Wunder geschehen immer wieder: Offizieller Spatenstich für neue Kita im Emscherpark

Mit tatkräftiger Unterstützung kleiner Bauarbeiter aus der Not-Kita an der Rausinger Halle vollzogen die Vertreter der UKBS, der AWO und der Gemeinde den ersten Spatenstich für die neue vierzügige Kindertagesstätte im Park. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Mit tat­kräf­tiger Unter­stüt­zung kleiner Bau­ar­beiter aus der Not-Kita an der Rausinger Halle voll­zogen die Ver­treter der UKBS, der AWO und der Gemeinde den ersten Spa­ten­stich für die neue vier­zü­gige Kin­der­ta­ges­stätte im Park. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Es ist voll­bracht: Tat­kräftig unter­stützt von den Kin­dern aus der Not-Kita an der Rausinger Halle haben heute (14. Mai) die Ver­treter der UKBS, der AWO und der Gemeinde Holzwickede den ersten Spa­ten­stich für eine neue, vier­zü­gige Kin­der­ta­ges­stätte im Emscher­park voll­zogen. 

Viele von Ihnen werden heute auf­atmen“, ver­mu­tete der Holzwickeder Vor­sit­zende des UKBS-Auf­sichts­rates, Theo Rieke, in seiner Begrü­ßungs­rede – eine Anspie­lung auf die lange und pro­ble­ma­ti­sche Stand­ort­suche. Es habe viele Befür­worter, aber auch Kri­tiker und Beden­ken­träger gegeben, stellte Rieke fest. Doch er sei über­zeugt: „Sie alle waren beseelt von dem Gedanken, das Beste für unsere Kinder zu errei­chen. Und dieses Bestreben eint uns am heu­tigen Tage.“

Die UKBS wolle mit dem Kita-Bau deut­lich machen, so der Auf­sichts­rats­vor­sit­zende weiter, dass sie nicht nur Woh­nungsbau kann. Die Kita soll „Aus­hän­ge­schild“ werden für die viel­fäl­tigen Auf­gaben, die das kom­mu­nale Bau- und Woh­nungs­un­ter­nehmen mei­stert.

Kita wird „Aushängeschild“ der UKBS

Für die UKBS soll die neue Kita ein Vorzeigeobjekt sein, wie der Holzwickeder Aufsichtsratsvorsitzende Theo Rieke zur Eröffnung erklärte. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Für die UKBS soll die neue Kita ein Vor­zei­ge­ob­jekt sein, wie der Holzwickeder Auf­sichts­rats­vor­sit­zende Theo Rieke zur Eröff­nung erklärte. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Holzwickedes Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel, die auf einer mehr­tä­gigen Dienst­reise ist, ließ sich durch ihre Stell­ver­tre­terin Monika Mölle ent­schul­digen. Monika Mölle betonte, dass die Gemeinde mit dem Bau der Kita „nicht unwe­sent­lich in die Zukunft inve­stiert – in die Zukunft unserer Kinder“. Das Kreis-Jugendamt habe schon vor län­gerer Zeit den Bedarf für eine vier­zü­gige Kita in der Gemein­de­mitte bestä­tigt. Des­halb sei es „keine Frage“ mehr gewesen, dass eine neue Kita in der Gemein­de­mitte gebaut werden muss. Nur die Stand­ort­frage habe „einige Monate Zeit geko­stet, Monate, die uns leider ver­lo­ren­ge­gangen sind“.

Umso größer sei die Freude jetzt, dass der Bau end­lich begonnen werden kann. „Mit der AWO und der UKBS hat die Gemeinde dabei Partner zur Seite, die die neue Ein­rich­tung pro­fes­sio­nell bauen und auch betreiben werden.“ Schließ­lich erin­nerte Mölle daran, dass auch das Umfeld der neuen Kita noch ver­schö­nert und öko­lo­gisch gestaltet werden soll. Die Ver­wal­tung sei bereits beauf­tragt, dazu die Pla­nung und auch die erfor­der­li­chen Mittel zeitnah bereit­zu­stellen.

UKBS berücksichtigt Ökologie und Historie

Hartmut Ganzke erin­nerte als Vor­sit­zender des AWO Unter­be­zirks daran, dass gestern bun­des­weit der Tag der Kin­der­be­treuung gefeiert wurde. Es sei ganz wichtig, dass Poli­tiker ihren „Sonn­tags­reden, wir brau­chen Betreu­ungs­plätze für die Klein­sten, auch Taten folgen lassen“. Was die neue Kita in der Gemein­de­mitte angehe, „hatte ich da, ganz ehr­lich, so man­ches Mal Befürch­tungen, ob es noch in die rich­tige Rich­tung geht“, so Ganzke. Dass der Rat, die Ver­wal­tung und alle anderen Betei­ligten es „schließ­lich doch noch geschafft haben, gemeinsam das Wich­tige nach vorne zu bringen“, dafür dankte Ganzke allen Betei­ligten aus­drück­lich.

