22-Jähriger wegen Diebstahls zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

Wegen beson­ders schweren Dieb­stahls in drei Fällen ist der 22-jäh­rige A., ein Marok­kaner ohne Auf­ent­halts­er­laubnis und ohne festen Wohn­sitz, heute vor dem Amts­ge­richt Unna zu einer Frei­heits­strafe von acht Monaten ver­ur­teilt worden. Die Haft­strafe wurde auf drei Jahre zur Bewäh­rung aus­ge­setzt. Der Fall zeigt exem­pla­risch auch, wie leicht Per­sonen ohne Auf­ent­halts­be­rech­ti­gung durch das Raster der deut­schen Büro­kratie fallen können.

Die Anklage warf dem Ange­klagten vor, am 12. Juni gegen 17 Uhr bei Ross­mann auf dem Westen­hellweg in Dort­mund Parfüm im Wert von 52,99 Euro gestohlen zu haben. Am 21. Juni gegen 14.20 Uhr wurde A. dann im Norma an der Bahn­hof­straße in Holzwickede beim Dieb­stahl von Waren im Wert von 32,46 Euro erwischt. In seinem Ruck­sack wurde außerdem eine Fla­sche Stroh Rum im Wert von 15,99 Euro ent­deckt, die aus einem Rewe-Markt ent­wendet worden war. Schließ­lich wurde A. etwa zwei Stunden später im Rewe an der Steh­fen­straße erwischt, als er Waren im Wert von 33,43 Euro stehlen wollte.

Die ihm vor­ge­wor­fenen Taten räumte der Ange­klagte, der kein Wort deutsch spricht, über seine Dol­met­scherin ein. Seit seiner Fest­nahme saß der 22-Jäh­rige in Unter­su­chungs­haft. Vor seiner Unter­su­chungs­haft wohnte er zuletzt in Werne. Auf Nach­frage der Rich­terin bestä­tigte der Ange­klagte, dass er sich seit elf Monaten uner­laubt in Deutsch­land auf­halte und keinen festen Wohn­sitz mehr habe. Alle Nach­fragen der Rich­terin, wie es für ihn nach der Ver­hand­lung wei­ter­gehen soll, beant­wor­tete der A. mit einem Schul­ter­zucken. In Deutsch­land bleiben will er aber auf jeden Fall, wie er sagte.

Uner­laubter Auf­ent­halt und kein Wohn­sitz 

Für den Ange­klagten wurde gewertet, dass er voll­um­fäng­lich geständig ist. Aller­dings ist A. ein­schlägig vor­be­straft und schon einmal in Düren wegen Dieb­stahls ver­ur­teilt worden. Zudem wird er laut Gerichts­akten wegen Haus­frie­dens­bruchs von der Staats­an­walt­schaft Bonn gesucht.

Die Ankla­ge­ver­tre­terin hielt für ihn eine Gesamt­strafe von vier Monaten Haft zur Bewäh­rung aus­ge­setzt sowie eine Geld­strafe von 300 Euro und 100 Stunden gemein­nüt­zige Arbeit wegen beson­ders schweren Dieb­stahls in drei Fällen und einem min­der­schweren Fall von Dieb­stahl für ange­messen.

Diesem Plä­doyer konnte sich auch der Pflicht­ver­tei­diger des Ange­klagten anschließen.

Die Rich­terin ver­zich­tete auf die Sozi­al­stunden und eine Geld­buße und ver­ur­teilte den Ange­klagten zu einer Haft­strafe von acht Monaten. Die Strafe setzte sie zur Bewäh­rung auf drei Jahre aus. Begründet wurde das von ihr damit, dass A. einen Betreuer und staat­liche Hilfe in Anspruch nehmen will. Zwar äußerte die Rich­terin auch ihre Zweifel daran, dass A. keine wei­teren Straf­taten mehr begehen werde. Schließ­lich ver­füge er über kei­nerlei Ein­kommen und müsse von irgend­etwas leben.

Haft­be­fehl auf­ge­hoben

Trotzdem wollte die Rich­terin dem Ange­klagten noch eine letzte Chance geben, sich straf­frei zu halten. Die Unter­su­chungs­haft habe den 22-Jäh­rigen sicht­lich beein­druckt, stellte sie fest und machte klar: Bei einer erneuten Straftat werde seine Bewäh­rung wahr­schein­lich wider­rufen.

Mit dem Urteils­spruch wurde der Haft­be­fehl gegen A.. mit sofor­tiger Wir­kung auf­ge­hoben und der 22-Jäh­rige auf freien Fuß gesetzt. Zwar hatte dieser in der Ver­hand­lung erklärt, keinen festen Wohn­sitz zu haben und sich uner­laubt in Deutsch­land auf­zu­halten. Der straf­recht­liche Aspekt seines Falls ist jedoch mit dem Urteil erle­digt, so dass das Amts­ge­richt nicht mehr zuständig für ihn ist. Für den 22-Jäh­rigen ist nun­mehr das Ver­wal­tungs­ge­richt zuständig bzw. das Aus­län­deramt in der Kom­mune, in der er bei seiner Ein­reise vor elf Monaten regi­striert worden ist. Sofern das über­haupt pas­siert ist.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.