Überraschender Vorschlag: Verwaltung will neuen Kindergarten am Aachener Weg bauen

Diesen Standort am Aachener Weg auf dem Park­platz vor dem Sport­platz am Schul­zen­trum favo­ri­siert die Ver­wal­tung für die neue Kin­der­ta­ges­stätte. (Quelle: Gemeinde Holzwickede)

Der Standort für den neuen vier­zü­gigen Kin­der­garten in der Gemein­de­mitte soll in der Sit­zung des Pla­nungs- und Bau­aus­schusses am Montag (30. Januar) beraten werden. In der Beschluss­vor­lage für diesen Tages­ord­nungs­punkt die die Ver­wal­tung nun einen ganz neuen Stand­ort­vor­schlag gemacht: den Aachener Weg (Park­platz am Schul­zen­trum Opher­dicker Straße).

Wie es in der Vor­lage heißt, hat es am 21. Dezember 2016 ein Abstim­mungs­ge­spräch mit Ver­tre­tern des Kreises Unna über mög­liche Stand­orte gegeben, wobei auch die beiden von der SPD und CDU vor­ge­schla­genen Flä­chen sowie der alter­na­tive Standort Aachener Weg dis­ku­tiert worden sind.

Die ver­blie­benen Stand­ort­vor­schläge bewertet die Ver­wal­tung nun wie folgt:

Standort Emscherpark (SPD)

Der angeb­lich von der SPD vor­ge­schla­gene Standort im süd­li­chen Emscher­park. (Foto: Quelle Holzwickede)

Der von der SPD ein­ge­brachte Stand­ort­vor­schlag am öst­li­chen Rand des Emscher­parks sei unge­eignet: Der Emscher­park sei eine wert­volle, zen­trale zusam­men­hän­gende Grün­fläche, die lang­fri­stig gesi­chert, qua­li­fi­ziert und aus­ge­baut werden sollte.

Im ISEK wurde das Grund­stück zudem als histo­risch bedeu­tender Ort iden­ti­fi­ziert. Diese Stelle sieht ISEK für einen Allee­platz vor, der vom Gemein­derat beschlossen und im Jahr 2020/​21 umge­setzt werden soll. Der Bau einer Kita wäre an dieser Stelle gegen die vor­lie­gende Beschluss­lage damit auch ent­gegen des För­der­an­trages als „äußerst kri­tisch“ zu bewerten.

Das Grund­stück sei der­zeit ledig­lich über einen Fußweg erschlossen. Für die Kita müsste eine auf­wen­dige tech­ni­sche Erschlie­ßung erfolgen. Schließ­lich wäre eine Erschlie­ßungs­straße kon­trär zur Schul­we­ge­pla­nung.

Standort Festplatz (CDU)

Der von der CDU vor­ge­schla­gene Kita-Standort am Fest­platz. (Quelle: Gemeinde Holzwickede)

Grund­sätz­lich ent­spricht der CDU-Vor­schlag dem ISEK, das eine Teil­fläche des Fest­platzes für eine spe­zi­fi­sche Bebauung vor­sieht. Trotzdem ist der Standort nach Ansicht der Ver­wal­tung unge­eignet für meine Kita:

Das Bau­feld ist mit 1.200 m2 zu klein für den Bedarf in der Gemein­de­mitte. Eine Erschlie­ßung könnte über den Süd­rand des Fest­platzes erfolgen, würde aber die Ver­kehrs­be­la­stung auf der Ham­burger Allee weiter ver­schärfen. Zudem steht zu befürchten, dass der erfor­der­liche Ausbau des vor­han­denen Weges zu einer Beein­träch­ti­gung des Schüt­zen­fe­stes führen würde.

Standort Eco Port

Der Bau einer Kita im Eco Port ist pla­nungs­recht­lich pro­ble­ma­tisch. Die Errich­tung einer betriebs­an­ge­hö­rigen Kita ist zwar mög­lich, die dort geschaf­fenen Kapa­zi­täten würden aber nicht auf den vom Kreis Unna ange­zeigten bedarf ange­rechnet werden, wes­halb der Standort unge­eignet ist.

Standort Aachener Weg

DSo stellt sich die Ver­walk­tung die Auf­tei­lung zwi­schen Rest-Park­platz und neuer Kita am Aachener Weg vor. (Quelle: Gemeinde Holzwickede)

Der Standort auf dem Park­platz süd­lich der Sport­an­lage wird von der Gemein­de­ver­wal­tung favo­ri­siert und auch von der Kreis­ver­wal­tung mit­ge­tragen. Die Ent­wick­lung der Fläche steht dem Schul­ent­wick­lungs­plan nicht ent­gegen. Aller­dings ist eine berg­bau­liche und geo­tech­ni­sche Unter­su­chung ange­raten, da diese Fläche mög­li­cher­weise im Ein­wir­kungs­be­reich des Berg­baus liegt. Wei­tere Ein­schrän­kungen lägen der­zeit nicht vor für diesen Standort, wes­halb die Ver­wal­tung ihn favo­ri­siert.

