Das Redaktionsteam für die Jubiläumsschrift, von li.: René Winkler, Hildegard Busemann, Frank Lausmann, Willy Dorna, Angelika Hartjenstein (freie Redakteurin) und Frank Markowski. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

75 Jahre CDU Holzwickede: Journal zum Parteijubiläum als kleines Trostpflaster für ausgefallene Feierlichkeiten

Das Redaktionsteam für die Jubiläumsschrift, von li.: René Winkler, Hildegard Busemann, Frank Lausmann, Willy Dorna, Angelika Hartjenstein (freie Redakteurin) und Frank Markowski. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Das Redaktionsteam für die Jubiläumsschrift, von li.: René Winkler, Hildegard Busemann, Frank Lausmann, Willy Dorna, Angelika Hartjenstein (freie Redakteurin) und Frank Markowski. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Der CDU Gemeindeverband Holzwickede ist am 7. März diesen Jahres 75 Jahre alt geworden. Gerne hätte der Vorstand dieses Jubiläum mit einer besonderen Veranstaltung gefeiert. Doch ein große öffentliche Feierlichkeit, wie das Sommerfest zum 50-jährigen, ließ die Corona-Pandemie nicht zu. Stattdessen hat sich der Vorstand entschieden, an die ereignisreiche und lebendige Parteigeschichte mit einem Jubiläumsjournal zu erinnern. Das 100 Seite starke Journal lim DIN A 5-Format liegt jetzt in einer Auflage von 1.000 Stück vor. „Und wir sind wirklich mächtig stolz darauf“, wie Parteichef Frank Lausmann sagt.

Erstellt hat das Journal, das ganz bewusst ohne Werbung finanziert worden ist, in vielen Stunden intensiver Kleinarbeit und Recherche im Parteiarchiv ein siebenköpfiges Redaktionsteam, zu dem neben Lausmann auch noch Hildegard Busemann, Willy Dorna, Frank Markowski, René Winkler sowie die freie Redakteurin Angelika Hartjenstein. In der Mitgliederversammlung nächste Woche (9. September) soll es als Überraschung an die Mitglieder verteilt werden.

Keine Chronik: unterhaltsamer Überblick

„Wir haben uns ganz bewusst dagegen entschieden, das Werk eine Partei-Chronik zu nennen“, erklärt Willy Dorna bei der Vorstellung des Partei-Journals in dieser Woche. „Denn eine Chronik ist es nicht, weil wir die Parteigeschichte nicht vollständig dokumentieren. Das hätten wir gar nicht leisten können“, ergänzt Frank Lausmann.  

Stattdessen findet sich in der Jubiläumsschrift nun ein informativ-unterhaltsamer Überblick über mehr als sieben Jahrzehnte christdemokratische Ortspolitik. Zahlreiche Anekdoten und Dönekes werden jedoch nicht wiedergeben, vielmehr lassen die Protagonisten in persönlichen Erzählungen die Parteigeschichte lebendig werden.

Vorangestellt sind der Jubiläumsschrift gleich mehrere Grußworte, darunter auch eines von Armin Laschet, des Vorsitzenden der CDU Deutschland und NRW-Ministerpräsidenten, und der Stellvertretenden Landesvorsitzenden und NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ina Scharrenbach.

Den Text über die Geburtsstunde der CDU Holzwickede, die immerhin neun Monate eher als die Bundespartei gegründet wurde, hat Hildegard Busemann verfasst. In dieser Gründungsversammlung am 7. März 1946, einem Donnerstag, übernahmen Karl Tillmann als 1. Vorsitzender und Theodor Rieke als 2. Vorsitzender die Führung des provisorischen Vorstandes bis zur ersten Wahl. Als Kassierer assistierten ihnen Wilhelm Berenberg und Ernst Gerkrath (Schriftführer) sowie Friedrich Kortmann und Theodor Streffing (Beisitzer).

Die Bezeichnung CDU war übrigens ganz bewusst gewählt, da man sich als Vereinigung aller christlichen Parteien, eben als „Union“, darstellen wollte – in Abgrenzung zur Deutschen Zentrumspartie, die nur katholische Christen als Parteimitglieder aufnahm und bei Machtergreifung der Nazis 1933 verboten worden war.

Gründungsversammlung ein „Herrenclub“

Die erste öffentliche Parteikundgebung der neuen CDU Ortsgruppe Holzwickede fand am 24. März 1946 im Saal Herkelmann, dem heutigen Bambusgarten, statt. Es erschienen 70 Mitglieder, darunter auch der damalige Dechant und Pfarrer Alois Gemmeke. Das Treffen war ein echter „Herrenclub“, denn unter den 70 Mitgliedern waren gerade einmal drei Frauen.

