Tag: 5. Februar 2020

Der zukünftige Superintendent Dr. Karsten Schneider (6.v.r.) inmitten des Kreissynodalvorstandes. (Foto: D. Schneider - EKVW)

Nach Wahlmarathon: Dr. Karsten Schneider neuer Superintendent im Ev. Kirchenkreis Unna

Die Synode des Ev. Kirchenkreises Unna hat am 5. Februar Dr. Karsten Schneider aus Dortmund zum neuen Superintendenten gewählt. Er erhielt erstam Ende eines dreistündigen Wahlmarathons im siebten Wahlgang die erforderliche Stimmenmehrheit. Am 30. April wird Schneider damit das Amt als leitender Geistlicher des Ev. Kirchenkreises Unna mit seinen ca. 71.000 evangelischen Christen in Bergkamen, Kamen, Unna, Holzwickede und Fröndenberg antreten.

Um gewählt zu werden, wird laut Kirchenordnung die Stimmen der Mehrheit des Bestandes der Synode benötigt. Dies sind 97 Personen, somit waren 49 Stimmen für die Mehrheit nötig. Zur Wahl standen Dorothea Goudefroy aus Menden, Andreas Müller aus Unna und Dr. Karsten Schneider aus Dortmund. Im ersten Wahlgang entfielen auf Goudefroy 22 Stimmen, auf Müller 36 und auf Schneider 31 Stimmen. Beide letzteren traten damit in den zweiten Wahlgang. In den ersten drei Durchgängen konnte dort keiner die Mehrheit erlangen: mit jeweils zwei bis vier Stimmen lag Schneider zwar vorne, aber er erhielt nicht die erforderliche Zahl von 49 Stimmen.  So ging es zunächst in eine 40-minütige Personaldebatte, an der nur die stimmberechtigten Mitglieder der Synode teilnahmen. Doch auch in den folgenden zwei Durchgängen, den insgesamt mittlerweile fünften und sechsten, kam es lediglich zu einem Ergebnis von 43 zu 45 bzw 41 zu 47 Stimmen für Schneider. Mit genau den erforderlichen 49 Stimmen gewann Dr. Karsten Schneider den siebten Durchgang.

Hans-Martin Böcker gratulierte seinem Nachfolger

Dr. Karsten Schneider (l.) wird zur Wahl zum neuen Superintendent beglückwünscht. Erster Gratulant ist der noch amtierende Superintendent Hans-Martin Böcker. (Foto: D. Schneider - kk-ekvw)
Dr. Karsten Schneider (l.) wird zur Wahl zum neuen Superintendent beglückwünscht. Erster Gratulant ist der noch amtierende Superintendent Hans-Martin Böcker. (Foto: D. Schneider – EKVW)

Dr. Karsten Schneider kommt aus der Nachbarstadt Dortmund neu in den Evangelischen Kirchenkreis Unna. Er hat sich, wie die beiden anderen Bewerber am Samstag vorher, intensiv den Mitgliedern der Synode vorgestellt. „Es ist unglaublich wichtig, wenn sich Kirche jetzt und Zukunft einsetzt für soziale Gerechtigkeit und auf Missstände aufmerksam macht.“ Dazu bedürfe es, ebenso in den anderen Themen, eines eigenen konsequenten Vorbildes. „Und es ist unbedingt richtig, wenn Kirche die Nachricht von der Liebe Gottes verbreitet, und das fröhlich und bunt.“ In seiner Vision mache Kirche dies alles auch, weil sie sich nicht zu schade sei, zu verändern. „Ich traue unserer Kirche viel zu.“

Pfarrer Dr. Karsten Schneider, geboren 1965, aufgewachsen in Ostwestfalen, studierte in Marburg, Bonn, Bochum und in Rom Evangelische Theologie, Philosophie und Geschichte und promovierte in Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. In der Ev. Kirchengemeinde Bochum-Eppendorf folgte das Vikariat, als Pfarrer war Schneider tätig in der Johannis-Kirchengemeinde Witten und seit 2001 ist er in der Ev. Philippus-Kirchengemeinde Dortmund. Bis zur Vereinigung der Dortmunder Kirchenkreise war er Vorsitzender des Strukturausschusses im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund ist er Vorsitzender des Fachausschusses Bildung (u.a. Begleitung des Ev. Bildungswerkes Dortmund) und hat die Synodalbeauftragungen für Männerarbeit, Gustav-Adolf-Werk und Ev. Bund inne. Schneider lebt in Dortmund, ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Einführung und Abschied

Die Amtseinführung des neuen Superintendenten findet am 30.4. um 17 Uhr in der Ev. Stadtkirche Unna durch die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, statt. In diesem Rahmen wird auch Hans-Martin Böcker verabschiedet.  Er war seit 2015 Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Unna und geht in den Ruhestand.

