(Foto: Succo - Pixabay)

32-Jähriger zieht Berufung zurück: Vier Monate Haft für Betrug an eigener Familie

Weil er seinen Stief­vater und die eigene Mutter in Holzwickede mit einem raf­fi­nierten Trick um 721 Euro betrogen hat, wurde ein 32-jäh­riger Kamener im Januar vor dem Amts­ge­richt Unna zu einer Frei­heits­strafe von vier Monaten ohne Bewäh­rung ver­ur­teilt. Das Pro­blem für den 32-Jäh­rigen: Er stand zur Tat­zeit unter Bewäh­rung und droht als Bewäh­rungs­ver­sager noch zehn Monate länger hinter Gitter zu wan­dern. Darum ging er in die Beru­fung. In der Beru­fungs­ver­hand­lung heute vor dem Land­ge­richt Dort­mund hatte er aller­dings nichts zu bieten, was das Gericht hätte ver­lassen können, das Urteil des Amts­ge­richtes abzu­än­dern.

Im Gegen­teil: Nach einer halb­her­zigen Ent­schul­di­gung („Es tut mir leid. War’ne doofe Aktion von mir.“) kam der 32-Jäh­rige vier­fach Vater gleich auf den für ihn sprin­genden Punkt: „Die vier Monate ver­stehe ich ja, aber da sind ja auch noch die zehn Monate auf Bewäh­rung. Dabei war ich gerade auf einem guten Weg.“ Was Richter Ludwig Brock­meyer aller­dings ganz anders sah.

721 Euro über Paypal-Konto des Stiefvaters ausgezahlt

Auf seine Nach­fragen räumte der 32-Jäh­rige ein, dass der Sach­ver­halt, für den er in Unna ver­ur­teilt wurde (Emscher­blog berich­tete), durchaus richtig ist: Danach hat er seiner Mutter und ihrem Partner vor­ge­täuscht, dass er bei einem Online-Casino 721 Euro gewonnen hat. Um an das Geld zu kommen brauche er aber ein Paypal-Konto, auf das er den Gewinn über­weisen lassen kann. Auf Bitten der Mutter ließ sich ihr Partner das Geld auf sein Paypal-Konto über­weisen und zahlte die 721 Euro anschlie­ßend an seinen Stief­sohn aus. Das dicke Ende kam zehn Tage später: Denn da buchte Paypal die 721 Euro vom Konto des Stief­va­ters wieder zurück, weil der Stief­sohn Käu­fer­schutz gel­tend gemacht hatte. Angeb­lich habe er die 721 Euro für einen Inter­net­kauf über­wiesen, die Ware aber nicht erhalten. Der Stief­vater erstattet Straf­an­zeige und der Kon­takt zum Stief­sohn ist seitdem abge­bro­chen.

Sie erzählen hier Stuss, der sich zudem nicht mit dem deckt, was sie vor dem Amts­ge­richt aus­ge­sagt haben.“

- Richter Ludwig Brock­meyer

Der Stief­sohn will die ganze Aktion nur als Gefallen für einen guten Freund durch­ge­zogen haben, der aller­dings seitdem spurlos ver­schwunden ist. Von den 721 Euro will er auch nur einen kleinen Teil als Pro­vi­sion bekommen haben. Viel wahr­schein­li­cher ist es jedoch, dass der 32-Jäh­rige mit seinem miesen Trick sogar dop­pelt abkas­siert hat, wie das Gericht nicht aus­schließen wollte: Näm­lich die 721 Euro von seinem Stief­vater und die gleiche Summe noch einmal von Paypal als Rück­erstat­tung aus dem angeb­li­chen Käu­fer­schutz.

Durch Käuferschutz vermutlich doppelt abkassiert

Auf die Nach­fragen des Gerichts ver­wickelte sich der Ange­klagte bei seiner hane­bü­chenen Geschichte heute immer mehr in Wider­sprüche. Warum er das Geld nicht sofort auf sein Konto über­weisen ließ, konnte er nicht erklären. Nach Recher­chen der Polizei gibt es auch den angeb­li­chen Freund nicht, von dem der Ange­klagten mani­pu­liert worden sein will. Als der 32-Jäh­rige schließ­lich sogar ein­räumte, dass die 721 Euro vor der Über­wei­sung auf das Konto seines Stief­va­ters schon einmal auf seinem Konto waren, reichte es Richter Ludwig Brock­meyer: „Sie erzählen hier Stuss, der sich zudem nicht mit dem deckt, was sie vor dem Amts­ge­richt aus­ge­sagt haben.“ Er sei geneigt, „das Urteil aus Unna abzu­schreiben und dann wan­dern Sie ein. Mit Ihrer Bewäh­rung hätte es ohnehin nicht geklappt“, so der Richter nach Rück­sprache mit dem Bewäh­rungs­helfer des 32-Jäh­rigen. Es habe auch kei­nerlei Ver­suche des Ange­klagten gegeben, Wie­der­gut­ma­chung bei seiner Familie zu lei­sten oder Kon­takt auf­zu­nehmen. „Wir können hier heute gar nichts für Sie tun“, so der Richter.

Nach kurzer Bera­tung mit seinem Ver­tei­diger auf dem Gerichts­flur zog der Ange­klagte schließ­lich seine Beru­fung zurück und erkannte das Urteil des Amts­ge­richts an.

Berufung, Landgericht


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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