoff­nung, dass die Poli­zei zu ver­stärk­ten Kon­trol­len auf der Nord­stra­ße bereit sei. „Wenn ein Lkw-Fah­rer falsch abbiegt, kostet das zehn Euro. Da loh­nen sich umfang­rei­che Kon­trol­len für die Poli­zei nicht.“  Immer­hin: Die wäh­rend der bei­den Mes­sun­gen des Krei­ses auf­ge­fal­le­nen Lkw-Fah­rer wur­den mit einem Buß­geld bedacht.

Gemein­de für Nord- und Haupt­stra­ße nicht zustän­dig

FDP-Spre­che­rin Gise­la Lud­wig dräng­te den­noch auf einen Beschluss und bean­trag­te „eine befri­ste­te Test­pha­se mit gene­rel­lem Fahr­ver­bot für Lkw und Tem­po 30 auf der Nord- und Haupt­stra­ße.“  Die Kreis­ver­tre­ter wie­sen jedoch dar­auf hin, dass die Gemein­de so etwas gar nicht beschlie­ßen kön­ne, da sie nicht zustän­dig für die Nord- und Haupt­stra­ße (L 677) sei. Noch deut­li­che­re Wor­te fand Bür­ger­mei­ster Jenz Rother: „Wir kön­nen hier beschlie­ßen, was wir wol­len. Das Lan­des­amt Stra­ßen NRW ent­schei­det ohne­hin ganz allein.“

Vor die­sem Hin­ter­grund dürf­te das gestern trotz­dem beschlos­se­ne gene­rel­le Fahr­ver­bot für Lkw auf der Nord- und Haupt­stra­ße als rei­ner Akt der Ver­zweif­lung zu wer­ten sein. Wei­ter­hel­fen könn­te den Anlie­gern dage­gen bes­se­re Kon­trol­len der bereits bestehen­den Ver­bo­te für Lkw im Nor­den der Gemein­de. „Unser Appell an Kreis und Poli­zei ist es des­halb,   alle recht­li­chen Mög­lich­kei­ten aus­zu­schöp­fen, um die­se Ver­bo­te auch durch­zu­set­zen“, been­de­te Aus­schuss­vor­sit­zen­der Frank Laus­mann den Tages­ord­nungs­punkt.

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visage

Dipl.-Journalist

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