Straßen NRW informiert über Ersatzbrücke: Verkehrsbeeinträchtigung bis Ende 2019

Bis Ende 2019 wird die A1-Brücke über die Holzwickeder Straße (K29) neu gebaut. Über das Bauprojekt informierte Straßen NRW heute in einer Bürgerversammlung. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Bis Ende 2019 wird die A1-Brücke über die Holzwickeder Straße (K29) neu gebaut. Bis Ende 2019 ist mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen.  (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Es wird mit geschätzten 5,4 Millionen Euro Baukosten eine der größten Baustellen der nächsten zwei Jahre Jahren in der Gemeinde Holzwickede und die Verkehrsbeeinträchtigungen sind ganz erheblich: Der Neubau der A1-Brücke über die Holzwickeder Stra0ße (K29). Heute hatte der Landesbetrieb Straßen NRW zu einer Informationsveranstaltung für die Holzwickeder Bürger ins Forum eingeladen.

Doch nur sechs Bürger zeigten Interesse, sich persönlich zu informieren. Noch weniger Interesse zeigte nur der eigene Fachbereich IV (Technische Dienste) der Gemeindeverwaltung, aus dem überhaupt niemand anwesend war. Immerhin schauten drei politische Vertreter vorbei: Bürgermeisterin Ulrike Drossel, CDU-Parteichef Frank Lausmann und Uli Bangert von den Grünen.

Gleich zum Auftakt überraschte Projektleiterin Sandra Buschkühl (Straßen NRW) mit dem Hinweis: Für das Baurecht wird keine Planfeststellungsbeschluss benötigt: Vielmehr handele es sich um „eine Änderung von unwesentlicher Bedeutung“, so der juristische Terminus. Soll heißen: „Wir schaffen uns mit Einzelgenehmigungen unser Baurecht praktisch selbst“, so die Projektleiterin. Was wesentlich zur Beschleunigung des Verfahrens beitragen dürfte.

Straßen NRW schafft sich Baurecht selbst

Die Vertreter von Straßen NRW informierten heute im Forum über die Baumaßnahme und ihre Auswirkungen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Die Vertreter von Straßen NRW informierten heute im Forum über die Baumaßnahme und ihre Auswirkungen. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Allerdings heißt der Verzicht auf eine Plangenehmigung nicht, dass alle Bürgerechte außer Acht gelassen werden können. „Wir sind bereits auf alle unmittelbar betroffenen Bürger zugekommen“, so die Projektleiterin. „Für alle anderen Bürger findet heute diese Informationsveranstaltung statt.“  Außerdem werden im Fachbereich IV (Technische Dienste) die Planunterlagen ab nächste Woche für vier Wochen zur Einsicht ausliegen, verspricht die Bürgermeisterin. „Nach Anmeldung können die Unterlagen dann eingesehen werden.“

Wie die Claudia Risse, Laura Jordan, Sandra Buschkühl und Michael Hinse von Straßen NRW im Forum erläuterten, ist die A1-Brücke über die K29 der steigenden Verkehrsbelastung rechnerisch nicht mehr gewachsen – auch wenn von außen noch keine Schäden erkennbar sind. Bis spätestens 2024 muss die Brücke deshalb komplett erneuert werden. Bei rund 100.000 Pkw und über 17.000 Lkw, die täglich über die A1-Brücke brettern, wird die Brücke unter laufendem Verkehr und Erhaltung aller sechs Fahrspuren noch vor den Brücken im Liedbachtal und im Unnaer Kreuz, die ebenfalls erneuert werden müssen, ausgetauscht.

Fahrbahn wird 45 cm abgesenkt

Die neue Brücke wird in der Durchfahrtbreite der Holzwickeder Straße unverändert bleiben. Allerdings wird die Durchfahrthöhe, die jetzt schon zu gering ist, um 45 cm höher. „Wir erreichen das durch eine Absendung der Fahrbahn der Holzwickeder Straße“, so Projektleiterin Claudia Risse. Außerdem wir die neue Brücke später 1,5 m breiter sein als die alte.

Der Neubau der Brücke unter Verkehr wird so ablaufen: Die drei Fahrspuren einer Fahrtrichtung werden auf eine Hälfte der Brücke verschwenkt, so dass dort alle sechs Spuren liegen, während auf der anderen Seite die Bagger die Brückenhälfte „abknabbern“. Anschließend wird die Brückenhälfte neu aufgebaut – und die Fahrspuren und Bauarbeiten wechseln die Seiten.

