Überraschendes Ergebnis der Gutachter: Verkehrsbelastung in Holzwickede sinkt

Der Verkehrsausschuss fordert ein generelles Fahrverbot für Lkw auf der Nordstraße. (Foto: Peter Gräber)

Im gesamten Gemein­de­ge­biet ist die Ver­kehrs­be­la­stung gesunken, so die Gut­achter: Blick auf die Nord­straße, wo statt ca. 17.500 „nur“ noch 11.500 Fahr­zeuge täg­lich gezählt wurden. (Foto: Peter Gräber)

Für die Ver­kehrs­ent­wick­lungs­pla­nung der Gemeinde Holzwickede hat die Gemeinde Gut­achter beauf­tragt, die Ver­kehrs­be­la­stungen in Holzwickede zu unter­su­chen. In einer gemein­samen Sit­zung des Ver­kehrs- sowie Bau- und Pla­nungs­aus­schusses stellten die Gut­achter heute (3. Mai) die Ergeb­nisse ihrer Unter­su­chungen vor.

Um es vorweg zu sagen: Auch die Gut­achter gehen davon aus, dass nur der neue Auto­bahn­an­schluss (AS Oel­pfad) und die Ost­um­ge­hung (L 677n) eine echte Ver­kehrs­ent­la­stung für den Norden und die übrige Gemeinde bringen. Denn irgend­welche neuen, bisher unbe­kannte Straßen oder Wege haben auch die Gut­achter nicht gefunden. Auch andere Lösungen, als die bereits seit Jahren in der Gemeinde ange­dachten, haben die Gut­achter aus dem Hut ziehen können. Trotzdem haben sie einige über­ra­schende Ergeb­nisse gelie­fert.

Was Dr. Less­mann vom gleich­na­migen Inge­nieur­büro und Prof. Dr. Ing Lee­kamp (Ber­gi­sche Uni­ver­sität Wup­pertal) unter­sucht haben, sind diese fünf Aspekte:

  • Ver­gleich der diversen Ver­kehrs­zäh­lungen und Gut­achten
  • das gemeind­liche Ver­kehrs­netz, mit beson­deren Blick auf eine aus­ge­baute Mon­tan­hy­drau­lik­straße und die Lkw-Füh­rung
  • der ruhende Ver­kehr und eine Tem­po­be­gren­zung auf der Sölder Straße
  • ein Kreis­ver­kehr am Kno­ten­punkt Haupt- und Sölder Straße
  • die Schul­weg­si­che­rung auf der Opher­dicker Straße

Netzkonzeption

Diese Grafik zeigt einen Vergleich der

Diese Grafik zeigt einen Ver­gleich der zwei Modell­rech­nungen mit den neu­sten Zäh­lungen (grüner Balken).

Hier gibt es die erste große Über­ra­schung für die Politik und auch viele Holzwickeder. Denn der Ver­gleich mit den bis­lang vor­lie­genden Ver­kehrs­zäh­lungen (Schu­bert 2004 Zäh­lung; Schu­bert 2005; IVV 2010 beides Modell­pro­gnosen) zeigt: Das Ver­kehrs­auf­kommen in Holzwickede ist nicht etwa gestiegen, wie viele ver­mutet haben dürften, son­dern gesunken.

Dabei gehen die beiden Modell­pro­gnosen aus 2008 und 2010 davon aus, dass das Ver­kehrs­auf­kommen im Süden Holzwickedes sich nicht stark ver­än­dern, in der Mitte Holzwickede sinken und im Norden der Gemeinde stark zurück gehen wird durch die Ost­um­ge­hung (L 677n). Auf­fällig, so die Gut­achter, sei, dass die eigenen aktu­ellen und echten Ver­kehrs­zäh­lungen aus Herbst 2015 in allen Berei­chen Holzwickedes gerin­gere Ver­kehrs­be­la­stung ergeben haben als die vor­her­ge­sagten. So gingen die beiden Modell­rech­nungen noch von maximal rund 17.500 Fahr­zeugen pro Tag auf der Nord­straße aus. Gezählt wurden im Herbst 2015 aller­dings „nur“ rd. 11.500 Fahr­zeuge pro Tag. Ähn­lioch ver­hält es sich auf der süd­li­chen Haupt­straße, wo zwi­schen gut 8.000 und gut 6.000 Fahr­zeugen pro­gno­sti­ziert wurden, tat­säch­lich aber nur knapp 4.000 Fahr­zeuge gezöählt wurden.

