Siegerentwurf gefunden: Neues Rat- und Bürgerhaus wird Optik der Mitte verändern

Dieser Entwurf der Stuttgarter Architekten Bez und Kock ging als Sieger aus dem Wettbewerb hervor: So soll das neue Rat- und Bürgerhaus aussehen. (P. Gräber – Emscherblog.de)

Der Siegerentwurf für das neue Rat- und Bürgerhaus, das als Erweiterung neben dem alten Rathaus am Markt errichtet werden soll, ist gefunden. Das mit neun Mitgliedern besetzte Preisgericht einigte sich einstimmig auf einen Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Bez und Kock. Insgesamt reichten 13 Planerbüros ihre Entwürfe im Rahmen des Architekturwettbewerbs ein. Neben dem Siegerentwurf vergab das Preisgericht zwei zweite Preise sowie einen Sonderpreis (Ankauf).

Beim Siegerentwurf der Stuttgarter Architekten Bez und Kock war sich das Preisgericht von Anfang an in allen Punkten einig: Nach Ansicht der Juroren legt sich hier die winkelförmige Anlage des Erweiterungsbaus besonders schön um das bestehende Rathaus und ermöglicht sogar auch einen kleinen begrünten Innenhof. Die gewählten Fassaden passen sehr gut zu dem historischen Rathaus und verbinden Denkmal und Neubau in vorbildlicher Weise.

Um gleich mit einem beliebten Vorurteil aufzuräumen: „Es ist nicht unbedingt gesagt, dass der Siegerentwurf auch umgesetzt wird“, bestätigt Sandra Trelle vom Dortmunder Büro Compar, das den Wettbewerb ebenso wie die das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für die Gemeinde Holzwickede begleitete. Alle interessierten Bürger können sich in den nächsten zwei Wochen selbst ein Bild von der Qualität der eingereichten Entwürfe für das Rat- und Bürgerhaus machen. Sie sind während der üblichen Dienststunden in der Rausinger Halle ausgestellt. Für Rückfragen stehen auch sachkundige Mitarbeiter bereit.

Das Rat- und Bürgerhaus sollte barrierefrei und funktional sein. Es muss zu den Menschen in dieser Gemeinde passen, schön, aber gleichzeitig auch bezahlbar sein.“

Bürgermeisterin Ulrike Drossel

Mitglieder des Preisgerichts, v.l.: Kämmerer Rudi Grümme, Fachausschussvorsitzender Wilfried Brinkmann, Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Leiter Technische Dienste Uwe Nettlenbusch und Prof. Andreas Fritzen als Vorsitzender des Preisgerichts, hier mit einem Modell des Gesamtensembles der Gemeindemitte. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Bürgermeisterin Ulrike Drossel erinnerte bei der offiziellen Vorstellung der Entwürfe heute (16. Januar) noch einmal daran, warum das neue Rat- und Bürgerhaus gebaut werden soll: Das Rathaus ist mit seinen 101 Jahren für die Verwaltungsmitarbeiter längst zu klein geworden, aber auch nicht besonders bürgerfreundlich und barrierefrei erreichbar. Darum hat bei der Planung des Neubau jetzt „auch das Bürgerhaus eine besondere Wertigkeit“ gehabt, wie die Bürgermeisterin betonte. „Wir haben aus vielen guten Entwürfen die ausgesucht, die uns am geeignetsten und passendsten erschienen.“ Was dem Preisgericht bei der Entscheidung für die Siegerentwürfe wichtig war, umschreibt Holzwickedes Bürgermeisterin so: „Das Rat- und Bürgerhaus sollte barrierefrei und funktional sein. Es muss zu den Menschen in dieser Gemeinde passen, schön, aber gleichzeitig auch bezahlbar sein.“ Alle vier preisgekrönten Entwürfe sollen innerhalb des gesteckten Finanzrahmens von neun Millionen Euro realisierbar sein.

Neubau soll vor allem auch ein Bürgerhaus sein

Mit dem Bau des neuen Rat- und Bürgerhauses werde sich nicht nur die Optik der Gemeindemitte entscheidend verändern, so Ulrike Drossel. Für die Mitarbeiter werden auch die Arbeitsabläufe verbessert. Vor vielen Jahren schon habe die Gemeinde damit begonnen, im Umfeld des Rathauses Wohnhäuser aufzukaufen, um darin Büros für die Verwaltung unterzubringen. „Und wie das so ist, dauern Provisorien meist länger, als man anfangs gedacht hat.“ Nun, da die Gemeinde mit Fördermitteln für den Erweiterungsbau rechnen könne und auch die Zinssituation mehr als günstig sei, wolle man „die Chance nutzen und auch für die Bürger in der Gemeinde mehr Annehmlichkeiten schaffen“.

