Weihnachtsmarkt ohne Stutenkerle und Nikolaus: Bürgermeisterin rudert zurück

Bürgermeisterin Ulrike Drossel und die Kinder des HEV-Kindergartens eröffneten pünktlich den 29. Holzwickeder Weihnachtrsmarkt am Freitagabend. Anschließend verteilte die Bürgermeisterin die traditionellen Stutenkerle an die Kinder der Gemeinde. (Foto: Peter Gräber)

Für die Bürgermeisterin ein Sicherheitsrisiko: Die Verteilung der Stutenkerle an alle Kinder zur Eröffnung des Weihnachtsmarktes wird es nicht mehr geben. (Foto: Peter Gräber)

Eigentlich ist ihr Gespür für Bürgernähe und populistische Themen eine Stärke von Holzwickedes Bürgermeisterin. Doch dieses Mal hat Ulrike Drossel ziemlich daneben gelegen – und dafür auch gleich jede Menge Kritik in den einschlägigen sozialen Medien einstecken müssen. Was ist geschehen?  Nun, Ulrike Drossel hat sich an Holzwickedes liebstem Kind, dem traditionellen Weihnachtsmarkt, vergangen und entgegen einer dringenden Empfehlung ihrer Verwaltung die Verteilung der Stutenkerle an alle Kinder und den Nikolaus abgeschafft.

So stand es jedenfalls gestern in der Lokalpresse, die, alle Jahre wieder, routinemäßig berichtet, dass der Holzwickeder Weihnachtsmarkt wie im Vorjahr gehabt stattfinden wird. Dieses Mal allerdings mit Neuerungen: So soll die traditionelle Eröffnung des Weihnachtsmarktes nach über 20 Jahren am Freitagabend (25.11.) letztmalig durch die Kinder des HEV-Kindergartens vorgenommen. Ab nächstes Jahr sollen wechselnde Kindergärten aus der Gemeinde die Eröffnung mitgestalten.

Außerdem sollen anschließend keine Stutenkerle mehr an die vor der Bühne wartenden Kinder verteilt werden. Schließlich soll auch der Nikolaus am Sonntag die Kinder nicht mehr besuchen und Süßigkeiten an sie verteilen.

Bedauerlich nur: Fallen diese beiden Programmpunkte weg, gibt es kein einziges Angebot mehr nur für die Kinder auf dem Holzwickeder Weihnachtsmarkt und die ganze Veranstaltung würde vollends zu einem folkloristischen Glühwein-Saufen für ältere Generationen mutieren.

So sehen es wohl auch viele Holzwickeder, die bereits in Leserbriefen und sozialen Medien ihrem Ärger über die kinderfeindliche Neuerung Luft machen.

Begründet wird die Entscheidung mit Sicherheitsbedenken, da es angeblich im Vorjahr bei der Premieren-Eröffnung durch Ulrike Drossel zu chaotischen Zuständen bei der Verteilung der Stutenkerle gekommen ist.

Bürgermeisterin nach Alleingang in der Kritik

Detlef Drossel, seines Zeichens Aushilfs-Nikolaus und Ehemann der Bürgermeisterin, verteidigte in einer Holzwickeder Facebook-Gruppe die Entscheidung seiner Frau, indem er in dieselbe Kerbe schlägt  – und die Diskussion dadurch noch mehr anheizte: Von „einer Schar raffgieriger Kinder“, die „nicht in den Griff“ zu kriegen sei, berichtete der Vorjahres-Nikolaus von seinen Erfahrungen. Schließlich verglich Detlef Drossel die Verteilung der Stutenkerle und Süßigkeiten an die Holzwickeder Kinder sogar mit den Hochsicherheitsrisiken bei Großveranstaltungen wie der Loveparade oder Silvesterfeiern in der Domstadt: „Habt Ihr aus Duisburg und Köln nichts gelernt?“, kanzelt er die Kritiker bei Facebook ab.

Gelernt hat aber offenbar aber die Bürgermeisterin etwas aus dem „Shitstorm“ in ihrer Gemeinde. Denn auf Nachfrage des Emscherblogs ruderte Ulrike Drossel heute zurück – zumindest teilweise: Sie sei sehr unglücklich damit gewesen, wie der erste Weihnachtsmarkt, den sie im Vorjahr eröffnen durfte, teilweise gelaufen sei. „Da war ein fürchterliches Gedränge und Geschubse vor der Bühne“, meint Ulrike Drossel. „Das war völlig unangemessen.“ Dass es gar keinen Nikolaus mehr geben wird, sei allerdings auch etwas voreilig mitgeteilt worden. „Das Problem war, dass die Presse schon sehr früh den Planungsstand des Weihnachtsmarktes abgefragt hat. Was wir genau machen werden, steht aber noch gar nicht abschließend fest“, betont Ulrike Drossel.

„Ich habe noch einmal Kontakt zum Nikolaus aufgenommen und wir stellen uns das so vor, dass der Nikolaus am Sonntag auf der Bühne sitzt und alle Kinder einzeln zu ihm kommen können.“

Bürgermeisterin Ulrike Drossel

„Ich habe noch einmal Kontakt zum Nikolaus aufgenommen und wir stellen uns das so vor, dass der Nikolaus am Sonntag auf der Bühne sitzt und alle Kinder einzeln zu ihm kommen können. Der Nikolaus freut sich bestimmt auch über ein kleines Bild oder Basteleien, die dann später vielleicht mal im Bürgerbüro oder Rathaus auch ausgestellt werden können.“ Denkbar sei auch, dass die Großeltern ein Erinnerungsfoto mit Enkelkind und Nikolaus machen können. „Ich fände es auch schön, wenn vielleicht der eine oder andere Kinderchor noch dazu singen könnte. So ganz zu Ende gedacht, ist das aber noch nicht. Da fehlt noch das Feintuning.“ Wann genau der Nikolaus am Sonntag auf der Bühne sitzt, soll noch rechtzeitig mitgeteilt werden.

Was allerdings definitiv nicht mehr stattfinden wird, ist die Verteilung der Stutenkerle zur Eröffnung an alle Kinder. „Das lässt sich einfach nicht von der Bühne aus organisieren“, meint Ulrike Drossel. Nur noch die Kinder, die auf der Bühne singen, sollen ein kleines Präsent, Süßigkeiten oder Stutenkerle, erhalten. „In dieser Masse werden jedenfalls nichts mehr verteilen“, betont die Bürgermeisterin. „Der Grund dafür ist aber nicht, dass wir den Kindern etwas wegnehmen wollen oder kein Geld dafür hätten, sondern das Sicherheitsrisiko. Schließlich sind wir eine familienfreundliche Gemeinde und wollen nicht, dass jemand ,unter die Räder‘ kommt.“

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visage
Dipl.-Journalist

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