Wütender Autofahrer demoliert Pkw seines Kontrahenten: Geldstrafe zur Bewährung

Ein 36 Jahre alter pol­ni­scher Staats­bürger hatte sich heute (25. April) wegen einer Sach­be­schä­di­gung vor dem Amts­ge­richt Unna zu ver­ant­worten. Laut Ankla­ge­schrift war der Ange­klagte, ein Hartz IV-Emp­fänger von hünen­hafter Statur, am 5. Oktober vorigen Jahres völlig aus­ge­ra­stet, weil ein anderen Ver­kehrs­teil­nehmer ihn auf der A 44 gefähr­lich „geschnitten“ habe, um dann die Aus­fahrt Holzwickede zu nehmen:

Als beide Fahr­zeuge am unteren Ende der Aus­fahrt vor der Ver­kehrs­ampel hielten, war der Ange­klagte aus­ge­stiegen, hatte den Fahrer des anderen Fahr­zeuges wüst beschimpft und dabei gegen die Scheibe des Autos getrom­melt, mehr­fach auf das Dach geschlagen und gegen das Heck des Pkw getreten. Noch wäh­rend der Ange­klagte draußen wütete, riefen die beiden Insassen des Pkw bereits die Polizei.

Nachdem sich der 36-Jäh­rige aus­ge­tobt hatte, stieg er in seinen Pkw und fuhr davon. Zurück ließ er, laut Gut­achten, einen Sach­schaden in Höhe von 5.230 Euro am Pkw seines Kon­tra­henten, einem fast neuen Seat.

Streit um 5.230 Euro Sachschaden in Zivilprozess

Um den Sach­schaden, der in seiner Höhe von dem Ange­klagten bestritten wird, ging es heute aller­dings nicht. Dieser ist Gegen­stand eines noch lau­fenden Zivil­pro­zesses. Vor dem Amts­ge­richt heute ging es aus­schließ­lich um den straf­recht­li­chen Aspekt der Sach­be­schä­di­gung. Und diese räumte der Ange­klagte in vollem Umfang ein: Es tue ihm sehr leid. Er sei mit seiner Mutter im Auto auf der A 44 unter­wegs gewesen, als ihn der Geschä­digt in lebens­ge­fähr­li­cher Weise „geschnitten“ habe. Da habe er schlicht „die Nerven ver­loren“, wie der 36-Jäh­rige über seinen Anwalt erklären ließ. „Mein Man­dant bedauert sehr, was da pas­siert ist.“

Auch bei dem Geschä­digten, einem 31 Jahre alten Fahr­dienst­leiter aus Kamen, ent­schul­digte sich der Ange­klagte. Der Geschä­digte schil­derte im Zeu­gen­stand noch einmal ein­dring­lich, wie der Ange­klagte „völlig außer Rand und Band“ gewesen sei und er des­halb auch nicht aus­ge­stiegen, son­dern sitzen geblieben war in seinem Auto. „Ich wollte mich nicht auf Hand­greif­lich­keiten ein­lassen.“ Für dieses beson­nene Ver­halten gab es aus­drück­lich Aner­ken­nung von Richter Jörg Hücht­mann. „Wer weiß, was sonst noch pas­siert wäre.“

180 Euro Entschädigung für den Geschädigten

Die Staats­an­wältin for­derte für den arbeits­losen Hartz IV-Emp­fänger eine Geld­strafe von 50 Tages­sätzen a‘ zehn Euro sowie ein ein­mo­na­tiges Fahr­verbot. Für den Ange­klagten spreche zwar die Ein­sicht in sein Fehl­ver­halten und sein Reue. Gegen den Ange­klagten spreche aller­dings auch eine ein­schlä­gige Vor­strafe.

Der Ver­tei­diger plä­dierte dafür, es bei einer Geld­strafe zu belassen. Sein Man­dant habe zwar eine Vor­strafe. Er habe aber auch das Pro­blem erkannt und sein Ver­halten geän­dert. Sein Man­dant bemühe sich gerade intensiv eine Arbeits­stelle. Da mache sich ein Fahr­verbot ganz schlecht, wenn ein Angebot komme.

Richter Jörg Hücht­mann ver­ur­teilte den Ange­klagten schließ­lich zu 40 Tages­sätzen a‘ zehn Euro und stellte die Geld­buße unter den Straf­vor­be­halt, dass es keine wei­teren Geset­zes­ver­stöße mehr gibt in den näch­sten zwölf Monaten. Außerdem muss der Ange­klagte 180 Euro an den Geschä­digten zahlen. Als Ent­schä­di­gung für den erlit­tenen Schrecken sei das nur ange­messen, so der Richter. Eine voll­streck­bare här­tere Strafe sei nicht erfor­der­lich, da der Ange­klagte den Willen zur Wie­der­gut­ma­chung und Bes­se­rung seines Ver­hal­tens gezeigt habe, so die Urteils­be­grün­dung.

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