Ein halbes Jahr später, am 15. September 1946, fand erstmals eine Kommunalwahl statt. Überraschend holte die CDU dabei mehr Stimmen als SPD und KPD zusammen. Trotzdem gab es am Ende ein Stimmenpatt zwischen CDU und SPD, woraufhin die Macht geteilt wurde: Die CDU stellte nach dem vorhergehenden kommissarischen Amtsinhaber Erwin Heller in Theodor Rieke für zwei Jahre den ersten Bürgermeister Holzwickedes. In den darauf folgenden zwei Jahren hieß der Bürgermeister Erwin Heller.

Ein Jahr später wurde Holzwickede in CDU-Bezirke aufgeteilt, um die Bürgernähe zu vertiefen. Ein weiteres Jahr später erfolgte dann die Besetzung der einzelnen Wahlbezirke. Entwickelten sich die Mitgliederzahlen der CDU anfangs sehr gut, sah das Anfang der 50er Jahre anders aus: Von den zu Spitzenzeiten über 200 Mitglieder waren im April 1951 nur noch die Hälfte übrig geblieben. Doch die Aktiven ließen sich davon nicht abschrecken und engagierten sich auf lokaler Ebene unbeirrt weiter. Nach den Kommunalwahlen war die CDU auch weiter im Gemeinderat vertreten.

Rückenwind erhielten die Holzwickeder Christdemokraten durch die Erfolge der Bundes-CDU unter ihrem Kanzler Konrad Adenauer, die 1957 schließlich die absolute Mehrheit im Bundestag erreichen konnte.

Politische Arbeit nicht ohne Geselligjkeit

Die CDU-Fraktion Holzwickede Anfang der 1970er-Jahre. (Foto: CDU Archiv)
Die CDU-Fraktion Holzwickede Anfang der 1970er-Jahre. (Foto: CDU Archiv)

Die bis dahin zwölf Wahlbezirke in Holzwickede erhielten 1968 Zuwachs durch die kommunale Gebietsreform und den Zusammenschluss von Holzwickede mit Opherdicke und Hengsen zur Großgemeinde Holzwickede. In die weitere Entwicklung der Gemeinde brachten sich die CDU-Vertreter ein: in die Erschließung der Gemeindemitte, die Bereitstellung der finanziellen Mittel für Tennisplätze oder auch bei der Durchsetzung der maximalen Bauhöhen in der Gemeinde.  Bereits Ende der 1947 vom späteren Kreistagstagsmitglied Erich Brune erstmals angeregt, wurde Anfang der 70er-Jahre auch die Gründung der Junge Union ernsthaft angegangen. Bis 1990 führt Timon Becker die Junge Union, dessen Vorsitz anschließend Frank Lausmann, der heutige Parteivorsitzende, übernahm.

Im Laufe der Jahre baute die Holzwickeder CDU ihre kommunalpolitische Arbeit weiter aus. Die Fraktion beschäftigte sich mit der Flugplatzfrage, diskutierte über ein Bürgerhaus, engagierte sich beim Ausbau des Friedhofes ebenso wie beim Bau des Feuerwehrgerätehauses in Opherdicke.

In den 80er-Jahren veröffentlichte die CDU einen ausführlichen Aufgabenkatalog. In enger Zusammenarbeit mit der Jugend, den Senioren und der neuen Frauen Union erarbeitete die Partei ein umfangreiches Sachprogramm für die kommenden Jahre. Aktuelle politische Themen waren damals die Einrichtung der Seniorenbegegnungsstätte, der juristische Streit um das Regenrückhaltebecken in der Gemeindemitte, die Verkehrsführung, Freizeitangebote, Mittelstandspolitik und der Umweltschutz.

Neben solcher politischen Arbeit gehörte bei der CDU aber stets auch das gesellige Vergnügen dazu: Es gab regelmäßige politische Stammtische, die CDU organisierte verschiedenste Aktionen im Bereich Freizeit, Sport und Umwelt, veranstaltete Fahrten und Feste für die Bürger und konnte 1974 dann auch eine eigene „Parteizentrale“ verwirklichen. Vor der Kommunalwahl 1989 wurden beim „Stiefelspaziergang“ durch Hengsen und Opherdicke unter Leitung von Heinrich Richwinn Umweltschutzmaßnahmen diskutiert und bei einem Jazz-Frühschoppen in der Scheune am Haus Opherdicke trafen 150 Personen einfach nur zum Feiern mit der CDU.