Dieser Entwurf der Dortmunder Architekten Schamp & Schmalöer kam auf den zweiten Platz. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

So soll der geplante Erweiterungsbau auch einen großen Bürgersaal für Veranstaltungen erhalten sowie einen Bürgerraum, in dem sich Vereine, Initiativen oder einzelne Bürger treffen können sowie selbstverständlich öffentliche Toiletten. Das Bürgerhaus soll auch außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich sein.

Der Vorsitzende des Preisgerichts, Prof. Andreas Fritzen, wies anschließend auf einige Aspekte hin, die das neunköpfige Preisgericht und die elf weiteren, nicht stimmberechtigten Berater zu ihrer Entscheidung bewogen haben. Zwar wurde der Siegerentwurf einstimmig gekürt. Es gab allerdings vier gute Entwürfe, zwischen denen die Entscheidung nicht so leicht zu treffen war, wie Prof. Fritzen darlegte. Deshalb entschied das Preisgericht auch, den vierten Entwurf des Büros HWR Dortmund mit einem Sonderpreis auszuzeichnen (Ankauf). „Insgesamt hat der Wettbewerb hier ein sehr gutes Ergebnis geliefert“, glaubt Prof. Fritzen.

Ebenfalls auf Platz zwei wurde dieser Entwurf des Büros gewählt. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de

Mit einem zweiten Preis wurde der Entwurf der Dortmunder Architekten Schamp & Schmalöer (Code 1007 in der Ausstellung) ausgezeichnet. An diesem Entwurf überzeugte die Jury vor allem, dass die Planer das Rat- und Bürgerhaus so über Eck anbauen, dass ein zweiter Platz in der Mitte entsteht und auch Zugänge von zwei Seiten ermöglicht werden. „Diesen Entwurf sollten wir unbedingt noch weiter diskutieren“, empfiehlt Prof. Fritzen.

Ebenfalls auf einen zweiten Platz kam der Entwurf des Büros HIIIS Stuttgart (Code 1006). An ihm gefiel dem Preisgericht besonders der niedrige, eingeschossige Gebäudeteil, in dem der Sitzungssaal und die Räume für die parlamentarischen Gremien untergebracht werden.

Das weitere Verfahren nach dem Wettbewerb

Soll soll sich der Neubau (Mitte) ins Gesamtensemble einfügen. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Das weitere Verfahren sieht nun vor, dass mit den Büros der vier Gewinner weitere vertiefende Gespräche über deren Planungen geführt werden. Dazu gehört eine Detailkritik ebenso wie ein Honorarangebot. Das Ergebnis werden konkretisierte und überarbeitete Entwürfe sein und schließlich die finale Entscheidung und der Zuschlag für einen der Entwürfe. Vermutlich wird der Zuschlag auf Grundlage des Siegerentwurfs erfolgen, was allerdings nicht zwingend nötig sein muss. Der endgültige Entwurf wird anschließend den politischen Gremien präsentiert, die dann auf dieser Basis den Auftrag vergeben. „Wir stehen also erst noch ganz am Anfang des Verfahrens“, betont Sandra Trelle vom Büro Compar.  „Es wird sich auch sicher noch einiges ändern.“ Als Zeitschiene für das weitere Verfahren nannte sie „zwei bis drei Monate“. Damit könnte also noch vor der Sommerpause der endgültige Entwurf für das neue Brat- und Bürgerhaus verabschiedet werden.

Hintergrund: Architektenwettbewerbe werden zumeist bei öffentlichen Bauvorhaben ausgeschrieben. Sie sind eine Leistungsschau für die Architekten und Städteplaner. Die Preisgerichte urteilen anonym, d.h. sie wissen nicht, von wem die zu beurteilenden Entwürfe stammen. Die teilnehmenden Architekten erhalten in den Wettbewerben nur dann Geld, wenn sie unter den Preisträgern sind.  Im vorliegenden Wettbewerb gibt es für den Sonderpreis (Ankauf) 6.000 Euro, für die beiden zweiten Plätze jeweils 14.000 Euro sowie für den Siegerentwurf 26.000 Euro. „Diese Preisgelder sowie das ganze Verfahrens sind ebenfalls förderfähig“, wie Bürgermeisterin Ulrike Drossel versichert.

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Dipl.-Journalist

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