Römische Legionäre und Schotten erobern Emscherpark im Handstreich

Bürgermeisterin Ulrike Drossel hatte sichtlich Spaß bei der Eröffnung des historischen Lagers am Samstag im Emscherpark. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Bürgermeisterin Ulrike Drossel hatte sichtlich Spaß bei der Eröffnung des historischen Lagers am Samstag im Emscherpark. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Eine ungewöhnliche Optik bot der Emscherpark an diesem Wochenende: Zwischen Zelten, die so gar nicht nach modernem Camping aussahen, spazierten merkwürdig gekleidete Frauen, Männer und Kinder herum, Männer in Schottenröcken kreuzten den Weg mit exerzierenden römischen Soldaten, junge Frauen in langen Gewändern spannen Wolle am Spinnrad oder kochten Tee auf offenem Feuer: Ein historisches Lager hatte sich am Wochenende (21.-23. September) im Emscherpark niedergelassen.

Bereits am Freitagnachmittag waren die ersten Teilnehmer angerückt und hatten ihre Zelte und Gerätschaften aufgebaut. Manchen Holzwickedern mag das merkwürdige Treiben bekannt vorgekommen sein: Angelika Hartjenstein, die Vorsitzende des Fördervereins der Josef-Reding-Schule, hatte bereits im Vorjahr ein historisches Lager als Beitrag zum Holzwickeder Sommer organisierte. In diesem Jahr setzte sie das Projekt mit Unterstützung der Gemeinde erstmalig als eigenständige Veranstaltung fort. Hartjenstein  betreibt selbst das authentische Nachspielen von historischen Epochen, neudeutsch auch als Reenactment bezeichnet, in ihrer Freizeit. Was alle ihre Mitstreiter auszeichnet: Sie üben ihr Hobby mit fast wissenschaftlicher Akribie wahr und legen größten Wert auf historische Korrektheit.  

Bewohner beantworten bereitwillig alle Fragen

Zum Auftakt des historischen Lagers am Samstag gegen 14 Uhr spielten mittelalterlich gekleidete Mönche und Nonnen eine Andacht nach. Anschließend eröffnete Bürgermeisterin Ulrike Drossel, die sichtlich Spaß an diesem Termin hatte, das historische Lager. Kein Wunder: Schließlich wird nicht jede ihrer Reden von einer Harfespielerin eingeleitet. Dazu marschierte ein kleiner Trupp römischer Soldaten samt Centurion auf die Boule-Anlage und ein mittelalterlicher Herold ließ mit seinem Organ sogar den Ausfall der Lautsprecheranlage vergessen.

Der Herold und auch Ulrike Drossel appellierten an die umstehenden Zuschauer jede Scheu abzulegen und auf Bewohner des historischen Lagers zuzugehen und Fragen zu stellen. „Wir freuen uns darüber“, betonte der Herold. Nach der einleitenden kleinen Modenschau nahmen die Holzwickeder diese Aufforderung auch gerne an und gingen auf die Bewohner des Lagers zu, um sich die alten Handwerkstechniken erklären zu lassen oder Fragen zu den verschiedenen Epochen zu stellen.

An beiden Tagen waren im Programm auch noch historische Tänze und Erzählungen vom Geschichten-Erzähler Tandaniel vorgesehen. Am Sonntagnachmittag rückte das historische Lager schließlich wieder ab.

Schade nur, dass das schlechte Wetter am zweiten Veranstaltungstag auf die Stimmung drückte und viele Holzwickeder von einem Besuch abhielt. Denn diese erlebenswerte Veranstaltung hätte besseres Wetter verdient gehabt. Doch möglicherweise war es ja nicht das letzte historische Lager im Emscherpark.

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Dipl.-Journalist

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