Streit um Kita-Planung voll entbrannt: Wieviel Baumschutz ist möglich?

Ein Bebauungsplan, zwei Meinungen: Wilfried Brinkmann und Reinhard Gerlings (v.l.) diskutieren über die Lage des Baukörpers der Kita - ohne Ergebnis. (Foto: P. Gräber - Enmscherblog.de)
Ein Bebauungsplan, zwei Meinungen: Wilfried Brinkmann und Reinhard Gerlings (v.l.) diskutieren über die Lage des Baukörpers der Kita – ohne Ergebnis. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Ein böser Verdacht machte heute die Runde beim Treffen am geplanten Standort der Neue Kita im Emscherpark, zu dem der Historische Verein eingeladen hatte: Hat die Verwaltung absichtlich einen provokanten Planungsentwurf in ihrer Beschlussvorlage für den Umweltausschuss vorgelegt, der eine möglichst große Zahl von zu fällenden Bäumen vorsieht?

Alle Bürger, die der Einladung des Historischen Vereins heute gefolgt waren, fanden am Standort im Emscherpark eine Freifläche vor, die mit einem gelben Flatterband umspannt war. Das Band war von dem Diplom-Ingenieur Reinhard Gerlings, einem Anwohner, aufgespannt worden. „Es entspricht genau den Maßen des geplanten Kindergartens. Die habe ich heute Vormittag beim Architekturbüro Weiss und Wessels abgefragt“, behaupte Gerlings. „Man kann ganz deutlich sehen, dass die ca. 660 m2 große Kita auch auf der Freifläche vor Platz hätte. Dazu habe ich nur den Baukörper um 90 Grad gedreht“, Gerlings weiter. „Wie jeder sehen kann, müssten dann nur eine Birke und zwei kleine Krüppelbäumchen gefällt werden. Da fragt man sich natürlich, warum das Baufeld ganz nach hinten in den Wald verlegt worden ist?“

Anwohner flattern selbst Baufeld ab

Das gelbe Flatterband auf der Freifläche soll die genaue Größe des Baukörpers der Kita anzeigen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Das gelbe Flatterband auf der Freifläche soll die genaue Größe des Baukörpers der Kita anzeigen. Die Bürger fragen sich: Warum nicht so bauen?  (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, dass Wilfried Brinkmann, Planungsausschuss-Vorsitzender und BBL-Ratsherr, auf Nachfrage erklärte, dass der Baukörper nicht anders als im hinteren Bereich in den Bebauungsplan passt. Auch mit Hilfe des Bebauungsplanes konnte die widersprüchliche Einschätzung nicht geklärt werden.

Dazu sage ich nichts. Im Umweltausschuss werden die Planer ihre Überlegungen erläutern.

Bürgermeisterin Ulrike Drossel auf Frage, warum das Baufeld der Kita mitten im Gehölz liegen soll.

Vom Fachbereich der Verwaltung hatte sich niemand vor Ort blicken lassen. Bürgermeisterin Ulrike Drossel war zwar vor Ort, lehnte aber jeden Kommentar dazu ab, warum das Baufeld so und nicht anders gelegt werden muss. „Dazu sage ich nichts. Im Umweltausschuss werden die Planer ihre Überlegungen erläutern.“

Absurde Wahl: Kinder oder Bäume 

Die Einladung des Historischen Vereins stieß auf großes Interesse der Bürger. Politiker waren wenig, Mitarbeiter der Verwaltung gar keine anwesend. (Foto: P. Gräber – Enscherblog.de) 

Etwas unter ging der Vorstand des Historischen Vereins, der ja eigentlich Einlader war, mit seinem Anliegen: Der Historische Verein sieht ein ISEK-Projekt zur Erinnerung an Haus Dudenroth durch den Kita-Neubau an diesem Standort gefährdet. Die Vorsitzende Monika Blennemann appellierte erneut an die Verantwortlichen, vom Bau der Kita auf diesem Standort abzusehen. Den meisten Bürgern schien indes mehr am Erhalt der Bäume gelegen, zumal auch für die Erinnerung an Haus Dudenroth noch Bäume fallen müssten.

Neben den Befürwortern und Gegnern des Standortes hatten sich auch einige Eltern eingefunden, der Kinder in den Containern an der Rausinger Halle betreut werden oder spätestens im kommenden Jahr werden müssten.  Sie kritisierten vor allem die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, die eine „unmögliche Situation“ geschaffen haben, in der sich die Menschen nun „zwischen Kindern und Bäumen entscheiden“ sollen.

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Dipl.-Journalist

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