Rolf Kersting und Max Strauß als Wahlhelfer in der DDR

Parteiprominenz in Holzwickede, von li.: Walter Knoche mit Kurt Biedenkopf, dem später Ministerpräsident von Sachsen, Richard Heinzel und Berthold Zumbusch. (Foto: CDU Archiv)
Parteiprominenz in Holzwickede, von li.: Walter Knoche mit Kurt Biedenkopf, dem später Ministerpräsident von Sachsen, Richard Heinzel und Berthold Zumbusch. (Foto: CDU Archiv)

Bei der Kommunalwahl 1989 zog dann erstmals der Unabhängige Bürgerblock in den Rat ein und mit den Grünen kam eine fünfte Partei hinzu. Die CDU sah sich durch ihren Stimmenanteil als zweitgrößte Fraktion in ihrer Politik bestätigt und hielt Kurs. Allerdings: „Der Anspruch, die Bürger mitzunehmen, wurde zu einer neuen Herausforderung“, heißt es in der Jubiläumsschrift dazu.

Es war die Zeit des Umbruchs und der Deutschen Einheit. In dieser Zeit suchten viele westdeutsche Kommunen nach Städtepartnerschaften, so auch Holzwickede. Zur Auswahl standen Bad Düben, Colditz, Leisnig und Zschorlau in der damaligen DDR. Im Vorfeld der Volkskammerwahl im März 1990 hatte die CDU Zschorlau den späteren langjährigen Fraktionsvorsitzenden Rolf Kersting mit einer kleinen Delegation aus Holzwickede sowie die DSU Max Strauß, den Sohn von Franz-Josef, Strauß als Gastredner der CSU München eingeladen. Max Strauß warb um die Stimmen für die CDU, Strauß warb um die Stimmen für die DSU. Tausende von Kundgebungsteilnehmern brachen in frenetischen Jubel und Applaus aus, als Rolf Kersting „um Gottes Segen für Zschorlau, für Sachsen und unser geeintes Vaterland“ bat.

Die CDU holte in Zschorlau am Sonntag darauf fast 90 Prozent der Stimmen und hält auch heute noch immer ca. 75 Prozent der Sitze und stellt den Bürgermeister. Noch heute ist die CDU Holzwickede besonders stolz darauf, dass der Auftritt ihres Vertreters einen solch grandiosen Wahlerfolg hatte.

Zu Zschorlau im West-Erzgebirge entwickelte sich eine herzliche Freundschaft. Der Holzwickeder Gemeinderat entschloss sich aber letztlich, eine Partnerschaft mit der Stadt Colditz in Sachsen einzugehen. Diese währt seit nunmehr 30 Jahren und die Bürger beider Kommunen sind sich durch regelmäßige Begegnungen eng verbunden.

90er-Jahre: Mitgliederrekord und Grabenkrieg

Das Ende der 80er-Jahre war aber auch kommunalpolitisch eine bewegte Zeit für die CDU. Kurz vor der Deutschen Einheit (3. Oktober 1990) hatte Gabriele Flunkert im Mai 1989 als erste Frau das Amt der Parteivorsitzenden an der Spitze der CDU von Gert Lohoff übernommen. Politische Ziele waren der Neubau des Clara-Schumann-Gymnasiums, die Sicherung der Josef-Reding-Schule, die lokale Wirtschaftsförderung mit Gründung des Eco Ports gegenüber dem Flughafen, die städtebauliche Aufwertung der Haupt- und Nordstraße sowie die „Dreiachsenlösung“ mit der Ostumgehung zur gerechteren Verkehrsverteilung. Prägende Figuren und Funktionsträger der CDU waren damals Timon Becker, Gereon Büscher, Gabriele Flunkert, Dieter Freund, Gert Lohoff, Waldtraud Kujoth, Berthold Zumbusch und einige mehr.

