37-jähriger Einbrecher zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

In Hand­schellen vor­ge­führt wurde der 37 Jahre alte Ange­klagte aus der JVA Bochum am Don­nerstag (16. Mai) im Amts­ge­richt Unna. Dort hatte sich der geschie­dene Ange­klagte, der in Bochum eine Rest­strafe absitzt, wegen Woh­nungs­ein­bruchs­dieb­stahl zu ver­ant­worten. Durch das Urteil von Rich­terin Sarah Schlier­kamp gab es am Ende der Ver­hand­lung noch ein Jahr und sechs Monate Frei­heits­strafe dazu.

Der dro­gen­ab­hän­gige Ange­klagte hatte am 5. Juni vorigen Jahres eine gün­stige Gele­gen­heit erkannt und war in der Mit­tags­zeit in Holzwickede durch das Küchen­fen­ster eines Wohn­hauses im Ahornweg ein­ge­stiegen, hatte einige Räume durch­sucht und Schmuck im Wert von rd. 6.500 Euro zusam­men­ge­rafft. Am Tatort hin­ter­ließ der Ange­klagte DNA-Spuren.

Einstieg am hellichten Tag durchs Küchenfenster

Der Ange­klagte räumte die Tat unum­wunden ein, auch wenn er sich nicht mehr an alle Ein­zel­heiten erin­nern konnte. Hin­ter­grund seiner Tat ist seine aus­ge­prägte Dro­gen­pro­ble­matik – aller­dings in nicht ganz typi­scher Form. Anders als der klas­si­sche „Junkie“ hatte der 37-Jäh­rige in der Ver­gan­gen­heit immer wieder zwi­schen­durch län­gere Phasen gear­beitet und einen festen Wohn­sitz gehabt, wie sein Ver­tei­diger erläu­terte. Auch für die Zeit nach seiner Haft­ent­las­sung hat der 37-Jäh­rige von seinem alten Arbeit­geber schon wieder ein Arbeits­ver­hältnis in Aus­sicht gestellt bekommen. 

Doch immer wenn es ihm durch psy­chi­sche oder Bezie­hungs­pro­bleme zuviel wurde, griff der Ange­klagte zu Heroin. Ange­fangen hat das alles im Alter von knapp 18 Jahren zunächst mit Fei­er­drogen wie Ecstasy oder Amphet­amine, wie der Ange­klagte berich­tete. Zuletzt kon­su­mierte er etwa ein Gramm Heroin pro Tag.

Zwei The­ra­pien hat der 37-Jäh­rige schon ange­fangen und abge­bro­chen. „Diese The­ra­pien habe ich nicht so richtig ernst genommen“, hat der Ange­klagte inzwi­schen erkannt. Wäh­rend seiner aktu­ellen Haft­strafe nimmt der 37-Jäh­rige nun an einem spe­zi­ellen The­ra­pie­pro­gramm teil, das bei ihm nach eigener Aus­kunft „sehr gut“ anschlägt und ihm „über feste Struk­turen einen guten Halt“ gibt. Die The­rapie emp­findet der Ange­klagte als so viel­ver­spre­chend und hilf­reich, dass er sie sogar im Falle seiner Haft­ent­las­sung fort­setzen will.

Drogenabhängiger mit 24 Vorstrafen

In seinen Ein­las­sungen auf der Ankla­ge­bank wirkte der Ange­klagt ein­sichtig und durchaus selbst­re­flek­tiert. Sein Reue klang durchaus glaub­würdig, als er der Geschä­digten, die der Ver­hand­lung im Zuschau­er­raum bei­wohnte ver­si­cherte: „Es war nichts Per­sön­li­ches und es tut mir von Herzen leid. Ich weiß, dass so ein Erlebnis Leute total fertig machen kann und das tut mir am mei­sten leid.“

Sein Auf­treten wurde ihm auch vom Ankla­ge­ver­treter zugute gehalten. „Ich habe schon den Ein­druck, dass sich tat­säch­lich bei Ihnen etwas bewegt“, so der Staats­an­walt. Ande­rer­seits sei sein kri­mi­nelles Ver­halten „schon eine ver­dammt lange Geschichte“. Immerhin 24 Vor­strafen, dar­unter einige ein­schlägig, gehen schon auf das Konto des 37-Jäh­rigen. Hinzu kommt, dass die Geschä­digte durch den Ein­bruch in ihr Haus erheb­lich trau­ma­ti­siert wurde und ihr Schmuck großen ideellen Wert für sie hatte. Darum for­derte der Staats­an­walt ein Jahr und neun Monate Haft für den Ange­klagten.

Sein Ver­tei­diger plä­dierte auf ein halbes Jahr weniger und begrün­dete das unter anderem mit dem voll­um­fäng­li­chen Geständnis und der Koope­ra­tion seines Man­daten, was zu einer erheb­li­chen Ver­fah­rens­ver­ein­fa­chung geführt hat.

Bei Opfer im Saal entschuldigt

Rich­terin Sarah Schlier­kamp ver­ur­teilte den 37-Jäh­rigen zu einem Jahr und sechs Monaten und lag damit genau in der Mitte. Zu dessen Gun­sten wer­tete sie sein umfang­reiche Geständnis, was eine erheb­liche Ver­fah­rens­ver­ein­fa­chung ermög­lichte, aber auch die guten Ansätze, die er in seiner The­rapie zeige. Dass eine erste oder zweiten The­rapie von Dro­gen­ab­hän­gigen abge­bro­chen wird, sei gar nicht so selten. 

Schließ­lich mache die Sucht des Ange­klagten seine Tat nach­voll­ziehbar. Gegen den Ange­klagten spricht die erheb­liche Anzahl der von ihm began­genen Straf­taten und eine nicht uner­heb­liche Scha­dens­summe sowie die Trau­ma­ti­sie­rung der Geschä­digten.

Außer der Haft­strafe des 37-Jäh­rigen ord­nete die Rich­terin die Wie­der­gut­ma­chung des von ihm ver­ur­sachten mate­ri­ellen Scha­dens durch den Ange­klagten an. Zudem muss er die Kosten des Ver­fah­rens tragen.

Wohnungseinbruchsdiebstahl


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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