Der Ver­kehr in Holzwickede nimmt nicht zu, son­dern bleibt kon­stant oder nimmt eher ab.“

Fazit des Gut­ach­ters Dr. Less­mann.

Die zweite faust­dicke Über­ra­schung, die die jüngste Ver­kehrs­zäh­lung ergeben hat: der Durch­gangs­ver­kehr spielt kaum eine Rolle in Holzwickede. Ledig­lich 568 Fahr­zeuge (vor­mit­tags) und 479 (nach­mit­tags) wurden an den Zähl­punkten in der Gemeinde gezählt. Auf der Haupt­straße (L 677) wurden gerade einmal im Durch­gangs­ver­kehr maximal 500 Kraft­fahr­zeuge am Tag gezählt.

Der Ver­kehr in Holzwickede ist also zu ganz über­wie­genden Teil Quell- und Ziel­ver­kehr.

Was empfeheln die Gutachter zur Verkehrsentwicklung?

Verkehrsfuehrung

Die grüne Mar­kie­rung auf dem linken Luft­bild zeigt die aktu­elle Ver­kehrs­füh­rung. Die gelbe Mar­kie­rung auf dem rechten Luft­bild zeigt die von den Gut­ach­tern vor­ge­schla­gene Ver­kehrs­füh­rung über die aus­ge­baute Mon­tan­hy­drau­lik­straße.

Nun, ihr Vor­schlag ist nicht beson­ders neu: Sie emp­fehlen den Ver­kehr aus süd­li­cher Rich­tung von der Haupt­ver­kehrs­achse Haupt­straße (L 677) über die Bahn­hof­straße und eine aus­ge­baute Mon­tan­hy­draulik-straße zum neuen Auto­bahn­an­schluss (AS) Oel­pfad zu führen. Lang­fri­stig wird aber nur die Ost­um­ge­hung (L 677n) die erhoffte echte Ver­kehrs­ent­la­stung bringen, räumen die Gut­achter ein. Über­gangs­weise bietet die von emp­foh­lene Ver­kehrs­füh­rung aber Vor­teile.

Dabei gehen die Gut­achter aller­dings von fol­genden Vor­aus­set­zungen aus: Der AS Oel­pfad wird deut­lich schneller rea­li­siert vom Bund – und zwar not­falls auch ohne Zugang zur Ost­um­ge­hung (L 677n), die bekannt­lich vom Land gebaut werden müsste. Die bestehende Abfahrt an der Nord­straße wird halb­seitig gesperrt, so dass eine Abfahrt von der B 1/​A 44 nur noch zum Flug­hafen mög­lich sein wird. Ist der AS Oel­pfad erst rea­li­siert kann auch ein Lkw-Fahr­verbot auf der Nord­straße (L 677) umge­setzt werden.

Der Umbau dieser Abfahrt sei Bestand­teil der Plan­fe­stel­lung für den neuen AS Oel­pfad, so die Gut­achter. Ebenso gehöre der neue AS Oel­pfad zum geplanten sechs­spu­rigen Ausbau der A 40.

Der über die Mon­tan­hy­drau­lik­straße ankom­mende Ver­kehr sollte dann nach Vor­stel­lung der Gut­achter über eine abknickende Vor­fahrt­re­ge­lung durch den schmalen Tunnel auf den Oel­pfad zum neuen AS geleitet werden.

Kommt die Ost­um­ge­hung (L 677n) dann end­lich, würde der Tunnel aus­ge­baut und unmit­telbar danach ein Kreis­ver­kehr ange­legt, um den Ver­kehr Rich­tung AS Oel­pfad abzu­führen. Nach­teile oder Fehl­in­ve­stiert hätte die Gemeinde durch die Zwi­schen­lö­sung nicht.

Sölder Straße

Die Maßnahmenvorschläge der Gutachter für die westliche Sölder Straße.

Die Maß­nah­men­vor­schläge der Gut­achter für die west­liche Sölder Straße.

Hier emp­fehlen die Gut­achter im west­li­chen Teil auf der nörd­li­chen Stra­ßen­seite durch Pflanz­scheiben unter­bro­chene durch­ge­hende Park­streifen und auf dem gegen­über­lie­genden Fahr­bahn­rand nur zwei Park­buchten. Um den Cha­rakter der Tempo-30-Zone zu betonen sollte Höhe Rewe-Park­platz ein Fuß­gän­ger­überweg ange­legt werden.

Für den öst­li­chen Teil der Sölder Straße regen die Gut­achter eine Fahr­bahn­breite von 5,5 m an sowie daneben ein 3,5 m breiten Rad- und Gehweg, beides getrennt durch einen Hoch­bord­stein.