  • INFO: Superintendent
    Der leitende Geistliche eines Kirchenkreises ist der Superintendent. Er wird von der Kreissynode gewählt und hat den Vorsitz des Kreissynodalvorstandes (KSV) inne. KSV und Kreissynode sind für die Leitung des Kirchenkreises verantwortlich. Er führt die Dienstaufsicht über die Pfarrer und Pfarrerinnen in seinem Bereich. Im Ev. Kirchenkreis Unna wird das Amt hauptamtlich ausgeübt. Das Wort »Superintendent« meint: jemand, der die Aufsicht führt und/oder den Überblick hat. Am besten also beides.
Auf diesem unbefestigten 4.420 qm großen Grundstück am Aachener Weg wollen der HSC und die TGH das Sportforum errichten. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Politik will Grundstück am Aachener Weg kostenlos für Sportforum bereitstellen

Auf diesem unbefestigten 4.420 qm großen Grundstück am Aachener Weg wollen der HSC und die TGH das Sportforum errichten. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Auf diesem unbefestigten 4.420 qm großen Grundstück am Aachener Weg wollen der HSC und die TGH das Sportforum errichten. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Auf Antrag der CDU stand ein Bericht zum Sachstand des von HSC und TGH geplanten Sportforums am Dienstagabend im Planungs- und Bauausschuss auf der Tagesordnung. Für das Projekt ist Mindestgrundstücksgröße von 4.000 qm erforderlich, da das Referenzprojekt in Rheine 1:1 übernommen werden soll. Als Standort favorisieren die Vereine nach wie vor den Parkplatz am Aachener Weg vor der Sportanlage Opherdicker Straße.

Wie die Verwaltung dazu weiter erläuterte, stellt sich der HSC ausgehend von geschätzten Baukosten von 3,5 Mio. Euro entgegen bisheriger Informationen eine umfangreiche finanzielle Beteiligung der Gemeinde an dem Projekt vor:

  • So soll die Gemeinde dem Verein das Grundstück am Aachener Weg kostenlos überlassen
  • Es wird ein einmaliger Zuschuss der Gemeinde in Höhe von 300.000 Euro gewünscht sowie
  • eine monatliche finanzielle Beteiligung in Höhe von 15.000 Euro an den Betriebskosten (wobei angenommen wird, dass die Gemeinde einen 50-prozentigen Nutzungsanteil am Sportforum hat)

CDU lehnt Standort und Kostenbeteiligung ab

Die HSC-Verantwortlichen gehen davon aus, dass das favorisierte insgesamt 4.420 qm große Grundstück am Aachener Weg neu parzelliert, vermessen und geteilt werden müsste. Insgesamt 2.872 qm seien auf dem Grundstück bebaubar, wobei dort ein dem Sport dienendes Gebäude mit zwei Vollgeschossen laut Bebauungsplan zulässig sei. Auch eine seitliche Zuwegung zum Haupteingang über den Aachener Weg könnte realisiert werden, da der Aachener Weg eine öffentliche Straße sei. Ferner spricht nach Einschätzung der HSC-Verantwortlichen nichts dagegen die erforderlichen Stellplätze auch außerhalb der Baugrenzen einzurichten.

CDU-Sprecher Frank Lausmann und seine Fraktion sahen sich durch die Verwaltungsvorlage bestätigt: „Das Sportforum ist ein tolles Projekt. Aber am Standort Aachener Weg kann es auf gar keinen Fall entstehen. Dort wollten wir ja auch schon einmal eine Kindertagesstätte errichten, wovon wir wieder Abstand nehmen mussten.“ Schließlich sieht sich die CDU durch die Verwaltungsvorlage in ihrem Verdacht bestätigt, dass die Gemeinde sehr wohl in erheblichem Umfang finanziell in die Pflicht genommen werden soll für das Sportforum. „Eine Einmalzahlung von 300.000 Euro und monatliche 15.000 Euro Zuschuss gibt unsere Haushaltssituation nicht her“, so Frank Lausmann. Zumal das Sportforum für den Schulsport überhaupt nicht benötigt würde, denn laut Gemeindeprüfungsamt (GPA) gebe es ausreichend Hallenkapazitäten.