Zudem hat sich der Zeit­druck ent­spannt. Die Fer­tig­stel­lung der neuen Kita in der Gemein­de­mitte ist nicht mehr Mitte dieses Jahres nötig, son­dern kann erst Mitte 2018. Grund: Der Kreis Unna begrüßt die Pla­nungen zur Erwei­te­rung der vor­han­denen Kita an der Schwerter Straße von zwei auf drei Gruppen sowie die Ver­le­gung der U3-Gruppe, die der­zeit noch als Pro­vi­so­rium im Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus unter­ge­bracht ist. Diese neuen Kapa­zi­täten ent­spannen in der Gemein­de­mitte die Situa­tion.

Politik von neuem Vorschlag völlig überrascht

Für die Politik kommt der neue Vor­schlag der Ver­wal­tung über­ra­schend. Die Spre­cher der beiden großen Frak­tionen kri­ti­sieren denn auch das Vor­gehen der Ver­wal­tung: „Es kann doch nicht sein, dass solche Dinge ver­öf­fent­licht werden, noch bevor wir dar­über in for­miert worden sind“, so etwa Frank Mar­kowski (CDU). „Der Vor­schlag der Ver­wal­tung scheint mir pro­ble­ma­tisch. Wir wollen eine schnelle und sichere Lösung. Doch bevor wir uns dazu kon­kret äußern, müssen wir zunächst am kom­menden Montag in der Frak­tion aus­führ­lich dar­über dis­ku­tieren. “

Deut­li­cher wurde da schon SPD-Frak­ti­ons­chef Michael Klim­ziak: „Da sitzen wir am Mitt­woch alle bei einem inter­frak­tio­nellen Gespräch zusammen, um Neu­be­set­zung der Bei­geord­ne­ten­stelle und andere Dinge sehr kon­struktiv zu bespre­chen, doch dieses Thema wird mit keinem Wort erwähnt. Einen Tag später über­rascht uns die Ver­wal­tung dann mit dieser Beschluss­vor­lage für den Fach­aus­schuss Ende des Monats“, wun­dert sich Klim­ziak. „Diese Vor­ge­hens­weise der Ver­wal­tung ist nicht hin­nehmbar.“

Vorgehen der Verwaltung „nicht hinnehmbar“

Auch inhalt­lich sei das Vor­gehen der Ver­wal­tungs­vor­lage inak­zep­tabel, so der SPD-Spre­cher: „Unser Antrag, den wir schon vor Monaten gestellt haben, steht immer noch nicht auf der Tages­ord­nung.“ Immerhin sei der Stand­ort­vor­schlag seiner Frak­tion in der Ver­wal­tungs­vor­lage erwähnt. „Aller­dings ist die von uns vor­ge­schla­gene Fläche in der Vor­lage völlig falsch dar­ge­stellt. Wir meinen genau den Platz süd­lich des Weges zur Fuß­gän­ger­brücke, an dem auch das Solar-Haus vor­ge­sehen war.“

Übri­gens hält auch die Kreis­ver­wal­tung unseren Stand­ort­vor­schlag für ideal geeignet.“

Michael Klim­ziak, SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zender

Diesen Standort halte seine Frak­tion nach wie vor für optimal. „Übri­gens hält auch die Kreis­ver­wal­tung unseren Stand­ort­vor­schlag für ideal geeignet. Aber selbst­ver­ständ­lich sind wir auch kom­pro­miss­be­reit. Denn dieses Thema sollte nicht zum Zank­apfel werden. Immerhin ist jetzt wenig­stens schon mal klar, dass wir einen vier­zü­gige Kita in der Gemein­de­mitte brau­chen.“

Der Ver­kehrs­aus­schuss bei einem seiner letzten Orts­ter­mine an der Zufahrt Sport­platz Schul­zen­trum. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Michael Klim­ziak glaubt aller­dings nicht, dass seine Frak­tion die von der Ver­wal­tung favo­ri­sierte Fläche am Aachener Weg mit­tragen kann. „Wir habe da schon jetzt eine sehr pro­ble­ma­ti­sche Ver­kehrs­si­tua­tion mit den ver­schie­denen Zuwegen.“ Autos, Fahr­rad­fahrer, Fuß­gänger und der Schü­ler­ver­kehr kreuzen sich unmit­telbar vor der Zufahrt zum Park­platz. „Wir waren schon zu meh­reren Orts­ter­minen mit dem Fach­aus­schuss dort und haben immer noch keine opti­male Lösung gefunden. Und da sollen wir jetzt dieses Chaos noch ver­grö­ßern, in dem wir auch noch die Eltern und Vor­schul­kinder dort hin­führen?“

Das ein­zige, was viel­leicht für diesen Standort spricht, sei jetzt nach über einem Jahr der Zeit­faktor, meint Klim­ziak. „Die Fläche könnte mög­li­cher­weise etwas schneller bebaut werden. Für die von uns favo­ri­sierte Lösung müsste erst noch der Bebau­ungs­plan geän­dert werden.“

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.