Vergrämung von Saatkrähen nur in begründetem Einzelfall möglich

Mit den Saatkrähen in der Gemeinde wer­den die Bürg­er weit­er leben müssen. Eine Ver­grä­mung ist nur in begrün­de­ten Einzelfällen möglich: die gemeine Saatkrähe (Corvus frugi­le­gus). (Foto: Wikipedia — Andreas Trepte)

Das lei­di­ge The­ma Saatkrähen war eben­falls ein The­ma im Umweltauss­chuss am Mon­tagabend. Für die Ver­wal­tung berichtete Jür­gen Titt über die nach­halti­gen Ver­grä­mungsak­tio­nen der Gemeinde im Bere­ich des Mark­t­platzes und Kinder­spielplatzes, die offen­bar Wirkung gezeigt haben. Eben­falls zur Sprache kam der Fall ein­er Anwohner­in aus dem Gebäudekom­plex Ham­burg­er Allee/Kirchstraße, die sich bere­its im Dezem­ber 2015 über das lärmer­füllte Auftreten der Saatkrähen vor ihrer Woh­nung beschw­ert hat.

Ins­beson­dere ihr Balkon sei nicht mehr benutzbar. Die Ver­wal­tung ging bis­lang davon aus, dass nach Recht­slage keine Ver­grä­mung der geschützten Vögel möglich sei und erteilte dem Antrag der Anwohner­in zunächst eine Absage. Die Bürg­erin machte jedoch gesund­heitliche Beein­träch­ti­gun­gen gel­tend und legte zudem ein ärztlich­es Attest vor. Nach nochma­liger einge­hen­der Prü­fung der Rechts­grund­la­gen und Rück­sprache mit der Unteren Land­schafts­be­hörde des Kreis­es Unna wurde in diesem beson­deren Einzelfall ein Antrag auf Befreiung von dem Ver­grä­mungsver­bot für die gemein­deeige­nen Bäume an der Kirch­straße gestellt. Der Einzelfall wurde vom Naturschutzbeirat des Kreis­es Unna geprüft, der in diesem Einzelfall wegen nachgewiesen­er Belas­tung die Ver­grä­mung der Saatkrähen in den vier oder fünf Bäu­men in unmit­tel­bar­er Nähe des Balkons der Anwohner­in stattgab.

Keine grundsätzliche Lösung des Problemes zulässig

Jür­gen Titt wies im Auss­chuss darauf hin, dass es sich hier keineswegs um einen Weg han­delt, mit dem sich das Prob­lem der Saatkrähen grund­sät­zlich lösen ließe. Vielmehr han­dele es sich um eine begrün­dete Einzelfal­l­entschei­dung. „Dazu reichte auch kein ein­fach­es ärztlich­es Attest, son­dern es war ein aus­führlich­es ärztlich­es Gutacht­en nötig“, erläuterte Jür­gen Titt im Auss­chuss. Außer­dem sei die Beschw­erde­führerin beim Naturschutzbeirat von einem Recht­san­walt vertreten wor­den. Ob das Vorge­hen der Anwohner­in auch ein Weg für andere Bürg­er sei, die sich durch die Krähen belästigt fühlen, ließ Jür­gen Titt offen. „Das kann ich nicht beurteilen.“

Für die Gemeinde Holzwickede haben sich mit Sicher­heit keine neuen Hand­lungsmöglichkeit­en durch das pri­vate Vorge­hen der Anwohner­in eröffnet. Auf Nach­frage erk­lärte Titt außer­dem, dass die Gemeinde regelmäßig Pflegeschnitte an den Bäu­men durch­führt: „Auf gar keinen Fall wer­den wir aber unter dem Deck­man­tel des Pflegeschnitts die Krähen vertreiben.“

Die Holzwicked­er wer­den sich in der nur wenige Wochen dauern­den Brutzeit wohl weit­er mit den Saatkrähen arrang­ieren müssen. Auf Anre­gung des Auss­chuss­es soll aber zumin­d­est der öffentliche Straßen­raum unter den Bäu­men mit den Krähennestern häu­figer gere­inigt wer­den.

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Dipl.-Journalist

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