Sozialbericht: Stelle der Sozialarbeiterin zur Flüchtlingsbetreuung entfällt

Die Sozialarbeiterin Simone Mijovic (li.), hier mit Clemens Viertmann (FJS), hat zum, 31. März gekündigt. Ihre Stelle soll gestrichen werden. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Die Sozi­al­ar­bei­terin Simone Mijovic (li.), hier mit Cle­mens Viert­mann (FJS), hat zum, 31. März gekün­digt. Ihre Stelle soll gestri­chen werden. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Auch ein Bericht der Ver­wal­tung zur Sozi­al­be­treuung stand auf der Tages­ord­nung im Aus­schuss für Jugend, Familie, Senioren und Gleich­stel­lung. Wie der Bei­geord­nete der Gemeinde, Bernd Kasischke, dar­legte, will die Ver­wal­tung in diesem Bereich unter Strich eine halbe Stelle ein­sparen.

Nach Angaben der Ver­wal­tung betreut die Gemeinde in den fünf Über­gangs­wohn Heimen der­zeit 105 Flücht­linge aus 23 Her­kunfts­län­dern. Diese Betreuung erfolgt in Form ein­fa­cher Unter­stüt­zung durch einen Sozi­al­as­si­stenten sowie durch eine Haus­wartin. Zusätz­lich hat die Gemeinde für eine qua­li­fi­zierte Betreuung noch eine diplo­mierte Sozi­al­ar­bei­ter­stelle ein­ge­richtet.

Die darauf beschäf­tigte Sozi­al­ar­bei­terin Simone Mijovic hat ihren Arbeits­ver­trag bei der Gemeinde zum 31. März gekün­digt, da sie eine Stelle mit höherer Ver­ant­wor­tung bei einem Wohl­fahrts­träger ange­nommen hat.

In der Phase der stark gestie­genen Flücht­lings­zahlen wurde der Fach­be­reich II (Soziale Dienste) um zwei Sozi­al­ar­bei­ter­stellen auf­ge­stockt. Beide Stellen mussten durch eine hohe Per­so­nal­fluk­tua­tion mehr­mals neu besetzt werden. Auf­grund der ange­spannten Arbeits­markt­si­tua­tion war eine Beset­zung der beiden Stellen auch nur mit einer Person mög­lich. Letzt­lich sei die eigent­lich als bis zum Jah­res­ende befri­stet aus­ge­wie­sene Stelle von Simone Mijovic nur mit einem unbe­fri­steten Arbeits­ver­trag zu besetzen gewesen, so der Bei­geord­nete.

Nachdem nun die Flücht­lings­zahlen wieder deut­lich rück­läufig sind, sei es „frag­lich, ob eine der­zeit unbe­fri­stete Sozi­al­ar­bei­ter­stelle für den Asyl­be­reich wei­terhin dau­er­haft benö­tigt wird“, heißt es im Bericht der Ver­wal­tung. Aller­dings: Die Betreuung und Inte­gra­tion der Flücht­linge sei auch eine gesetz­liche Auf­gabe der Gemeinde. 

Caritas bietet Aufstockung auf volle Stelle an

Die halbe Stelle von Chri­stine Adolf vom Cari­tas­ver­band des Kreises Unna soll dafür auf eine volle auf­ge­stockt und zusätz­lich ein Küm­merer ein­ge­stellt werden. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

In Absprache mit der Caritas, die bereits mit Chri­stine Adolf auf einer halben Stelle eine wöchent­liche Sprechstunde/​Betreuung in den Unter­künften an der Bahn­hof­straße anbietet, soll diese des­halb auf eine volle Stelle auf­ge­stockt werden. „Auf der anderen halben Stelle wollen wir dann einen Küm­merer ein­setzen. So wollen wir den Anteil an pro­fes­sio­neller Betreuung erhöhen und uns dabei auch noch einmal mit den ehren­amt­li­chen Hel­fern abstimmen“, erklärte Holzwickedes Bei­geord­neter. Dass dies aller­dings nicht die ganze Wahr­heit ist, wurde klar, nachdem der ehren­amt­liche Flücht­lings­be­treuer Fried­helm Nusch das Wort ergreifen durfte.

Nusch wies darauf hin, dass die Gemeinde für alle Sozi­al­hil­fe­emp­fänger zuständig sei, nicht nur für die Flücht­linge. Für Letz­tere sei die Gemeinde nur solange zuständig, bis sie aner­kannt werden. Ab dann wech­seln sie in einen Rechts­kreis und das Job­center sei zuständig. Dass die Zahl der Flücht­linge gesunken ist, sei auch nur teil­weise richtig. Denn es gebe auch noch 47 aner­kannte Flücht­linge, die von den Ehren­amt­li­chen inzwi­schen in Woh­nungen ver­mit­telt wurden – und auch für diese nun­mehr Sozi­al­hil­fe­emp­fänger sei die Gemeinde noch zuständig. „Diese Men­schen haben dann damit zu tun, womit auch alle anderen Sozi­al­hilfemp­fänger, die auf das Job­center ange­wiesen sind, zu tun haben.“ Die Antrag­stel­lung für Hilfen sei bei­spiels­weise derart kom­pli­ziert, dass auch die deut­schen Ehren­amt­li­chen kom­plett über­for­dert sind. Auch hier leiste Chri­stine Adolf von der Caritas dann Hil­fe­stel­lung.

Das mag viel­leicht keine Inte­gra­ti­ons­ar­beit mehr sein, aber die Men­schen, die diese Hilfe benö­tigen, kommen alle aus Holzwickede“, erin­nert Fried­helm Nusch. „Das Angebot der Caritas, die Stelle aus­zu­weiten, kam bereits bevor Mijovic gekün­digt hat.“ Ihre Stelle und Arbeit sei ja eine Auf­gabe der Gemeinde. Da müsse die Gemeinde sehen, ob und in wel­chem Umfang sie diese Auf­gabe weiter wahr­nehmen möchte. „Die zusätz­liche halbe Stelle der Caritas hat nichts mit dem Sozi­alamt der Gemeinde zu tun.“

Ähn­lich sah es auch die SPD-Frak­tion. „Wir können das nur unter­stützen“, so Till Knoche. „Jeder, der schon mal einen sol­chen Antrag aus­ge­füllt hat, weiß wie kom­pli­ziert das ist. Es wäre falsch, sich völlig aus der Betreu­ungs­ar­beit zu ver­ab­schieden. Wir ver­lieren sonst noch mehr den Kon­takt zu den Men­schen, wenn wir uns auf die reine Bewil­li­gung von Lei­stungs­bezug zurück­ziehen.“ Außerdem sei die Gemeinde ja schon von zwei Stellen in diesem Bereich eine gestri­chen.

Holzwickedes Bei­geord­neter erin­nerte daran, dass die Stelle ohnehin nur bis Jah­res­ende befri­stet war – auch wenn die Stel­len­in­ha­berin einen unbe­fri­steten Ver­trag hatte. „Anders war das damals nicht machbar.“ Außerdem ver­sprach Bernd Kasischke: „Wir werden die Betreuung der Men­schen nicht ganz aus der Hand geben und auch eine ent­spre­chende Ver­ein­ba­rung mit der Caritas treffen.“

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