Scheuendes Pferde verletzt Halterin: 300 Euro Geldstrafe für Treckerfahrer

Ein 67-jähriger Rent­ner und ehe­ma­liger Land­wirt aus Holzwickede hat­te sich heute (22. März) vor dem Amts­gericht in Unna wegen uner­laubten Ent­fer­nens vom Unfal­lort zu ver­ant­worten.

Doch über das, was sich am Vor­mit­tag des 29. April 21015 auf der Tal­straße in Hengsen ereignete, gin­gen die Aus­sagen der beteiligten Parteien ziem­lich auseinan­der:  Die Geschädigte und ihre Stall­fre­undin erk­lärten heute im Zeu­gen­stand, dass sie ihre bei­den Pferde an jen­em Tag auf der schmalen Tal­straße zu Fuß an ein­er soge­nan­nten Hengst-Kette führten, als der 67-Jährige auf seinem Treck­er mit hohem Tem­po ange­fahren kam und erst kurz vor ihnen und ihren Pfer­den stoppte.

Ihre Pferde hät­ten daraufhin gescheut und das Pferd ihrer Bekan­nten habe sie umge­wor­fen als es durchging, so die Geschädigte. „Ich bin dann mit dem Hin­terkopf auf die Straße geschla­gen und zunächst benom­men liegen geblieben.“  Ihre Stall­fre­undin und ein weit­er­er unbeteiligter Zeuge, der das durchge­gan­gene Pferd wieder ein­f­ing, bestätigten diesen Sachver­halt im Kern. Der Angeklagte sei nach dem Vor­fall auch nicht von seinem Treck­er abgestiegen, son­dern langsam an der am Boden liegen­den Frau vor­bei und dann mit hohem Tem­po davonge­fahren.

Ich bin dann mit dem Hin­terkopf auf die Straße geschla­gen und zunächst benom­men liegen geblieben.“

Geschädigte im Zeu­gen­stand

Erst etwa eine Dreivier­tel­stunde später sei der 67-Jährige dann mit seinem Sohn auf dem Reit­er­hof erschienen,  wo sich ein heftiges Wort­ge­fecht zwis­chen den Beteiligten entwick­elte. Erst danach rief die rief die Geschädigte, die zwis­chen­zeitlich mit ihrem Mann tele­foniert hat­te, die Polizei und begab sich in ärztliche Behand­lung, weil sie über heftige Kopf­schmerzen und Übelkeit klagte. Die Ärzte diag­nos­tizierten bei ihr u.a. ein HWS-Syn­drom und eine Prel­lung am Kopf und schrieben sie wochen­lang krank, weshalb schließlich sog­ar ihren Arbeit­splatz ver­lor, wie die Geschädigte heute vor Gericht erk­lärte.

Pferde scheute vor dem nahenden Trecker

Der 67-jährige Angeklagte schilderte den Tather­gang allerd­ings ganz anders. Die Pferde hät­ten wohl tat­säch­lich vor seinem Treck­er gescheut. Er sei jedoch nicht zu schnell gefahren, son­dern habe sog­ar rechtzeit­ig vor den bei­den Frauen mit ihren Pfer­den ange­hal­ten. Doch die Pferde seien von ihren Hal­terin­nen nicht kor­rekt geführt wor­den. Die Pferde hät­ten auch nicht am Fahrbah­n­rand, son­dern quer auf der Fahrbahn ges­tanden, als er sich näherte. Wären die Pferde statt nur an ein­er Führleine kor­rekt mit Halfter und Trense geführt wor­den, hät­ten die Frauen die Pferde bess­er unter Kon­trolle gehabt, als er sich mit seinem Treck­er langsam näherte.

Von seinem Treck­er sei er nicht abgestiegen, weil die Geschädigte sofort wieder aufge­s­tanden sei und sich erst später wieder auf den Boden gelegt hätte. Er selb­st sei stark gehbe­hin­dert und habe darum nicht vom Treck­er absteigen kön­nen. Zudem hät­ten sich die bei­den anderen Zeu­gen ja auch schon um die Geschädigte geküm­mert.

Zur Frage, ob das Geräusch eines Treck­er schon aus­re­icht, um ein Pferd scheuen zu lassen und die Frauen ihre Pferde richtig geführt haben oder bei Nutzung von Halfter und Trense das Durchge­hen eines der Pferde hätte ver­hin­dert wer­den kön­nen, beantragte sein Vertei­di­ger ein Gutacht­en ein­holen zu lassen.

Gutachten hätte auch keine Klarheit gebracht

Dazu kam es allerd­ings nicht mehr. Nach Rück­sprache und kurz­er Beratung der Prozess­beteiligten stellte Richter Jörg Granseuer das Ver­fahren gegen Zahlung ein­er Geld­strafe von 300 Euro durch den Angeklagten an das Leben­szen­trum Königs­born ein. Der Richter begrün­dete seine Entschei­dung damit, dass der Zwis­chen­fall im April vorigen Jahres zwar schwere Fol­gen für die Geschädigte hat­te. Eine Verurteilung des Angeklagten wegen fahrläs­siger Kör­per­ver­let­zung komme aber auf­grund der unklaren Beweis­lage nicht in Betra­cht. Daran würde wohl auch ein Gutacht­en und die erneute Vernehmung der Zeu­gen nichts ändern. Soweit es aber das uner­laubte Ent­fer­nen vom Unfal­lort ange­ht, für das weit­ere Fest­stel­lun­gen vor Ort notwendig gewe­sen wären, han­dele es sich jedoch um eine gerin­gere Schuld des Angeklagte.

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visage

Dipl.-Journalist

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