UKBS-Geschäfts­führer Mat­thias Fischer schloss sich den Dan­kes­worten seiner Vor­redner an und gab anschlie­ßend noch ein paar Infor­ma­tionen zu neuen Kita. So will die UKBS auch die Mög­lich­keit nutzen, um mit dem Neubau an das ehe­ma­lige Haus Duden­roth zu erin­nern. „Ob direkt am Haus oder auf dem Grund­stück steht noch nicht fest“, so Fischer. „Wie genau ist noch offen, das werden wir im Laufe der Bau­phase noch sehen.“

Auch die Öko­logie wird nicht ver­gessen: So soll die neue Kita ent­weder eine Pho­to­vol­taik-Anlage, wahr­schein­li­cher aber ein Gründach bekommen. Das Regen­wasser wird zudem in die Emscher ein­ge­leitet werden. Beim Bau sollen außerdem so weit mög­lich Unter­nehmen aus dem Kreis Unna zum Zuge kommen. Fer­tig­ge­stellt werden soll die neue Kita im Juni/​Juli 2020 sein. 

So soll die neue Kita aussehen, v.li: Monika Mölle (stv. Bürgermeisterin), Hartmut Ganzke (Vorsitzender AWO UB Kreis Unna) , Theo Rieke (UKBS-Aufsichtsratsvorsitzender), Matthias Fischer (UKBS Geschäftsführer) und Reiner Goepfert (AWO-Geschäftsführer). (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
So soll die neue Kita aus­sehen, v.li: Monika Mölle (stv. Bür­ger­mei­sterin), Hartmut Ganzke (Vor­sit­zender AWO UB Kreis Unna) , Theo Rieke (UKBS-Auf­sichts­rats­vor­sit­zender), Mat­thias Fischer (UKBS Geschäfts­führer) und Reiner Goe­pfert (AWO-Geschäfts­führer). (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Daten und Zahlen zur Kita

Die wei­teren Daten der neuen Kin­der­ta­ges­stätte im Emscher­park:

  • Grund­stücks­größe: ins­ge­samt 2.279 m2, davon hat die UKBS 2.200 m2  im Wege des Erb­bau­rechts über­nommen;
  • 279 m2 stellt die Gemeinde Holzwickede der Kita außerdem kostenlos zur Ver­fü­gung;
  • Zwei­ge­schos­sige, bar­rie­re­freie Kita (mit Aufzug) mit 839 m2 Nutz­fläche
  • Abmes­sungen des Gebäudes: Breite: 33 m; Tiefe: 20 m; Höhe: 7 m; ins­ge­samt rd. 3.900 m3 umbauter Raum;
  • Her­stel­lungs­ko­sten: ca. 2,1 Mil­lionen Euro, davon 300.000 Euro Eigen­ka­pital;
  • Archi­tekten: Büro Weiss, Wessel, Kirchner in Lünen;

Kommentar: Eine Chronik des Versagens

Kinder und Eltern haben viel Geduld bewiesen: Zum Weg­sehen war die Stand­ort­suche für die neue Kin­der­ta­ge­stätte im Gemein­de­zen­trum. (Foto: S.v.Gehren /​pixelio.de)

Auch wenn beim offi­zi­ellen Spa­ten­stich heute alle Betei­ligten sicht­lich um Har­monie bemüht waren, muss doch an dieser Stelle daran erin­nert werden: Mit dem offi­zi­ellen Bau­be­ginn für die Kita heute ist eines der unrühm­lich­sten Kapitel Holzwickeder Lokal­po­litik beendet worden. Um es klar zu sagen: Bei der Stand­ort­suche für diesen Kin­der­garten in der Gemein­de­mitte haben die Ver­wal­tungs­spitze um Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel und a l l e Par­teien im Rat kol­lektiv ver­sagt.

Um es klar zu sagen: Bei der Stand­ort­suche für diesen Kin­der­garten in der Gemein­de­mitte haben die Ver­wal­tungs­spitze um Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel und a l l e Par­teien im Rat kol­lektiv ver­sagt. Leid­tra­gende sind die in Not­quar­tiere gepferchten min­de­stens zwei bis drei Genera­tionen Kinder und ihre auf die Betreu­ungs­plätze ange­wie­senen Eltern.

Bevor nun wieder die gän­gigen Schuld­zu­wei­sungen kommen der Befür­worter oder Kri­tiker des aktu­ellen Stand­ortes sei noch einmal kurz die Chronik des Ver­sa­gens auf­zeigt:

Bedarf seit 2015 bekannt

Bereits im Jahr 2015 (!), also vor nun­mehr vier Jahren, hatte das zustän­dige Kreis-Jugendamt den Ver­ant­wort­li­chen im Holzwickeder Rat­haus offen kom­mu­ni­ziert, dass es drin­genden Bedarf für eine neue Kin­der­ta­ges­stätte gibt – und zwar im Zen­trum der Gemeinde.

