Scheiß Ausländer“ nach Unfall kostet Holzwickeder 600 Euro

Es hät­te ein Aller­welts­un­fall blei­ben kön­nen, wie er sich lei­der immer wie­der im Stra­ßen­ver­kehr ereig­net:  Im März vori­gen Jah­res waren sich zwei Lie­fer­wa­gen auf einer schma­len Wald­stra­ße in Frön­den­berg begeg­net und hat­ten sich an den Außen­spie­geln tou­chiert.

Doch im Streit dar­über, wer an die­sem Unfall Schuld ist, soll ein 53-jäh­ri­ger Fah­rer aus Holzwicke­der völ­lig aus der Rol­le gefal­len sein und sei­nen Unfall­geg­ner mit „Scheiß Aus­län­der!“ und „A…loch!“ belei­digt haben. Oben­drein soll er ver­sucht haben, ihm einen Kopf­stoß zu ver­pas­sen. Bei­des brach­te den Holzwicke­der jetzt auf die Ankla­ge­bank des Amts­ge­rich­tes, wo er sich wegen Belei­di­gung und Nöti­gung zu ver­ant­wor­ten hat­te.

Der eigent­li­che Unfall spiel­te vor Gericht kei­ne Rol­le mehr. Zivil­recht­lich wur­de er gere­gelt, wie es in sol­chen Fäl­len üblich ist: Schuld und Scha­den wur­den red­lich geteilt. In der Ver­hand­lung ging es ein­zig und allein noch um das Gesche­hen nach dem Unfall.

Beleidigung und Nötigung

Der Ange­klag­te bestritt den Ankla­ge­vor­wurf rund­weg: „Ich habe kei­ne Kopf­nuss gege­ben und auch nicht belei­digt. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“ Da bei­de Fah­rer jeweils auch Bei­fah­rer hat­ten, gab es wei­te­re Zeu­gen, die zum Sach­ver­halt befragt wer­den konn­ten. Der Bei­fah­rer des Geschä­dig­ten bestä­tig­te des­sen Aus­sa­ge: Erst habe es ein laut­star­kes Wort­ge­fecht gege­ben. Plötz­lich sei der Holzwicke­der auf sei­nen Kol­le­gen los­ge­stürmt, habe ihn mit den genann­ten Wor­ten belei­digt und auch ver­sucht, ihn mit einem Kopf­stoß zu ver­let­zen.

Auch sein Kol­le­ge und Fah­rer hat­te zuvor kei­nen Zwei­fel dar­an gelas­sen, dass es der Ver­such eines absicht­li­chen Kopf­sto­ßes gewe­sen sei und kein zufäl­li­ges Nicken: „Ich kom­me aus dem Kampf­sport und war Rin­ger“, so der Zeu­ge zum Rich­ter. „Ich weiß genau, was eine Kopf­nuss ist und konn­te gera­de noch aus­wei­chen.“

Völlig unangemessenes Verhalten“

Der Bei­fah­rer des Ange­klag­ten konn­te nicht viel zum Sach­ver­halt bei­tra­gen. Er hat­te zwar auch das laut­star­ke Wort­ge­fecht gehört, woll­te aber nichts vom wei­te­ren Gesche­hen mit­be­kom­men haben, weil mit sei­nem Chef und der Fir­ma tele­fo­nier­te wegen des Unfalls.

Gegen den Ange­klag­ten spra­chen aus Sicht des Gerichts nicht nur die glaub­wür­di­gen bei­den Zeu­gen­aus­sa­gen, son­dern auch sei­ne ins­ge­samt zehn Vor­stra­fen, dar­un­ter ein­schlä­gi­ge. „Für mich besteht kein Zwei­fel, dass sich das Gan­ze genau so abge­spielt hat, wie in der Ankla­ge dar­ge­stellt“, erklär­te Rich­ter Chri­sti­an Johann in sei­ner Urteils­be­grün­dung und ver­ur­teil­te den Holzwicke­de zu einer Gesamt­stra­fe von 60 Tages­sät­zen a‘ zehn Euro, zahl­bar in Raten für sein „völ­lig unge­mes­se­nes Ver­hal­ten“.

Die rela­tiv gerin­ge Geld­stra­fe dürf­te den 53-Jäh­ri­gen den­noch hart tref­fen, da er zur­zeit krank­ge­schrie­ben ist und auf­grund beson­de­rer Umstän­de über kei­ner­lei Ein­künf­te ver­fügt.

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visage

Dipl.-Journalist

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