(Foto: Gerhard Gellinger - Pixabay)

19-Jähriger verprügelt Freund seiner Ex-Freundin: 500 Euro Geldstrafe und Freizeitarrest

Wegen Kör­per­ver­let­zung und Bedro­hung musste sich ein 19-jäh­riger Frön­den­berger heute vor dem Amts­ge­richt in Unna ver­ant­worten. Der Ange­klagte war am 23. Mai vorigen Jahres gegen 16.15 Uhr aus­ge­ra­stet, als er seine Ex-Freundin mit ihrem neuen Freund, einem 17 Jahre alten Berg­ka­mener, Hand in Hand auf dem Norma-Park­platz in Holzwickede erblickte. Er schlug seinen jün­geren Neben­buhler ohne Vor­war­nung zusammen und soll, als dieser schon auf dem Boden lag, ihn auch noch getreten und mit dem Tod bedroht haben. Ein Zeuge trennte die Kon­tra­henten, doch offenbar war der Ange­klagte noch nicht fertig mit seinem Opfer.

Denn im Bahn­hofs­be­reich auf dem P+R‑Parkplatz lau­erte er dem jungen Paar erneut auf und ver­prü­gelte den neuen Freund seiner ehe­ma­ligen Freundin erneut, wobei er den kurz­zeitig bewusstlos am Boden lie­genden Geschä­digten mit dem Knie in die Rippen trat und ihm drohte: „Wenn Du die Polizei ruft, bringe ich Dich um!“. Erst das beherzte Ein­greifen einer unbe­tei­ligten 47 Jahre alten Augen­zeugin beendet die Schlä­gerei. Auf Bitte des Geschä­digten rief diese Zeugin anschlie­ßend auch die Polizei. Der Geschä­digte trug schwere Rip­pen­prel­lungen, Prel­lungen im Gesicht und am Kopf, eine blu­tende Nase und Schürf­wunden davon, was teil­weise auch not­ärzt­lich atte­stiert wurde.

Vor Norma und P+R‑Anlage aufgelauert

Auf der Ankla­ge­bank zeigte sich der Frön­den­berger heute reuig und größ­ten­teils auch geständig: „Keine Frage, ich habe zuerst geschlagen. Ich bin durch­ge­dreht, das bereue ich auch. Aber getreten habe ich ihn nicht, als er am Boden lag und mit dem Tode bedroht habe ich ihn auch nicht“, beteu­erte der Ange­klagte. „Heute würde ich anders mit der Situa­tion umgehen, doch voriges Jahr stand ich unter starkem Stress.“, begrün­dete er seinen Aus­ra­ster. Seine Mutter habe im Kran­ken­haus gelegen und seine Freundin habe ihn im Unklaren über ihre Bezie­hung gelassen. Er habe wochen­lang ver­sucht, Kon­takt zu ihr auf­zu­nehmen und einen „Aggres­si­ons­stau“ gehabt. „Ich war nicht klar im Kopf und als ich sie dann Hand in Hand mit ihm gesehen habe, obwohl angeb­lich nichts mit ihm wäre, bin ich durch­ge­dreht“, räumte der Ange­klagte ein.

Nach dem ersten Treffen auf dem Norma-Park­platz sei er dann im Bahn­hofs­be­reich noch einmal mit den beiden zusam­men­ge­troffen, wobei der Geschä­digte ihn „mit einem arro­ganten Lächeln“ ange­sehen habe. „Da habe ich wieder zuge­schlagen.“ Schließ­lich will sich der Ange­klagte aber besonnen haben. „Ich habe ja sogar noch selbst die Polizei und den Ret­tungs­wagen gerufen.“

Das wollten aber weder der Geschä­digte noch die Zeu­ginnen wenig später bestä­tigen. Der 17-Jäh­rige Geschä­digte sagte zunächst aus, dass er seine Freundin damals aus der Schule abge­holt hatte. Als er mit ihr über den Norma-Park­platz ging, habe er plötz­lich von hinten einen Schlag gegen den Kopf erhalten. Am Boden lie­gend habe ihm der Ange­klagte gedroht: „Ich bring‘ Dich um, wenn Du die Polizei holst.“ Getreten habe er ihn aller­dings dort noch nicht.

