Teures Gras: Für 0,2 Gramm Marihuana muss Angeklagter 625 Euro zahlen

Dass der Besitz gerin­ger Men­gen ver­bo­te­ner Betäu­bungs­mit­tel für den Eigen­be­darf nicht straf­bar ist, ist ein weit ver­brei­te­ter Irr­tum. Das muss­te heu­te (11.11.) auch der Holzwicke­der M.P. vor dem Amts­ge­richt Unna erfah­ren. Wegen des Besit­zes der win­zi­gen Men­ge von  0,2 Gramm Mari­hua­na ver­ur­teil­te der vor­sit­zen­de Rich­ter Grans­eu­er den 24-Jäh­ri­gen zu einer Geld­stra­fe in Höhe von 625 Euro.

Dabei mach­te der 24-Jäh­ri­ge auf der Ankla­ge­bank gestern durch­aus eine gute Figur: Voll gestän­dig, schon län­ge­re Zeit weg von der här­te­ren Dro­ge Hero­in, in einer festen Bezie­hung mit sei­ner Freun­din, mit der er seit sie­ben Mona­ten auch eine süße Toch­ter hat. Außer­dem geht der Holzwicke­der einem regel­mä­ßi­gen Aus­hilfs­job in einem Schnell­re­stau­rant nach. Alles Din­ge, die eigent­lich dafür gespro­chen hät­ten, das Ver­fah­ren wegen Gering­fü­gig­keit ein­zu­stel­len. Das hat­te auch der Ver­tei­di­ger von P. bean­tragt – und Rich­ter Grans­eu­er deu­te­te an, nicht abge­neigt zu sein, dem Antrag zu fol­gen.

Staats­an­walt­schaft lehn­te Ein­stel­lung ab: lan­ges Vor­stra­fen­re­gi­ster 

Doch bei der Ein­stel­lung woll­te die Staats­an­walt­schaft nicht mit­spie­len. Der Grund dürf­te wohl in den Umstän­den zu sehen sein, unter denen der  Holzwicke­der ins Visier der Anklä­ger geriet. Am 12. Juni die­ses Jah­res waren die 0,2 Gramm Mari­hua­na bei einer ange­ord­ne­ten Durch­su­chung der Woh­nung von P. in der Wil­helm­stra­ße  im Fern­seh-Schrank gefun­den wor­den. Zusam­men mit diver­sen Uten­si­li­en, dar­un­ter eini­ge Fil­ter, an denen noch Spu­ren von Hero­in haf­te­ten.

Den Besitz von Mari­hua­na und damit sei­nen zwei­ten Rück­fall inner­halb von einem Jahr räum­te der ehe­mals Hero­in-Abhän­gi­ge gestern auch frei­mü­tig ein. Auf die Hero­in-Spu­ren in sei­ner Woh­nung will er sich dage­gen kei­nen Reim machen kön­nen. „Kei­ne Ahnung, wo das her­kommt. Ich weiß nicht mal, wie die Fil­ter aus­ge­se­hen haben sol­len“, beteu­er­te P. „Vom Hero­in bin ich schon sehr lan­ge weg.“

Gegen den Ange­klag­ten P. sprach , so der Ankla­ge­ver­tre­ter, aller­dings auch ein lan­ges Vor­stra­fen­re­gi­ster mit teils ein­schlä­gi­gen Vor­stra­fen. Die  Ankla­ge lehn­te dar­um eine Ein­stel­lung des Ver­fah­rens ab und for­der­te statt­des­sen eine Geld­stra­fe. Dem folg­te der vor­sit­zen­de Rich­ter Grans­eu­er, der 25 Tages­sät­ze a‘ 25 Euro für ange­mes­sen hielt. Außer­dem muss P. die Kosten des Ver­fah­rens tra­gen.

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visage

Dipl.-Journalist

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