Stiftung Friesendorf: Kreis-SPD räumt Fehler ein und bestätigt Fraktionsvorstand im Amt

Mit den Kon­se­quen­zen und Aus­wir­kun­gen des Schei­terns der Stif­tung Frie­sen­dorf wird sich der Kreis­tag in sei­ner näch­sten Sit­zung auf Antrag der Grü­nen beschäf­ti­gen: das kreis­ei­ge­ne Haus Opher­dicke. (Foto: P. Grä­ber — Emscherblog.de)

Die Vor­sit­zen­de der SPD-Kreis­tags­frak­ti­on, Bri­git­te Czieh­so, ist maß­geb­lich mit dafür ver­ant­wort­lich, dass die Stif­tung Frie­sen­dorf nicht zustan­de gekom­men ist und dem Kreis Unna über zwei Mil­lio­nen Euro ver­lo­ren gegan­gen sind. Trotz­dem hat die SPD-Kreis­tags­frak­ti­on erwar­tungs­ge­mäß ihrem Vor­stand, allen vor­an Bri­git­te Czieh­so, (Lünen), mit 18 Ja-Stim­men, fünf Nein-Stim­men und zwei Ent­hal­tun­gen in gehei­mer Wahl das Ver­trau­en aus­ge­spro­chen.

In einer Stel­lung­nah­me bedau­er­te die SPD-Kreis­tags­frak­ti­on am spä­ten Mon­tag­abend, dass das Ehe­paar Frie­sen­dorf sei­ne Bereit­schaft zugun­sten einer Kul­tur­stif­tung für das Haus Opher­dicke am 11. Janu­ar zurück­ge­zo­gen hat. Gleich­zei­tig räum­te die SPD-Kreis­tags­frak­ti­on eige­ne Feh­ler ein:

Die­ser Rück­zug ist nicht zuletzt dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass die SPD-Frak­ti­on zwar auf der einen Sei­te alles dar­an  gesetzt hat, mit der Klä­rung noch offe­ner Fra­gen die Inter­es­sen der Öffent­lich­keit zu ver­tre­ten –  dabei ande­rer­seits aber sowohl die Eil­be­dürf­tig­keit des Vor­ha­bens als auch die beson­de­re Sen­si­bi­li­tät des gesam­ten Vor­gangs falsch ein­ge­schätzt hat. Das war ein Feh­ler, für den sich die SPD-Frak­ti­on noch geson­dert gegen­über den Stif­tern ent­schul­di­gen wird“, heißt es in der Stel­lung­nah­me.

Auch Brigitte Cziehso mit großer Mehrheit wiedergewählt

Alte und neue Vor­sit­zen­de der SPD-Kreis­tags­frak­ti­on: Bri­git­te Czieh­so, Lünen. (Foto: SPD)

Für die SPD-Kreis­tags­frak­ti­on ist das The­ma damit noch nicht abge­schlos­sen“, heißt es wei­ter in der Stel­lung­nah­me. Auf Vor­schlag der gera­de wie­der­ge­wähl­ten Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Bri­git­te Czieh­so wer­de die Kreis­tags­frak­ti­on der SPD die Vor­gän­ge in den kom­men­den Wochen „gemein­sam mit Ver­wal­tung auch im Detail auf­be­rei­ten, um dar­aus zu ler­nen und künf­tig ähn­li­che Feh­ler zu ver­mei­den“.

Dass das trau­ri­ge Kapi­tel poli­tisch noch nicht abge­schlos­sen wird – dafür sor­gen aller­dings auch schon Die Grü­nen im Kreis­tag. Sie haben einen Antrag gestellt, die Aus­wir­kun­gen und Kon­se­quen­zen der geschei­ter­ten Frie­sen­dorf-Stif­tung im näch­sten Kreis­tag zu dis­ku­tie­ren. Die Grü­nen fuchst ins­be­son­de­re, dass die SPD-Kreis­tags­frak­ti­on in ihrer ersten Stel­lung­nah­me nach dem Rück­zug des Ehe­paa­res Frie­sen­dorf erklärt hat­ten, dass „das The­ma zwi­schen  Weih­nach­ten und Neu­jahr medi­al eine Auf­merk­sam­keit und Eigen­dy­na­mik ent­wickelt habe, die das Ehe­paar Frie­sen­dorf offen­sicht­lich dazu bewo­gen habe, die Stif­tung zurück­zu­zie­hen“.