Erstaun­lich auch, wie der Gut­achter Dr. Bert Leer­kamp die Ver­kehrs­ent­wick­lung nach einer Wohn­be­bauung auf dem Kaser­nen­ge­lände ein­schätzt: Die Wohn­be­bauung werde keine wesent­liche zusätz­liche Ver­kehrs­be­la­stung für die Gemeinde bringen, so der Gut­achter. Unbe­streitbar werde es mehr Fahr­zeuge auf der Sölder Straße geben, so der Gut­achter. Aber sobald diese die Haupt­straße errei­chen, werde sich diese zusätz­liche Ver­kehrs­be­la­stung schnell ver­rin­gern. „Sie werden keine west­liche Ent­la­stung brau­chen, um dieses Gebiet zu erschließen“.

Kreisverkehr Knotenpunkt Haupt- und Sölder Straße

Kreisel

Diese Skizze ver­deut­licht, warum im Ein­mün­dungs­be­reich Sölder- und Haupt­straße der Platz für einen Kreis­ver­kehr nicht aus­reicht.

Ein Kreis­ver­kehr würde hier nach Ansicht der Gut­achter gut funk­tio­nieren. Aller­dings ist der Bau aus tech­ni­schen Gründen nicht mög­lich. Es gibt nicht genü­gend Platz für einen sol­chen Kreis­ver­kehr. Das Bau­werk müsste min­de­stens 26 m Durch­messer haben und würde damit nicht zuletzt auch min­de­stens 9 m auf pri­vate Grund­stücke rei­chen.

Schulwegsicherung Opherdicker Straße

Mit dieser Sifnahme dokumentieren die Gutachter das korgendliche Verkehrschaos vor der Dudenrothschule, wenn Eltern ihre Kinder zur Schule bringen.

Mit dieser Auf­nahme doku­men­tieren die Gut­achter die mor­gend­liche Ver­kehrs­si­tua­tion vor der Duden­roth­schule, wenn Eltern ihre Kinder zur Schule bringen.

Mit ca. 2.500 Fahr­zeugen täg­lich eigent­lich eine gering bela­stete Straße, gibt es den­noch auf der Opher­dicker Straße mor­gens zu Schul­be­ginn und bei Schul­schluss immer wieder Pro­blem mit Eltern, die ihre Kinder zur Duden­roth­schule bringen. Die Gut­achter emp­fehlen hier eine Reihe von Maß­nahmen, mit denen Eltern und anderen Ver­kehrs­teil­nehmer kon­se­quent signa­li­siert werden soll, wo ein Halten nicht erwünscht ist. Dazu sollten die bestehenden Bus­hal­te­buchten vor der Schule ent­fernt und mit Hoch­borden bau­lich so umge­staltet werden, dass nur noch Schul­busse dort halten können.

Auf der Straße sollte ein Fuß­gän­ger­überweg ange­legt werden, der gleich­zeitig als Tem­po­bremse für Fahr­zeug­ver­kehr dient. Im Hof könnte eine Que­rungs­hilfe für die Kinder auf­ge­pfla­stert werden. Schließ­lich soll der Gehweg Im Hof aus­ge­baut werden. Auch ein direkter Zugang zum Schulhof würde die Sicher­heit auf dem Schulweg erhöhen.

In Höhe der Ein­mün­dung Buch­holz­straße schlagen die Gut­achter einen Mini-Kreis­ver­kehr vor.

Eltern, die ihre Kinder unbe­dingt mit dem, Pkw zur Schule bringen müssen, sollten nach Ansicht der Gut­achter ihre Kinder besser in einiger Ent­fer­nung der Duden­roth­schule absetzen. Vier „Absetz­punkte“ schlagen die Gut­achter vor: den Platz von Lou­viers, die Dudenrothstraße/​Im Hof sowie zwei Park­buchten an der Haupt­straße.

Über­ein­stim­mend zeigten sich die Frak­tionen heute etwas ent­täuscht, keine kurz­fri­stigen neuen Ver­kehrs­lö­sungen von den Gut­ach­tern prä­sen­tiert bekommen zu haben. Den Abschluss­be­richt nahmen sie zur Kenntnis und werden ihn nun in den Frak­tionen beraten.

Ab heute soll der Bericht der Gut­achter auch auf der Inter­net­seite der Gemeinde ein­sehbar sein.

  • Termin: Die Gemeinde wird auch noch eine geson­derte Bürger-Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zum Thema am Dienstag, 31. Mai, ab 19 Uhr, im Forum, Opher­dicker Str. 44, durch­führen.

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