Beherzte Zeugin stoppt Auseinandersetzung

Beim zweiten Treffen anschlie­ßend auf dem P+R‑Parkplatz am Bahnhof habe ihm der Ange­klagte auf­ge­lauert und sei „plötz­lich von hinten aus dem Gebüsch gekommen“. Er habe den Frön­den­berger zunächst weg­stoßen können, doch es ent­wickelte sich eine hef­tige Ran­gelei, in deren Ver­lauf er mehr­fach von ihm gegen Kopf und Bauch geschlagen wurde und wieder auf dem Boden lan­dete. Dort rammte ihm der 19-Jäh­rige sein Knie in die Rippen. Die beherzte Zeugin ging schließ­lich dazwi­schen und trennte die Streit­hähne. Immerhin wurde der Geschä­digte dabei so schwer ver­letzt, dass er zwei bis drei Wochen lang nicht zur Schule gehen konnte.

Auf Nach­frage der Rich­terin Sarah Schlier­kamp bestä­tigte das Opfer auch: Er sei „defi­nitiv mit dem Tod bedroht“ worden von dem Ange­klagten. Außerdem habe die Zeugin auf seine Auf­for­de­rung hin die Polizei geholt, nicht der Ange­klagte.

Auch die Ex-Freundin des Ange­klagten bestä­tigte den Tat­her­gang im Wesent­li­chen und schil­derte zudem, wie bela­stend die Tren­nung von ihrem Ex-Freunde für sie noch immer ist. Etwa ein halbes Jahr vor der Aus­ein­an­der­set­zung mit ihrem neuen Freund habe sie auch schon einmal eine einst­wei­lige Ver­fü­gung gegen den Ange­klagten erwirken müssen.

Die andere Zeugin, die die Streit­hähne auf dem P+R‑Parkplatz getrennt hatte, schil­derte den Tat­ab­lauf ähn­lich. Von einer Dro­hung habe sie indes nichts gehört.

Der Staats­an­walt wies in seinem Plä­doyer darauf hin, dass der Ange­klagte nicht in vollem Umfang geständig ist. Er habe bestritten, den geschä­digten getreten zu haben. Den­noch sah der Staats­an­walt auch den Tat­vor­wurf der gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung als erwiesen an: Denn auch die unbe­tei­ligte ältere der beiden Zeu­ginnen habe deut­lich erklärt, dass sie die Tritte gesehen habe. Und auch die Bedro­hung habe es wohl gegeben. Für den Ange­klagten spreche aber, dass er frei­mütig ein­ge­räumt habe, der Aggressor gewesen zu sein. Mit der Ver­tre­terin der Ver­tre­terin der Jugend­ge­richts­hilfe war sich der Staats­an­walt einig, dass im vor­lie­genden Fall das Jugend­recht anzu­wenden ist. Vor diesem Hin­ter­grund for­derte er ein Geld­strafe von 500 Euro, zahlbar an den Geschä­digten, sowie ein Wochen­ende Frei­zeit­ar­rest für den Ange­klagten. „Damit Sie Zeit zum Nach­denken haben.“

Verurteilung nach Jugendrecht

So wie vom Staats­an­walt gefor­dert, sah schlie0lich auch das Urteil von Rich­terin Sarah Schlier­kamp aus. Die Rich­terin hielt dem Ange­klagten vor, dass er nachdem ersten Zusam­men­treffen auf dem Norma-Park­platz „die Sache nicht auf sich beruhen lassen konnte und zu Ende bringen wollte“, wes­halb er dem Geschä­digten noch einmal am Bahnhof auf­ge­lauert habe. Nach über­ein­stim­mender Aus­sage der Zeugen habe er beim zweiten Zusam­men­treffen den Geschä­digten nicht nur geschlagen, son­dern auch getreten. Die Ver­let­zungen des Opfers waren beträcht­lich und auch seine Ex-Freundin fühlt sich noch immer nicht wohl in der Situa­tion. Der Ange­klagte habe sich erkennbar nicht in einem Nor­mal­zu­stand befunden. Dieser hat aber wohl auch schon länger ange­halten, denn es gab ein halbes Jahr zuvor schon auch eine einst­wei­lige Ver­fü­gung seiner Freundin gegen ihn. Wären die Vor­würfe heute nicht nach Jugend­recht, son­dern als Anklage vor ein Schöf­fen­ge­richt gekommen, wäre eine Jugend­strafe fällig gewesen, mahnte die Rich­terin.

Der Ange­klagte, der ohne Ver­tei­diger Gericht erschienen war, nahm das Urteil an und ent­schul­digte sich danach auch noch einmal bei dem geschä­digten. „Es tut mir wirk­lich leid, ob Du mir das glaubst oder nicht.“

Bedrohung, Körperverletzung


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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