Die damals gerade ins neue Amt gewählte Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel erklärte die Stand­ort­suche für die neue Kita prompt zur Chef­sache und es pas­sierte erkennbar über ein Jahr lang – nichts.

Zwar behauptet die Bür­ger­mei­sterin noch immer, sie habe meh­rere Stand­orte in dieser Zeit geprüft. Doch welche das waren und was für oder gegen sie sprach, bleibt ihr Geheimnis. Hier ist dann auch das Haupt­ver­sagen aller Par­teien im Rat zu kri­ti­sieren, denn obwohl alle Frak­tionen genau um den Bedarf und Rechts­an­spruch der Eltern wussten – schließ­lich sollte die neue Kita bereits im August 2017 in Betrieb gehen – ließ die Politik die Ver­wal­tungs­spitze unver­drossen weiter wur­steln.

Mehr als ein Jahr lang nichts passiert

Ende 2016, also nach gut einem Jahr, gab es noch immer keinen Stand­ort­vor­schlag und der Druck der Öffent­lich­keit wurde größer. Schließ­lich wachte die Politik auf: Die SPD favo­ri­sierte bereits die Fläche, auf dem die Kita seit heute tat­säch­lich auch gebaut wird. Die CDU schlug dagegen einen Standort auf dem Fest­platz vor. Und die Bür­ger­mei­sterin? Sie brachte gegen­über dem Kreis-Jugendamt ohne Absprache mit der Politik den Bau der Kita an der Rausinger Halle ins Gespräch.

Trotz aller Kritik daran hätte dieser Vor­schlag wohl sogar die Zustim­mung aller Frak­tionen gefunden. Doch der Standort schei­terte am Veto eines pri­vaten Grund­ei­gen­tü­mers, auf dessen Wohl­wollen die Gemeinde ange­wiesen war. Ernst­hafte Ver­suche sei­tens der Bür­ger­mei­sterin, den Eigen­tümer umzu­stimmen und ihren Vor­schlag zu retten, soll es dem Ver­nehmen nach nie gegeben haben.

Etwas später schlug die Ver­wal­tung statt­dessen einen Standort am Aachener Weg auf dem Park­platz des Sport­sta­dions am Schul­zen­trum vor – und die Politik die Hände über dem Kopf zusammen. Denn dort gibt es seit Jahren immer wieder Ver­kehrs­pro­bleme, mit denen sich die Frak­tionen regel­mäßig befassen müssen. Der Vor­schlag wurde des­halb zügig mit großer Mehr­heit ver­worfen.

Doppelter Fallrückzieher

Anfang Februar 2017 emp­fahl der Pla­nungs- und Bau­aus­schuss schließ­lich den Stand­ort­vor­schlag der SPD zu rea­li­sieren und die neue Kita auf der Fläche im Emscher­park zu errichten.

Im März 2017 nutzen CDU und Bür­ger­block die Abwe­sen­heit einiger Mit­glieder der Mehr­heits­frak­tion, igno­rierten die Emp­feh­lung des Fach­aus­schusses, und beschlossen die Kita statt­dessen auf einer deut­lich klei­neren Fläche auf dem Fest­platz zu errichten.

Sogleich eska­lierten die zu erwar­tenden Bür­ger­pro­teste und das unsäg­liche Tau­ziehen um den beschlos­senen neuen Standort der Kita auf dem Fest­platz.

Im April 2017 musste damit begonnen werden, eine Not-Unter­brin­gung in Con­tai­nern für die unver­sorgten Kinder der Eltern mit Rechts­an­spruch auf einen Betreu­ungs­platz neben der Rausinger Halle zu rea­li­sieren.

Im Oktober 2018, inzwi­schen waren schon zwei Jahre beim Bau der Kita ver­trö­delt, hob der Gemein­derat mit einer nun­mehr wieder voll­zäh­ligen Mehr­heit aus FDP, Grünen und FDP den alten Rats­be­schluss der Min­der­heits­frak­tionen auf und sprach sich für die Fläche im Park aus.

Es folgte der Ver­such eines Bür­ger­be­gehren gegen diesen Beschluss, das von vorn­herein aus for­malen Gründen zum Schei­tern ver­ur­teilt war.

Im Dezember 2018 wurde schließ­lich das Bau­recht für die vier­zü­gige Kita im Emscher­park geschaffen, wo heute der offi­zi­elle Bau­be­ginn erfolgte.

Im Juni/​Juli 2020 soll die Kita nun­mehr bezugs­fertig werden – mehr als fünf Jahre, nachdem des Kreis-Jugendamt erst­mals Bedarf signa­li­siert hat. 

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