Während der Bauzeit wird zweitweise eine große Lücke in der Brücke klaffen. Außerdem reicht eine Brückenhälfte gerade für die sechs Fahrspuren, nicht aber mehr für eine Rettungsgasse im Notfall. Deshalb werden für die Dauer der Bauarbeiten vier große Rampen an die Brücker gebaut als Zu-. Und Abfahrten für Rettungs- und Polizeifahrzeuge. „Wenn die Brücke fertig ist, werden diese Rampen wieder zurückgebaut“, verspricht Claudia Risse.

Teil- und Vollsperrung der Holzwickeder Straße

Mit etwas mehr als 3.000 Fahrzeuge täglich ist die K29 unterdurchschnittlich belastet. Trotzdem werden die Verkehrsbeeinträchtigungen während mehrjährigen Bauzeit beträchtlich sein. Während der Hauptbauzeit, so die Vertreter der Straßenbaubehörde, soll die Durchfahrt unter der Brücke einspurig mit einer Lichtzeichenanlage geregelt möglich sein. Mindestens 1,5 Jahre werden sich die Holzwickeder mit der einspurigen Ampellösung arrangieren müssen.

Doch es kommt noch dicker: Während der Sommerferien muss die Durchfahrt mindestens sechs Wochen komplett gesperrt werden. Außerdem wird es erforderlich sein, an vereinzelten Wochenenden, vor allem während der Abbrucharbeiten, die Durchfahrt komplett zu sperren. „Wir bemühen uns, die Vollsperrung so kurz wie möglich halten“, so Projektleiterin Claudia Risse. „Leider ist eine Komplettsperrung aus Sicherheitsgründen nicht immer vermeidbar.“

Als Umleitung soll ein 1,3 km langer Umweg über die Massener- Haupt- und Unnaer Straße ausgeschildert werden.

Große Umwege für Landwirt in Erntezeit

Ganze sieben Bürger wollten sich im Forum heute informieren über eines der größten Bauvorhaben der nächsten beiden Jahre in Holzwickede. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Ganze sieben Bürger wollten sich im Forum heute informieren über eines der größten Bauvorhaben der nächsten beiden Jahre in Holzwickede. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Die Sperrung in den Ferien könnte gerade Landwirt Friedrich-Wilhelm Middelschulte hart treffen:  „Das ist die Haupterntezeit für uns Landwirte. Ich bin zwar kein Eigentümer, aber als Pächter betroffen.  Mein Mähdrescher ist 3,5 m breit und auch die anderen Landmaschinen sind so um die 3 m breit. Damit komme ich doch gar nicht durch die Baustelle auf meine Felder“, ahnt der Landwirt. Der alternative Weg über die Feldstraße sei ein viel zu großer großer Umweg.

„Die Vollsperrung in den Ferien ist uns angetragen worden“, erklärt die Claudia Risse. Denn für die Schulkinder müsse ein sicherer Schulweg gewährleistet sein. Für die übrigen Verkehrsteilnehmer sei der Umweg zumutbar. Darum sei die Vollsperrung in die Ferienzeit terminiert worden. Möglicherweise können besondere Härten vermieden werden, bot sie dem Landwirt das Gespräch an. Middelschulte will sich nun  zunächst erst einmal mit seinem Anwalt beraten, wie er gegenüber dem Emscherblog erklärte.

Der Zeitplan für den Ersatzbrückenbau ist ehrgeizig: Nach der Veröffentlichung der Planung ab nächste Woche wird die Auftragsvergabe an die beteiligten Baufirmen bis Februar nächsten Jahres erfolgen. Ab Mai 2018 beginnen die Bauarbeiten dann, die bis Ende 2019 dauern. Dann soll die neue Brücke fertiggestellt sein. Kosten 2,8 Mio. Euro plus Lärmschutzmaßnahmen für rd. 290.000 Euro sowie Straßenbauarbeiten für weiter 1,4 Mio. Euro und schließlich weitere 900.000 Euro für Verkehrssicherungsmaßnahmen: insgesamt 5,4 Mio. Euro.

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Dipl.-Journalist

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