Gemeinde muss Sportforum nicht mitnutzen

„Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir als Vorstand in finanzielle Vorleistung gehen müssten“


Udo Speer

 Vom HSC waren in der Sitzung der 1. Vorsitzende Udo Speer, Prof. Gerd Grube und Rainer Harting erschienen. Sie machten deutlich, dass es beim Sportforum nicht allein darum geht, zusätzliche Sportmöglichkeiten zu schaffen, sondern vor allem auch einzigartige Präventionsangebote im Gesundheitsbereich zu schaffen. „Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir als Vorstand in finanzielle Vorleistung gehen müssten“, erklärte Udo Speer. „Deshalb müssen wir wissen, ob die Gemeinde auch tatsächlich hinter uns steht.“

Prof. Grube wies zudem darauf hin, dass „wir als HSC schon jetzt 50 Prozent Nutzung abdecken“ würden. Bisher sei man davon ausgegangen, dass auch die Gemeinde das Sportforum mitnutzen will. „Wenn die Gemeinde keine Beteiligung wünscht, dann wäre auch keine finanzielle Beteiligung nötig.“ Dann müsste der HSC noch einmal alle Vereine gezielt ansprechen und sein bisheriges Konzept anders zuschneiden.

Rainer Harting, Ex-Sparkassenvorstand, betonte: „Die Zahlen, die hier heute genannt wurden, sind nicht neu. Die habe ich schon immer genannt. Klar ist, dass wir neu überlegen müssen, wenn die Gemeinde das Sportforum nicht mitnutzen will. Das Forum in Rheine wird zu 50 Prozent von Schulen genutzt. Hier in Holzwickede ist das laut GPA ja nicht nötig. Für uns ist das auch nur ein Modell gewesen, kein Fakt. Jetzt werden wir neu rechnen, ganz ohne Einsatz von Steuergelder. Selbstverständlich werden wir nichts bauen, was sich nicht rechnet.“

Standort angeblich alternativlos

Mit dem Projekt als solchen könnte sich wohl auch die CDU anfreunden, wie ihr Sprecher Frank Lausmann noch einmal versicherte. „Aber dieser Standort geht gar nicht.“ Auch Wilfried Brinkmann (BBL) outete sich als Fan des Forum. Doch der Ausschussvorsitzende erinnerte die HSC-Vertreter auch daran: „Es gab damals große Probleme bei der Standortsuche für die Kita. Deshalb müssten Sie einfach einmal konkrete Planungen aufzeigen, damit wir sehen können, ob die Planung dorthin passt.“  

Ohne zu wissen, wie die Politik zu dem Projekt steht, so Rainer Harting, werde der Verein allerdings nicht in finanzielle Vorleistung gehen. „Darum sind wir heute hier, um zu hören, wie sie zu dem Projekt stehen.“

Anders als die CDU will die SPD dem HSC-Vorstand diese Sicherheit geben, wie Michael Klimziak verdeutlichte. „Wir sollten das Projekt nicht auf die lange Bank schieben. Wir haben kein anderes Grundstück als das am Aachener Weg und die Verwaltung kann auch keins herzaubern. Ein Sportforum passt dort räumlich und auch inhaltlich zu dem schon vorhandenen Sportplatz und Schulzentrum.“  Die GPA könne der Gemeinde ohnehin nichts vorschreiben. „Die Frage ist doch, ob unsere Hallenkapazitäten wirklich ausreichen. Bei der Antwort sollten wir uns nicht auf Schreibtischtäter aus Herne verlassen. Das können wir selbst viel besser entscheiden.“

Grünes Licht – wenn Baurecht vorhanden

Auch Friedhelm Klemp hält das Sportforum für „eine super Sache“, so der Grünen-Sprecher. „Alle Vereine klagen doch darüber, dass es zu wenig Hallenkapazitäten gibt.“ Vielleicht lasse sich ja doch noch ein alternativer Standort finden.

Lars Berger (FDP) regte zur Standortsuche an, auch einmal mit Privateigentümern Kontakt aufzunehmen.  

„Der HSC favorisiert ganz klar den Standort am Aachener Weg“, gab der 1. Beigeordnete Bernd Kasischke daraufhin zu bedenken. „Wenn wir erst noch ein Grundstück ankaufen müssten, um es dann kostenlos weiterzugeben, wäre das gar nicht mehr für uns finanzierbar.“

Schließlich gab es doch noch grünes Licht für die HSC-Vertreter: Gegen die Stimmen der CDU beschloss der Ausschuss,  den Vereinen das Grundstück am Aachener Weg kostenlos zu überlassen – vorausgesetzt alle gesetzlichen Auflagen und Maßgaben sind erfüllt, um das Bauvorhaben zu realisieren.   

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