Die­se Aus­sa­ge las­se nur die Schluss­fol­ge­rung zu, begrün­den die Grü­nen ihren Antrag, dass nach Auf­fas­sung von CDU und SPD aus­schließ­lich die media­le Bericht­erstat­tung ursäch­lich für den Rück­zug des Ehe­paa­res gewe­sen sei und nicht das Abstim­mungs­ver­hal­ten von SPD und CDU im Kreis­tag.

Die Grünen drängen auf Klärung im Kreistag

Vor­sit­zen­der der Kreis­tags­frak­ti­on Die Grünen/Bündnis 90: Her­bert Gold­mann. (Foto: Die Grü­nen)

Dabei habe sowohl der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Kreis­tags­frak­ti­on Die Grünen/Bündnis 90, Her­bert Gold­mann, als auch die Kreis­ver­wal­tung in der ent­schei­den­den Sit­zung des Kreis­ta­ges deut­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass im Fal­le einer Nega­tiv-Abstim­mung die Ehe­leu­te Frie­sen­dorf ihr Ange­bot nicht wei­ter auf­recht erhal­ten wür­den. In einem Schrei­ben an Land­rat Micha­el Makio­la erin­nern die Grü­nen außer­dem dar­an, dass die SPD und CDU vor der Kreis­tags­sit­zung eine Bera­tung und Ent­schei­dung der Ver­wal­tungs­vor­la­ge mit der Num­mer 100/16 vom 11. August 2016  zur Ein­rich­tung der Stif­tung Frie­sen­dorf in fol­gen­den Sit­zun­gen

  • Aus­schuss für Bil­dung und Kul­tur (25. August)
  • Aus­schuss für Finan­zen, Betei­li­gun­gen und Ver­ga­ben (14. Sep­tem­ber)
  • Kreis­aus­schuss (26. Sep­tem­ber)
  • Kreis­tag (27. Sep­tem­ber)
  • Kreis­aus­schuss (11. Dezem­ber)
  • und schließ­lich im Kreis­tag (12. Dezem­ber)

gezielt ver­hin­dert haben, obwohl spä­te­stens in der Sit­zung des Älte­sten­ra­tes am 8. Dezem­ber sowie im Kreis­aus­schuss am 11. Dezem­ber der Land­rat per­sön­lich, aber auch Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Her­bert Gold­mann aus­führ­lich dar­auf hin­ge­wie­sen hat­ten, dass eine wei­te­re Ver­zö­ge­rung im nach­fol­gen­den Kreis­tag ein Zurück­zie­hen des Stif­tungs­an­ge­bo­tes zur Fol­ge haben wird.

Ausgleichszahlung durch SPD und CDU rechtlich möglich?

Vor die­sem Hin­ter­grund wol­len die Grü­nen von der Kreis­ver­wal­tung außer­dem wis­sen, ob sie die öffent­li­chen Aus­sa­gen der SPD und CDU teilt, dass die Kreis­ver­wal­tung nicht aus­rei­chend infor­miert habe.

Schließ­lich wol­len die Grü­nen auch wis­sen, ob aus Sicht der Ver­wal­tung – unab­hän­gig vom Image­scha­den – einer mög­li­chen Aus­gleichs­zah­lung der CDU- und SPD-Kreis­tags­frak­ti­on in Höhe des Stif­tungs­aus­fal­les recht­li­che Beden­ken ent­ge­gen­ste­hen.

Print Friendly, PDF & Email
visage

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.