Durch das Ausrichten großer Feste auf dem Marktplatz erhielt die Partei viel Zustimmung aus der Bevölkerung. Auch die Junge Union erlebte großen Zuspruch und die Zahl der Parteigänger stieg auf rekordverdächtige 250 Mitglieder. Doch es war auch die Zeit der großen innerparteilichen Auseinandersetzungen in der CDU Holzwickede. Ganz anders als es heute allgemein in der Kommunalpolitik der Fall ist, war der Wunsch vieler Mitglieder, bei Wahlen kommunale Verantwortung zu übernehmen. Aufgrund der begrenzten Anzahl der Mandate führte das zu heftigen innerparteilichen Grabenkämpfen, Streitigkeiten und Enttäuschungen. Hinzu kamen persönliche Zerwürfnisse einiger Akteure, die zu unüberwindbaren Defiziten in der politischen Zusammenarbeit führten. Schließlich kam es zum Bruch, vor allem der Nachwuchs der Jungen Union beendete sein Engagement und wandte sich von der CDU ab. In der Folge entstand dann die Junge Liste, die auch in den Gemeinderat einziehen konnte und dort für viel frischen Wind sorgte.

Um den Nachwuchs der CDU wurde es viele Jahre lang still. Erst seit wenige Jahren gibt es wieder eine ausgesprochen engagierte Junge Union in Holzwickede, die ein echter Aktivposten für die CDU ist.

Die Junge Union Holzwickede Anfang der 90er-Jahre. (Foto: Bürger-Info / CDU)
Die Junge Union Holzwickede Anfang der 90er-Jahre. (Foto: Bürger-Info / CDU)

Mit Geschlossenheit ins neue Jahrtausend

Anfang des neuen Jahrtausends setzt die CDU dann vor allem auf Geschlossenheit: Im Vorstands- und Fraktionsteam agierten bodenständige und erfahrene Kommunalpolitiker wie Marlies Deppe, Theo Jura und Frank Markowski. „Das pragmatisch-konstruktive Verhältnis der CDU, insbesondere des engagierten Fraktionschefs Rolf Kersting zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister Jenz Rother (SPD), gab in den 2000er-Jahren der Gemeinde einen positiven Entwicklungsschub“, heißt es in der Jubiläumsschrift dazu. Projekte wie die Umnutzung der alten Zeche Caroline in ein attraktives Wohngebiet, die Herrichtung des Marktplatzes und Emscherparks, die Entwicklung der Bahnbrache/Stehfenstraße und die Aufwertung des Nordens der Gemeinde bis hin zur Vorbereitung des Kasernengeländes zum Wohnpark Emscherpark konnten verwirklicht oder begonnen werden.

Die Bewältigung der Folgen der Globalisierung, der Wirtschafts-, Finanz- und Flüchtlingskrise sowie der Pandemie erwiesen sich als neue Herausforderungen. Auf kommunaler Ebene kamen Einwohnerverluste, der demografische Wandel, die Digitalisierung und der Klimaschutz hinzu.

Nach der Kommunalwahl 2014 übergab Rolf Kersting das Amt des Fraktionschefs an Frank Markowski und damit in jüngere Hände. Bei der Kommunalwahl 2020 erreichte die CDU Holzwickede erstmals in ihrer Geschichte sieben Direktmandate. Die Junge Union hatte mit der Gestaltung des digitalen Wahlkampfes daran großen Anteil.

Aktuell: Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen

In der kommenden Woche treffen sich die CDU-Mitglieder zur Jahreshauptversammlung am Donnerstag, 9. September, ab 19.30 Uhr im Saal der Schloßstuben in Opherdicke zur Jahreshauptversammlung. Die Teilnahme ist nur nach der 3G-Regel möglich. Im Mittelpunkt der Veranstaltung werden die Neuwahlen des Vorstandes stehen sowie die Wahl der sechs Delegierten du Ersatzdelegierten für die Kreisparteitage. Als Ehrengäste werden dazu der CDU-Bundestagskandidat Hubert Hüppe sowie der Vorsitzende des CDU Kreisverbandes, Marco Morten Pufke, erwartet.

Das druckfrische neue Jubiläumsjournal wird an alle Mitgliedern in der Versammlung verteilt. Wie Frank Lausmann dazu erklärt, sollen auch noch alle Vereine, Verbände, Institutionen und Fraktionen in Holzwickede jeweils ein Exemplare per Post zugeschickt bekommen. „Wir denken so an die gleiche Zielgruppe wie beim Jahresempfang“, so der CDU-Parteichef. Interessierte Bürger, die ebenfalls eine Jubiläumsschrift haben möchten, können sich direkt an Frank Lausmann unter frank.lausmann@cdu-holzwickede.de wenden. Lausmann: „Wir geben gerne unser neues Jubiläums-Journal an Interessierte ab, nur inflationär verteilen werden wir es nicht.“  

  • Termin: Donnerstag, 9. September, ab 19.30 Uhr, Saal der Schloßstuben, Dorfstraße 37

CDU, Jubiläumsschrift


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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