Abzocke von Senioren: Dubiose Handwerker berechnen 5.300 Euro für Reparatur von Hauskanal

Der Holzwickeder Seniorenbeirat warnt vor betrügerischen Handwerkern und Firmen, die es insbesondere auf ältere Menschen abgesehen. Nur durch einen Zufall konnte der Seniorenbeirat kurz vor Weihnachten verhindern, dass das ältere Ehepaar G. aus Holzwickede – beide sind über 80 Jahre alt – eine Rechnung von rd. 5.300 Euro für nicht erbrachte oder völlig überteuerte Leistungen an ein dubioses Unternehmen überwiesen hat.

Bezahlt hat das ältere Ehepaar das Geld nur deshalb nicht an das Unternehmen, weil es ein Problem bei der Überweisung online gab und Herr G. sich an den Vorsitzenden des Seniorenbeirates wandte, zu dem ein vertrauensvolles Verhältnis besteht. „Ich kennen das Ehepaar G. schon seit vielen Jahren und helfe ihnen gerne, wenn es ein Problem gibt“, sagt Frank Brockbals. „Als ich diese hohe Rechnung sah, bin ich sofort misstrauisch geworden, weil ich das Haus der beiden gut kenne und ich habe genauer nachgefragt.“

Seniorenbeiratsvorsitzender verhindert Überweisung

G. habe ihm daraufhin berichtet, wie Anfang Dezember ein Mann mit einem Pkw BMW vor ihr Haus an der Massener Straße vorgefahren sei, geklingelt und sich vorgestellt habe. „Herr G. hat mir erzählt, dass der Mann alle Wasserrohre in seinem Keller überprüfen wollte“, berichtet Brockbals. „Angeblich sei auch er schon in allen Nachbarhäusern gewesen“, habe der Fremde erklärt.  

Ohne misstrauisch zu werden, ließ G. den angeblichen Handwerker in den Keller seines Hauses, worin dieser auch verschwand. Nach zehn Minuten tauchte der Mann wieder auf und legte G. einige Fotos vor. „Auf den Bildern waren angeblich die Wasser- und Kanalrohre im Keller des Hauses zu sehen, die dringend sanierungsbedürftig seien.“  

Der Fremde machte G. sofort einen Kostenvoranschlag über 160 Euro und vereinbarte für den anderen Tag einen Reparaturtermin. „Am nächsten Tag rückten dann zwei angebliche Mitarbeiter von ihm an und verschwanden für drei Stunden im Keller“, berichtet Brockbals. „Was genau sie da im Keller gemacht haben, weiß G. nicht genau, weil er nicht mit in den Keller gegangen ist“, so der Vorsitzende des Seniorenbeirates. „Wie sich hinterher zeigte, haben die angeblichen Handwerker aber wohl nichts anderes getan, als nur die Überlaufgrube im Keller mit einem Sack Zement zuzuschütten. Jetzt muss Herr G. auch noch eine Firma kommen lassen, um die Überlaufrohre in seinem Keller wieder frei zu machen.“  

Für die beiden Besuche im Haus von G. ließ die Firma noch selben Tag zwei Rechnungen in Höhe von 863,04 Euro sowie 4.437 Euro da – „fällig zum 19.12.2020 zahlbar per Überweisung“.

Die Leistungen, die abgerechnet wurden, können nach Aussage des Seniorenbeiratsvorsitzenden gar nicht alle erbracht worden sein: „Ich habe die Rechnungen einem Fachmann gezeigt, der auch die Örtlichkeiten hier im Haus kennt“, sagt Brockbals. „So sollen die Kanalrohre ja angeblich auch vor der Reparatur mit einer Kamera abgefahren worden sein. Doch das sei technisch gar nicht möglich.“

Strafanzeige erstattet und Anwalt eingeschaltet

Der Vorsitzende des Seniorenbeirates nahm auch Kontakt zu der Firma im Rheinland auf, die mit Logo und Briefkopf auf der Rechnung angegeben ist. „Dort kennt man die Rechnung angeblich nicht und weiß auch nichts von diesem Auftrag“, berichtet Brockbals. Auf sein Anraten schaltete das Ehepaar G. die Polizei ein und erstattete Anzeige. Auch Kontakt zu einem Anwalt nahmen die Senioren inzwischen auf.

„Das ist doch zumindest Wucher“, schimpft der Vorsitzende des Seniorenbeirates, der sich darüber ärgert, dass hier wieder einmal gutgläubige Senioren übers Ohr gehauen werden sollten.

„Wie sich hinterher zeigte, haben die angeblichen Handwerker aber wohl nichts anderes getan, als nur die Überlaufgrube im Keller mit einem Sack Zement zuzuschütten.“

Frank Brockbals

Bernd Pentrop, Sprecher der Kreispolizei Unna, bestätigt den Eingang der Strafanzeige. „Es besteht der Verdacht, dass es sich hier um eine Form des Betrugs handelt.“ Konkrete Einzelheiten kann der Polizeisprecher aber noch nicht nennen. „Die Ermittlungen laufen noch.“ 

Dass dubiose Handwerker und Firmen in betrügerischer Absicht Leistungen anbieten, die nicht erbracht oder völlig überteuert abgerechnet werden, ist leider nicht neu für die Polizei. Als präventive Maßnahme gegen solche Praktiken empfiehlt der Polizeisprecher: „Am besten ist es immer, wenn es eine persönliche Empfehlung gibt für Firmen, die schon für andere gut gearbeitet haben.“ Ansonsten gilt auch hier, so der Polizeisprecher: „Wenn einem etwas merkwürdig vorkommt – lieber einmal mehr als zu wenig die Polizei anrufen. Dafür sind wir da.“ Und natürlich sollte man auch keine Fremden ins Haus lassen, schon gar nicht unbeaufsichtigt.

Bürgertelefon Seniorenbeirat

  • Auch der Seniorenbeirat hat neuerdings für Rückfragen und Informationen ein Bürgertelefon eingerichtet: Unter Tel. 0174 61 86 377 ist Frank Brockbals jeden Montag und Mittwoch von 9 bis 10.30 Uhr erreichbar.

Handwerker, Seniorenbeirat


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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