Umweltausschuss entscheidet über umfangreichen Baumbestand im Ortskern

Die beiden Bäume, die zum 100. Geburtstag des Rathauses vor drei Jahren hinter das Rathaus gepflanzt wurden (Foto), müssen dem Rathaus-Neubau weichen und sollen in den Emscherpark umgepflanzt werden.  (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Die beiden Bäume, die zum 100. Geburtstag des Rat­hauses vor drei Jahren hinter das Rat­haus gepflanzt wurden (Foto), müssen dem Rat­haus-Neubau wei­chen und sollen in den Emscher­park umge­pflanzt werden. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Gleich mit einer ganzen Reihe von Bäumen an ver­schie­denen Stand­orten im Orts­kern der Gemeinde beschäf­tigte sich der Umwelt­aus­schuss in seiner Sit­zung heute (10. Dezember). Sie begann mit einer Fra­ge­stunde für die recht zahl­reich erschienen Bürger.

Die erste Frage zielte auf wei­tere Ver­grä­mungs­ak­tionen der Krähen in der Gemein­de­mitte. Dazu teilte die Ver­wal­tung mit, dass im kom­menden Jahr die jeweils für ein Jahr begrenzte Erlaubnis durch die Untere Land­schafts­be­hörde erneut bean­tragt und dann auch wei­tere Stand­orte von Krä­hen­ko­lo­nien umfassen wird.

Der Spre­cher der Initia­tive Pro Park, Peter Steckel, wollte von der Ver­wal­tung wissen, ob bei einer Baum­fäl­lung auf dem Standort der künf­tigen Kin­der­ta­ge­stätte im Park auch alle von der Grünbau in dem Umwelt­gut­achten gemachten Vor­gaben bekannt seien? Uwe Nett­len­busch erklärte dar­aufhin, dass alle Vor­gaben und Auf­lagen beachtet würden. Zudem erklärte Nett­len­busch, dass die Ver­wal­tung inzwi­schen auch das Vor­kommen des Breit­blätt­rigen Sten­del­wurzes auf dem Standort bestä­tigen kann. „Diese Orchi­de­enart zählt aller­dings nicht zu den gefähr­deten Arten und ist des­halb von den gesetz­li­chen Vor­gaben frei­ge­stellt. Der Bau der Kita stellt somit keinen Ver­stoß gegen den Arten­schutz dar.“

Fraktionen genehmigen vorsorglich Baumfällung für Kita

Maximal vier geschützte Bäume dürfen für den Bau der Kita auf der Wiese im Park gefällt werden. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Die Initia­tive „Pro Park“ will mit einem Bür­ger­be­gehren den Kita-Neubau ver­hin­dern: Bau­feld für die neue Kita im Emscher­park. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Um den Standort der künf­tigen Kita ging es auch beim näch­sten Tages­ord­nungs­punkt. Durch eine Ver­än­de­rung des Bau­fen­sters konnte die Zahl der Bäume, die für den Bau gefällt werden müssen, auf das geringst­mög­liche Ausmaß ver­rin­gert werden. Nun­mehr sollen ledig­lich noch drei Birken und eine Weide, die der Baum­schutz-Sat­zung unter­liegen, gefällt werden. Eine kleine Kiefer und eine Lärche sollen eben­falls gefällt werden. Die Nadel­bäume sind jedoch, da sie weniger Lebens­räume als Laub­bäume bieten, nicht durch die Sat­zung geschützt. Wie die Ver­wal­tung erläu­terte sind auch die vier anderen Bäume schnell wach­sende Gehölze mit einer ver­gleichs­weise geringen Lebens­dauer und von daher auch von einer anderen öko­lo­gi­schen Wer­tig­keit als etwa Eichen. Ersatz­pflan­zungen sind auch nicht erfor­der­lich, sollen aber trotzdem stand­ortnah vor­ge­nommen werden. Auch die AWO als Träger der Kita hat Bereit­schaft zu frei­wil­ligen Aus­gleichs­pflan­zungen signa­li­siert.

Die Frak­tionen stimmten bei einer Gegen­stimme und zwei Ent­hal­tungen vor­sorg­lich einer mög­li­chen Fäl­lung der vier geschützten Bäumen (sowie der zwei unge­schützten Nadel­bäume) zu.

Für die CDU ist der Standort zwar nach wie vor nur die zweite Wahl, wie ihr Spre­cher Dieter Bücke­müller erklärte: „Wir wollen uns aber nicht gegen Kita sperren und stimmen des­halb zu. Wir freuen uns aber, dass der Träger auch von sich aus Aus­gleichs­pflan­zungen ange­boten hat.“ Die Bür­ger­block-Mit­glieder ent­hielten sich der Abstim­mung: „Für uns ist die Anzahl der Bäume nicht ent­schei­dend“, so Frank Nierhaus.„Der Bau der Kita wäre auch auf dem anderen Standort auf dem Fest­platz mög­lich, auch wenn die Kita da viel­leicht anders aus­ge­sehen hätte. Doch auch wir wollen das wei­tere Ver­fahren nicht auf­halten.“

Auch für Rathausneubau müssen zehn Bäume weichen

Auch für das neue Rat- und Bür­ger­haus müssen ins­ge­samt zehn Bäume im Karree um das alte Rat­haus gefällt werden. Drei der Bäume (unter 120 cm Stamm­um­fang) und zwei Nadel­ge­hölze fallen nicht unter die Baum­schutz-Sat­zung. Der Aus­schuss erteilte für die übrigen fünf Bäume die Fäll­ge­neh­mi­gung. Wie die Ver­wal­tung mit­teilte, wurden außerdem anläss­lich des 100. Geburts­tages des Rat­hauses zwei Bäume auf der Wiese der Rück­seite des Rat­hauses gepflanzt. Diese beiden Jung­bäume sollen umge­pflanzt werden und, auf Antrag der Grünen, an den Kita-Standort im Park gesetzt werden. Auf Antrag einiger Anwohner beschäf­tigte sich der Aus­schuss auch mit den rund 100 Kugel­ahorn­bäumen in der Les­sing­straße. Die Anwohner sehen drin­genden Hand­lungs­be­darf, weil die Bäume schon seit einigen Jahren keinen Pfle­ge­schnitt mehr erhalten haben. Des­halb for­dern sie einen umfang­rei­chen Kro­nen­rück­schnitt, da sich erheb­liche Pro­blem ergeben, etwa bei der Durch­fahrt von Lkw.

Nur Pflege für rd. 100 Kugelahorn in Lessingstraße

Die Gemeinde wird die Kronen der Kugel­ahorne in der Les­sing­straße nicht, wie von den Anlie­gern gewünscht, radikal beschneiden. (Foto: Gemeinde Holzwickede) n

Auch der Licht­ein­fall wird durch die dichten Baum­kronen ins­be­son­dere ab Früh­jahr stark beein­träch­tigt. Die Bewohner sind in den Häu­sern tags­über genö­tigt, Licht ein­zu­schalten. In einigen Woh­nungen ver­sperren die Blätter beim Blick aus dem Fen­ster sogar kom­plett die Sicht. Auch der Abstand zwi­schen den Häu­ser­fas­saden und den Zweigen und Ästen der Bäume ver­rin­gert sich von Jahr zu Jahr und ist inzwi­schen schon so gering, dass die Haus­fas­saden stark von Moos befallen sind und mit dem Hoch­druck­rei­niger gesäu­bert werden müssen. Ein wei­terer Punkt ist die man­gel­hafte Beleuch­tung der Geh­wege, da durch die Bäume das Later­nen­licht geschluckt wird. Zudem drücken die Wur­zeln der Bäume an vielen Stellen das Geh­weg­pfla­ster nach oben. Die Bewohner des Senio­ren­heims Neue Caro­line nutzen mit ihren Rol­la­toren des­wegen inzwi­schen die Fahr­bahn, so die Anwohner. Schließ­lich ist auch der Laub­an­fall enorm – und die Gemeinde stellt kei­nerlei Säcke oder Behälter für das anfal­lende Laub.

Zwar hat es bereits Gespräche mit der Ver­wal­tung und sogar der Bür­ger­mei­sterin gegeben. Doch die Fronten scheinen ver­härtet: Die Ver­wal­tung weist darauf hin, dass die rund 100 Bäume alle­samt gesund sind und auch schon Pfle­ge­schnitte erhalten haben. „Aller­dings können wir die Baum­kronen nicht so radikal zurück­schneiden, wie Sie sich das vor­stellen“, betont Gemein­de­gärtner Armin Nedo­mansky. „Das wäre nicht fach­ge­recht und dann gingen die an sich gesunden Bäume kaputt. Des­halb wei­gere ich mich auch, das zu tun.“

Drei Buchen am Saarbrücker Weg bleiben erhalten

Die drei Buchen am Spiel­platz Saar­brücker Weg bleiben erhalten. Der Aus­schuss lehnte die Fäl­lung ab. (Foto: Gemeinde Holzwickede)

Zwar betonten alle Frak­tionen, die Bedenken und Sorgen der Antrag­steller ernst­nehmen zu wollen. Baum­pflege, ordent­liche Geh­wege und Beleuch­tung müssen selbst­ver­ständ­lich sein. Doch bei der Frage, ob die Kugel­ahorne einen radi­ka­leren Kro­nen­be­schnitt ver­kraften, wollten sich die Aus­schuss­mit­glieder auf die Sach­kenntnis der Ver­wal­tung ver­lassen. Auf Anre­gung der CDU beschloss der Aus­schuss aber nach genau einem Jahr die Pfle­ge­maß­nahmen des Bau­be­triebs­hofes in der Les­sing­straße wieder zu über­prüfen, ob diese aus­rei­chend waren. Ledig­lich die beiden FDP-Mit­glieder ent­hielten sich der Abstim­mung, da die Ver­wal­tungs­vor­lage, so Lars Berger, „keine aus­rei­chende Grund­lage für eine Ent­schei­dung“ sei.
Schließ­lich hatte der Aus­schuss auch über einen Antrag von Anwoh­nern zu ent­scheiden, die drei gemein­de­ei­gene Buchen am Spiel­platz nörd­lich des Saar­brücker Weges fällen lassen wollen. Begrün­dung: Die Bäume stehen zu dicht an ihren Häu­sern und redu­zieren das Tages­licht in ihren Woh­nungen, ver­schmutzen die Dächer und den Abwas­ser­kanal.

Bei einem Orts­termin stellte die Ver­wal­tung fest, dass die drei jeweils ca. 35 Jahre alten Buchen unauf­fällig, gesund, vital und stand­si­cher sind. Irgend­welche Mängel oder Schäden konnten nicht fest­ge­stellt werden. Zudem erfüllten die Bäume eine Auf­gabe als Schat­ten­spender für spie­lende Kinder. Auch der eine oder an Ver­treter der Frak­tionen war eben­falls per­sön­lich vor Ort.

Auf Vor­schlag der Ver­wal­tung lehnte der Aus­schuss die Fäl­lung der Bäume ein­stimmig ab.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.